Wer spricht?
Maurice Höfgen (1996, Mönchengladbach) — Ökonom, Publizist, YouTuber. BA Handelsmanagement (Europäische Fachhochschule Brühl, 2017), MA Economics and Strategy in Emerging Markets (Maastricht University, 2019). Ehemaliger wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bundestag (Die Linke), seit 2021 unabhängiger Kommentator. YouTube-Kanal „Geld für die Welt” (251.000+ Abonnenten). Kolumnist der Berliner Zeitung, Forbes 30 Under 30 (2025). Seit 2025 Mitherausgeber von Surplus (mit Isabella M. Weber und Adam Tooze).
Wichtigste Werke: Mythos Geldknappheit (2020), Der neue Wirtschaftskrieg (2022), Teuer! (2023) Kernkonzepte: Modern Monetary Theory (MMT), fiskalische Souveränität, Inflationsanalyse, progressive Wirtschaftspolitik
Biografie
Maurice Höfgen wächst in Mönchengladbach auf — Jahrgang 1996, eine Generation, die den Crash von 2008 als Jugendlicher erlebt und die Eurozone als Krisenkonstrukt kennenlernt. Der erste akademische Weg führt nicht etwa an eine Universität, sondern an die Europäische Fachhochschule in Brühl: Handelsmanagement, Abschluss 2017. Ein pragmatischer Start, der sich als Vorteil erweist — Höfgen denkt nie rein akademisch, sondern immer vom Konkreten her.
Der eigentliche intellektuelle Wendepunkt kommt in Maastricht (2017–2019). An der dortigen University studiert er Economics and Strategy in Emerging Markets — und begegnet der Modern Monetary Theory (MMT). Die heterodoxe Geldtheorie um Stephanie Kelton und Warren Mosler stellt die herrschende Erzählung auf den Kopf: Ein Staat mit eigener Währung kann nicht „pleitegehen”. Was knapp ist, sind nicht Euros, sondern reale Ressourcen — Arbeitskräfte, Material, Infrastruktur. Für Höfgen ist das ein Erweckungserlebnis: Die gesamte Austeritätspolitik der Eurozone basiert auf einer Fehlannahme.
2020 wird zum Schlüsseljahr. Gleich drei Dinge passieren fast gleichzeitig: Er wird wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bundestag für Fabio De Masi (Die Linke), den wahrscheinlich medienaffinsten Wirtschaftspolitiker der Fraktion. Er beginnt als Korrespondent für das Neue Deutschland zu schreiben. Und er veröffentlicht sein erstes Buch: Mythos Geldknappheit — mit 24 Jahren. Im Dezember 2020 startet er den YouTube-Kanal „Geld für die Welt”, der die MMT-Perspektive in alltagstaugliche Sprache übersetzt.
2021 wechselt er zum Brandenburger Bundestagsabgeordneten Christian Görke (Die Linke) und kandidiert — erfolglos — für den Parteivorstand. Das Verhältnis zur Linken kühlt ab: Zu dogmatisch, zu wenig ökonomisch fundiert, so sein Eindruck. 2022 tritt er aus der Partei aus und positioniert sich seither als unabhängiger Kommentator — überparteilich, aber mit klarer progressiver Haltung.
Der YouTube-Kanal explodiert: über 534 Videos, 251.000+ Abonnenten, regelmäßig sechsstellige Aufrufzahlen. Höfgen wird zum meistgesehenen deutschsprachigen Wirtschaftserklärer auf der Plattform. Parallel schreibt er eine Kolumne für die Berliner Zeitung und Gastbeiträge für der Freitag, Jacobin, Makroskop und Makronom.
2025 markiert den nächsten Sprung: Gemeinsam mit der Ökonomin Isabella M. Weber (Greedflation-These) und dem Historiker Adam Tooze (Columbia University) gründet er das Wirtschaftsmagazin Surplus — ein Zeichen dafür, dass Höfgen längst im internationalen Diskurs angekommen ist. Im selben Jahr wird er in die Forbes 30 Under 30-Liste aufgenommen.
