Biografie
- Menschenrechtsanwalt, Fachanwalt für Strafrecht mit Schwerpunkt europäisches und internationales Strafrecht (Völkerstrafrecht) sowie Menschenrechte.
- Geboren am 13. August 1960 in Neuendettelsau, aufgewachsen in Jülich bei Aachen. Kind zweier Flüchtlinge (Mutter aus dem rumänischen Siebenbürgen, Vater aus Königsberg). Deutscher.
- Ausbildung: Studium der Rechtswissenschaft in Bonn. 1990 Teil des Referendariats in Guatemala bei der Comisión de Derechos Humanos de Guatemala — die Begegnung mit Angehörigen von Folter- und Gewaltopfern prägte seinen Werdegang: „Dort ist mir mein Land fremd geworden.”
- Werdegang: 1991 Gründung einer Berliner Kanzlei im Haus der Demokratie und Menschenrechte (heute „dka Rechtsanwälte/Fachanwälte”). Vertrat zunächst DDR-Bürgerrechtler, Opfer rechter Gewalt, Kriegsdienstverweigerer. Ab 1998 in der „Koalition gegen Straflosigkeit” — Strafverfolgung argentinischer Militärs für Verbrechen der Diktatur (1976–1983). Bundesvorsitzender des Republikanischen Anwältinnen- und Anwältevereins (RAV).
- Gründer und Generalsekretär des ECCHR (European Center for Constitutional and Human Rights, Berlin, seit 2007) — eine gemeinnützige Menschenrechtsorganisation, die auf transnationale Prozessführung aus Europa heraus setzt, gemeinsam mit Betroffenen, um staatliche und nicht-staatliche Akteure zur Verantwortung zu ziehen.
- Breiter bekannt als anwaltlicher Vertreter des Whistleblowers Edward Snowden.
- Aufsehenerregende Verfahren: Strafanzeige 2006 gegen US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld und CIA-Chef George Tenet wegen der Folter in Abu Ghraib (vom Generalbundesanwalt abgelehnt); 2017 Anzeige gegen die spätere CIA-Direktorin Gina Haspel wegen Beteiligung an Folter.
- Auszeichnungen: Hermann-Kesten-Preis (2014), Hans-Litten-Preis (2016), Bruno-Kreisky-Preis für Verdienste um die Menschenrechte (2017), Max-Friedlaender-Preis (2018), Bassiouni Justice Award (2019).
Bücher & Publikationen
| Titel | Jahr | Beschreibung |
|---|---|---|
| Die Stärke des Rechts vs. Das Recht des Stärkeren | 2026 | Plädoyer für Völkerrecht und Menschenrechte — sein aktuellstes Buch zur Krise der internationalen Ordnung. |
| Die konkrete Utopie der Menschenrechte | 2021 | „Ein Blick zurück in die Zukunft” — Menschenrechte nicht als abstraktes Ideal, sondern als erkämpfte, unvollendete Praxis. |
| Mit Recht gegen die Macht | 2015 | „Unser weltweiter Kampf für die Menschenrechte” — die Arbeit des ECCHR gegen Straflosigkeit von Mächtigen. |
| Mit zweierlei Maß | 2012 | „Der Westen und das Völkerstrafrecht” — über die selektive Anwendung des Völkerstrafrechts. |
| Unternehmen vor Gericht | 2016 | Mit Miriam Saage-Maaß: globale Kämpfe um Unternehmensverantwortung für Menschenrechtsverletzungen. |
| Kampf gegen die Straflosigkeit | 2010 | „Argentiniens Militärs vor Gericht” — die juristische Aufarbeitung der Diktatur. |
| Recht gegen rechts. Report 2020 | 2020 | Als Mitherausgeber: der Zustand der Justiz im Umgang mit rechter Gewalt. |
| Dekoloniale Rechtskritik und Rechtspraxis | 2020 | Als Herausgeber mit Karina Theurer: koloniale Kontinuitäten im Recht. |
Empfehlenswerte Videos & Vorträge
- Ist das Völkerrecht gescheitert, Wolfgang Kaleck? — Weltunordnung — Rosa-Luxemburg-Stiftung, direkt am Thema: Krise, Doppelstandards und Zukunft des Völkerrechts (ca. 67 Min).
- Menschenrechtsanwalt Wolfgang Kaleck (ECCHR) — Jung & Naiv: Folge 755 — ausführliches Porträtgespräch über Werdegang, Snowden, Abu Ghraib und die Idee transnationaler Prozessführung (über 3 Std).
- (Re)konstruktion: Menschenrechtsrevolution — medico international, Kaleck im Gespräch mit dem chilenischen Aktivisten Rodrigo Mundaca über Menschenrechte als globale Bewegung (ca. 62 Min).
Kernthesen
- Menschenrechte sind „konkrete Utopie”: kein fertiger Zustand, sondern ein historischer Prozess — errungen in konkreten Kämpfen, nie vollendet, immer bedroht. Recht setzt man „in die Welt”, indem man Fälle öffentlich macht.
- Der Westen misst mit zweierlei Maß. Völkerstrafrecht wird selektiv angewandt — gegen die Schwachen durchgesetzt, gegen die eigenen Mächtigen (Abu Ghraib, Folter, CIA) meist folgenlos. Diese Glaubwürdigkeitslücke untergräbt das Völkerrecht selbst.
- Transnationale Prozessführung von unten: Recht als Werkzeug der Machtlosen — aus Europa heraus, gemeinsam mit Betroffenen aus den Herkunftsregionen, staatliche wie unternehmerische Täter zur Verantwortung ziehen.
- Straflosigkeit ist der eigentliche Feind. Wo Verbrechen ungesühnt bleiben — Diktaturen, Kriegsverbrechen, Konzernverantwortung —, verrottet die Idee der Gleichheit vor dem Recht.
- Das Völkerrecht ist in der Krise, aber nicht tot. Gerade wenn das „Recht des Stärkeren” zurückkehrt, braucht es das Beharren auf der „Stärke des Rechts” — als Gegenprojekt, nicht als naive Hoffnung.
Politische / ideologische Einordnung
Kaleck steht in der Tradition der linken, bürgerrechtlich orientierten Anwaltschaft (RAV, VDJ). Er versteht juristische Arbeit ausdrücklich politisch — als Mittel, Machtverhältnisse sichtbar und angreifbar zu machen. Publiziert u.a. bei der Heinrich-Böll-Stiftung und der Rosa-Luxemburg-Stiftung; Schwerpunkte sind postkoloniale Rechtskritik, Unternehmensverantwortung und die Verfolgung von Menschenrechtsverletzungen westlicher Staaten. Seine Kritik richtet sich weniger gegen das Völkerrecht als Idee als gegen dessen selektive Durchsetzung durch die Mächtigen.
Verbindungen zu anderen Denkern
(wird von Montaigne befüllt)












