Biographischer Snapshot

Wer spricht?

Gina Wiedemann ist Social-Media-Officerin der Arolsen Archives — des weltweit größten Archivs zu den Opfern und Überlebenden der NS-Verfolgung (Bad Arolsen, Bestand zu rund 17,5 Millionen Menschen, seit 2013 Teil des UNESCO-Weltdokumentenerbes). In einem zweiköpfigen Team baut sie die digitale Erinnerungskultur des Hauses auf: Sie erzählt Lebensgeschichten Verfolgter für ein junges Publikum auf TikTok, Instagram, YouTube & Co. — und steht dabei täglich koordinierten rechtsextremen Angriffen und Holocaust-Leugnung gegenüber.

Biografie

  • Fachgebiet: Digitale Erinnerungskultur, Social-Media-Kommunikation, Public History
  • Institution: Arolsen Archives — International Center on Nazi Persecution, Bad Arolsen
  • Ausbildung: B.A. Geschichte und Internationale Beziehungen (Universität Erfurt sowie National Chengchi University, Taipei/Taiwan); M.S.Sc. Peace and Conflict Studies (Universität Tampere, Finnland)
  • Rolle: Als Social-Media-Officerin produziert sie Inhalte für Instagram, TikTok, Bluesky, LinkedIn, Threads, Facebook und zwei YouTube-Kanäle. Das Team macht fast alles selbst — Texte schreiben, Grafiken bauen, Videos schneiden, vor der Kamera stehen.

(Über die persönliche Biografie hinaus ist wenig öffentlich dokumentiert — sie tritt als Fachstimme ihres Hauses auf, nicht als Person des öffentlichen Lebens.)

Öffentliche Arbeit, Kanäle und Engagement

Kernthesen

(aus dem Kontext des re:publica-Talks und der Arbeit der Arolsen Archives)

  • Dog Whistles und codierte Zahlen. Rechtsextreme Geschichtsumdeutung läuft auf Social Media selten offen, sondern über Codes — Zahlen (88, 18, 14), Emojis, Memes —, die für Eingeweihte lesbar sind und der Moderation entgehen.
  • Holocaust-Relativierung im TikTok-Format. Kurzvideos, ästhetische Trends und ironische Formate werden gekapert, um NS-Verbrechen zu verharmlosen oder umzudeuten — dort, wo Jugendliche ihre Geschichte lernen.
  • Gedenkstätten und Archive als Gegengewicht. Dokumentierte Einzelschicksale, Namen und Belege sind das Gegenmittel gegen die Relativierung: Erinnerung wird konkret, wenn sie ein Gesicht und einen Namen bekommt.
  • Junge Menschen dort erreichen, wo sie sind. Erinnerungskultur muss die Plattformen selbst betreten — auf Augenhöhe, im Format der Plattform —, statt sich in den Museumsraum zurückzuziehen.

Verbindungen zu anderen Denkern

  • Lilith Roska — ihre Kollegin im zweiköpfigen Social-Media-Team der Arolsen Archives; gemeinsamer re:publica-26-Talk und tägliches Community-Management gegen rechte Codes.
  • Annika Brockschmidt — dieselbe Entschlüsselungsarbeit an Dog Whistles, nur am US-Material: Codes der extremen Rechten als lesbare Sprache.
  • Katharina Nocun — beide zeigen, wie der Algorithmus extremistische Inhalte trägt — Nocun beim KI-Content, Wiedemann in der Kommentarspalte.

Cortex-Notes