Gedankenraum
DenkerVita·27. Juli 2026

Margarita Šešelgytė — DenkerVita

Margarita Šešelgytė, Politikwissenschaftlerin in Vilnius, denkt Sicherheit aus der Lage eines Frontstaats am Suwałki-Korridor und wirbt in Europa für strategische Empathie.

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Künstlerhand: Stasys Eidrigevičius (litauischer Plakatkünstler und Maler)

Warum: Eine litauische Hand für eine litauische Stimme — und eine, die die Melancholie der baltischen Nachkriegszeit in Bilder gefasst hat, ohne je ins Klagen zu geraten. Eidrigevičius' Figuren halten etwas fest und schauen dabei still an einem vorbei. Hier hält eine Gestalt ein abgegriffenes Buch an die Brust, daneben auf dem Tisch eine blasse Maske und eine Kerze: das Geschichtsbuch des Großvaters, das in der Sowjetzeit in der Schublade lag, und das Gesicht, das man aufsetzte, um nicht darüber sprechen zu müssen.

Prompt: In the manner of Stasys Eidrigevicius, Lithuanian poster artist: a single melancholic figure in a muted earth-toned interior, holding a small worn book close to the chest; a plain pale mask resting on the table beside a lit candle; textured pastel and tempera surface with cracked-paint quality; restrained palette of ash grey, faded ochre and deep umber; poetic surrealism, quiet dignity, theatrical stillness, no text

Wer spricht?

Margarita Šešelgytė (*7. März 1977 in Vilnius) ist litauische Politikwissenschaftlerin und seit 2019 Direktorin des Instituts für Internationale Beziehungen und Politikwissenschaft (IIRPS / lit. TSPMI) der Universität Vilnius — der wichtigsten politikwissenschaftlichen Adresse des Landes. Ihr Fach ist die europäische Sicherheits- und Verteidigungspolitik, ihr Spezialgebiet die Lage der Kleinstaaten an der NATO-Ostflanke. Bevor sie an die Universität ging, unterrichtete sie am Baltic Defence College in Tartu und an der litauischen Militärakademie. Wenn sie über Aufrüstung spricht, spricht sie aus einem Frontstaat: Litauen grenzt an Kaliningrad und an Belarus, der Suwałki-Korridor ist die schmalste Landverbindung des Baltikums zum Rest der NATO. Abschreckung ist für sie keine theoretische Kategorie, sondern die Frage, wie lange man im eigenen Land allein bleibt.

Biografie

Öffentliche Arbeit, Publikationen & Engagement

Šešelgytė publiziert als Wissenschaftlerin — Fachaufsätze, Buchbeiträge, Policy Papers — und nicht als Sachbuchautorin für den deutschen Markt. Ihre beiden Monografien erschienen auf Litauisch und sind im deutschen Buchhandel nicht erhältlich; hier deshalb die zugänglichen Fachtitel mit Direktlinks.

TitelJahrBeschreibung
Three Waves of European Union Security and Defence Policy Transformation and the Role of Lithuania2024Buchbeitrag in Twenty Years of Lithuania's EU Membership (Hg. Gediminas Vitkus, Vilnius University Press). Drei Umbrüche der europäischen Verteidigungspolitik — und was ein kleines Mitgliedsland darin bewirken kann.
Critical technologies and industrial capabilities: the case of the Baltic States2022Mit Emilė Indrašiūtė, Ares Group Policy Paper 79 (IRIS, kein stabiler Direktlink). Wie die baltischen Staaten kritische Technologien national definieren — und was daraus für Rüstungsindustrie und Abhängigkeiten folgt.
Estonia, Latvia, and Lithuania2022Mit Kristi Raik, in The Nations of NATO (Hg. Thierry Tardy, Oxford University Press). Die drei baltischen Staaten als Bündnispartner: Erwartungen, Beiträge, Verwundbarkeiten.
How to defend society? Baltic responses to hybrid threats2021Mit Neringa Bladaitė, in Small States and the New Security Environment (Springer). Gesellschaftliche Resilienz als Verteidigungsressource kleiner Staaten.
Lithuania as host nation2020In Lessons from the Enhanced Forward Presence, 2017–2020, NDC Research Paper 14, NATO Defense College Rom. Was es für ein Land bedeutet, dauerhaft Bündnistruppen zu beherbergen.
Three themes for NATO 2030 in the Eastern flank2020In Towards NATO 2030 (Latvian Institute of International Affairs). Ihr Dreiklang für die Ostflanke: konventioneller Aufwuchs, Antwort auf hybride Bedrohungen, Stärkung der Wertegemeinschaft.
European defence version 2.0: what does it offer for Lithuania?—Mit Emilė Indrašiūtė. Was die neue Welle europäischer Verteidigungsinitiativen einem kleinen Frontstaat konkret bringt.
Europos Sąjungos bendro gynybos identiteto problema2007Monografie (litauisch), hervorgegangen aus ihrer Dissertation über die gemeinsame Verteidigungsidentität der EU.
Strateginė autonomija ir Europos gynyba: Europos kariuomenės link?2017Sammelband-Mitautorin (litauisch): Strategische Autonomie und die Verteidigung Europas — auf dem Weg zu einer europäischen Armee?

Institutionelle Arbeit: Als Direktorin verantwortet sie das IIRPS/TSPMI mit seinen Studiengängen zu Osteuropa- und Russlandstudien, Internationalen Beziehungen und Diplomatie; sie betreut Promotionen zu gesellschaftlicher Sicherheit in NATO-Kleinstaaten und zu Machtverhältnissen im Cyberraum. Öffentlich ist sie vor allem als erklärende Stimme präsent — in litauischen Medien (LRT, Delfi), in englischsprachigen Formaten (TVP World, FPRI, ICDS) und zunehmend auf europäischen Bühnen.

Empfehlenswerte Videos & Vorträge

Kernthesen

Politische / ideologische Einordnung

Keine Parteibindung erkennbar; sie tritt als Wissenschaftlerin und Institutsleiterin auf, nicht als Politikerin. Ihre Grundhaltung ist klar transatlantisch und proeuropäisch — europäische Verteidigungsfähigkeit ja, aber als Ergänzung der NATO, nicht als deren Ersatz. In der deutschen Debatte steht sie damit auf der Seite derer, die Aufrüstung für notwendig halten; ihre Begründung ist jedoch weniger machtpolitisch als lagebedingt: Sie argumentiert aus der Position eines Kleinstaats, für den die Frage der Bündnisverlässlichkeit existenziell ist. Zu ihrem Profil gehört auch die Nähe zur europäischen Rüstungsforschung (Vorstand der Ares Group, Arbeiten zu kritischen Technologien und industriellen Kapazitäten) — das erweitert ihre Expertise und ist zugleich der Punkt, an dem sich Interesse und Analyse berühren. Auffällig gegen das Klischee vom kompromisslosen Baltikum: Sie bemüht sich ausdrücklich um Verständnis für andere Bedrohungswahrnehmungen, statt sie als Naivität abzutun.

Verbindungen zu anderen Denkern

(wird von Montaigne befüllt)

Gedankenwelten-Notes

Im Bestand

Frieden schaffen mit immer…Jan van AkenDenkerVitaJana PuglierinDenkerVita

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verlinktdieselbe Quelle, nie verlinkt
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