Gedankenraum
DenkerVita·16.08.2026

Alexander Teske — DenkerVita

Sechs Jahre plante Alexander Teske mit, was in die Tagesschau kommt. Sein Befund aus ostdeutscher Sicht: Die Verzerrung beginnt bei der Themenauswahl eines sozial engen Milieus.

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Ben Shahn — Gouache und Pinseltusche, spröde Konturlinie über flacher Deckfarbe, Erdrot und Ocker. Eine einzelne sitzende Gestalt vor einer Planungswand voller Themenkarten, eine Karte prüfend in der Hand; der Stapel der aussortierten liegt zu ihren Füßen. Rechts ein Fenster auf eine Reihe schmuckloser Wohnblocks.

Shahns Hand malte ein Leben lang Einzelne vor Apparaten, und Teskes Kernthese verlangt genau dieses Bild: Die Entscheidung fällt nicht in der Formulierung, sondern bei der Auswahl — wer die Planungsliste macht, braucht keine Tendenz im Text. Der Blick aus dem Fenster gehört zur Biografie, nicht zur Dekoration.

Prompt: Gouache and brush-ink illustration in the style of Ben Shahn, brittle nervous outline over flat opaque colour, wide banner. A lone seated figure at a large planning wall covered with small rectangular topic cards arranged in a grid; the figure holds one card up while a scatter of discarded cards lies on the floor below the wall. To the right a tall narrow window shows a distant row of plain apartment blocks under a pale sky. Palette: earth red, ink black, ochre, dull teal, cream paper ground. Matte flat washes, visible dry brush texture, hard spidery contour lines. No photorealism, no realistic faces, no legible text.

Biografie

Journalist und Sachbuchautor, geboren 1971 in Leipzig, lebt und arbeitet in Hamburg. Über dreißig Jahre im Beruf — und fast die gesamte Zeit davon in genau jenem System, das er heute kritisiert.

Seine Biografie ist die eines Aufsteigers aus dem ostdeutschen Nachrichtenhandwerk: ab 1994 freier Journalist (Beiträge für Stern, Focus, Dresdner Morgenpost, AP, RTL), ab 1996 fester freier Mitarbeiter im MDR-Landesfunkhaus Sachsen. Von 1998 bis 2003 fünf Jahre Privatfernsehen — Redakteur und stellvertretender Redaktionsleiter beim Fernsehzentrum Leipzig (Camp TV), zuständig für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, mit Beiträgen für Sat.1, Pro7, N24 und Kabel 1. Von 2003 bis 2017 dann gehobener Redakteur bei MDR aktuell in Leipzig: Redakteur vom Dienst, Planer, Chef vom Dienst, Reporterstücke und Liveschalten für Tagesschau, Tagesthemen, Brennpunkt, Morgen- und Mittagsmagazin. Von 2014 bis 2017 zugleich Vorsitzender des Beirats der MDR-Intendantin.

Von Januar 2018 bis Dezember 2023 war er Redakteur in der crossmedialen Planung bei ARD-aktuell in Hamburg — sechs Jahre in dem Gremium, das entscheidet, was überhaupt in die Tagesschau kommt, bevor irgendjemand über die Formulierung streitet. Seit Januar 2024 arbeitet er als freier Journalist und Autor.

Die DDR-Sozialisation benennt er selbst als den Bruch, der ihn im ARD-Milieu nie ganz heimisch werden ließ: „ich hatte das Gefühl, in der ARD aufgrund meiner Herkunft nicht dazuzugehören". Dieses Fremdeln ist nicht Beiwerk seiner Medienkritik, sondern deren Ausgangspunkt — er schreibt über Herkunft, weil er sie am eigenen Leib als Zugangsschranke erfahren hat.

(Kein Wikipedia-Artikel vorhanden, Stand 08/2026 — biografische Angaben nach seiner eigenen Vita-Seite und Presseberichten.)

