Natalie Amiri
Biographischer Snapshot
Wer spricht?
Natalie Amiri (1978, München) — Deutsch-iranische Journalistin, ARD-Weltspiegel-Moderatorin und eine der profiliertesten Nahost-Expertinnen Deutschlands.
Tochter eines iranischen Vaters aus Yazd und einer deutschen Mutter. Studierte Orientalistik und Islamwissenschaft (Schwerpunkt Iranistik) in Bamberg, lebte über elf Jahre im Iran. Von 2015 bis 2020 leitete sie das ARD-Studio Teheran — bis eine BND-Warnung vor politischer Geiselnahme sie zwang, das Land zu verlassen. Seitdem nicht mehr eingereist. Seit 2024 ARD-Vertretungskorrespondentin in Tel Aviv.
Wichtigste Werke: Zwischen den Welten (2021), Der Nahost-Komplex (2025) Auszeichnungen: Bayerischer Verfassungsorden (2024), Walter-Lübcke-Demokratie-Preis (2024), dreifache Medium-Magazin-Preisträgerin
Biografie
Natalie Amiri wächst in München als Tochter einer deutschen Mutter und eines iranischen Vaters auf — der Vater kam 1965 als Teppichexperte aus Yazd nach Deutschland. Die Kindheit ist geprägt von Reisen in den Iran, die ihr eine doppelte Innenperspektive verleihen: Sie spricht Persisch und Deutsch, bewegt sich in beiden Welten.
Nach dem Abitur an der Waldorfschule studiert sie Orientalistik und Islamwissenschaft in Bamberg mit Schwerpunkt Iranistik. Ein DAAD-Stipendium bringt sie 2001 nach Teheran und Damaskus. Bereits 1998, noch während des Studiums, absolviert sie ein Praktikum bei der iranischen Reformzeitung Asr-e Azadegan — erste Berührung mit dem iranischen Journalismus und den Reformbewegungen.
Nach dem Diplom 2005 arbeitet sie in der Presse- und Politikabteilung der deutschen Botschaft in Teheran. 2007 wechselt sie zur ARD und wird Korrespondentin im Studio Teheran. Sie berichtet über Themen, die das Regime unterdrückt: Hinrichtungen, Drogenkonsum, Frauenrechte, afghanische Söldner. Ihre Pressekarte wird zeitweise entzogen. Der iranische Geheimdienst versucht 2010, sie als Spionin anzuwerben. Sie wird mehrfach festgenommen und verhört.
2014 übernimmt sie die Moderation des Weltspiegel im Ersten. 2015 kehrt sie als Leiterin des ARD-Studios nach Teheran zurück — die nächsten fünf Jahre wird sie zur am längsten durchgehend stationierten deutschen TV-Korrespondentin im Iran. Im Mai 2020 muss sie das Land nach einer Warnung des Auswärtigen Amtes verlassen: Sie sei in Gefahr, als politische Geisel genommen zu werden. Seitdem ist sie nicht mehr eingereist.
2024 beginnt ein neues Kapitel: Amiri wird Vertretungskorrespondentin im ARD-Studio Tel Aviv. Der Nahe Osten bleibt ihr Terrain — jetzt von der anderen Seite der Frontlinie.
Privat lebt sie als alleinerziehende Mutter eines Sohnes in München. Sie spricht fünf Sprachen: Deutsch, Persisch, Englisch, Französisch, Arabisch.
Bücher & Publikationen
- Zwischen den Welten. Von Macht und Ohnmacht im Iran (Aufbau, 2021) — Autobiographisches Werk über ihre Zeit als Korrespondentin im Iran. Bestseller
- Afghanistan. Unbesiegter Verlierer (Aufbau, 2022)
- Die mutigen Frauen Irans: Wir haben keine Angst! (Elisabeth Sandmann Verlag, 2023)
- Der Nahost-Komplex. Von Menschen, Träumen und Zerstörung (Penguin, 2025) — 3 Wochen nach Erscheinen in 3. Auflage
Empfehlenswerte Videos & Vorträge
- phoenix persönlich: Natalie Amiri zu Gast bei Theo Koll — Über die aktuelle Lage im Iran, die Fragilität des Regimes und persönliche Betroffenheit (April 2026)
Kernthesen
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Das iranische Regime befindet sich im Übergang vom Gottesstaat zur Militärdiktatur — Die neuen Machthaber sind keine Mullahs mehr, sondern Revolutionsgardisten. Der Übergang ist faktisch bereits vollzogen, auch wenn er nicht offiziell deklariert ist.
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Die iranische Gesellschaft ist die „unislamischste der islamischen Welt” — Es gibt eine fundamentale Kluft zwischen Regime und Bevölkerung. Die Mehrheit lehnt die Islamische Republik ab und wünscht sich Demokratie.
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Das Regime überlebt durch Brutalität, nicht durch Legitimität — Hinrichtungen, Checkpoints, Schlägertruppss — die Herrschaft stützt sich auf nackte Gewalt und systematische Einschüchterung, nicht auf ideologische Überzeugung.
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Die doppelte Perspektive als journalistischer Vorteil — Amiris deutsch-iranische Biografie, ihre Sprachkenntnisse und ihr Netzwerk vor Ort machen sie zu einer der wenigen westlichen Journalistinnen mit echtem Zugang zur iranischen Gesellschaft.
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Der Westen unterschätzt die Kosten seines Nicht-Handelns — Während Trump einen Deal sucht und Deutschland „keine Rolle spielt”, leidet die iranische Bevölkerung unter einer wirtschaftlichen und humanitären Katastrophe.
Politische Einordnung
Klar regimekritisch, aber differenziert — Amiri trennt konsequent zwischen dem Regime und der iranischen Bevölkerung. Sie ist keine Aktivistin, sondern Journalistin: Ihre Haltung zeigt sich in der Auswahl der Themen (Hinrichtungen, Frauenrechte, Korruption), nicht in Parolen. Keine parteipolitische Zuordnung erkennbar.
Verbindungen zu anderen Denkern
- Gesine Schwan — Beide analysieren Machtstrukturen und den Unterschied zwischen Gestaltungsmacht und Herrschaftsmacht. Amiri dokumentiert die nackte Herrschaftsmacht des iranischen Regimes; Schwan entwickelt die theoretische Alternative.
Gedankenwelten-Notes
- Natalie Amiri — Hoelle auf Erden im Iran — phoenix persönlich: Lage im Iran, Fragilität des Regimes, wirtschaftliche Katastrophe (April 2026)












