GedankenraumProf. Dr.-Ing. Jochen Großmann — DenkerVita
Jochen Großmann, Dresdner Ingenieur und Gründer der GICON-Gruppe, baut in der Lausitz einen 365 Meter hohen Windturm und denkt die Energiewende als Systemaufgabe.
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Technische Blaupause (Cyanotypie) — Weiße Ingenieurslinien auf tiefem Blau: das Schema eines Energie- und Verfahrenssystems mit Turbinen, Wärmekreisläufen, Effizienz-Flusspfeilen und Emissionsfiltern, Maßangaben und Anmerkungen. Der Blaupausen-Duktus trägt Großmanns ingenieurhaften Blick auf Energieeffizienz und Systemoptimierung.
Prompt: Technical blueprint cyanotype style, white engineering lines on deep blue, 1200x500 wide banner. A precise schematic of an energy and process-engineering system: turbines, heat-exchange loops, efficiency flow arrows and emission filters connected as an optimised plant diagram, dimension marks and annotations. Blueprint blue, white line, faint grid. No photorealism, no realistic faces.
Biografie
Jahrgang: 1958 (DDR, sozialisiert an der TU Dresden)
Ausbildung & Akademische Laufbahn:
- Studium 1978–1982: Thermischer und hydraulischer Maschinenbau + Informationsverarbeitung, TU Dresden
- Promotion 1985: Automatisierung von Kernkraftwerken
- Habilitation 1989: Komplexe energetische und ökologische Bewertung verfahrenstechnischer Prozesse (TU Dresden) — visionär für später dominante Themen: Energieeffizienz, Emissionsminderung, Systemoptimierung
Unternehmerische Karriere:
- 1990–1994: Geschäftsführer der Großmann & Partner GmbH (Übergangsfirma, Altlastensanierung)
- 1994: Gründung GICON-Consult GmbH (10 Mitarbeiter, Dachgeschosswohnung, Tiergartenstraße Dresden)
- 1994–2020: Aufbau zur GICON-Gruppe (~700 Mitarbeiter, führendes Ingenieurbüro Ostdeutschlands)
- Seit 2020: Vorsitzender der Geschäftsleitung (strategische Ausrichtung, Portfolio-Entwicklung)
Status: Öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger nach § 29a/29b BImSchG (Genehmigungsverfahren, Sicherheitsanalytik)
Bücher & Publikationen
| Typ | Umfang | Beschreibung |
|---|---|---|
| Veröffentlichungen | ~200 | Wissenschaftliche Artikel, Konferenzbeiträge, Fachbuchkapitel zu Energietechnik, Umweltschutz, Altlastensanierung, Sicherheitstechnik, Automatisierung (1989–2026) |
| Patente | 30+ (Großmann persönlich); ~100 (GICON-Verbund) | Schwerpunkte: erneuerbare Energien, Offshore-Fundamente, Windenergie-Engineering, Mikroalgenbiotechnologie |
| Vorlesungsreihe (Neapel) | 2025 ff. | "From Research to Innovation – a challenging route from research to market" — Strukturierter Überblick der Reifegradentwicklung (TRL-1 bis TRL-9) anhand von GICON-Fallstudien |
Publikationen in Quellen:
- Energy Reviews, ACS Publications, Renewable Energy Journals (selektierte Beispiele)
- Konferenzproceedings: Bioprocessing Summit, International Energy Conferences, ISARC (Robotics)
- Technik-Magazine: Wind Power Monthly, Offshore Wind Business
Empfehlenswerte Videos & Vorträge
| Titel | Medium | Inhalt |
|---|---|---|
| Euronews: Worlds Tallest Wind Turbine Being Built in Germany | Euronews (April 2026) | Interview Großmann zum GICON-Höhenwindturm, 365m, 220% Ertragssteigerung, Teleskopmechanismus, Sicherheit |
| Tomorrow.City: Germany Builds World's Tallest Wind Turbine | Tomorrow.City | Technische Dokumentation: Gitterturm, innenliegender Lift, Hybridkraftwerk-Konzept in der Lausitz |
| DW Planet A: Reviving Old Wind Turbines | DW/YouTube | Ansatz zur Ertragssteigerung bestehender Standorte via Höhenwind-Nutzung |
| GICON CEO appointed Visiting Prof at Uni Naples (2025) | GICON News | Ankündigung Federico-II-Visiting-Professur, Exzellenzprogramm Energiewende |
| SPRIND High-Altitude-Wind-Turbine Project Page | SPRIND.org | Offizielle Projektbeschreibung, Förderung, technische Spezifikationen |
Interviews & Gespräche:
- Pressekonferenz zur GICON-SOF-Patentierung (USA Patent "Floating Platform with Improved Anchoring", 2014)
- Kooperationsgespräche Saudi-Arabien (2024) — Mikroalgen-Projekte, CO₂-Bindung
- Neapel-Vorlesungen (ab 2025) — live dokumentiert auf Uni-Server
Kernthesen
1. Der Ingenieur als "Innovationsbrücke" zwischen Wissenschaft und Industrie
Große Technologie-Sprünge gelingen nicht durch Spezialisierung auf reine Grundlagenforschung oder reine Industrialisierung, sondern durch Figuren, die beide Welten verstehen und aktiv vermitteln. Der Ingenieur ist Übersetzer: von wissenschaftlichen Prinzipien zu marktreifen Produkten, und umgekehrt von praktischen Problemen zurück zur Forschung.
