Biographischer Snapshot
Wer spricht?
Maoz Inon (*1975), israelischer Sozialunternehmer und Friedensaktivist. Er baute mit dem Fauzi Azar Inn in Nazareth, dem Jesus Trail und der Abraham-Hostels-Kette einen Tourismus auf, der jüdische und arabische Gemeinschaften verbindet. Am 7. Oktober 2023 wurden seine Eltern Bilha und Yakovi Inon in ihrem Haus in Netiv HaAsara getötet. Öffentlich entschied er sich gegen Rache — und für den Frieden. Heute Co-CEO der NGO InterAct International und Co-Autor (mit Aziz Abu Sarah) des Buchs The Future Is Peace (2026).
Biografie
Maoz Inon wächst im Kibbuz Nir Am im nordwestlichen Negev auf, nahe der Grenze zum Gazastreifen. Mit 14 zieht die Familie ins benachbarte Netiv HaAsara, unmittelbar am Grenzzaun. Aus dieser Grenzlandschaft — Nachbarschaft und Bedrohung in einem — stammt der Instinkt, der sein Lebenswerk prägt: dass die Zukunft der Region nicht in Trennung liegt, sondern in Begegnung.
Inon wird Unternehmer, aber einer mit einer These: dass verantwortungsvoller Tourismus politisch wirkt, weil er lokale Ökonomien stärkt und Menschen über Grenzen hinweg zusammenbringt. 2005 eröffnet er im Partnerschaft mit einer arabischen Familie das Fauzi Azar Inn in der Altstadt von Nazareth — ein Gästehaus, das half, ein von Kriminalität und Verfall gezeichnetes Viertel wiederzubeleben. 2007 begründet er den Jesus Trail, einen 65 km langen Fernwanderweg, der religiöse Stätten und Gemeinschaften Galiläas verbindet. 2010 gründet er mit Gal Mor und Investoren das erste Abraham Hostel in Jerusalem — heute die größte Hostelkette Israels.
Dann der 7. Oktober 2023. Bei dem Angriff auf Netiv HaAsara wird das Haus seiner Eltern von einer Rakete aus nächster Nähe getroffen; Bilha und Yakovi Inon sterben. In den Tagen danach tut Inon etwas, das viele nicht verstehen: Er tritt in internationale Medien und sagt, er weine nicht nur um seine Eltern, sondern auch um die Toten in Gaza — und er wolle keine Rache. „Rache bringt meine Eltern nicht zurück; sie bringt nur mehr Tod.” Am 7. November 2023 beginnt er mit Yaakov Godo, einem weiteren Hinterbliebenen, eine Mahnwache im Trauerzelt vor der Knesset.
Aus dem privaten Verlust wird eine öffentliche Bewegung. Gemeinsam mit dem palästinensischen Aktivisten Aziz Abu Sarah wird Inon zum Gesicht einer israelisch-palästinensischen Friedensbotschaft, die um die Welt geht — TED Vancouver 2024, unzählige Bühnen, schließlich ein gemeinsames Buch. Er ist verheiratet und Vater von drei Kindern.
Öffentliche Arbeit, Kanäle & Engagement
| Projekt | Rolle | Beschreibung |
|---|---|---|
| InterAct International | Co-CEO | NGO mit dem Ziel, bis 2030 dauerhaften Frieden zwischen Israelis und Palästinensern aufzubauen — durch Legitimierung von Dialog, Einbindung von Glaubensführern und Politik |
| Abraham Hostels & Tours | Gründer | Größte Hostelkette Israels; Tourismus als Brücke zwischen Gemeinschaften |
| Fauzi Azar Inn (Nazareth) | Mitgründer | Gästehaus in arabisch-jüdischer Partnerschaft |
| Jesus Trail | Begründer | 65-km-Fernwanderweg durch Galiläa |
| The Future Is Peace (2026) | Co-Autor | Mit Aziz Abu Sarah — ein gemeinsamer Weg durch das Heilige Land |
Auszeichnungen (2025): „Champion of Shared Society” (Abraham Initiatives) für seine Arbeit an jüdisch-arabischer Koexistenz; Puglisi-Preis der Erzdiözese Palermo (gemeinsam mit Abu Sarah).
Bücher & Publikationen
| Titel | Jahr | Beschreibung |
|---|---|---|
| The Future Is Peace: A Shared Journey Across the Holy Land | 2026 | Gemeinsam mit Aziz Abu Sarah — zwei durch Gewalt Hinterbliebene erzählen, warum sie sich für Frieden statt Rache entschieden |
Empfehlenswerte Videos & Vorträge
- A Palestinian and an Israeli, Face to Face — TED 2024 — Der Auftritt in Vancouver (April 2024), der mit Standing Ovation endete
- The Conduit — Gespräch (Mai 2026) — „The Future is Peace”: das gemeinsame Gespräch mit Aziz Abu Sarah
- Democracy Now! — Maoz Inon: Ending War & Occupation (Okt. 2024) — ein Jahr nach dem Verlust seiner Eltern
- The New York Public Library — The Future is Peace (Mai 2026) — NYPL-Gespräch der beiden Autoren
Kernthesen
- Rache ist eine Falle, kein Trost. Der Verlust der Eltern rechtfertigt keine weitere Gewalt — er verpflichtet, das Muster zu durchbrechen: „We must break this pattern of violence.”
- Trauer verbindet über die Grenze hinweg. Der israelische und der palästinensische Schmerz sind nicht Gegner, sondern derselbe Schmerz — geteilte Trauer wird zur Grundlage geteilter Zukunft.
- Frieden ist kein Traum, sondern Infrastruktur. Tourismus, gemeinsame Ökonomien, Begegnungsräume — Frieden wird gebaut, nicht nur gewünscht.
- Legitimierung ist der Schlüssel. Es braucht keine neue Mehrheit für den Frieden, sondern die öffentliche Erlaubnis, ihn laut zu wollen — von Glaubensführern bis zur Politik.
- Die Zukunft ist Frieden. Nicht als Prognose, sondern als Entscheidung, die jeden Tag neu getroffen wird.
Politische Einordnung
Inon steht in der Tradition der israelischen Friedens- und Koexistenzbewegung (nahe dem Geist des Parents Circle – Families Forum). Er ist scharfer Kritiker der Netanjahu-Regierung und des Kriegskurses, fordert Waffenstillstand, das Ende der Besatzung und die politische Gleichbehandlung — etwa gegen „politische Verhaftungen” von Israelis wie die Administrativhaft von Palästinensern. Seine Haltung ist weder pro-Hamas noch nationalistisch, sondern radikal gewaltfrei und binational orientiert: zwei Völker, eine gemeinsame Zukunft.
Verbindungen zu anderen Denkern
- Aziz Abu Sarah — sein palästinensischer Partner. Beide verloren nahe Angehörige durch den Konflikt (Inon seine Eltern am 7. Oktober, Abu Sarah seinen Bruder Tayseer) und entschieden sich gemeinsam gegen Rache. Zusammen Co-CEOs von InterAct International, Co-Autoren von The Future Is Peace und Stimmen des TED-Talks „A Palestinian and an Israeli, Face to Face”.
Wird via Cross-Linking befüllt.












