GedankenraumJan-Keno Janssen — DenkerVita
Jan-Keno Janssen, Gesicht des Heise-Formats c't 3003, testet Technik im Alltag und rechnet nach, wie Nvidia und die KI-Industrie den Menschen als Kunden aus dem Blick verlieren.
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Atomic-Age Technik-Handbuch (1960er) — Eine Hand mit Schraubenzieher öffnet ein leuchtendes Gerät und legt Platinen und Zahnräder frei, eine skeptische Lupe über einem aufgeblähten Marketing-Stern, Explosionszeichnungs-Linien. Der retro-futuristische Handbuchstil trägt Janssens kritischen Tech-Journalismus — feiert keine Produkte, seziert die Absurditäten.
Prompt: Atomic-age 1960s tech-manual illustration style, retro-futurist, 1200x500 wide banner. A hand with a screwdriver prying open a glowing gadget to reveal circuit boards and gears inside, a skeptical magnifying glass over an inflated marketing star, exploded-diagram lines; critical curiosity about technology. Teal, orange, cream, thin retro linework. No photorealism, no realistic faces.
Biographischer Snapshot
Jan-Keno Janssen — c't-Redakteur und Host des YouTube-Formats c't 3003 (Heise Verlag). Seit 2007 bei Heise, seit 2021 Gesicht des gleichnamigen Channels mit über 114.000 Abonnenten. Bekannt unter dem Handle elektroelvis (Instagram). Kritischer Tech-Journalist: analysiert systemische Absurditäten, feiert keine Produkte.
Biografie
Jan-Keno Janssen ist ein deutscher Tech-Journalist und Videoproduzent, der seit 2007 beim c't Magazin des Heise Verlags arbeitet. Er ist die Gesichtsrepräsentant und Redakteur des YouTube-Formats c't 3003, das seit 2021 wöchentlich Videos zu Technologie, KI, Hardware und gesellschaftlichen Implikationen der Digitalisierung veröffentlicht. Auf Instagram ist er unter dem Handle elektroelvis zu finden.
Werdegang:
- seit 2007: Editor bei c't Magazin / heise online
- Gründungsrolle bei c't 3003 (2021–heute)
- Teilnehmer an der Computex 2026 (Taiwan), wo er live über Nvidias Keynote berichtet hat
Spezialisierung:
- KI-Kritik und Technologie-Analyse
- Personal Computing und Hardware-Testing
- Wirtschaftliche und gesellschaftliche Folgen der KI-Industrialisierung
Bücher & Publikationen
| Titel | Format | Beschreibung |
|---|---|---|
| c't 3003 — Video Series | YouTube | Wöchentliche Tiefenanalysen zu aktuellen Tech-Themen; 114.000+ Subscriber |
| heise online — Artikel | Blog/Artikel | Regelmäßige Beiträge zu KI, Nvidia, Open Source und digitaler Infrastruktur |
Die meisten Artikel sind kostenlos auf heise.de verfügbar, teilweise mit redaktioneller Begleitung zur jeweiligen Video-Episode.
Empfehlenswerte Videos & Vorträge
- Nvidia: Keine Produkte mehr für Menschen (Juni 2026) — Analyse von Nvidias Computex-Keynote: Wie Jensen Huang die Menschheit aus der Kernstrategie von Nvidia gestrichen hat und nur noch auf KI-Token und Renderfarmen fokussiert.
- Nvidia wird immer problematischer — Thematische Fortsetzung zur Marktverzerrung durch Nvidia im PC-Segment
- Das kann OpenClaw in der PRAXIS — KI-Agenten live im Test: Fähigkeiten und Risiken
- Claude Code & OpenAI Codex — Jetzt können wirklich alle programmieren — Kritische Analyse von Code-Generierungs-KI
Kernthesen
1. KI-Wirtschaft löst sich von der Realität ab
- Nvidias Strategie reduziert den Menschen zu einem Kostenblock. Die Rechnung lautet: Token = Umsatz = Gewinn. Menschen sind nur noch Mittel zum Zweck (Datenbeschaffung, Trainingsarbeit).
- Token-Fixation führt zu perversem Anreizdesign (Amazon Kirorank-Incident: Angestellte betrieben Tokenmaxxing — massenhafte sinnlose KI-Anfragen — um im internen Leaderboard gut dazustehen; Leaderboard musste abgeschaltet werden).
2. Der PC-Markt wird durch Nvidias KI-Strategie zerrüttet
- Speicherpreise explodieren, weil Nvidia den Speicher in Rechenzentren (KI) bevorzugt.
- Der klassische Consumer-PC ist wirtschaftlich nicht wettbewerbsfähig geworden.
- Nvidias Antwort („Personal AI PC") verstärkt nur das Problem — es geht nicht um Nutzbarkeit für Menschen, sondern um lokale Token-Generierung (für Nvidias Cloud).
3. KI-Produktivitätsgewinne sind übertrieben
- Nvidias Messmethode (GitHub-Commits als Produktivitätsproxy) ist methodologisch fragwürdig.
- Code-Commits ≠ Code-Qualität. KI-Agenten generieren viel Output, aber nicht zwingend Wert.
- KI-Slop-Problem: Open-Source-Projekte ertrinken in minderwertigen, KI-generierten Code-Änderungen.
4. Journalismus muss Absurdität benennen
- Die Kernstrategie großer Tech-Konzerne ist nicht (mehr) produktiv, sondern extraktiv und ideologisch.
- c't 3003 positioniert sich als Gegenpol: nicht Technologie feiern, sondern hinterfragen und real testen.