Großmanns eigene Laufbahn (Habilitand → Unternehmer → Gastprofessor) verkörpert diese Doppelrolle. GICON war nie ein reines Dienstleistungsbüro, sondern ein F&E-getriebenes System mit eigenem IP-Portfolio — das ist die Brücke.
2. Von TRL-1 zu TRL-9: Geschwindigkeit mit Qualitätsfokus
Innovation braucht Struktur. Die NASA-Skala der Technology Readiness Levels (TRL) definiert 9 Stufen vom "Ich habe eine Idee" (TRL-1) zum "Das System läuft zuverlässig im Feld" (TRL-9).
Großmann's These: Die meisten Innovationen scheitern nicht an schlechten Anfangsideen, sondern an der "Talsohle des Todes" zwischen Prototyp (TRL-6) und Markteinführung (TRL-9). Hier werden Projekte unterfinanziert oder verlieren an Qualitätsrigour.
Seine Lösung: Modulare Innovation — nutze bewährte Komponenten (Standard-Windturbinen, konventionelle Stahlgittermasten) und konzentriere die Neuheit auf definierte Systemteile (Teleskopmechanismus, Fundamentsysteme). So verkürzt man Entwicklungszyklen, ohne auf Sicherheit zu verzichten.
3. Energiewende ist Systemaufgabe, nicht Technologie-Sammelsurium
Einzelne Windturbinen, einzelne Solarpanele ändern nichts. Die Energiewende braucht integrierte Systeme:
- Hybride Kraftwerke — Höhenwind + bodennahe Wind + Solar auf einem Standort, gegenseitige Schwankungsglättung
- Offshore-Strategie — schwimmende Fundamente (GICON-SOF) erschließen tiefes Wasser, reduzieren Flächenkonflikt
- Biotechnologische CO₂-Senken — Mikroalgen binden CO₂ 30× effizienter als Regenwälder pro m², erzeugbar in Wüsten
- Sektorkopplung — Strom, Wärme, Wasserstoff, Biomasse in einem Energiesystem denken
4. Umweltverantwortung ist Qualitätsmerkmal, nicht Zusatzkosten
Großmanns Habilitation (1989) behandelte bereits die "komplexe ökologische Bewertung" von Prozessen — nicht als nachträglicher Compliance-Gedanke, sondern als Designprinzip.
Bei GICON bedeutet das: Umweltmonitoring (z.B. ornithologische Studien an Windkraftanlagen) ist nicht Genehmigungsauflage, sondern Quelle für technische Innovationen (bessere Fundamente, intelligente Abschaltalgorithmen). CO₂-Senken durch Algen sind nicht Kompensation, sondern Wertschöpfungsfeld.
5. Systemische Energiewende ist auch Strukturwandel-Politik
Der Höhenwindturm steht in der Lausitz — einer der größten Kohle-Regionen Europas. Das ist nicht Zufall. Sprunginnovationen sind Werkzeug für regionale Transformation: neue Industrien, neue Kompetenzzentren, neue Arbeitsplätze.