Bücher & Publikationen
Bücher
| Jahr | Titel | Verlag | Link |
|---|---|---|---|
| 2020 | Mythos Geldknappheit — Modern Monetary Theory oder warum es am Geld nicht scheitern muss | Schäffer-Poeschel | genialokal |
| 2022 | Der neue Wirtschaftskrieg | genialokal | |
| 2023 | Teuer! Die Wahrheit über Inflation, ihre Profiteure und das Versagen der Politik | dtv | genialokal |
| 2023 | GENUG! Warum wir einen Green New Deal brauchen | (mit Schwerdtner, Kurt, Heinrich u.a.) | genialokal |
Regelmäßige Publikationen
- Surplus — Wirtschaftsmagazin (Mitherausgeber seit 2025, mit Isabella M. Weber & Adam Tooze)
- Berliner Zeitung — Kolumne
- Gastbeiträge: der Freitag, Jacobin, Makroskop, Makronom
Empfehlenswerte Videos & Vorträge
YouTube-Kanal „Geld für die Welt”
- 🎬 Geld für die Welt — 251.000+ Abonnenten, 534+ Videos
- Kurze, prägnante Formate (10–20 Min.), oft tagesaktuell
- Stärke: Komplexe Wirtschaftspolitik in alltagstaugliche Sprache übersetzen
Empfohlene Einstiegsvideos
- Heute Show entlarvt Kanzler Merz! — Arbeitsmarkt-Mythen, Ungleichheit, Merz-Kritik (→ Maurice Hoefgen — Heute Show entlarvt Kanzler Merz)
- Was ist MMT? (Modern Monetary Theory erklärt) — Grundlagenvideo zur Geldtheorie
- Warum Deutschland NICHT pleite gehen kann — Kernthese in 15 Minuten
Gastauftritte
- Jung & Naiv #554 — Maurice Höfgen über MMT — Ausführliches Interview (Tilo Jung)
- WOHLSTAND FÜR ALLE: Maurice Höfgen über Inflation — Podcast mit Wolfgang M. Schmitt
Kernthesen
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Geld ist kein knappes Gut, sondern ein politisches Instrument. Ein Staat mit eigener Zentralbank kann immer zahlen — die Frage ist nie „Können wir uns das leisten?”, sondern „Haben wir die realen Ressourcen?“. Die Schuldenbremse ist daher ein politisches Dogma, kein ökonomisches Naturgesetz.
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Inflation ist kein reines Geldmengenphänomen. Preissteigerungen haben konkrete Ursachen: Lieferkettenprobleme, Energiepreisschocks, Marktmacht von Konzernen (Greedflation). Die Geldpolitik der EZB behandelt Symptome, nicht Ursachen — und bestraft die Falschen (Arbeitnehmer statt Preissetzer).
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Der Arbeitsmarkt ist kein Faulheitsproblem. Deutschland hat eine der höchsten Erwerbstätigenquoten Europas. Die sinkende Durchschnittsarbeitszeit erklärt sich durch steigende Teilzeit (v.a. Frauen) — ein strukturelles, kein moralisches Problem. Lösung: bessere Betreuungsinfrastruktur, nicht Arbeitszwang.
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Wirtschaftspolitik ist Verteilungspolitik. Wer über „den Wirtschaftsstandort” redet, ohne über Verteilung zu reden, verschleiert Interessen. Steuerpolitik, Industriepolitik, Sozialpolitik sind nicht getrennte Felder, sondern ein Gesamtpaket.
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Ökonomische Bildung ist demokratische Notwendigkeit. Wirtschaftsjournalismus reproduziert oft neoliberale Glaubenssätze als Fakten. Gegenöffentlichkeit über YouTube und unabhängige Medien ist deshalb kein Hobby, sondern demokratische Infrastruktur.
Politische Einordnung
Höfgen kommt aus der demokratischen Linken, hat sich aber seit seinem Austritt aus Die Linke (2022) bewusst überparteilich positioniert. Seine Grundhaltung:
- Ökonomisch: Heterodox, MMT-informiert, keynesianisch. Gegen Austerität und Schuldenbremse, für aktive Fiskal- und Industriepolitik. Näher an Stephanie Kelton und Mariana Mazzucato als an den deutschen Wirtschaftsweisen.
- Gesellschaftlich: Progressiv, egalitär. Fokus auf Verteilungsgerechtigkeit, Infrastruktur als öffentliche Aufgabe, Care-Arbeit.
- Methodisch: Empirisch argumentierend, datengetrieben. Kontrastiert bewusst politische Narrative mit Statistiken. Kein Ideologe, sondern Pragmatiker mit klarer Haltung.
- Medienstrategie: YouTube als Primärkanal, Berliner Zeitung als Printbasis, Surplus als internationales Magazin. Bewusste Umgehung des traditionellen Meinungskorridors.
Kritiker werfen ihm Vereinfachung vor — was teilweise stimmt (YouTube-Format bedingt Zuspitzung), aber übersieht, dass er komplexe Zusammenhänge einem breiten Publikum zugänglich macht, das klassische Wirtschaftsmedien nie erreichen.
Verbindungen zu anderen Denkern
Wird von Montaigne befüllt.












