Gedankenraum

William Darity Jr. — DenkerVita

Diskriminierung hält sich, weil sie sich lohnt: Der Duke-Ökonom William Darity Jr. begründete die Stratification Economics und beziffert, was Reparationen für Schwarze Amerikaner kosten.

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Künstlerhand: Romare Bearden

Warum: Bearden baute Porträts aus Fragmenten, weil ein Leben aus Fragmenten besteht — für eine Biografie zwischen Norfolk, Beirut, Alexandria, der LSE und dem MIT ist die Collage die ehrliche Form. Der Doktorhut und die Palmen liegen in derselben Fläche, weil sie in derselben Person liegen.

Biografie

William A. Darity Jr., von allen „Sandy" genannt, ist Ökonom und Sozialwissenschaftler — Samuel DuBois Cook Distinguished Professor Emeritus of Public Policy, African and African American Studies and Economics an der Duke University und Gründungsdirektor des dortigen Samuel DuBois Cook Center on Social Equity (2015). Seit seiner Emeritierung 2025 lehrt er als Gastprofessor an der Howard University. Er gilt als „vermutlich der führende Wissenschaftler des Landes zur Ökonomie rassischer Ungleichheit".

Der Wendepunkt: 1989

Darity schrieb die Einleitung zu einem von Richard America herausgegebenen Sammelband, in dem Ökonomen die Größe eines Reparationsfonds für Afroamerikaner zu beziffern versuchten. Beim Lesen der Beiträge wurde ihm klar, dass Wiedergutmachung keine moralische Geste am Rand ist, sondern der einzige Hebel, der die Vermögenslücke tatsächlich schließen kann. Die folgenden drei Jahrzehnte gehören diesem Thema — von „The Economics of Reparations" (2003, mit Dania Frank) über „Forty Acres and a Mule in the Twenty-First Century" (2008) bis zum Hauptwerk 2020.

Die Gründung der Stratification Economics (2005)

Mit einem Aufsatz im Journal of Economics and Finance taufte Darity ein eigenes Teilgebiet: die Stratification Economics. Sie bricht mit der neoklassischen Standarderklärung von Diskriminierung. Bei Gary Becker ist Diskriminierung eine irrationale Vorliebe, die der Wettbewerb über die Zeit wegschleift — wer nach Hautfarbe statt nach Produktivität einstellt, zahlt drauf und verschwindet vom Markt. Darity dreht das um: Diskriminierung verschwindet nicht, weil sie sich lohnt. Sie ist kein Marktversagen, sondern instrumentell rationales Gruppenverhalten, mit dem eine dominante Gruppe ihre relative Position verteidigt. Das Fach nährt sich aus Veblens evolutorischer Ökonomik, W. E. B. Du Bois' historischer Empirie und der sozialpsychologischen Social Identity Theory — und arbeitet mit Soziologie und Psychologie statt gegen sie.

Bücher & Publikationen

TitelJahrBeschreibung
From Here to Equality: Reparations for Black Americans in the Twenty-First Century2020 (2. Aufl. 2022)Das Hauptwerk, mit A. Kirsten Mullen. Von der Sklaverei über das gebrochene Versprechen der „vierzig Acres und ein Maultier", Reconstruction, Jim Crow, Lynchmorde und Redlining bis zur heutigen Vermögenslücke — und dann ein konkreter Bauplan: wer berechtigt ist, wie viel, von wem, in welcher Form. Vielfach ausgezeichnet.
The Black Reparations Project: A Handbook for Racial Justice2023Mitherausgeber. Der operative Nachfolger: Berechnungsverfahren, Abstammungsnachweis, Verwaltung, Gesundheits- und Bildungsfolgen — Reparationen als Umsetzungsfrage, nicht als Debattenthema.
Persistent Disparity: Race and Economic Inequality in the United States since 19451998Mit Samuel L. Myers Jr. Die empirische Grundlegung: Warum die Lücke seit dem Zweiten Weltkrieg nicht schrumpft, obwohl fast alle Erklärungsmodelle es vorhersagen.
Boundaries of Clan and Color: Transnational Comparisons of Inter-Group Disparity2003Mitherausgeber. Der internationale Vergleich — Kaste, Ethnie, Rasse als Formen desselben Schichtungsmechanismus.
Economics, Economists, and Expectations: Microfoundations to Macroapplications2004Ideengeschichte und Makroökonomik — die andere, weniger bekannte Hälfte seines Werks.
For-Profit Universities: The Shifting Landscape of Marketized Higher Education2017Mitherausgeber. Wie kommerzielle Hochschulen gerade Schwarze Studierende mit Schulden statt mit Aufstieg ausstatten.
International Encyclopedia of the Social Sciences2008Chefredakteur des neunbändigen Standardwerks.

Wichtige Aufsätze & Studien

Empfehlenswerte Videos & Vorträge

Kernthesen

Politische / ideologische Einordnung

Darity ist heterodoxer Ökonom mit klar linkem Politikprofil — Arbeitsplatzgarantie, Vermögensumverteilung, staatliche Kapitalausstattung —, aber sein Argument ist kein moralisches, sondern ein buchhalterisches: Er beziffert. Genau das macht ihn auch innerhalb der progressiven Debatte unbequem. Er widerspricht Reparationsprogrammen auf Stadt- und Bundesstaatenebene, weil sie den Anspruch verwässern und Milliarden statt Billionen bewegen; er kritisiert die Ausweitung des Begriffs „Reparationen" auf jede beliebige Fördermaßnahme; und er lehnt eine Berechtigung nach Hautfarbe allein ab — maßgeblich ist die Abstammung von in den USA Versklavten, was etwa jüngere afrikanische oder karibische Zuwanderer ausschließt und ihm Widerspruch aus Teilen der Bewegung einträgt. Seine Kritik am „respectability politics"-Diskurs und an Selbsthilfe-Appellen richtet sich ausdrücklich auch gegen Schwarze Prominenz, die sie vertritt. Ökonomisch steht er quer zum neoklassischen Mainstream, methodisch aber fest im empirischen Handwerk der Zunft — 2024 wurde er trotz (oder wegen) dieser Reibung zum Distinguished Fellow der American Economic Association ernannt.

Verbindungen zu anderen Denkern

(wird von Montaigne befüllt)

Gedankenwelten-Notes

Im Bestand

William Darity Jr.Das ökonomische Erbe des Rassismus

Ein gedachter Verweis

verlinktdieselbe Quelle, nie verlinkt
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