Quelle: Wahnsinn: Ostdeutscher Ingenieur revolutioniert Windkraft!

Wer spricht?

Prof. Dr.-Ing. Jochen Großmann (1958, Dresden) — DDR-sozialisierter Ingenieur, Gründer und Geschäftsführer der GICON-Gruppe (~700 Mitarbeiter, führendes Ingenieurbüro Ostdeutschlands). Studium an der TU Dresden (1978–1982), Promotion 1985 über Automatisierung von Kernkraftwerken, Habilitation 1989. GICON-Gründung 1989 — legendär: direkt aus dem Krankenhaus nach einer Krebsdiagnose heraus, während Konzerne das Interesse verloren.

Sein zentrales Lebenswerk: der GICON-Höhenwindturm — eine 365m hohe Windkraftanlage, die mit einem Teleskop-Gitterturm das jahrzehntelange ingenieurtechnische Hindernis der Krantechnik umgeht und Offshore-Erträge an Land ermöglicht.

DenkerVita


Das Grundproblem: Warum konventionelle Windkraft an ihre Grenzen stößt

▶ 4:35 — Der Wind in Deutschland ist ungleich verteilt. Die Regel lautet: Ab einer durchschnittlichen Windgeschwindigkeit von 5,5 m/s in ~150 m Höhe gilt ein Standort als windkrafttauglich. Der Süden Deutschlands, große Teile Bayerns, Sachsens und Thüringens unterschreiten diesen Grenzwert — sie sind auf der Windkarte weiß, also tot. Zugleich ist der Ausbau im Norden limitiert durch Flächenkonkurrenz, Bürgerwiderstand und die Notwendigkeit langer Stromtrassen in den energiehungrigen Süden.

Die geplante Nord-Süd-Stromtrasse — knapp 1000 km Erdkabel von der Küste bis Bayern — würde dieses Problem lösen, aber zu einem Preis, der kaum jemand offen auszusprechen wagt: 284,7 bis 320 Milliarden Euro, mit unklarer Obergrenze. ▶ 7:37 Die Kosten landen im Strompreis — und der Strompreis entscheidet darüber, ob der Industriestandort Deutschland im globalen Wettbewerb bestehen kann.

Es gibt also zwei Engpässe: technisch (Windkraft funktioniert nicht überall) und ökonomisch (die Lösung per Netzausbau ist astronomisch teuer). Was wäre, wenn man beides mit einer einzigen Innovation umgehen könnte?

Weitergedacht

Wenn die Netzkosten im Strompreis landen, zahlen de facto Industriebetriebe und Verbraucher die Infrastruktur für den Ausbau erneuerbarer Energien. Ist das Umverteilung im Sinne der Energiewende — oder ein versteckter Wettbewerbsnachteil für deutsche Exportwirtschaft?


Die Lösung: Höhenwind — Offshore-Qualität überall in Deutschland

▶ 5:20 — Die Erkenntnis ist nicht neu, aber bisher nie technisch nutzbar gemacht worden: Je höher man steigt, desto stärker und konstanter weht der Wind. Ab ca. 300 m Höhe ändert sich das Bild dramatisch. GICON führte über mehr als ein Jahr die weltweit erste kontinuierliche Höhenwindmessung durch — finanziert von SPRIND, der Bundesagentur für Sprunginnovation. Das Ergebnis war eindeutig:

▶ 6:05„In rund 300 m Höhe wird der Wind so konstant und so stark, dass auf das Jahr gerechnet tatsächlich knapp doppelt bis dreimal so viel Strom produziert werden kann wie in 50 bis 200 m Höhe — und das tatsächlich deutschlandweit.”

