Biographischer Snapshot
Wer spricht?
Christof Spitz (geb. 1955 in Dortmund) ist Tibetologe, buddhistischer Lehrer — und seit über drei Jahrzehnten die deutsche Stimme des Dalai Lama. Von 1991 an dolmetschte er ihn bei fast jedem Deutschlandbesuch aus dem Tibetischen. Er lebte 14 Jahre als Mönch, baute das Tibetische Zentrum Hamburg mit auf, leitete es bis 2014 und mitbegründete 2013 das Netzwerk Ethik heute. Wenn er über die säkulare Ethik des Dalai Lama spricht, spricht kein Beobachter, sondern jemand, der jahrzehntelang unmittelbar neben dieser Stimme saß.
Biografie
Den Zugang zum Buddhismus fand Christof Spitz in den 1970er Jahren als Student in Aachen — „die Zeit der Hippies, als viele nach Sinn und Orientierung suchten”. Ein Fernsehbericht über den Dalai Lama entzündete den Funken. 1979 zog er nach Hamburg, um Tibetisch und Buddhismus zu studieren, und schloss sich der jungen Gemeinschaft um den tibetischen Gelehrten und Meditationsmeister Geshe Thubten Ngawang an, den geistlichen Leiter des Tibetischen Zentrums.
1981 nahm Spitz die volle Ordination an und lebte dreizehn Jahre als Mönch — an der Seite seines Lehrers, Tibetisch lernend, die klassische tibetische Debatte übend, täglich im Unterricht. 1994 endete diese Phase, wie er später offen erzählte: „Dann verliebte ich mich in eine Frau und folgte meinen Emotionen.” Aus dem Mönch wurde ein Lebensweltlicher, der dem Dharma dennoch verbunden blieb — nun als Vermittler, Übersetzer und Lehrer.
Der Wendepunkt zur ungewöhnlichsten seiner Rollen kam 1991: Beim Hamburg-Besuch des Dalai Lama war Spitz derjenige mit den besten Tibetisch-Kenntnissen. Von da an begleitete er den Friedensnobelpreisträger über dreißig Jahre lang auf seinen Deutschlandreisen — als seine deutsche Stimme. Gemeinsam mit Geshe Thubten Ngawang konzipierte, übersetzte und lehrte er das Systematische Studium des Buddhismus, das seit 1988 die Essenz des jahrelangen tibetischen Klosterstudiums für westliche Schüler zugänglich macht. 2007 wurde er Geschäftsführer des Tibetischen Zentrums Hamburg, das er bis 2014 als Seminarleiter und Geschäftsführer prägte.
Öffentliche Arbeit, Kanäle & Engagement
| Tibetisches Zentrum Hamburg | Mitaufbau seit 1979, Geschäftsführer 2007–2014; buddhistische Studien- und Meditationseinrichtung unter der Schirmherrschaft des Dalai Lama — tibet.de |
| Dolmetscher des Dalai Lama | Seit 1991 deutsche Stimme des Dalai Lama auf fast allen Deutschlandreisen (über 30 Jahre) — dalailama-hamburg.de |
| Netzwerk Ethik heute | Mitbegründer 2013; säkularer Ethik-Ansatz, interdisziplinäres „Weisheitstraining” aus Achtsamkeit, Meditation, Philosophie, Wissenschaft und Psychologie — ethik-heute.org |
| Übersetzer klassischer Texte | Übersetzte im Rahmen des traditionellen Philosophiestudiums am Tibetischen Zentrum die Belehrungen zu den fünf klassischen Hauptgebieten des Geshe-Studiums (Pramana, Paramita, Madhyamaka, Vinaya, Abhidharma) |
| Freier Lehrer | Lehrt buddhistische Philosophie und Meditation |
Empfehlenswerte Videos & Vorträge
- Für mehr Mitgefühl! Die säkulare Ethik des Dalai Lama — Vortrag für Netzwerk Ethik heute (Mai 2025): Spitz entfaltet die Idee einer Ethik jenseits von Religion, gegründet auf Mitgefühl und dem Handeln zum Wohl des Ganzen.
- Christof Spitz — Wissenschaft und Spiritualität (Online-Symposium) — Beitrag zum Dialog von Naturwissenschaft und kontemplativer Praxis.
Kernthesen
- Ethik braucht keine Religion. In der Nachfolge des Dalai Lama vertritt Spitz eine säkulare Ethik — ein Fundament menschlicher Werte, das für Gläubige aller Konfessionen und für Nichtgläubige gleichermaßen tragfähig ist. Mitgefühl ist keine Glaubensfrage, sondern eine menschliche Grundausstattung.
- Mitgefühl ist trainierbar. Ethisches Handeln ist keine angeborene Fixgröße, sondern eine Fähigkeit, die durch Übung — Achtsamkeit, Meditation, Reflexion — kultiviert werden kann. Das Netzwerk Ethik heute überträgt diese Idee als interdisziplinäres „Weisheitstraining” in den säkularen Alltag.
- Der Dharma muss in die westliche Kultur verpflanzt werden. Im Geist seines Lehrers Geshe Thubten Ngawang versteht Spitz Übersetzung nicht als Wort-für-Wort-Transfer, sondern als kulturelle Verpflanzung: buddhistisches Wissen so aufbereiten, dass es im Westen solide, korrekt und eigenständig weiterlebt.
- Handeln zum Wohl des Ganzen. Ethik zielt nicht auf private Tugend, sondern auf die Wirkung nach außen — auf Verantwortung für das Gemeinsame in einer säkularen, pluralen Gesellschaft.
Verbindungen zu anderen Denkern
- Dalai Lama — Spitz ist dessen langjährige deutsche Stimme; seine Vorträge vermitteln unmittelbar das Denken des Dalai Lama zur säkularen Ethik.












