Biografie

Prof. Dr. Maren Urner (* 1985) ist Neurowissenschaftlerin, Kognitionsforscherin und Professorin für Nachhaltige Transformation an der Münster University of Applied Sciences. Sie hat Kognitions- und Neurowissenschaften an der McGill University in Montreal studiert und wurde mit einer Promotion in Neurowissenschaften vom University College London promoviert.

Als Neurowissenschaftlerin wechselte Urner früh in die öffentliche Debatte und Journalismus. Sie gehört zu den Pionierinnen des Konstruktiven Journalismus im deutschsprachigen Raum. 2016 gründete sie Perspective Daily, Deutschlands erste werbefreie Online-Zeitung, die Lösungsorientiert über gesellschaftliche Herausforderungen berichtet — ohne dabei Probleme zu beschönigen, aber auch ohne in Hoffnungslosigkeit zu verfallen.

Ihre Karriere ist getragen von einer zentralen Einsicht: Das menschliche Hirn ist unter den Bedingungen moderner Medien überfordert, und diese neurologische Tatsache hat politische Konsequenzen. Daher wird sie zur öffentlichen Intellektuellen, die an Talkshows teilnimmt (Markus Lanz, Bosettis Woche), für Konferenzen wie re:publica und die Friedrich-Ebert-Stiftung spricht und wissenschaftliche Publikationen in Sachbücher übersetzt. Sie schreibt eine monatliche Kolumne in der Frankfurter Rundschau (bis Juli 2025) und war 2024/2025 als Expertin in den führenden deutschsprachigen Medien präsent.

Bücher & Publikationen

TitelJahrBeschreibung
Schluss mit dem täglichen Weltuntergang2019SPIEGEL-Bestseller: Wie die digitale Informationsflut unser „Steinzeithirn” überfordert und wir durch Konstruktiven Journalismus wieder handlungsfähig werden.
Raus aus der ewigen Dauerkrise2021SPIEGEL-Bestseller: Entwicklung des Konzepts „dynamisches Denken” als Alternative zu statischen, zukunftsvergessenen Denkmustern. Wie wir mit Neugier und Mut neue Lösungen für Klima, Wirtschaft und Politik finden.
Radikal emotional: Wie Gefühle Politik machen2024SPIEGEL-Bestseller: Politik ist ein Aushandlungsprozess über Gefühle. Urner zeigt wissenschaftlich, warum die Trennung von Verstand und Emotion zu irrationalen Debatten führt, und gibt Werkzeuge für emotionale Intelligenz in der Politik.
Kapitel: „Die Wunderwaffe in unseren Gehirnen”2026In: Was wir meinen, wenn wir Hoffnung sagen (Oekom-Verlag) — Mutige Perspektiven auf die Krisen unserer Zeit.
Kapitel: „Neurowissenschaften und Klimapolitik: Warum wir dringend eine neue Reifeprüfung brauchen”2024In: Aus Zuversicht Wirklichkeit machen (Herder-Verlag) — Wie die gesellschaftliche Transformation gelingt.
Kapitel: „Diskurse und Erzählungen: Wie man wirkungsvoll über gesellschaftlichen Wandel spricht”2024In: Zwischen Zumutung und Zuversicht (Bundeskanzleramt Tagungsband) — Transformation als gesellschaftliches Projekt.
Kapitel: „Raus aus der Vorstellungskrise: Warum demokratischer Fortschritt immer im Kopf beginnt”2022In: Zur Zukunft der Demokratie (Siedler) — 36 Perspektiven hg. v. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.
Kapitel: „Fragen, was wirklich wichtig ist”2022In: Resilienter Journalismus — Wie wir den öffentlichen Diskurs widerstandsfähiger machen (Herbert von Halem).
Kapitel: „Warum Nachhaltigkeit immer im Kopf beginnt”2023In: Das Nachhaltigkeitsbuch 2023 (Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis).
Kapitel: „SusTelling und Konstruktiver Journalismus: Ein perfektes Paar?“2022In: Narrating Sustainability through Storytelling (Routledge).

Empfehlenswerte Videos & Vorträge

Kernthesen

  1. Die Medienkrise ist eine Hirnkrise: Das menschliche Gehirn ist ein „Steinzeithirn”, das unter der Informationsmenge und Negativität moderner Nachrichtenflut leidet. Dauerstress und Angst lähmen Handlungsfähigkeit und Hoffnung. Lösung: Konstruktiver Journalismus statt Panikmache.

  2. Emotionen sind nicht das Problem — Unverständnis für Emotionen ist es: Die Trennung von „rational” und „emotional” ist ein Mythos. Alle politischen Entscheidungen werden von Gefühlen mitbestimmt. Je lauter wir nach Rationalität rufen, desto irrationaler werden Debatten. Lösung: Emotionale Intelligenz in der Politik verankern.

  3. Wir denken statisch und verlieren die Zukunft: Politiker und Bürger folgen überholten Denkmustern aus der Sicherheitszeit (Kosten-Nutzen, Lager-Denken, kurzfristige Erfolge). Das funktioniert nicht mehr in Zeiten der Klimakrise. Lösung: Dynamisches Denken entwickeln — Neugier, Mut, Verstehen statt alte Erfolgserzählungen wiederholen.

  4. Das Hirn gibt niemals auf: Trotz aller Krisen ist das menschliche Gehirn evolutionär auf Hoffnung und Handeln programmiert, nicht auf Resignation. Wenn wir es richtig nutzen — mit neuem Framing, neuen Erzählungen, neuer Emotionalität — können wir die nachhaltige Transformation schaffen.

  5. Private Entscheidungen sind immer politisch: Was wir essen, wie wir reisen, wie wir Erfolg definieren — das hat immer eine politische Dimension und weckt Gefühle. Wenn wir das verstehen, können wir konstruktiv handeln statt moralisch zu urteilen.

Politische & ideologische Einordnung

Urner ist konstruktiv-progressiv — sie kritisiert sowohl pessimistische „Katastrophen-Journalisten” als auch Politiker:innen, die alte Lösungen verkaufen. Sie plädiert für einen realistisch-hoffnungsvollen Weg: Probleme ernst nehmen, aber nicht in Dauerkrise steckenbleiben. Nicht linksprogessiv-moralisierend, sondern systemisch-praktisch.

Sie ist eine Kritikerin des Neoliberalismus (Dauerkrise, Angst-Politik) und eine Befürworterin der Transformation hin zu nachhaltiger Wirtschaft — aber Transformation durch Verständnis und Umdenken, nicht durch Vorwürfe. Das macht sie für konservative und progressive Hörer:innen gleichermaßen ansprechbar.

Verbindungen zu anderen Denkern

Wird von Montaigne befüllt — hier leer lassen.


Gedankenwelten-Notes

(Alle Notes im Vault die diese Person behandeln)