Biografie
Aktuelle Rollen:
- Senior Advisor für KI-Industriepolitik und europäische Governance, AI Now Institute (New York/London)
- Gründerin und Leiterin von new possible, Beratungsfirma für Technologiepolitik im Gemeinwohl
- Co-Autorin des EU AI Industrial Policy Monitor (mit Leevi Saari)
Werdegang & Prägungen:
- Ausbildung: MSc Internet Science (Universität Oxford), BA Liberal Arts (Philosophie & Politik, University College Maastricht)
- Stipendiatin der Deutschen Studienstiftung (2008–2013)
- Vielfältige technologische Perspektive: von atonal Kinder-Opern in der Jugend bis zu Podcast-Piloten über Internet-Infrastruktur (Nepal)
- Wendepunkt 1: Frühe Rolle als Redakteurin und Mitarbeiterin bei Philosophie Magazin (französisch-deutsch) — philosophische Grundausbildung im Zentrum ihrer Arbeit
- Wendepunkt 2: Leitung internationaler Untersuchungen bei Privacy International — Durchbruch bei Regulierungskampagnen über mehrere Jurisdiktionen
- Wendepunkt 3: Aufbau der Technologie und Menschenrechts-Division bei Human Rights Watch — erste strukturelle Erweiterung einer renommierten Menschenrechtsorganisation zum Thema Tech
- Wendepunkt 4: Führende Rolle als Direktorin des European AI and Society Fund (€4,5 Mio. Portfolio zur Gestaltung europäischer KI-Politik)
- Aktuell: Fokus auf die Lücke zwischen Europas KI-Souveränitätsrhetorik und der Marktkonzentration durch US-amerikanische Anbieter und Infrastruktur
Persönliches:
- Lebt in Berlin, verheiratet, ein Kind
- Kultureller Bezug: Atonal-Musik, Philosophie, Flussufer (lebte zeitweise auf Hausboot auf der Themse)
Bücher & Publikationen
| Titel | Jahr | Beschreibung |
|---|---|---|
| Fake AI — Debunking AI Hype, Snake Oil and Pseudoscience | 2022 | Herausgeberin einer Anthologie, entstanden aus Mozilla Tech Policy Fellowship. Sammelt Perspektiven von Computerinformatik über Tech-Journalismus bis Kunst — alle Essays dekonstruieren KI-Hype und exaggerierte Fähigkeitsversprechen. |
| Redirecting Europe’s AI Industrial Policy — From Competitiveness to Public Interest | 2024 | AI Now Research Paper (Co-Editor mit Leevi Saari, Amba Kak, Sarah Myers West). Kritische Analyse europäischer KI-Industriepolitik: Was verspricht die EU sich, welche Marktdynamiken sind hidden, wie könnten öffentliche Interessen stärker verankert werden? |
| EU AI Industrial Policy Monitor | laufend | Newsletter-Serie (mit Leevi Saari). Wöchentlich durchleuchtete europäische Debatten zu Wettbewerb, Souveränität, öffentlicher Investition, Regulation und Beschaffung — tracker für den realen AI-Markt in Europa vs. europäische Versprechen. |
Publikationen & Beiträge:
- Kolumnistin für MIT Technology Review
- Gastbeiträge in Le Monde Diplomatique (Atlas of Globalisation), Guardian, POLITICO Europe, ZEIT Online, Gizmodo
- Interviews: Al Jazeera, CNBC, BBC, Tagesschau, Deutschlandfunk
Anerkennung:
- Zitiert in New York Times, Financial Times, The Guardian
- 2026: Eine der „interessantesten Frauen in KI” (Deutschland) — wie von einer deutschsprachigen Publikation gewählt
Kernthesen
1. Europäische KI-Souveränität ist ein leeres Versprechen (ohne Marktumgestaltung)
Die EU spricht von KI-Souveränität, aber Europas erfolgreichste KI-Startups laufen auf US-amerikanischen Modellen und Infrastrukturen. Eine echte europäische Strategie müsste die Besitzverhältnisse und Kontrollstrukturen verändern, nicht nur Regulierung nach außen malen.
2. KI-Hype verschleiert echte Marktprobleme
Das zentrale Problem ist nicht übernatürliche Intelligenz, sondern Marktkonzentration, unzureichende Schutzmaßnahmen und pseudowissenschaftliche Versprechen. Der Hype lenkt ab von echten Regulierungsnotwendigkeiten.
3. Technologiemärkte werden gemacht, nicht gefunden
Märkte entstehen durch Investitionsentscheidungen, Regulierung und Procurement-Strategien von Staaten. Die EU könnte ihre Marktmacht aktiv einsetzen, um nicht-hegemoniale Strukturen zu schaffen — tut das aber nicht systematisch.
4. Gerechtigkeit muss im Design verankert sein
Ungerechtigkeiten durch KI sind nicht zufällig oder nachträglich behebbar — sie entstehen durch Design, Trainingsdata-Quellen und ökonomische Anreize. Policy muss diese Strukturen adressieren, nicht nur Schäden heilen.
Politische / ideologische Einordnung
Einordnung: Kritische Technologiepolitikerin aus menschenrechtlicher Perspektive. Nicht ideologisch links im klassischen Sinne (kritisiert weder Marktwirtschaft noch Kapitalismus per se), aber:
- Fundamental: Asymmetrische Machtstrukturen in Tech sind ein Governance-Problem, nicht nur ein Regulierungsproblem
- Skeptisch gegenüber Tech-Libertarianismus: „Disruption” ist eine Rhetorik zur Umgehung von Rechenschaftspflicht
- Pro Demokratische Kontrolle: Technologiemärkte sind zu bedeutsam, um nur von Konzernen und Investoren geformt zu werden
- Europäisch, nicht global-neutral: Sie argumentiert explizit pro europäische Gestaltungsfähigkeit, aber nicht nationalistisch — eher federalistisch-deliberativ
Nähe zu: Kritischer Tech-Journalismus (Evgeny Morozov, Shoshana Zuboff), europäischer progressiver Policy-Forschung
Verbindungen zu anderen Denkern
(wird von Montaigne befüllt)
Gedankenwelten-Notes
- re:publica 26 — KI-Industriepolitik und europäische Souveränität — re:publica 26 Session
Weiterdenken
Was Sokrates vielleicht gefragt hätte
- Wenn europäische KI-Souveränität primär ein Marktgestaltungs-Problem ist, nicht ein Technologie-Problem — warum spricht die EU dann ständig von „technologischer Unabhängigkeit” statt von „wirtschaftlicher Kontrollierbarkeit”?
- Kaltheuner kritisiert, dass US-Infrastruktur europäische Startups dominiert. Aber woher kommt dieser Zustand? War es eine bewusste Entscheidung der EU, oder die Unfähigkeit, mitzuhalten?
- Sie argumentiert für stärkere öffentliche Investition in europäische KI-Märkte. Aber welche garantiert, dass öffentliche Investition zu besseren, gerechterer Systemen führt als private — oder repliciert sie nur die gleichen Fehler?
- Marktmacht durch Procurement ist elegant — aber wem schadet es, und wem nützt es, wenn Europa seinen KI-Markt bewusst von US-Anbietern abhängig hält, statt mit ihnen zu konkurrieren?