Bücher & Publikationen

TitelJahrBeschreibung
inside TAGESSCHAU — Zwischen Nachrichten und Meinungsmache2025Insiderbericht aus sechs Jahren Tagesschau-Planung: wie Themen gesetzt, Experten ausgewählt und unbequeme Stoffe verzögert werden. Spiegel-Bestsellerliste 16 Wochen (Höchstplatz 3), Börsenblatt Sachbuch Paperback 20 Wochen (Höchstplatz 2). Verlag: Langen Müller.
Schwarzbuch Staatsfunk — Desinformation statt Information2026Nicht sein Buch, sondern ein Beitrag darin. Herausgeber sind Josef Kraus und Walter Krämer; Teske ist einer von rund 33 Autoren des Sammelbands und schildert darin aus eigener Erfahrung, wie unliebsame Themen blockiert und Experten nach politischer Passung gefiltert worden seien. Erschienen 22.06.2026, ebenfalls Langen Müller.

(Teske bietet beide Bücher signiert per Mail an kontakt@alexander-teske.de an — daraus folgt keine Autorschaft am Schwarzbuch über seinen Einzelbeitrag hinaus.)

Öffentliche Arbeit & Kanal

Empfehlenswerte Videos & Vorträge

Kernthesen

Politische / ideologische Einordnung

Teske ist ein Binnenkritiker des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, dessen Argument im Kern ein soziologisches ist — und das macht seine Einordnung anspruchsvoller, als der Ton mancher seiner Resonanzräume vermuten lässt.

Was für die Nähe zum konservativ-medienkritischen Milieu spricht: Sein Verlag Langen Müller hat ein deutlich konservatives Profil. Sein Beitrag steht im „Schwarzbuch Staatsfunk", dessen Titel allein („Staatsfunk") ein Kampfbegriff der ÖRR-Gegner ist und das über Tichys Einblick, den Achgut-Shop und den JF-Buchdienst vertrieben wird. Sein Buch wurde in Tichys Einblick gefeiert („grün-roter Politzirkus"). Auf seinem Kanal führen die Themenwahl und Teile der Gästeliste — Josef Kraus, Apollo News, die Ungarn-Berichterstattung — erkennbar in dieses Milieu. Sein Publikum ist dort anschlussfähig, wo Rundfunkkritik nach rechts kippt, und er nimmt das in Kauf.

Was dagegen spricht, ihn dort einzusortieren: Sein Kernargument ist ein Herkunfts- und Milieuargument, kein parteipolitisches — strukturell dasselbe wie das des dezidiert linken Elitenforschers Michael Hartmann, den er einlädt und dem er ausführlich Raum gibt. Er widerspricht seinen Gästen offen: gegen Hartmann verteidigt er den Wert akademischer Bildung und hält der Idealisierung der Arbeiterherkunft seine DDR-Erfahrung entgegen. Er lässt Hartmanns Verteidigung des Rundfunkbeitrags gegen die Abschaffungsinitiative unwidersprochen stehen — wer den ÖRR schleifen will, schneidet solche Passagen. Sein Kanal ist spendenfinanziert, ohne Anzeigenkunden, deren Interessen mitschreiben. Und er weitet die Diversitätsfrage ausdrücklich auf Gruppen aus, die im rechten Diskurs sonst keine Rolle spielen: Schwerbehinderte, Migranten, Ostdeutsche.

Die faire Zusammenfassung: Ein Journalist, dessen empirische Beobachtung (Redaktionen sind sozial zu eng) breiter tragfähig ist als das Milieu, in dem sie am lautesten beklatscht wird. Die Kritik an der publizistischen Umgebung bleibt sachlich zulässig — sie ersetzt aber nicht die Prüfung seiner Befunde, und aus der Wahl des Verlags folgt kein Urteil über den Inhalt. Umgekehrt gilt: Wer seine Beobachtungen ernst nimmt, sollte auch fragen, wem die Verallgemeinerung vom homogenen Milieu zur „Meinungsmache" politisch nützt.

Verbindungen zu anderen Denkern

Cortex-Notes

Im Bestand

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sieben gedachte Verweise

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