Die entscheidende Kennzahl ist die Vollaststundenzahl: Bei konventionellen Onshore-Windrädern liegt sie bei 20–35%. Der GICON-Höhenwindturm erreicht 55%. Das bedeutet: Eine 10-MW-Anlage liefert nicht 2000–3500 MWh pro Jahr, sondern 4800 MWh. Dieser Wert ist vergleichbar mit Offshore-Windkraft in der Nordsee — aber ohne die logistischen Albträume von Meeresinstallationen, ohne Salzkorrosion, ohne die Abhängigkeit von Spezialschiffen.

Das hätte strukturelle Konsequenzen: Bayern, bislang fast windkraftfreie Zone, könnte Anlagen bauen, die leistungstechnisch mit norddeutschen Standorten konkurrieren. Die Formel lautet: „Offshore-Windkraft in ganz Deutschland.” Und damit wird die Nord-Süd-Stromtrasse nicht kleiner, sondern möglicherweise überflüssig.

„Ich verlage praktisch die Energieproduktion dahin, wo ich die Energie auch brauche.” — Großmann ▶ 8:23

Das ist der eigentliche Paradigmenwechsel: nicht mehr Strom erzeugen und transportieren, sondern Erzeugung zu den Verbrauchszentren bringen.


Die technische Kernerfindung: Der Turm, der sein eigener Kran wird

▶ 9:54 — Hier liegt das am meisten unterschätzte Hindernis der gesamten Idee. Windkraftanlagen wurden in den vergangenen Jahren zwar immer leistungsstärker — aber nicht wegen höherer Türme, sondern wegen längerer Rotorblätter. Die Nabenhöhe (also die Höhe der Turbine) stagnierte. Warum? Nicht wegen der Mechanik, nicht wegen des Gewichts. Wegen der Kräne.

Es gibt keinen mobilen Kran, der in 300 m Höhe tonnenschwere Bauteile montieren kann. Der Liebherr LR11350 — einer der größten Raupenkräne weltweit — erreicht nicht einmal ansatzweise diese Höhe. Konventionelle Windkraft ist also nicht durch die Physik begrenzt, sondern durch die Konstruktionstechnik.

GICONs Antwort: eine Stahlgitterkonstruktion nach Eiffelprinzip kombiniert mit einem Teleskop-Mechanismus. ▶ 12:12 — Der Turm wird nicht von unten nach oben aufgebaut, sondern umgekehrt: Der obere Teil wird zunächst im Inneren des unteren Teils montiert und anschließend nach oben geschoben. Der Turm ist sein eigener Kran. Die Gondel mit Turbine wird auf maximaler Kranreichweite angebracht — und steigt dann im Teleskop nach oben, ohne dass der Kran folgen muss.

Das klingt nach einer Notlösung, ist aber ein Designprinzip: Durch die Wahl von Standard-Stahl als Hauptmaterial und fachwerkartiger Gitterkonstruktion lässt sich das System mit lokalen Stahlbauern umsetzen — eine Eigenschaft, die in der Windkraftindustrie vollständig fehlt.

Weitergedacht

Die größte technische Innovation hier ist kein neues Material und kein neuer Algorithmus — es ist die Neudefinition des Bauablaufs. Was sagt das über die Art, wie wir technische Probleme angehen: Suchen wir immer nach besseren Materialien, wo manchmal eine clevere Prozessänderung genügt?


Wirtschaftliche Dimension: Regionalisierung statt Globalisierung

▶ 12:58 — Konventionelle Windkraftanlagen werden als Fertigprodukte aus dem In- oder Ausland geliefert. Die regionale Wirtschaft profitiert kaum — typischerweise werden 10–15% der Aufträge lokal vergeben.

Beim GICON-Höhenwindturm sind es zwei Drittel. Die Stahlgitterkonstruktion setzt bewusst auf mittelständische Stahlbauer, insbesondere in den neuen Bundesländern. Für jeden Euro, der in die Anlage fließt, gehen bis zu 66 Cent an deutsche Unternehmen zurück.

