Gedankenraum

Gabriel Yoran — DenkerVita

Warum werden Alltagsdinge schlechter und heißen trotzdem Fortschritt? Gabriel Yoran, Gründer und promovierter Philosoph, nennt das die Verkrempelung der Welt.

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Giorgio de Chirico — metaphysische Stille, lange Schatten, Ocker und Teal, rätselhafte Objekte auf leerem Platz. Yoran ist der Ontologe unter den Gründern: Alltagsdinge auf Marmorsockeln, ernst genommen als Rätsel — die Vita zeigt nicht den Kritiker, sondern seinen Blick; der Glasturm am Horizont trägt die Gründerseite.

Prompt: A wide metaphysical painting in the style of Giorgio de Chirico, 1200x500 banner. A vast empty piazza at late afternoon, long dramatic shadows, deep teal sky and ochre ground, arcaded buildings receding on the left. In the center, ordinary household objects stand on classical marble pedestals like enigmatic monuments: a simple stovetop kettle, an old rotary control knob enlarged to the size of a bust, a coiled shower hose displayed like an ancient bronze. Each object casts an impossibly long shadow. To the right, a single faceless tailor's-mannequin figure in a suit contemplates the objects, holding a small magnifying glass. In the far background, a tiny modern glass office tower stands incongruously on the horizon. Stillness, mystery, hard light; muted ochre, teal, brick red; no realistic faces, no photorealism.

Wer spricht?

Gabriel Yoran (*1978, Frankfurt am Main) ist Unternehmer und Autor — ein seltener Doppelcharakter: In Philosophie promoviert (bei Graham Harman, dem Kopf der objektorientierten Ontologie) und zugleich Mitgründer mehrerer Digitalfirmen, darunter der Verschlüsselungsanbieter Steganos und die Steady-Plattform für unabhängige Kreative. Mit Die Verkrempelung der Welt (Suhrkamp, 2025) — einem Spiegel-Bestseller — hat er dem alltäglichen Verdruss einen Begriff gegeben: der Beobachtung, dass viele Dinge des Alltags nicht besser, sondern schlechter und komplizierter werden, während man sie als Fortschritt verkauft. Yoran verbindet das kühle Auge des Gründers, der Produkte von innen kennt, mit dem des Ontologen, der fragt, was ein Ding im Kern eigentlich sein soll.

Biografie

Bücher & Publikationen

TitelJahrBeschreibung
Die Verkrempelung der Welt2025Sein Hauptwerk (Suhrkamp, Spiegel-Bestseller). Warum werden Alltagsdinge nicht besser, sondern schlechter? Yoran seziert „Krempel" — Produkte, die in wesentlichen Hinsichten schlechter sind als ihre Vorgänger, aber als Fortschritt vermarktet werden. Er sucht nach Ursachen und nach Kriterien für die Legitimität von Bedürfnissen.
Schleichwege zur Klassik2024Insel Verlag. Zugänge zur klassischen Musik ohne Bildungshürde — hervorgegangen aus seiner preisgekrönten Krautreporter-Kolumne.
Wenn das Leben dir Zitronen gibt, mach Dressing draus2022Krautreporter. Essayistische Alltagsbetrachtungen rund um Essen und Genuss.
The Interfact: On Structure and Compatibility in Object-Oriented Ontology2021Open Humanities Press (Open Access). Sein philosophisches Hauptwerk: eine Weiterentwicklung und Kritik der objektorientierten Ontologie (OOO). Yoran fragt, ob OOO Objekte zu sehr als in sich abgeschlossene Einheiten behandelt, und betont, wie Objekte einander stützen — eingebunden in ein Gewebe aus „fourfolds" und Bauteil-Verbund-Relationen.
Warum heißt es Traum und nicht Memoryschaum2021Frohmann Verlag, mit Illustrationen von Christoph Rauscher. Sprachspiel / Aphoristisches.
Klassik verstehen2020Krautreporter.

Auslandsausgaben der Verkrempelung erscheinen 2026 auf Italienisch (Che fastidio!, LUISS University Press) und Niederländisch (Atlas Contact).

Kolumnen (Krautreporter): Die Verkrempelung der Welt (2024) · Die bessere Frage (2022–2023) · Gönn dir! (2020–2022) · Klassik verstehen / Schleichwege zur Klassik (2018–2020).

Fachbeiträge zur Philosophie: „Applied Metaphysics — Objects in Object-Oriented Ontology and Object-Oriented Programming" (Interface Critique Journal, 2018); „Interface kaputt — Cyborgism and Object-Oriented Philosophy" (in: Interface Critique, Kadmos, 2014). Freier Autor u.a. für Zeit Online, Merkur und taz.

Empfehlenswerte Videos & Vorträge

Kernthesen

Politische / ideologische Einordnung

Yoran ist kein Parteipolitiker, sondern Konsum- und Technikkritiker aus unternehmerischer Innensicht — seine Kritik zielt auf Wachstums- und Innovationsrhetorik, auf Plattform- und Abo-Ökonomie und auf einen Kapitalismus, der Komplexität und Verschleiß zu Geschäftsmodellen macht. Bemerkenswert unideologisch: Er argumentiert weniger aus antikapitalistischem Reflex als aus dem präzisen Blick eines Gründers, der die Mechaniken kennt. Anschlussfähig an Degrowth-, Reparatur- und Nachhaltigkeitsdebatten, ohne sich einem Lager zuzuordnen.

Verbindungen zu anderen Denkern

(wird von Montaigne befüllt)

Gedankenwelten-Notes

Im Bestand

Gabriel YoranDie Entkrempelung der WeltChris van TullekenDenkerVitaMichael MossDenkerVita

drei gedachte Verweise

verlinktdieselbe Quelle, nie verlinkt
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