Einordnung im Tech-Journalismus
Jan-Keno Janssen repräsentiert den kritischen Tech-Journalist, der nicht primär Gadgets testet, sondern systemische Fragen stellt:
- vs. Tech-Hype-Journalismus (TechCrunch, Verge): Janssen dekonstruiert Narrativen statt sie zu reproduzieren
- vs. reiner Produkt-Review: c't 3003 fragt nach gesellschaftlichen Folgen, Geschäftsmodellen und Machtverhältnissen
- vs. unternehmensfreundlich: Janssen berichtet kritisch über Nvidia, obwohl diese den Markt dominant prägt; er ist nicht einmal zur direkten Keynote eingeladen worden
- Traditionsrolle: c't als deutsches Tech-Leitmedium seit Jahrzehnten; Janssen modernisiert das Format für YouTube, behält aber investigative Tiefe
Politische / Ideologische Einordnung
Nicht-parteilich, aber systemkritisch:
- Janssen kritisiert nicht aus ideologischer Position (links/rechts), sondern aus Verbrauchersicht und Realitätsorientierung.
- Seine Kritik richtet sich gegen die Absurdität, dass Tech-Konzerne ihre Produkte für Menschen entwickeln müssen, statt nur noch für profitable KI-Workloads.
- Implizit vertritt er eine Position: Technologie sollte Menschen dienen, nicht umgekehrt.
Kein agitatorischer Ton, aber keine Naivität — das macht Janssen für Publikum glaubwürdig, das Hype skeptisch gegenübersteht.
Verbindungen zu anderen Denkern
- Frederike Kaltheuner — DenkerVita — Kaltheuner beschreibt strukturell, was Janssen auf der Computex von innen sieht: einen KI-Markt, der kein freier Markt ist, mit einem einzigen Hardware-Anbieter am Flaschenhals. Beide entziehen sich der Frage „Hype oder nicht“: Kaltheuner nennt KI über- und unterschätzt zugleich, Janssen arbeitet täglich mit ihr und verdreifacht seine Produktivität trotzdem nicht.
- Georgina Neitzel — DenkerVita und Raphael Iltisberger — DenkerVita — Huangs Token-Mantra erfüllt ihr Hype-Modell Punkt für Punkt: Vision als Gewissheit, gehobene Sprache, ausgeblendete Risiken, Aufforderung zum Kauf. Ihre Warnung, Kritik verstärke oft den Hype, den sie bekämpft, gilt vor allem der Untergangskritik, die KI allmächtig erscheinen lässt; Janssen geht den anderen Weg und rechnet die Versprechen klein.
- Rainer Mühlhoff (Note, keine DenkerVita) — Mühlhoff beschreibt KI-Profit als Umverteilung von unten nach oben zu wenigen Oligopolisten; der Tokenextremismus ist die Mechanik dazu, eine Kennzahl, die Umsatz vom Nutzen trennt. Mühlhoff zieht daraus eine politische Linie bis zur Desouveränisierung des Staates, Janssen bleibt beim Menschen, der nicht mehr Kunde sein soll.
- Markus Gabriel — DenkerVita — Gabriel beschreibt philosophisch, wie KI den Menschen als Datenpunkt statt als Gegenüber modelliert. Bei Huang ist daraus Produktstrategie geworden: CPUs nicht mehr für Menschen, sondern für Agenten.
- Maja Göpel — DenkerVita — Göpel sieht dieselbe Zirkularität der KI-Ökonomie von der Finanzierung her, Systeme, die auf Schulden und sich gegenseitig stützenden Krediten voranrasen. Ihre Frage schließt, was Janssens Rechnung offenlässt: Wenn möglichst viele Menschen ersetzt werden, wer kauft dann das Produzierte?
- Adam Tooze — DenkerVita — Tooze zeigt am Streit zwischen Pentagon und Anthropic, wie staatliche Macht KI für Zwecke einspannt, die niemand demokratisch beschlossen hat. Janssens „von Milliardären für Milliardäre“ ist die Marktseite desselben Bildes: Die Mehrheit ist weder Subjekt noch Adressat der Technik.
- Nicole Büttner — DenkerVita und Pascal Kaufmann — DenkerVita — Janssen beschreibt das Problem, Büttner und Kaufmann die europäische Antwort: Souveränität als Wahlfreiheit, eigene Infrastruktur gegen eine Abhängigkeit von US-Technik, die sie auf 90 Prozent beziffern. Offen bleibt, wie eine europäische Infrastruktur an dem Hardware-Flaschenhals vorbeikommt, den Janssen beschreibt.
Gedankenwelten-Notes
Weiterdenken
- Wenn Token = Umsatz ist, wessen Realität beschreibt diese Formel? Gilt sie auch für die Billig-Arbeitskräfte, die Trainingsdaten beschaffen, oder nur für die Kapitaleigner?
- Janssen sagt, Nvidias Strategie sei „abgekoppelt von der Realität". Aber ist es nicht auch realistisch, dass ein Konzern seine eigenen Profitinteressen maximiert — und die Frage „profitabel für wen?" einfach ignoriert?
- Wenn Code-Commits keine echte Produktivität messen können — wie würde man sie messen? Und wer entscheidet darüber?
- Bei Amazon spielten Angestellte ein Token-Ranking selbst nach oben, mit sinnlosen Anfragen, bis das Leaderboard abgeschaltet wurde. Niemand hat sie bestraft. Wenn eine Metrik genügt, damit Menschen freiwillig Unsinn produzieren: Wer trägt dann die Verantwortung, wer die Metrik setzt oder wer ihr folgt?
Im Bestand
zehn gedachte Verweise