„Das auch ein Grundprinzip ja der Anlage überhaupt aufgrund dieser aufgelösten Gitterkonstruktion, dass wir die örtlichen Stahlbauern, wir haben viele mittelständische Stahlbau vor allem auch in den neuen Bundesländern, dass die mit einbezogen werden können. Da hat der Papa mitgebaut.” — Großmann

Das ist kein PR-Spin, sondern Systemdesign: Weil die Gitterkonstruktion keine Spezialtransporte erfordert, sind lokale Zulieferer keine Kompromisslösung, sondern die logisch überlegene Option.

Hinzu kommt das Bürgerbeteiligungsmodell in Klettwitz: Die Gemeinde (50km nördlich von Dresden) erhält jährlich 80€ pro Einwohner direkt aus den Windparkgewinnen. ▶ 14:28„Eine Familie mit zwei Kindern: 4 × 80 — kurz vor Weihnachten war das immer.” — Bürgermeister Nordfase. 450.000–500.000€ werden jährlich an die lokale Bevölkerung ausgeschüttet.

Das löst einen der zentralen politischen Konflikte der Energiewende: Windkraft als etwas, das Außenstehenden aufgezwungen wird. In Klettwitz entsteht stattdessen Teilhabe — wirtschaftliche Mitverantwortung der Anwohner.


Das Valley of Death: Deutschlands Innovationsproblem

▶ 17:30 — Großmann gibt hier seinen schärfsten Kommentar ab — und er klingt nicht wie ein Nörgler, sondern wie jemand, der diesen Prozess selbst fast nicht überlebt hätte:

„Deutschland hat sich immer mehr in ein — ich will nicht sagen innovationsfeindlich — aber nicht in ein sehr innovationsfreundliches Land entwickelt. Wir haben sicherlich gute Ingenieure, wir haben gute Forschungseinrichtungen, wir haben gute Ideen. Und dann kommt der nächste Schritt: Pilotanlagen bauen. Das erste Thema, wo der Mittelstand in der Regel scheitert, weil Pilotanlagen kosten Geld.”

Das Valley of Death beschreibt die Lücke zwischen Proof of Concept und industrieller Skalierung. Zwischen diesen beiden Polen liegt das Risikokapital, das Deutschland systematisch nicht bereitstellt. Private Investoren scheuen das frühe Stadium. Öffentliche Förderprogramme sind so bürokratisch, dass Startups über hundert Seiten Anträge und zwölf Monate Bewilligungsverzögerungen berichten — und dann werden Anträge nicht nach technischer Exzellenz bewertet, sondern danach, wie gut sie geschrieben sind.

▶ 18:15„Der Sprung vom Pferd zum Auto oder vom Klapphandy zum Smartphone gelang nur, weil auch das Geld dafür bereitgestellt wurde, den neuen Versuch zu erproben und auch zu scheitern. Diese Bereitschaft, aus Fehlern zu lernen, auch mal was zu versuchen — das haben wir in Deutschland ein Stück verlernt.”

Das ist ein Strukturproblem, kein Kulturproblem. Die Amerikaner und Chinesen sind nicht mutiger — sie haben andere institutionelle Architekturen für frühe Risikofinanzierung geschaffen. Deutschland hat diese Architekturen abgebaut.


SPRIND: Der institutionelle Ermöglicher — und was er über Bürokratie sagt

▶ 19:00 — Die Agentur für Sprunginnovation (SPRIND) wurde genau für diesen Engpass geschaffen: Sie finanziert Projekte mit großem Potenzial, die noch zu früh für private Investoren sind. Die Kontrast zur normalen deutschen Förderbürokratie ist scharf — Anträge werden online mit 15 Fragen gestellt, kein 100-Seiten-Dokument, kein 12-Monats-Bewilligungsprozess.

Das GICON-Projekt ist damit lebendiger Beweis für beide Seiten einer These: dass Deutschland Innovationen systematisch abbremst (ohne SPRIND wäre der Turm nie gebaut worden) — und dass es gehen kann, wenn man die Regeln ändert.

