Biografie

Aktuelle Rollen:

  • Associate Director for Economic Policy in AI, Institute for Public Policy Research (IPPR), UK
  • Head of AI Economics Team, IPPR (verantwortlich für KI-Auswirkungen auf Makroökonomie, Wachstum und öffentliche Finanzen)
  • Lecturer in Economics, Universität Bayreuth, Deutschland

Werdegang & Prägungen:

  • Zentrale Prägung 1: Bank of England (6 Jahre)
    • Internationale Makroökonomie
    • Finanzielle Regulierung und Systemrisiken
    • Klimawandel und Finanzrisiken
    • Regulation von KI in der Finanzbranche — erste systematische Erfahrung mit KI-Governance
  • Wendepunkt: Übergang zu IPPR
    • Wechsel von institutionellen Zinsentscheidungen zu langfristig-strategischer Policy-Forschung
    • Erkannte: Zentrale KI-Fragen sind nicht primär technisch, sondern ökonomisch — Verteilung von Gewinnen, Beschäftigung, öffentliche Investitionslogik
  • Internationale Wirtschaft:
    • Frühere Rollen beim International Monetary Fund (IWF) für Fiskalpolitik
    • Deutsche Akademische Verbindung (University of Bayreuth) — Verständnis für europäische-/kontinentale Ökonomie

Charakter & Stil:

  • Wirtschaftswissenschaftler mit Policy-Pragmatismus (nicht ideologisch)
  • Starker Fokus auf Bewährte, realistische Interventionspunkte (nicht utopisch)
  • Mediengewandt: BBC Newsnight, Bloomberg TV, Radio 4 Today Programme

Bücher & Publikationen

TitelJahrBeschreibung
The New Politics of AI: Why Fast Technological Change Requires Bold Policy TargetsFeb 2025IPPR Flagship Report. Jung argumentiert, dass KI-Entwicklung zu schnell ist für reaktive Policy — braucht aktive Zielsteuerung (Directionism). Konkrete Empfehlungen für UK-Regierung auf Arbeitsmarkt, Procurement, Investition.
The Direction of AI Innovation in the UK: Insights from a New Database and a Roadmap for ReformApril 2025Co-authored mit Bhargav Srinivasa Desikan. Erstmals systematische Datenbank der UK-AI-Innovationsmuster — zeigt: wo investiert, wer profitiert, welche Sektoren bleiben unterversorgt. Policy-Roadmap für gezielte Umbenennung.
IPPR AI & Economy Series (laufend)2024–2026Kontinuierliche Reports zu: AI Directionism, Benefit Sharing, Procurement as Market Shaper, Worker Productivity vs. Automation, Windfallgewinne aus Sovereign AI Investment.

Weitere Beiträge:

  • Co-Autor von IPPR-Reports zu Makroökonomie, Fiskalpolitik und KI-Auswirkungen
  • Regelmäßige Media-Präsenz (BBC, Sky News, Guardian)
  • Mit-Initiative: Beyond Neoliberalism Working Group (progressive Ökonomie)
  • Verbindungen zu Das Progressive Zentrum (Deutschland)

Kernthesen

1. AI Directionism: Der Staat muss KI-Entwicklung aktiv lenken

Nicht Laissez-faire, nicht totale Kontrolle — sondern zielgerichtete Steuerung. Die Regierung sollte:

  • Investitionen in spezifische Sektoren lenken (Gesundheit, Bildung, öffentliche Dienste, nicht nur Rentabilität)
  • Technologie-Transfer von Privatsektor in den Public Sector erzwingen
  • Beschaffungsregeln nutzen als Marktformer (was der Staat kauft, bestimmt Innovation-Richtung)

2. Windfallgewinne aus Sovereign AI müssen zurück an die Öffentlichkeit

Wenn Staaten in grundlegende KI-Infrastruktur investieren (Training, Compute, Daten), sollten die Erträge nicht nur privaten Konzernen zufallen. Public-Private-Modelle mit Gewinnbeteiligung sind nötig.

3. KI ist nicht automatisch produktivitätsfördernd — es hängt von der Anwendungsweise ab

Das zentrale ökonomische Versprechen („KI macht uns alle reicher”) ist naiv. Entscheidend: Wer nimmt die Productivity Gains?

  • Szenarien: Wenn Worker-Lohnanteile schrumpfen, während Kapitalgewinne steigen → Ungleichheit trotz KI-Wohlfahrt
  • Steuerung: Steuern und Subsidien müssen Worker-Productivity-Gewinne belohnen, nicht Automation um ihrer selbst willen

4. Ohne sichtbare Gewinnspreitung droht eine „AI Backlash”

Der Öffentlichkeit muss deutlich werden: Wem nützt KI? Wenn nur Wenigen, droht politischer Widerstand und möglicherweise Regulierung, die Innovation blockiert.

5. Beschaffung ist eine unterschätzte Policy-Waffe

Durch Procurement-Standards können Regierungen Märkte formen: Was der Staat kauft, wird großflächig — nicht nur direkt, sondern über Nachahmer-Effekte. Beispiel: UK-NHS kauft KI-Software mit Offenlegungspflichten → alle Hersteller müssen erfüllen.

Politische / ideologische Einordnung

Einordnung: Progressive, interventionistische Ökonomie — nicht libertär, nicht marxistisch.

  • Kernüberzeugung: Märkte sind soziale Konstruktionen, die Staaten durch Regeln, Investition und Beschaffung formen müssen. Passive Regulierung reicht nicht.
  • Anti-neoliberal: Lehnt den „Markt regelt alles”-Glauben ab. Staat ist kein Störfaktor, sondern Akteur.
  • Pragmatisch: Arbeitet innerhalb der Marktwirtschaft, nicht außerhalb. Ziel ist Umverteilung von Gewinnen und Chancen, nicht Abschaffung von Unternehmertum.
  • Solidarisch: Zentrale Frage: Wer trägt das Risiko, wer erntet die Früchte? Asymmetrie wird politisch destabilisierend.

Nähe zu: Missions-orientierte Innovation Policy (Mariana Mazzucato), Modern Industrial Strategy, Progressive Ökonomie (UK Labour-nah), Sustainable Economics

Verbindungen zu anderen Denkern

(wird von Montaigne befüllt)

Gedankenwelten-Notes


Weiterdenken

Was Sokrates vielleicht gefragt hätte

  • Jung spricht von „AI Directionism” — staatliche Lenkung statt Marktautomatismus. Aber welche Garantie gibt es, dass staatliche Lenkung weise lenkt, statt nur Lobby-Interessen zu institutionalisieren?
  • Er argumentiert: Ohne sichtbare Gewinnspreitung droht Backlash. Aber ist das pragmatische Politologie oder eine Bedrohung? Kann eine demokratische Gesellschaft KI-Gewinne ungleich verteilen ohne de-legitimiert zu werden?
  • Procurement als Marktformer ist elegant — aber funktioniert das nur in reichen Staaten mit großen Budgets (UK, USA, EU)? Was ist mit Ländern, die KI-Infrastruktur kaufen müssen, nicht selbst bauen können?
  • Jung kritisiert Automation um ihrer selbst willen. Aber wer entscheidet, welche Automatisierung „sinnvoll” ist? Zentralplaner oder dezentrale Innovation?
  • Er will Windfallgewinne aus öffentlicher KI-Investition umverteilen. Aber wer kontrolliert diese Umverteilung — und wer missbraucht das System?