Gedankenraum
DenkerVita·30. April 2026

Alex Demirović — DenkerVita

Frankfurter Schule, mit Gramsci und Foucault gekreuzt: Alex Demirović liest den Staat als Verdichtung von Kräfteverhältnissen und will Demokratie auch in der Wirtschaft.

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Russischer Konstruktivismus (Rodtschenko) — Scharfe Diagonalen, ein strukturelles Diagramm der Macht: ein alles sehendes Auge an der Spitze eines rot-schwarzen Gerüsts aus Zahnrädern und Pfeilen, das auf kleine Figuren drückt, ein Riss des Widerstands hindurch. Die Agitprop-Geometrie trägt Demirovićs kritische Theorie der Herrschaft.

Prompt: Russian Constructivism, Rodchenko style, sharp diagonals, 1200x500 wide banner. An angular structural diagram of power: an all-seeing eye at the apex of a red-and-black scaffold of interlocking gears, arrows and grids pressing on small figures below; a crack of resistance running through it. Red, black, off-white, bold geometric agitation. No photorealism, no realistic faces.

→ Gedankenwelten-Notes: Alex Demirović und Isabell Lorey — Foucaults Gouvernementalität


Biographischer Snapshot

Wer spricht?

Alex Demirović (17. Mai 1952, Darmstadt) — Sozialwissenschaftler, Vertreter der Kritischen Theorie, Senior Fellow der Rosa-Luxemburg-Stiftung, apl. Professor an der Goethe-Universität Frankfurt.

Studium ab 1971 (Philosophie, Soziologie, Germanistik) in Frankfurt, Marburg und Paris. Promotion 1979 bei Alfred Schmidt. Habilitation 1992 in Politikwissenschaft. 1990–2001 am Institut für Sozialforschung Frankfurt (Horkheimer/Adorno-Institut). 2003 wurde seine Berufung auf eine Soziologieprofessur in Frankfurt vom Senat blockiert — internationale Petition u.a. von Judith Butler, Nancy Fraser, Wendy Brown. Host des Theorie-Podcasts tl;dr (Rosa-Luxemburg-Stiftung).

Wichtigste Werke: Der nonkonformistische Intellektuelle (1999/2023), Nicos Poulantzas (1987), Demokratie und Herrschaft (1997) Kernthemen: Materialistische Staatstheorie (Poulantzas, Gramsci), Demokratietheorie, Kritische Theorie, Diskursanalyse


Biografie

Alex Demirović ist einer jener seltenen Intellektuellen, die die Tradition der Frankfurter Schule nicht nur verwalten, sondern weiterdenken — und dabei offen genug sind, sie mit Foucault, Gramsci und Poulantzas zu kreuzen. Kein orthodoxer Marxist, aber ein linker Denker, der an der „Vision einer freien und humanen Gesellschaft jenseits des Kapitalismus" festhält.

Seine prägenden Jahre am Institut für Sozialforschung (1990–2001) verbinden ihn direkt mit der Tradition von Horkheimer und Adorno. Die blockierte Berufung 2003 — obwohl von internationalen Größen wie Butler und Fraser unterstützt — zeigt die politischen Grenzen kritischer Wissenschaft im deutschen Universitätssystem.

Der Theorie-Podcast tl;dr (Too long, didn't read) ist sein aktuelles Vermittlungsprojekt: tiefe Gespräche über theoretische Texte mit wechselnden Expert:innen — von Marx über Gramsci bis Foucault. In gewisser Weise die Fortführung der Frankfurter Seminar-Tradition in Podcast-Form.

Seit 2025 im Vorstand der Rosa-Luxemburg-Stiftung. nd-Kolumnist (jeden 4. Montag). ver.di-Mitglied. Mitgründer der Assoziation für kritische Gesellschaftsforschung.


Bücher & Publikationen

WerkJahrEinordnung
Nicos Poulantzas. Eine kritische Auseinandersetzung1987 (Neuaufl. 2007)Materialistische Staatstheorie
Demokratie und Herrschaft. Aspekte kritischer Gesellschaftstheorie1997Verhältnis von Demokratie und Herrschaft
Der nonkonformistische Intellektuelle1999 (Neuaufl. 2023)Hauptwerk. Geschichte der Kritischen Theorie in der Nachkriegszeit
Demokratie in der Wirtschaft2007Wirtschaftsdemokratie
Wissenschaft oder Dummheit?2015Zerstörung der Rationalität in Bildungsinstitutionen
Marx als Demokrat oder: Das Ende der Politik2025Marx' Demokratietheorie

Empfehlenswerte Videos & Vorträge


Kernthesen

  1. Der Staat ist kein monolithisches Ding: In der Tradition von Poulantzas versteht Demirović den Staat als Verdichtung gesellschaftlicher Kräfteverhältnisse — nicht als neutralen Apparat oder bloßes Herrschaftsinstrument.
  2. Demokratie braucht Wirtschaftsdemokratie: Politische Demokratie ohne demokratische Kontrolle der Wirtschaft bleibt eine Halbheit — die ökonomische Rationalität muss demokratisch eingehegt werden.
  3. Kritische Theorie muss sich öffnen: Die Frankfurter Schule allein reicht nicht — Foucault (Diskursanalyse), Gramsci (Hegemonie), Poulantzas (Staatstheorie) ergänzen, was Adorno und Horkheimer offen ließen.
  4. Sozialistische Gouvernementalität muss erfunden werden: Mit Foucault: Der Sozialismus hat keine eigene Regierungskunst entwickelt — sie lässt sich nicht aus Texten ableiten, sondern muss in der Praxis erfunden werden.
  5. Intellektuelle als Nonkonformisten: Der kritische Intellektuelle steht quer zum akademischen Betrieb — nicht als Außenseiter, sondern als jemand, der die Regeln des Spiels sichtbar macht.

Politische Einordnung

Linkssozialistische, marxistische Position — hält an der Vision einer Gesellschaft jenseits des Kapitalismus fest. Parteinähe: Die Linke (2025 Wahlaufruf). Vorstand der Rosa-Luxemburg-Stiftung (parteinahe Stiftung der Linken). ver.di-Mitglied. Mitgründer der Assoziation für kritische Gesellschaftsforschung. Theoretisch fundierter Aktivist-Intellektueller in der Tradition der Frankfurter Schule, aber offen für poststrukturalistische und gramscianische Ansätze.


Verbindungen zu anderen Denkern


Gedankenwelten-Notes

Im Bestand

Alex Demirović und Isabell…Foucaults GouvernementalitätIsabell LoreyDenkerVitaMichel FoucaultDenkerVita

drei gedachte Verweise

verlinktdieselbe Quelle, nie verlinkt
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