Die eigentliche politische Frage, die das Video stellt, ohne sie explizit zu formulieren: Warum ist SPRIND die Ausnahme und nicht die Regel? Wenn ein Förderinstrument mit 15 statt 1000 Fragen funktioniert — was sagt das über alle anderen Förderinstrumente aus?


Das Potential: 40 GW ohne einen Quadratmeter neue Fläche

▶ 16:44 — Großmann gibt die kühnste Zahl des gesamten Videos fast beiläufig:

„Ich glaube, das wären deutschlandweit 4000 Anlagen, die gebaut werden könnten, ohne neue Flächen zu beanspruchen. Aber der Turm ist heute schon ausgelegt für eine 8- bis 10-Megawatt-Turbine. Also wenn wir über 4000 Anlagen in bestehenden Windparks reden, reden wir über 40 GW. Das ist so viel, wie wir bisher insgesamt in Deutschland installiert haben. Wir müssten nicht einen Quadratmeter neue Windfläche ausweisen.”

Das ist die Kernaussage. 4000 Anlagen in bestehenden Windparks (die Höhe des Turms überragt konventionelle Anlagen so deutlich, dass nahezu keine gegenseitige Beeinflussung stattfindet — zweistöckige Windparks). 40 GW Zusatzleistung. Verdoppelung der installierten Kapazität. Kein neuer Flächenkonflikt, keine neuen Bürgerentscheide, keine neuen Ausweisungsverfahren.

Ob diese Zahl realistisch ist, hängt davon ab, ob das erste Exemplar hält, was die Messungen versprechen. 2026 soll es laufen.


Faktencheck

Bestätigt — SPRIND-Förderung und Projektexistenz

SPRIND hat den GICON-Höhenwindturm offiziell gefördert. Das Projekt „Beventum” (GICON-Tochter) ist auf der SPRIND-Website mit technischen Spezifikationen dokumentiert. Quelle: SPRIND — Beventum Projekt

Bestätigt — Liebherr LR11350 als Großkran

Der Liebherr LR 11350 (1.350-Tonnen-Klasse) gehört zu den leistungsfähigsten serienmäßig verfügbaren Raupenkränen weltweit. Seine maximale Hubhöhe liegt bei rund 220 m — was den GICON-Turm tatsächlich nicht vollständig erreicht und die Teleskoplösung zwingend macht. Quelle: Liebherr-Produktdaten

Vereinfacht — Vollaststunden Höhenwindturm 55%

GICON/beventum propagiert 55% Vollaststunden. Konventionelle Onshore-Werte von 20–35% sind korrekt (Fraunhofer ISE bestätigt ~20–30% für den deutschen Bestandspark). Die 55% sind jedoch eine ambitionierte Projektion, keine gemessene Langzeit-Tatsache: Belastbare Messreihen für 300+ m fehlen in Deutschland noch. Plausibel erscheinen eher 40–50% auf Basis von LiDAR-Modellen. Quelle: Fraunhofer ISE — Stromgestehungskosten Erneuerbare Energien

Vereinfacht — „Doppelt bis dreimal so viel Strom"

Der Faktor 2–3× gilt primär im Vergleich zu niedrigen Referenzhöhen (80–100 m) oder windschwachen Binnenstandorten. Gegenüber modernen Nabenhöhen von 140–170 m ist der realistische Mehrertrag eher Faktor 1,5–2. Physikalisch korrekt, aber an der Obergrenze des Plausiblen. Keine einzelne öffentlich verlinkbare Primärquelle für den konkreten Vergleich gefunden.

