Wer spricht?
Petra Gehring (TU Darmstadt) — Philosophieprofessorin und Wissenschaftliche Direktorin des Zentrums für verantwortungsbewusste Digitalisierung (ZEVEDI) in Hessen. Hintergrund in der kontinentalen Philosophie (Foucault, Derrida), heute vor allem angewandte Digitalethik und Policy-Design. Ihr Kernprojekt: Wie gestaltet man digitale Infrastrukturen partizipativ? 2022 leitete sie das Bürgergutachten digitaler Euro — ein partizipatives Assessment, das erhebt, was Laien vom CBDC-Design erwarten. Mit dem Podcast Digitalgespräch (ZEVEDI/CWD) macht sie Digitaldebatten öffentlich zugänglich.
Biografie
Petra Gehring studierte und promovierte in der kontinentalen Philosophie — Schwerpunkte Foucault, Derrida, Lyotard. Ihre Habilitation lag im Bereich Rechtsphilosophie. Seit 2002 ist sie Professorin für Philosophie an der TU Darmstadt.
Der entscheidende Wendepunkt: Ab etwa 2020 verlagerte sie ihre philosophische Arbeit von der Textanalyse zu einer genuinen Policy-Philosophie. Die Gründung des ZEVEDI (Zentrum für verantwortungsbewusste Digitalisierung) — ein hessisches Forschungsnetzwerk — markiert diesen Schwenk. Die Frage ist nicht mehr: Was sagt Foucault über Macht? Sondern: Wie implementiert man Verantwortung in digitale Infrastrukturen?
Ihren breitesten öffentlichen Resonanzboden findet sie mit dem digitalen Euro: Sie organisierte das erste deutsche Bürgergutachten zu diesem Thema (2022), das mit Fokusgruppen erhebt, was Laien von einem digitalen Zentralbankgeld erwarten. Das Ergebnis: Bürgerinnen und Bürger haben klarere und informiertere Erwartungen als oft angenommen — wenn man sie erstmal einführt in das Thema.
Bücher & Publikationen
- Petra Gehring — Publikationen TU Darmstadt
- Suche: Petra Gehring Philosophie bei genialokal
- ZEVEDI eFin & Democracy — Forschungsberichte
- Bürgergutachten digitaler Euro (ZEVEDI, 2022)
Empfehlenswerte Videos & Vorträge
- re:publica 26 — Digitale Unabhängigkeit & monetäre Souveränität — mit Sebastian Gießmann, Mai 2026
- Podcast Digitalgespräch (ZEVEDI/CWD) — laufende Reihe zu digitalen Debatten und Demokratie
Kernthesen
- Digitale Infrastrukturen sind politische Entscheidungen — Zahlungssysteme kodieren Machtfragen: Wer kontrolliert Geldflüsse? Wer kann ausgeschlossen werden?
- Partizipation als Methode — Technologie ohne Bürgerbeteiligung schafft Legitimitätsdefizite. Der digitale Euro muss mit Laien, nicht nur Technikern gestaltet werden.
- Verantwortung ist implementierbar — Nicht moralische Appelle, sondern Design-Entscheidungen (Haltelimit, Datenschutz-Architektur, Offline-Fähigkeit) sind das Instrument.
- Bargeld-Eigenschaften als demokratisches Gut — Offline-Fähigkeit, Pseudonymität, Inklusion sind keine technischen Extras, sondern demokratisch begründete Mindestanforderungen.
- Partizipationsarmer Prozess ist das Kernproblem — Der digitale Euro wird ohne europäische Öffentlichkeit verhandelt. Bürgerpräferenzen verschwinden hinter Lobbying-Asymmetrien (58:1).
Verbindungen zu anderen Denkern
[Montaigne folgt]












