Biografie

  • Beruf/Fachgebiet: Bibliothekar und Digital-Stratege; Leiter der Abteilung für Digitale Entwicklung und Netzangelegenheiten (DEVA) an der Zentral- und Landesbibliothek Berlin (ZLB); zuvor an der Staatsbibliothek zu Berlin (Informations- und Datenmanagement) und an der SUB Göttingen.
  • Profil: Eine der profiliertesten deutschsprachigen Stimmen im Fediverse — UX-Kritiker und -Reformer von Mastodon, Brückenbauer zwischen öffentlichen Institutionen und dezentralen Netzwerken.
  • Podcast-Szene: Mitgründer und Treiber der deutschen Podcast-Infrastruktur — Initiator von Ultraschall.fm, Sendegate, Mitwirkung an Subscribe und am Sendezentrum. Co-Host u. a. der Freakshow (Metaebene/Tim Pritlove).
  • Online: @rstockm@chaos.social · GitHub rstockm · Slideshare · YouTube

Werkzeuge & Projekte (statt klassischer Publikationen)

Stockmann denkt nicht primär in Büchern, sondern in Werkzeugen und Infrastruktur — seine „Publikationen” sind quelloffene Tools und Konzepte:

ProjektArtBeschreibung
Ultraschall.fmPodcast-SoftwareOpen-Source-Erweiterung der DAW Reaper — „High-End-Podcasting für alle”. Macht professionelle Audioproduktion zugänglich.
MastowallFediverse-ToolZeigt alle Fediverse-Posts unter einem Hashtag als Live-Wall auf Konferenzen — macht das Fediverse für Events sichtbar.
MastothreadFediverse-ToolKomfortables Verfassen von Threads auf Mastodon — UX-Lücke des Fediverse geschlossen.
OpenBiblio.SocialMastodon-InstanzOffizieller Dienst der Staatsbibliothek zu Berlin / ZLB — Bibliotheken im Fediverse. Stockmann ist Mitgründer & Moderator.
podcasts.socialMastodon-InstanzHeimat-Instanz der Podcast-Community.
SendegateCommunityForum & Zentrum der deutschsprachigen Podcast-Szene.

Empfehlenswerte Videos & Vorträge

Kernthesen

  • Das „+1”-Prinzip: Jede Institution, die öffentliche Gelder erhält, muss zusätzlich zu kommerziellen Social-Media-Kanälen auch im Fediverse präsent sein. Öffentliches Geld → öffentliche, nicht-kommerzielle Infrastruktur.
  • Das Fediverse hat ein Designproblem: Die Technik (ActivityPub, Dezentralität) ist großartig, aber die Nutzererfahrung schreckt ab. Massentauglichkeit entscheidet sich nicht an Ideologie, sondern an UX — Onboarding, Threads, Auffindbarkeit.
  • Sichtbarkeit schlägt Reinheit: Werkzeuge wie Mastowall holen das Fediverse aus der Nische, indem sie es auf Bühnen und Konferenzen physisch erlebbar machen.
  • Public Code statt Plattform-Abhängigkeit: Öffentliche Institutionen sollten dezentrale, quelloffene Infrastruktur betreiben statt sich von kommerziellen Plattformen (X, Meta) abhängig zu machen.
  • „Es gibt sie noch, die guten Netze”: Das Fediverse als digitale Allmende — ein nicht-kommerzieller Gegenentwurf zu werbe- und algorithmusgetriebenen Plattformen.

Politische / ideologische Einordnung

(zurückhaltend — Stockmann argumentiert technisch-infrastrukturell, nicht parteipolitisch) Klar im Lager der digitalen Allmende und des Public-Code-Gedankens: Skepsis gegenüber Plattform-Monopolen, Eintreten für öffentlich getragene, dezentrale und quelloffene Infrastruktur. Nähe zum Chaos-Computer-Club-Milieu (chaos.social, c-base, Fediverse-Tag Berlin).

Verbindungen zu anderen Denkern

  • Marco Waehner — Stockmann und Wähner ergänzen sich zur vollständigen Fediverse-Analyse: Wähner liefert die soziologische Empirie (Gini 0,92, Kollektivgut-Instabilität), Stockmann die handwerkliche Strategie (Design Debt, Community-Migration, „+1”-Kampagne). Wähner erklärt das Warum des Scheiterns, Stockmann das Wie des Gewinnens.
  • Martin Andree — Beide sehen im Outlink-Verbot den „Sündenfall des modernen Internets” und ziehen verschiedene Konsequenzen: Andree setzt auf strukturelle Regulierung (Outlink-Pflicht per Gesetz), Stockmann auf zivilgesellschaftliche Gegenmacht und Strategie. Sie widersprechen sich nicht — sie beschreiben verschiedene Hebel am selben Problem.
  • Renee DiResta — DiResta beschreibt, was Stockmanns „Karawane” algorithmisch antreibt: Engagement-Optimierung als Radikalisierungsmaschine. Stockmanns UX-Kritik und DiRestas Bridging-Algorithmen treffen sich in der Einsicht, dass Design und Architektur politisch sind — dass aber besseres Design allein nicht reicht, wenn die Aufmerksamkeitsökonomie dagegen arbeitet.

Cortex-Notes