Vereinfacht — Stromtrassen-Kosten 284,7–320 Mrd. Euro

Wichtige Korrektur: Diese Zahl stammt aus dem Netzentwicklungsplan (NEP) der Bundesnetzagentur und bezeichnet den gesamten deutschen Übertragungsnetz-Investitionsbedarf bis 2045 — nicht eine einzelne Nord-Süd-Trasse. SuedLink allein wird mit rund 10 Milliarden Euro veranschlagt. Das Video vermischt Einzeltrasse und Gesamtnetzausbau. Die Zahl ist real, aber der Bezugsrahmen ist irreführend. Quelle: Tagesschau — Erdkabel und Stromnetzausbau

Vereinfacht — 4000 Anlagen = 40 GW ohne neue Flächen

Das Maximalpotenzial ist größenordnungsmäßig plausibel, aber übersieht erhebliche praktische Hürden: Befeuerungspflicht ab 150 m, Luftverkehrsrechte, Netzanschlusskapazitäten, Repowering-Genehmigungsverfahren und variable Abstandsregeln je Bundesland. Es handelt sich um ein theoretisches Maximalpotenzial. Keine unabhängige Quelle gefunden, die genau diese Zahl verifiziert.

Vereinfacht — Wake-Effekt „fast keine Beeinflussung"

Der Windschatten-Effekt wird bei einem Turm, der bestehende Anlagen um ~200m überragt, tatsächlich stark reduziert. Aber „fast keine Beeinflussung” ist eine Vereinfachung — Turbulenzprofile in dieser Höhe sind komplex und standortabhängig. Quelle: MDR — Wake-Effekt Windräder

Vereinfacht — SPRIND „15 Fragen" Förderantrag

SPRIND arbeitet tatsächlich mit einem deutlich schlankeren Verfahren als klassische Förderprogramme. Die genaue Zahl variiert je Version: Aktuell sind es eher 16–17 Kernfragen. „15 Fragen” ist eine gerundete Vereinfachung, die dem Geist der Aussage entspricht. Quelle: SPRIND.org

Nicht extern verifizierbar — Gründungsanekdote „vom Krankenhaus aus"

Großmann schildert im Video in erster Person, wie er seine erste Gesellschaft (ein Ingenieurbüro, vermutlich Großmann & Partner, ~1989/1990) direkt aus dem Krankenhaus nach seiner Krebsdiagnose heraus gründete — mit einem im Bett gelesenen GmbH-Buch und einem Notar am Krankenbett. Wikipedia und offizielle GICON-Quellen erwähnen diese Episode nicht; GICON selbst datiert die Gründung auf 1994. Die Erzählung betrifft möglicherweise die Vorgängergesellschaft, nicht GICON. Als Primärquelle gilt Großmanns eigene Aussage. Quelle: Wikipedia — Jochen Großmann


Weiterführende Quellen

Aus der Video-Beschreibung:


Verbindungen

Demokratische Wertschoepfung

Das Klettwitz-Modell — 80 €/Einwohner/Jahr aus Windparkgewinnen, kein Eigenkapital, keine Mitgliedschaft — ist ein neues Muster demokratischer Teilhabe an Infrastruktur. Wer direkt profitiert, kämpft nicht dagegen: Interessengleichrichtung statt Überzeugungsarbeit.

Energie

Das Energie-Panorama kartiert das Systemfeld, in das Großmanns GICON-Turm eingreift: Redispatch-Kosten durch fehlenden Netzausbau, politische Blockaden der Energiewende. Der GICON-Turm durchbricht den Redispatch-Teufelskreis strukturell: Höhere Vollaststunden bedeuten gleichmäßigere Einspeisung statt Spitzen — weniger Netzengpässe, geringere Systemkosten.

Laura Zoeckler — Buergerenergie und die Demokratisierung der Energiewende

Zöckler zeigt, wie Bürgerbeteiligung die Akzeptanz von Windparks fundamental verändert. Großmanns Klettwitz-Modell (80 €/Einwohner/Jahr Direktausschüttung) ist das praktische Pendant: Beide beantworten dieselbe Frage — wer profitiert? — mit derselben Antwort: die Menschen vor Ort. Der Unterschied: Zöckler denkt in Genossenschaften, Großmann in kommunaler Direktbeteiligung.

