Biographischer Snapshot

Wer spricht?

Dr. Fabian Braesemann ist ein Ökonom und Datenanalyst, der die Schnittstelle von KI, Arbeitsmärkten und digitaler Transformation untersucht. Er arbeitet am Oxford Internet Institute und kombiniert großangelegte empirische Datenanalyse mit komplexitätswissenschaftlichem Denken — nicht ideologisch, sondern faktengestützt. Er nutzt selbst KI-Agenten für seine Arbeitsmarktforschung und versteht deshalb die Chancen und Grenzen dieser Technologien aus eigenem Arbeiten.

Biografie

Fabian Braesemann studierte Wirtschaftswissenschaften in Berlin, Warschau und Wien. Er promovierte an der Universität für Bodenkultur Wien und arbeitet heute als Departmental Research Lecturer in AI & Work am Oxford Internet Institute der University of Oxford.

Parallel ist er Associate Faculty Member am Complexity Science Hub Wien und Associated Researcher am Einstein Center Digital Future (Berlin). Seine Laufbahn ist geprägt von der Überzeugung, dass komplexe Systeme nur mit Datengewinnen verstanden werden können — nicht durch politische oder moralische Erzählungen.

Bücher & Publikationen

TitelJahrBeschreibung
Complexity Economics, Network Science & Labour Markets2019+Akademische Publikationen zu komplexen ökonomischen Systemen und deren Auswirkungen auf Arbeitsmärkte
KI & Arbeit: Empirische Perspektiven2023+Laufende Forschung zur empirischen Wirkung von KI auf Jobqualität, Lohnentwicklung und Neuqualifizierung
Working Papers (Oxford Internet Institute)laufendDatengestützte Analysen zu Startup-Ökosystemen, Plattformökonomie und Arbeitsmarktdynamiken

Empfehlenswerte Videos & Vorträge

Kernthesen

  1. KI ersetzt Jobs differenziert nach Qualifizierung — nicht „alle Jobs verschwinden”, sondern hochqualifizierte Tätigkeiten (Coding, Design, Content) sind stärker betroffen als körperliche Routinearbeit (die schon längst teilautomatisiert ist).

  2. Empirie schlägt Angst — Die öffentliche Debatte wird von Apokalyptik dominiert; Braesemann arbeitet mit echten Daten (Jobbörsen, Lohnstatistiken, Jobwechsel), die ein differenzierteres Bild zeigen als Worst-Case-Szenarien.

  3. Neuqualifizierung ist möglich, aber teuer — Der Staat muss massiv in Umschulung investieren; das ist kein technisches, sondern ein politisch-ökonomisches Problem.

  4. Komplexitätswissenschaft besser als klassische Ökonomie — Gleichgewichtsmodelle verstehen Übergangsprozesse nicht; Netzwerkanalysen und Agent-Based Modelling sind aussagekräftiger.

  5. KI-Agenten sind auch für ihn Werkzeug, nicht Lösung — Er nutzt sie für seine Datenanalysen, weiß aber um ihre Grenzen und Halluzinationen; Wissenschaft bleibt menschliches Urteilsvermögen.

Politische Einordnung

Keine starre ideologische Verankerung erkennbar. Braesemann vertritt eine pragmatische, datengestützte Position: Die Fragen sind nicht „KI: gut oder böse”, sondern „Wie steuern wir Übergänge? Wer trägt Umschulungskosten? Wie schützen wir Arbeitnehmer strukturell?” — klassisch linke Fragen, aber mit akademischer Sachlichkeit.

Verbindungen zu anderen Denkern

  • Simon Schaupp — Ähnliches Arbeitsfokus-Interesse, aber Schaupp eher kritisch-theoretisch (Cybernetic Proletarianization), Braesemann eher empirisch-neutral
  • Heiner Flassbeck — Lohnpolitische Fragen berühren sich; Flassbeck von links, Braesemann von der Komplexitätswissenschaft her

Gedankenwelten-Notes


Weiterdenken

Was Sokrates vielleicht gefragt hätte

  • Wenn KI Hochqualifizierte schneller ersetzt als Routinearbeiter — widerspricht das nicht der Hoffnung auf Upskilling durch Bildung?
  • Braesemann nutzt KI selbst für seine Forschung — trägt das nicht zu seiner optimistischen Sicht bei, oder rückt es ihn näher an die Wahrheit?
  • Was verstehen wir als „Arbeitsmarkt”? — Ist eine Gesellschaft mit massenhafter Umschulung noch eine Marktwirtschaft oder ein Verwaltungsstaat?