Biographischer Snapshot

Wer spricht?

Dr. Christoph Müller (1971) — Vorsitzender der Geschäftsführung (CEO) und Arbeitsdirektor des Übertragungsnetzbetreibers Amprion, seit Januar 2025. Amprion betreibt das Höchstspannungsnetz für rund 29 Millionen Menschen von Niedersachsen bis an die Alpen — die Autobahnen des Stroms. Der promovierte Volkswirt kam von Netze BW, dem baden-württembergischen Verteilnetzbetreiber, den er von 2015 bis 2024 als Vorsitzender der Geschäftsführung leitete. Müller steht damit an der operativen Nahtstelle der Energiewende: Ohne den Ausbau der großen Stromtrassen bleibt der Windstrom aus dem Norden im Norden.


Biografie

Christoph Müller wurde 1971 geboren und studierte Volkswirtschaftslehre an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, wo er 2013 auch promovierte. Seine Laufbahn in der Energiewirtschaft begann 1997 beim britischen Stromkonzern PowerGen (später E.ON UK), ehe er 2000 zur EnBW Energie Baden-Württemberg wechselte. Bei der EnBW durchlief er ab 2009 verschiedene Führungsrollen — unter anderem in den Bereichen Übertragungsnetze und Handel.

2013 wechselte er in die Geschäftsführung der Netze BW, der EnBW-Verteilnetztochter und dem größten Verteilnetzbetreiber Baden-Württembergs. Dort verantwortete er zunächst die Finanzen und übernahm 2015 den Vorsitz der Geschäftsführung. Elf Jahre lang prägte Müller den Betrieb und Ausbau eines Netzes, das Strom bis in die letzte Ortschaft bringt — jene Ebene der Energiewende, an der Solaranlagen, Wärmepumpen und Wallboxen konkret ans System andocken.

Der Sprung zu Amprion im Sommer 2024 war ein Wechsel der Perspektive: vom Verteilnetz (Mittel- und Niederspannung, die Feinverteilung) zum Übertragungsnetz (Höchstspannung, die überregionalen Trassen). Seit Juli 2024 in der Geschäftsführung, übernahm er im Januar 2025 den Vorsitz von Hans-Jürgen Brick. Bei Amprion verantwortet er neben der Gesamtführung die Bereiche Recht, Governance, Netzbetrieb, Strategie und Energiepolitik sowie Unternehmenskommunikation. Damit sitzt er an einem der Schlüsselhebel des deutschen Umbaus: Amprion plant bis 2029 Investitionen von rund 36,4 Milliarden Euro in den Netzausbau — die Voraussetzung dafür, dass erneuerbarer Strom dorthin fließt, wo er gebraucht wird.


Öffentliche Arbeit, Kanäle & Engagement

  • Amprion GmbH — Vorsitzender der Geschäftsführung (CEO) und Arbeitsdirektor
  • mueller.energy — persönliche Website
  • LinkedIn (Amprion) — Unternehmens- und Führungskommunikation
  • Netze BW (2013–2024) — Finanzvorstand, ab 2015 Vorsitzender der Geschäftsführung

Empfehlenswerte Videos & Vorträge


Kernthesen

  1. Ohne Netzausbau keine Energiewende. Der beste Wind- und Solarstrom nützt nichts, wenn die Höchstspannungstrassen fehlen, die ihn vom Norden in die Verbrauchszentren im Süden und Westen bringen.
  2. Netzplanung muss flexibler und bedarfsorientierter werden. Statt starrer Langfrist-Pläne plädiert Müller dafür, sich auf das tatsächlich bis 2035 benötigte Netz zu konzentrieren — das könne zweistellige Milliardenbeträge sparen (Amprion-Studie: ~92 Mrd. Euro Einsparpotenzial gegenüber dem geltenden Netzentwicklungsplan für 2037).
  3. Versorgungssicherheit als Standard verteidigen. Deutschlands hohe Versorgungssicherheit ist kein Naturgesetz — sie muss gegen steigende Anforderungen (Elektrifizierung, Rechenzentren, Wärmepumpen) und Resilienz-Risiken aktiv gehalten werden.
  4. Energiewende als Investitions- und Beschleunigungsaufgabe. Amprion steigert den Ausbau massiv (200 km neue Trassen allein 2024, Rekord); der Engpass ist zunehmend Planung, Genehmigung und Tempo, nicht der politische Wille.

Politische Einordnung

Müller ist Manager, nicht Parteipolitiker — seine Rolle ist die eines regulierten Infrastrukturbetreibers. Als Chef eines Übertragungsnetzbetreibers agiert er in einem staatlich regulierten Rahmen (Bundesnetzagentur) und positioniert sich sachlich-pragmatisch: für zügigen, aber kosteneffizienten Netzausbau. Seine Botschaft an die Politik zielt weniger auf ideologische Richtungsentscheidungen als auf Planungsrealismus, Genehmigungstempo und die Balance zwischen Ausbaukosten und Netzentgelten, die am Ende die Verbraucher tragen. In der Energiewende-Debatte steht er damit für die oft übersehene physisch-infrastrukturelle Ebene: Was technisch und finanziell nötig ist, damit politische Ziele überhaupt Strom fließen lassen.


Verbindungen zu anderen Denkern

  • Janina Mütze — Panel-Partnerin auf der re:publica 26: Sie liefert das Meinungsbild (Überforderung, Sicherheitsbedürfnis), er die Netz-Innensicht — Wahrnehmung und Betriebsrealität im Dialog.
  • Michael Sterner — Beide stehen in derselben Reiche-Debatte, komplementär: Müller würdigt die Problemdiagnose der Ministerin und wirbt für die „erwachsene Diskussion“, Sterner zerlegt ihre Lösungen als selektive Marktwirtschaft. Netzbetreiber und Wissenschaftler, dieselbe Baustelle.

Cortex-Notes