Gedankenraum
DenkerVita·16. Juli 2026

Anja Dahlmann — DenkerVita

Rüstungskontrolle an der Front der KI: Anja Dahlmann hält ein Verbot autonomer Waffen für Wunschdenken und arbeitet daran, dass die Entscheidung über Leben und Tod beim Menschen bleibt.

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Käthe Kollwitz — Kohle und Lithografie, schwere schwarze Striche, tiefes Mitgefühl. Eine Frau stellt sich schützend zwischen die Menschen und einen Himmel voller Drohnen — Dahlmanns humanitäre Rüstungskontrolle als Geste, nicht als Paragraf.

Prompt: Charcoal and lithograph drawing in the style of early 20th century German expressionist printmaking: a woman seen from behind with focused, serious posture standing protectively between a group of huddled civilians and a dark sky full of small angular drone silhouettes; her outstretched arm holds them back; heavy expressive black strokes, warm grey paper tone, deep compassion and quiet resolve, no photorealism, no text, no signature, no lettering, wide banner composition

Biographischer Snapshot

Wer spricht?

Anja Dahlmann — Politikwissenschaftlerin und Rüstungskontrollexpertin am Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg (IFSH), wo sie das Berliner Büro des Transferprojekts Arms Control and Emerging Technologies leitet.

Ihr Feld ist die humanitäre Rüstungskontrolle an der vordersten technologischen Front: autonome Waffensysteme (LAWS) und militärische Anwendungen künstlicher Intelligenz. Zuvor leitete sie an der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) das International Panel on the Regulation of Autonomous Weapons (iPRAW) und beriet Bundestag und Bundesregierung. Sie verfolgt seit Jahren die internationalen Verhandlungen bei der UN-Waffenkonvention (CCW).

Kernkonzepte: menschliche Kontrolle über Waffengewalt, präventive Regulierung, feministische Rüstungskontrolle, die Hemmschwelle zum Krieg im Zeitalter der KI


Biografie

Anja Dahlmann studierte Politikwissenschaft mit dem Zusatz internationales und europäisches Recht an der Universität Göttingen (M.A. 2013). Ihre Doktorarbeit — betreut von Elvira Rosert — untersucht, wie im internationalen System überhaupt Normen für autonome Waffensysteme entstehen: der zähe, oft blockierte Prozess, mit dem die Staatengemeinschaft versucht, einer Technologie voraus zu sein, statt ihr hinterherzulaufen.

An der SWP leitete sie das Projekt iPRAW, ein internationales Expertengremium zur Regulierung autonomer Waffen. Seit Oktober 2021 ist sie am IFSH tätig und leitet dessen Berliner Büro. Sie berät regelmäßig Parlament und Regierung, tritt in den Medien (ZDF heute journal, Deutsche Welle) auf und begleitet die deutsche Debatte um bewaffnete Drohnen und das europäische Luftkampfsystem FCAS. Ihre Position ist die einer nüchternen Realistin: Ein umfassendes Verbot autonomer Waffen hält sie für Wunschdenken — deshalb konzentriert sie sich auf das durchsetzbar Wichtigste, die menschliche Kontrolle über die Entscheidung, Gewalt anzuwenden.


Publikationen & Studien

TitelJahrBeschreibung
Mind over Metal: Public Opinion on Autonomous Weapons in the US, Brazil, Germany, and China2026Vergleichende Studie zur öffentlichen Meinung über autonome Waffen (International Studies Quarterly)
Digital Battlefield: Concept, Technology and Prospects2024Kapitel im Research Handbook on Warfare and Artificial Intelligence (mit E. Hoffberger-Pippan)
Für eine gerechtere und friedlichere Welt: Warum Rüstungskontrolle konsequent feministisch sein muss2024IFSH Policy Brief 1/2024 (mit Sina Brauer)
Drones and Lethal Autonomous Weapon Systems2022Springer-Kapitel in Armament, Arms Control and Artificial Intelligence
Rüstungskontrolle in der Nationalen Sicherheitsstrategie2022IFSH Policy Brief 2/2022 (mit Ulrich Kühn)
Präventive Regulierung autonomer Waffensysteme2019SWP-Studie zur vorausschauenden Regulierung
Stellungnahme: Autonome Waffensysteme und menschliche Kontrolle2023Schriftliche Sachverständigen-Stellungnahme für den Bundestag

(Dahlmann publiziert wissenschaftlich und als Politikberaterin — keine Publikumsbücher, daher direkte Links statt Buchhandels-Suche.)


Empfehlenswerte Videos & Vorträge


Kernthesen


Politische / ideologische Einordnung

Dahlmann argumentiert als wissenschaftliche Politikberaterin aus der Friedens- und Konfliktforschung — kein parteipolitisches Mandat, aber eine erkennbare normative Grundhaltung: humanitäre Rüstungskontrolle, Vorrang menschlicher Verantwortung vor technologischer Effizienz, feministische Sicherheitsperspektive. Zugleich betont sie die realpolitische Grenze des Machbaren und lehnt Verbotsromantik ab — eine Position zwischen ethischem Anspruch und diplomatischer Nüchternheit.


Verbindungen zu anderen Denkern


Gedankenwelten-Notes

Im Bestand

Senkt KI die Hemmschwelle…Dahlmann und Kuhle auf der…Sergey LagodinskyDenkerVita

zwei gedachte Verweise

verlinktdieselbe Quelle, nie verlinkt
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