Großmanns Verständnis: Technologie allein ist nicht genug. Ingenieure müssen auch verstehen, wie ihre Innovationen in lokale Wertschöpfungsketten, in Behördenprozesse, in gesellschaftliche Akzeptanz eingebettet sind.
Politische / ideologische Einordnung
Schwer zu klassifizieren — Großmann ist Techniker, nicht Ideologe.
Was sich aber ablesen lässt:
- Pro-Innovation, aber risikoavers — Sicherheit und Qualität sind keine Verzögerungsfaktoren, sondern Voraussetzungen
- Pragmatisch liberal — arbeitet mit SPRIND (Staat), mit Privatsektor, mit internationalen Partnern (Saudi-Arabien) — keine dogmatische Haltung zu Ownership/Regulierung
- Umweltbewusst ohne Romantik — Energiewende ist notwendig, aber nicht durch Verzicht zu schaffen, sondern durch Technik-Innovation
- Systemisch-holistisch — keine Parteilichkeit für einzelne Energieträger (Wind vs. Wasserstoff vs. Biomasse), sondern Kombination je nach Standort/Kontext
- Regional-entwicklungsorientiert — Verständnis für Strukturwandel-Aspekte (nicht nur Klima, auch Arbeitsplätze, lokale Wertschöpfung)
- Sozial engagiert — Unterstützung von Rollimaus e.V. zeigt, dass Nachhaltigkeit für ihn auch soziale Inklusivität meint
Keine klare Zuordnung zu Links/Rechts/Grün etc. — das ist charakteristisch für einen Praktiker-Ingenieur.
Auszeichnungen & Institutionelle Anerkennung
| Auszeichnung | Jahr | Anlass |
|---|---|---|
| Hugo-Junkers-Preis | 2013 | Mitteldeutsches Biosolarzentrum (Hochschule Anhalt), GICON-Photobioreaktor, "Tannenbaum-Reaktor"; unabhängige Jury (Wissenschaft/Industrie/Wirtschaft) |
| Federico-II-Visiting Professor | 2025 | Universität Neapel, Programma di Dipartimento di Eccellenza (Exzellenz-Cluster), europäische Innovation in erneuerbaren Energien |
| Gastprofessor | 2010 ff. | Szewalski-Institut der Polnischen Akademie der Wissenschaften, Danzig (Strömungs- und Turbomaschinentechnik) |
| Sachverständiger | § 29a/29b BImSchG | Permanente Bestellung durch deutsches Genehmigungswesen |
| SPRIND-Förderung | 2023 ff. | Höhenwindturm-Projekt als "Sprunginnovation", Agentur für Sprunginnovationen der Bundesregierung |
Verbindungen zu anderen Denkern
- Michael Sterner — DenkerVita — Sterner macht eine kaum beworbene Studie des Wirtschaftsministeriums bekannt: Die regionale Wertschöpfung aus Wind und Sonne kann sich bis 2033 auf 21 Milliarden Euro verdoppeln, mehr als die Hälfte bleibt vor Ort. Großmann baut diesen Gedanken in die Konstruktion ein: Die Gitterbauweise lässt rund zwei Drittel der Aufträge an regionale Stahlbauer gehen.
- Laura Zöckler (Note, keine DenkerVita) — Beide beantworten die Frage, wer an der Windkraft verdient, mit den Menschen vor Ort, auf verschiedenen Wegen: Zöckler über Genossenschaften mit Einlage und Mitgliedschaft, das Klettwitzer Modell am Standort des Turms über eine direkte Ausschüttung von 80 Euro je Einwohner und Jahr ohne jede Hürde.
- Gesine Schwan — DenkerVita — Schwans Gestaltungsmacht, Macht aus dem Zusammenwirken statt aus Herrschaft, hat in Großmanns Geschichte eine Behörde: Bei der Agentur für Sprunginnovationen reicht ein schlanker Fragebogen statt hundert Seiten Antrag. Großmanns Klage, dass der Mittelstand sonst an den Kosten der Pilotanlage scheitert, zeigt die Kehrseite: SPRIND ist die Ausnahme.
