Wer ist das?

Arnd Henze (25. September 1961, Einbeck) — Evangelischer Theologe, investigativer WDR-Journalist und öffentlicher Intellektueller an der Schnittstelle von Medien, Theologie und Demokratie. Bekannt durch präzise Analysen des christlichen Nationalismus und der antidemokratischen Strömungen im deutschen Protestantismus.

Wichtigste Werke: Kann Kirche Demokratie? Wir Protestanten im Stresstest (2019), Mit Gott gegen die Demokratie (2026).

Biografie

Arnd Henze wurde am 25. September 1961 in Einbeck, Niedersachsen, geboren. Er studierte evangelische Theologie und ökumenische Theologie in Göttingen und Heidelberg, schloss sein Studium an der Graduate Theological Union der UC Berkeley in den USA ab — eine Prägung, die seinen transatlantischen Blick auf Religion und Demokratie dauerhaft formte.

Schon als 17-Jähriger begann er beim NDR in der Jugendsparte zu arbeiten. Parallel zum Studium, das er 1982/83 durch einen freiwilligen Dienst bei Aktion Sühnezeichen/Friedensdienste unterbrach, entwickelte er seine journalistische Sprache. Sein frühes Interesse an der theologischen Mittäterschaft beim Nationalsozialismus mündete 1987 in eine Studie über die Kontinuität antisemitischer Theologien in der Nachkriegszeit — ein Thema, das ihn nie losließ.

Seit 1992 arbeitet er beim WDR als Redakteur und Reporter, zunächst mit dem Schwerpunkt investigative Reportage. Von 2012 bis 2019 war er Korrespondent im ARD-Hauptstadtstudio und verantwortlich für Außenpolitik; er berichtete aus zahlreichen Krisenregionen der Welt. Seit 2020 ist er Mitglied der EKD-Synode — ein ungewöhnlicher Schritt für einen Journalisten, der sein kirchenpolitisches Engagement damit institutionell verankerte.

Seine Dokumentarfilme wurden mehrfach ausgezeichnet: der Marler Fernsehpreis für Menschenrechte (2003), der Concordia-Preis für Presse- und Informationsfreiheit (2018), der „Andere Zeiten”-Journalistenpreis und der DGIM-Medienpreis für seine Corona-Dokumentation (2021), der Medienpreis Wirtschaft NRW (2022).

Bücher & Publikationen

Empfehlenswerte Videos & Vorträge

Kernthesen

  1. Antidemokratisches protestantisches Erbe: Der deutsche Protestantismus war bis 1933 „durch und durch antidemokratisch” — Monarchietreue, Nationalismus, Antisemitismus prägten die Mehrheit. Dieser Bruch wurde nach 1945 nicht konsequent aufgearbeitet und wirkt in Frömmigkeitsmilieus fort.

  2. Christlicher Nationalismus als globale Rachebewegung: Die weiße evangelikale Allianz mit Trump ist nicht primär wirtschaftlich motiviert, sondern emotional-ressentimenthaft — Rache für ein Jahrhundert emanzipatorischer Bewegungen (Bürgerrechte, Feminismus, LGBTQ*, Säkularisierung).

  3. Bonhoeffer als Verfügungsmasse: Durch die Entkernung Bonhoeffers zur inhaltslosen Ikone — Kalender-Zitate ohne Kontext, Che-Guevara-Haftung — wurde er für jeden verfügbar, der Widerstandsrhetorik braucht. Die Verantwortung dafür liegt auch beim liberalen Milieu.

  4. Religion als Brandbeschleuniger UND Ressource: Religion wird gefährlich, wenn sie politische Gegner zu Feinden Gottes erklärt. Sie wird wertvoll, wenn sie zum gewaltfreien Widerstand motiviert — Bürgerrechtsbewegung, Bonhoeffer selbst.

  5. Methode vor Zitat: Bonhoeffers eigentliches Erbe ist nicht seine Rhetorik, sondern seine Methode — Realität scharf analysieren, dann sprechen. Wer ihn wirklich versteht, zitiert ihn vielleicht seltener.

Politische Einordnung

Liberal-progressiv, aber aus theologischer Tiefenschärfe — nicht flacher Säkularität. Strikt für Rechtsstaat und Menschenrechte; gegen Populismus, Nationalismus, Antisemitismus. Intern-kritisch gegenüber dem deutschen Protestantismus, ohne ihn aufzugeben. Transatlantisch vernetzt (Berkeley, Yale, Bonhoeffer Society).

Verbindungen zu anderen Denkern

(wird von Montaigne befüllt)

Gedankenwelten-Notes