Gedankenraum
DenkerVita·3. Juni 2026

Petra Gehring — DenkerVita

Die Darmstädter Philosophin Petra Gehring kam von Foucault zur Digitalethik und holt Bürgerinnen und Bürger an den Tisch, an dem über den digitalen Euro entschieden wird.

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Flache Editorial-Illustration — Viele vielfältige Bürgerhände ordnen sich um eine große leuchtende Digital-Euro-Münze wie an einem partizipativen runden Tisch, formen gemeinsam eine Schaltkreis-Stadt der Infrastruktur, Sprechblasen und Zahnräder. Der klare Stil trägt Gehrings Digitalethik — wie man digitale Infrastrukturen partizipativ gestaltet.

Prompt: Bold flat editorial illustration, 1200x500 wide banner. Many diverse citizen hands arranged around a large glowing digital-euro coin like a participatory round table, shaping a circuit-city of infrastructure together, speech bubbles and gears; participatory design of digital infrastructure and digital ethics. Teal, warm gold, coral, cream, clean vector shapes. No photorealism, no realistic faces.

Wer spricht?

Petra Gehring (TU Darmstadt) — Philosophieprofessorin und Wissenschaftliche Direktorin des Zentrums für verantwortungsbewusste Digitalisierung (ZEVEDI) in Hessen. Hintergrund in der kontinentalen Philosophie (Foucault, Derrida), heute vor allem angewandte Digitalethik und Policy-Design. Ihr Kernprojekt: Wie gestaltet man digitale Infrastrukturen partizipativ? 2022 leitete sie das Bürgergutachten digitaler Euro — ein partizipatives Assessment, das erhebt, was Laien vom CBDC-Design erwarten. Mit dem Podcast Digitalgespräch (ZEVEDI/CWD) macht sie Digitaldebatten öffentlich zugänglich.


Biografie

Petra Gehring studierte und promovierte in der kontinentalen Philosophie — Schwerpunkte Foucault, Derrida, Lyotard. Ihre Habilitation lag im Bereich Rechtsphilosophie. Seit 2002 ist sie Professorin für Philosophie an der TU Darmstadt.

Der entscheidende Wendepunkt: Ab etwa 2020 verlagerte sie ihre philosophische Arbeit von der Textanalyse zu einer genuinen Policy-Philosophie. Die Gründung des ZEVEDI (Zentrum für verantwortungsbewusste Digitalisierung) — ein hessisches Forschungsnetzwerk — markiert diesen Schwenk. Die Frage ist nicht mehr: Was sagt Foucault über Macht? Sondern: Wie implementiert man Verantwortung in digitale Infrastrukturen?

Ihren breitesten öffentlichen Resonanzboden findet sie mit dem digitalen Euro: Sie organisierte das erste deutsche Bürgergutachten zu diesem Thema (2022), das mit Fokusgruppen erhebt, was Laien von einem digitalen Zentralbankgeld erwarten. Das Ergebnis: Bürgerinnen und Bürger haben klarere und informiertere Erwartungen als oft angenommen — wenn man sie erstmal einführt in das Thema.


Bücher & Publikationen


Empfehlenswerte Videos & Vorträge


Kernthesen

  1. Digitale Infrastrukturen sind politische Entscheidungen — Zahlungssysteme kodieren Machtfragen: Wer kontrolliert Geldflüsse? Wer kann ausgeschlossen werden?
  2. Partizipation als Methode — Technologie ohne Bürgerbeteiligung schafft Legitimitätsdefizite. Der digitale Euro muss mit Laien, nicht nur Technikern gestaltet werden.
  3. Verantwortung ist implementierbar — Nicht moralische Appelle, sondern Design-Entscheidungen (Haltelimit, Datenschutz-Architektur, Offline-Fähigkeit) sind das Instrument.
  4. Bargeld-Eigenschaften als demokratisches Gut — Offline-Fähigkeit, Pseudonymität, Inklusion sind keine technischen Extras, sondern demokratisch begründete Mindestanforderungen.
  5. Partizipationsarmer Prozess ist das Kernproblem — Der digitale Euro wird ohne europäische Öffentlichkeit verhandelt. Bürgerpräferenzen verschwinden hinter Lobbying-Asymmetrien (58:1).

Verbindungen zu anderen Denkern

[Montaigne folgt]


Gedankenwelten-Notes

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