Michael Sterner — Energiewende-Studie und Reiche-Blockade

Sterner belegt wissenschaftlich, dass 2/3 der Wertschöpfung in Windparkregionen lokal bleiben können. Großmann setzt diesen Maßstab mit seinen 2/3 regional vergebenen Aufträgen als bewusstes Designprinzip um — nicht als Nebeneffekt. Beide stoßen gegen dieselbe institutionelle Blockade: ein System, das technische Innovation durch Finanzierungslücken und Bürokratie ausbremst.

Felix Goldbach (MoneyForFuture) — Batteriespeicher und die ignorierte Lösung der Energiewende

Goldbach und Großmann beschreiben strukturell dasselbe Phänomen: Eine technologisch überlegene, wirtschaftlich stichhaltige Lösung scheitert nicht an Physik oder Ökonomie, sondern daran, dass sie etablierte Akteure (Netzbetreiber, Windturm-Hersteller) aus der Komfortzone drängt. Großmanns „Valley of Death” ist Goldbachs Batterie-Blockade in Stahl statt Silizium.

MONITOR — Energiewende rückwärts? Katharina Reiche und der E.ON-Lobbyismus

MONITOR dokumentiert, wie fehlender Netzausbau politisch als Bremse für neue Windanlagen instrumentalisiert wird. Großmanns 365-Meter-Turm entzieht diesem Argument die Grundlage: Weniger Anlagen mit höheren Vollaststunden erzeugen stabilere Einspeisung — der Redispatch-Kostentreiber, den Reiche als Argument nutzt, verliert seinen Hebel.

Norio — Kupferschiefer-Mine in der Lausitz

Beide Notes kreisen um dasselbe ostdeutsche Paradox: Die Lausitz beherbergt ungehobene wirtschaftliche Potenziale — Kupfer unter der Erde, Höhenwind über dem Braunkohle-Abrissgebiet in Klettwitz — während Deutschland Rohstoff- und Energieabhängigkeiten beklagt. In beiden Fällen scheitert die Hebung nicht an der Technologie, sondern an Kapital und Bürokratie.

Gesine Schwan — Macht NEU DENKEN

Schwan unterscheidet Herrschaftsmacht (Nullsumme) von Gestaltungsmacht (kooperativ). Großmanns SPRIND-Erfahrung — 15 statt 1000 Fragen — ist institutionalisierte Gestaltungsmacht: Der Staat als Ermöglicher statt Verhinderer. Und seine Bürgerbeteiligung in Klettwitz ist Schwans kommunale Partizipationsidee im Energiesektor, direkt angewandt.


Weiterdenken

Was Sokrates vielleicht gefragt hätte

  • Der GICON-Turm löst das Flächenproblem — aber löst er auch das politische Problem? Wer entscheidet, welche 4000 Windparks eine zweite Etage bekommen — und nach welchen Kriterien?
  • Großmann kritisiert Deutschlands Valley of Death und lobt SPRIND als Lösung. Aber ist SPRIND wirklich eine strukturelle Antwort — oder ein gut funktionierender Sonderfall, der das dysfunktionale System drumherum unangetastet lässt?
  • Die Bürgerbeteiligung in Klettwitz klingt nach einem Modell für die gesamte Energiewende. Warum ist es noch nicht Standard — und wer hätte Interesse daran, dass es keiner wird?
  • Was würde passieren, wenn das erste Exemplar technisch scheitert? Wäre das das Ende der Höhenwindidee — oder ein lernbarer Fehlschlag im Sinne von Großmanns eigener Valley-of-Death-Logik?
  • Großmann sagt, Deutschland habe die „Bereitschaft zum Scheitern” verlernt. Aber wer trägt das Risiko, wenn ein staatlich gefördertes Projekt scheitert — und ist das dieselbe Bereitschaft, die Unternehmer brauchen?