Biographischer Snapshot

Wer spricht?

Janina Mütze (1990) — Mitgründerin und Geschäftsführerin (COO) des Berliner Meinungsforschungsunternehmens Civey, das sie 2015 mit 24 Jahren zusammen mit Gerrit Richter gründete. Die studierte Volkswirtin vertrat vor der Gründung in Berlin die Interessen von Venture-Capital- und Private-Equity-Investoren, ehe sie die Meinungsforschung digitalisierte: Civey erhebt Umfragen über eingeblendete Fragebögen auf Medien-Websites und gewichtet die Daten anschließend — eine Methode, die der Branche einen erbitterten Repräsentativitäts-Streit einbrachte. Mütze ist zugleich Kolumnistin (u.a. Handelsblatt) und gefragte Speakerin zu Digitalisierung, Führung und Unternehmerinnentum.


Biografie

Janina Mütze wuchs in einem westdeutschen Vorort auf und zog zum Studium der Volkswirtschaftslehre nach Berlin. Ihr Weg führte zunächst nicht in die Forschung, sondern in die Politik-nahe Interessenvertretung: Sie arbeitete in Berlin an der Schnittstelle von Kapitalmarkt und Politik und vertrat als Abteilungsleiterin die Interessen von Wagniskapital- und Private-Equity-Investoren. Aus dieser Nähe zu jungen Technologieunternehmen und zur digitalen Wirtschaft entstand die Idee, ein zähes, teures Handwerk neu zu denken — die Meinungs- und Marktforschung.

2015 gründete sie mit 24 Jahren gemeinsam mit dem Journalisten und Datenexperten Gerrit Richter das Unternehmen Civey. Die Grundidee: Statt Menschen telefonisch oder per persönlichem Interview zu befragen, spielt Civey Fragebögen über ein breites Netz von Medien-Partnerseiten aus und rechnet die Antworten anschließend statistisch auf die Bevölkerungsstruktur hoch. Was als Start-up begann, wuchs zu einem Unternehmen mit über 50 Mitarbeitenden, dessen Zahlen regelmäßig in großen Medien, bei Verbänden und in der Politik auftauchen.

Mütze ist neben ihrer operativen Rolle als Geschäftsführerin in mehreren Gremien aktiv — unter anderem im Aufsichtsrat des Architektur- und Bauunternehmens Burckhardt+Partner, im Beirat der Berliner Sparkasse und im Start-up-Beirat der HTW Berlin. Sie schreibt als Kolumnistin für Tages- und Fachpublikationen (u.a. Handelsblatt, Zeitung für kommunale Wirtschaft) und tritt als Speakerin zu Themen wie Führung, Frauen in der Wirtschaft und der Zukunft der Meinungsforschung auf. Das Wirtschaftsmagazin Capital zählte sie zu den „Gestalterinnen von morgen”.


Öffentliche Arbeit, Kanäle & Engagement

  • Civey — Mitgründerin und Geschäftsführerin (COO) des Meinungsforschungsunternehmens
  • janinamuetze.de — persönliche Website: Kolumnen, Speaking, Vita
  • LinkedIn — regelmäßige Beiträge zu Führung, Digitalisierung, Meinungsforschung
  • Kolumnistin — u.a. Handelsblatt, Zeitung für kommunale Wirtschaft
  • Gremien — Aufsichtsrat Burckhardt+Partner, Beirat Berliner Sparkasse, Start-up-Beirat HTW Berlin

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Kernthesen

  1. Meinungsforschung muss digital werden. Sinkende Teilnahmebereitschaft bei Telefonumfragen zwingt die Branche, neue Wege zu gehen — Online-Erhebung mit statistischer Gewichtung statt klassischer Zufallsstichprobe.
  2. Daten in Echtzeit statt Momentaufnahme. Civeys Ansatz zielt auf kontinuierliche, schnell verfügbare Stimmungsbilder — Meinung als fließende Größe, nicht als seltener Schnappschuss.
  3. Die schweigende Mitte sichtbar machen. Gerade bei polarisierenden Themen wie der Energiewende sagt der laute Diskurs wenig über die tatsächliche Verteilung der Meinungen aus — Demoskopie kann die Ränder relativieren.
  4. Führung ist erlernbar. Mütze thematisiert offen, dass sie das „Chefin-Sein” erst lernen musste — gegen den Mythos der geborenen Unternehmerin.

Politische Einordnung

Mütze tritt nicht als Parteipolitikerin auf, sondern als Unternehmerin und Digitalisierungs-Advokatin. Civey selbst steht im Zentrum eines methodischen Grundsatzstreits der deutschen Meinungsforschung — dieser gehört zur fairen Einordnung dazu (Yin-Yang):

  • Kritik: Die etablierten Institute Forsa, Infas und die Forschungsgruppe Wahlen warfen Civey vor, das Versprechen der „Repräsentativität” sei bei einer selbstselektierten Online-Stichprobe (Nutzer klicken freiwillig auf eingeblendete Fragebögen) methodisch nicht haltbar. Eine Presserats-Beschwerde von 2018 zielte darauf, dass Medien solche Zahlen als repräsentativ ausweisen.
  • Gegenposition: Der Deutsche Presserat wies die Beschwerde im Dezember 2018 einstimmig zurück; die Veröffentlichung von Civey-Ergebnissen sei presseethisch unbedenklich. Civey verweist auf externe Gutachten zur Repräsentativität von Online-Umfragen und darauf, dass auch klassische Zufallsstichproben angesichts einstelliger Rücklaufquoten längst nicht mehr das reine Lehrbuch-Ideal erfüllen.

Der Streit ist damit weniger „richtig gegen falsch” als ein Ringen zweier Paradigmen unter denselben Realbedingungen sinkender Teilnahmebereitschaft — Mütze steht für das digitale, jüngere Lager.


Verbindungen zu anderen Denkern

  • Christoph Müller — Panel-Partner auf der re:publica 26: Ihre Umfragedaten (76 % KRITIS-Sorge) treffen auf seine Betriebsrealität (15 Minuten Ausfall pro Jahr) — die Wahrnehmungslücke, die das Panel vermisst, entsteht genau zwischen ihren beiden Datensätzen.

Cortex-Notes