- Katherina Reiche — DenkerVita — Reibung am Netz: Reiche will den langsamen Netzausbau zum Taktgeber der Erneuerbaren machen. Großmann dreht die Rechnung um und will die Erzeugung dorthin bringen, wo der Strom gebraucht wird, mit Höhenwind, der auch im Süden Offshore-ähnliche Erträge liefern soll.
- Tim Meyer — DenkerVita — Meyer beschreibt Chinas „Gelinghaltung“, in der Engpässe gemanagt und nicht als Argument gegen den Ausbau benutzt werden, und verlangt von Europa viel mehr Industriepolitik. Großmanns „Valley of Death“ ist die deutsche Gegenprobe: gute Ingenieure, gute Ideen, und dann fehlt das Geld für die Pilotanlage.
- Jacob Beautemps — DenkerVita — Beautemps stellt mit Factor 2 Energy ein Duisburger Start-up vor, das sein erstes CO₂-Geothermie-Kraftwerk im Ausland bauen muss, weil die Speicherung im Untergrund in Deutschland lange verboten war; dasselbe Muster wie beim Höhenwindturm. Beide Notes tragen zudem ein „Aber“: bei Beautemps im Video selbst, bei Großmann im Faktencheck, der 55 Prozent Volllast und 40 Gigawatt als Projektionen einordnet, die der erste Turm erst bestätigen muss.
Weggefährten aus der Projektarbeit (Humboldt-Recherche, ohne Note im Bestand):
- Horst Bendix — Co-Initiator des GICON-Höhenwindturms (ehem. Kirow/Leipzig, Schwermaschinenbau-Know-how)
- Prof. Martin Kaltschmitt (TU Hamburg) — Energiesystem-Modellierung, Biomasse
- Johannes Birkner (Hochschule Anhalt) — Algenbiotechnologie, Biosolarzentrum-Co-Leitung
- Wissenschaftliche Partner — Universitäten und Institute in Polen, Italien, Saudi-Arabien (via GICON-Kooperationen)
Gedankenwelten-Notes
- Norio — GICON Höhenwindturm: Ostdeutscher Ingenieur revolutioniert Windkraft — der 365-Meter-Turm in der Lausitz, das Valley of Death und SPRIND
Besonderheiten & Notizen
Persönliche Merkmale:
- Redet offen über "absolute Priorität Sicherheit" — kein Risiko-Verharmloser
- Verwendet konsequent TRL-Sprache — Zeichen für Strukturdenken
- Betont immer wieder "Brückenfunktion" — nicht nur Ingenieur, sondern bewusst Vermittler zwischen Welten
- Nüchtern, präzise, technisch präzise (auch in Medien-Interviews)
Projekta noch in Realisierung:
- GICON-Höhenwindturm in Schipkau (Betrieb ab 2026/2027 angestrebt) — wird Messbeweis für 2,2× Ertragssteigerung liefern
- Mikroalgen-Pilotanlage in Saudi-Arabien — CO₂-Senkenfunktion unter Extrembedingungen
- Offshore-TLP-Konzepte — von Demonstrator zu kommerziellen Windparks
Offene Forschungsfragen (die Großmann antreiben):
- Wie lange laufen Windkraftanlagen zuverlässig? (Plant Betrieb > 20 Jahre statt Standard 20 J.)
- Wie misst man wahren Nutzen hybrider Kraftwerke in komplexen Stromnetzen?
- Skaliert Mikroalgen-Biotechnologie auch unter Marktbedingungen?
Literaturhinweise für Vertiefung
Primärquellen:
- GICON.de/biografien-mitglieder (offizielle Biografie)
- GICON.de/history (Unternehmensgeschichte)
- GICON.de/philosophy (Unternehmensphilosophie, Qualitätspolitik)
- SPRIND.org — High-Altitude-Wind-Turbine (Projektseite mit technischen Specs)
Sekundärquellen:
- Euronews (2026) — "World's Tallest Wind Turbine Being Built in Germany"
- Tomorrow.City — Höhenwindturm-Feature
- Wind Power Monthly — GICON-SOF-Patent-Berichte
- Offshore Wind Business — schwimmende Fundamente
Akademische Partner:
- Universität Neapel (Federico-II) — Energiewende-Forschung
- Hochschule Anhalt — Algenbiotechnologie
- Polnische Akademie der Wissenschaften (Danzig) — Strömungstechnik
Im Bestand
sieben gedachte Verweise