→ Gedankenwelten-Notes: Adriaan van Wagensveld — Ksitigarbha die Wunden als Schatz


Biographischer Snapshot

Wer spricht?

Adriaan van Wagensveld — deutschsprachiger Vipassana-Lehrer, der seit 2008 eigenständig unterrichtet und mit seiner Frau Kati mehrmals jährlich 10-tägige Retreats in Haus Tabor (Vallendar bei Koblenz) leitet.

Ausgebildet als Novize in der Thich-Nhat-Hanh-Tradition (Plum Village), nicht in der Goenka-Linie — methodisch eigenständig, verankert im Satipatthana Sutta, mit Mahayana-Einflüssen (Bodhisattva-Ideal, Ksitigarbha). Beim Vortrag “Warum wir leiden… und wie Ksitigarbha einen Ausweg zeigt” (3. Januar 2026) leitete er sein 88. 10-tägiges Retreat.

Wichtigste Formate: 10-Tage-Retreats in Haus Tabor · Vipassana@Home (Online-Gemeinschaft) · Podcast Vipassana Jetzt · Wöchentlicher YouTube-Livestream Website: vipassana-jetzt.com


Biografie

Herkunft und spirituelle Formation

Adriaan van Wagensveld ist niederländischer Herkunft und unterrichtet auf Deutsch. Der entscheidende Wendepunkt seines Lebens war die Ausbildung als Novize im Plum Village — der Gemeinschaft von Thich Nhat Hanh in der Dordogne, Frankreich. Diese Prägung unterscheidet ihn fundamental von den meisten deutschsprachigen Vipassana-Lehrern: Während die Mehrzahl aus der Goenka-Linie stammt (mit ihrer strengen Technik-Orientierung und dem Verzicht auf Lehrer-Persönlichkeit), bringt Adriaan das Mahayana-Element des Bodhisattva-Ideals mit — die Verpflichtung, solange zurückzukehren, bis das letzte Lebewesen befreit ist.

Eigenständige Lehrtätigkeit ab 2008

Seit 2008 unterrichtet Adriaan eigenständig. Mit seiner Frau Kati leitet er mehrmals jährlich 10-tägige Retreats in Haus Tabor, einer katholischen Bildungsstätte in Vallendar bei Koblenz — eine ungewöhnliche Wahl, die seinen ökumenischen Ansatz spiegelt: Vipassana als Technik, nicht als Konfession.

Der Podcast Vipassana Jetzt und der wöchentliche YouTube-Livestream haben ihm eine wachsende deutschsprachige Online-Gemeinschaft eingebracht. Vipassana@Home ist sein Online-Angebot für Praktizierende, die keine Retreats besuchen können.

Ein persönlich bedeutsamer Moment: Beim 88. Retreat am 3. Januar 2026 schildert er öffentlich seine eigene Überforderung — er konnte nicht mit bestimmten Menschen in seinem Leben in Frieden kommen. Die befreiende Einsicht: “Ich muss auch was für die anderen übrig lassen. Wo ich nicht das passende Instrument bin, ist vielleicht jemand anders.” Diese Verletzlichkeit als öffentlicher Lehrer ist ungewöhnlich und authentisch.


Bücher & Publikationen

Adriaan van Wagensveld hat (Stand 2026) keine Bücher veröffentlicht. Sein primäres Medium sind Retreats, Podcast und YouTube.

Empfohlene Texte aus seiner Tradition:


Empfehlenswerte Videos & Vorträge


Kernthesen

1. Befreiungspragmatismus statt metaphysischer Gewissheit

Der Buddha beantwortete 45 Jahre lang keine großen metaphysischen Fragen. Adriaan führt das konsequent weiter: Ob Karma, Bewusstsein als Primärsubstanz oder konventioneller Materialismus — wähle das Modell, das am meisten zur Befreiung und zum Leben beiträgt. Nicht Dogma, sondern Wirksamkeit.

2. Das Bodhisattva-Ideal als spirituelle Grammatik

Adriaan findet das Theravada-Ziel (vollständige Befreiung als Austritt aus dem Samsara) “unstimmig”. Das Mahayana-Ideal — solange zurückkehren, bis das letzte Lebewesen befreit ist — entspricht seiner Intuition: Befreiung nicht als Austritt, sondern als freies Engagement. Der Buddha selbst blieb 45 Jahre nach seiner Erleuchtung.

3. Die Wunden als Schatz

Die entscheidende Umkehrung: Was jetzt Verletzung, Verwirrung und Verblendung ist, wird nach der eigenen Befreiung der größte Schatz. Ksitigarbha ist wirksam nicht trotz, sondern wegen seiner Erfahrung in der Hölle. Wer selbst angekettet war, kann glaubwürdig zeigen: “Ich war da. Und ich habe einen Weg rausgefunden.”

4. Ich bin nicht die Emotion — ich beobachte sie

Der praktische Kern des Satipatthana: “Ich bin wütend” ist die Hölle. “Wut wird wahrgenommen im Wahrnehmungsfeld” ist der Ausgang. Die Emotion existiert — aber sie ist nicht das Subjekt. Das Feuer brennt lokal, nicht überall.

5. Unvollständige Befreiung als legitimer Ausgangspunkt

Du musst nicht fertig sein, um zu helfen. Adriaan beschreibt seine eigene Überforderung als Lehrer — und die befreiende Einsicht: Nicht alles auf sich nehmen, nicht perfekt sein müssen. Die eigene Wunde ist keine Schwäche, die versteckt werden muss — sie ist die Brücke.


Verbindungen zu anderen Denkern

(wird von Montaigne befüllt)


Gedankenwelten-Notes