Wer spricht?
Medienwissenschaftler und Monopol-Kritiker — 15+ Jahre Forschung zur Machtkonzentration von Big Tech. Prof. Dr. Martin Andree lehrt als apl. Professor an der Universität zu Köln und hat mit “Big Tech muss weg!” (2023, Günter-Wallraff-Sonderpreis) die schärfste deutschsprachige Programmschrift zur Plattform-Oligarchie geschrieben: Nicht abstrakt, sondern Zahl gegen Zahl — warum die Entflechtung keine Option, sondern eine Überlebensfrage ist.
Biografie
Martin Andree beginnt seine Karriere in der Medienindustrie selbst — er kennt von innen, wie die Spielregeln funktionierten, bevor die Tech-Monopole die Achsen des Vertriebs selbst in die Hand nahmen. Später wechselt er in die Wissenschaft und wird zum Übersetzer dieser Erfahrung in Datensätze und Analysen.
An der Universität zu Köln forscht er über die Strukturen der digitalen Öffentlichkeit — nicht aus akademischer Distanz, sondern mit der Ungeduld eines Menschen, der sieht, wie die Infrastruktur kollabiert, während die Politik noch debattiert. Seine Arbeiten sind nicht theorieverliebt, sondern präzise: Wie viel Prozent der Suchmaschinen-Nutzung kontrolliert Google? Welche Plattformen dominieren Social Media? Wer profitiert, wenn Journalisten über ihre Fütterung abhängig werden?
Das Resultat sind zwei Bücher, die nicht belehren, sondern ermutigen — zur Wut zuerst, dann zum Handeln. Der Günter-Wallraff-Sonderpreis (2023) würdigt nicht nur die Recherche, sondern auch den Mut, in einer Tech-abhängigen Gesellschaft das Unbequeme auszusprechen.
Bücher & Publikationen
| Titel | Jahr | Beschreibung |
|---|---|---|
| Atlas der digitalen Welt (mit Timo Thomsen) | 2020 | Erste Nullmessung der digitalen Öffentlichkeit — Kartographie der Plattform-Dominanz mit Grafiken, Daten und unbequemen Fragen: Wer regiert die digitale Welt? |
| Big Tech muss weg! | 2023 | Sachbuch über die Notwendigkeit der Entflechtung — wirtschaftlich, demokratisch, technisch. Günter-Wallraff-Sonderpreis. |
Empfehlenswerte Videos & Vorträge
- Holt euch das Netz zurück! — Vortrag an der Evangelischen Akademie Tutzing: Wie die Monopole öffentliche Räume kaperten — und wie wir sie zurückgewinnen.
- Wie Big Tech Wirtschaft & Demokratie zerstört — Univention Summit 2025: Zahlen statt Theorien — die konkreten Mechanismen der Kontrolle.
- Cyber-Libertarismus — re:publica 2025: Die ideologische Allianz zwischen Tech-Oligarchen, Trump und europäischen Rechtspopulisten.
- Krieg der Medien — TEDxFribourg: Wie Monopole Medienlandschaften fragmentieren und Demokratie atomisieren.
- Monopole zerstören unsere Demokratie — Greenpeace-Interview: Die Verbindung von Tech-Macht und Klimapolitik — wer entscheidet die Zukunft?
Kernthesen
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Aufmerksamkeits-Monopole sind das Problem, nicht Vielfalt. Google kontrolliert ~90 % der Suchmaschinen-Nutzung weltweit, Meta ~85 % von Social Media, YouTube ~80 % der kostenlosen Videostreams — trotz 17 Millionen registrierter Angebote. Das ist nicht Wettbewerb, das ist Plattform-Absolutismus.
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Plattformen sind nicht neutral — sie verstärken Ränder und dimmen die Mitte. Der Algorithmus maximiert nicht Wahrheit, sondern Engagement. Das bedeutet: Extreme skalieren schneller als Nuance. Die “digitale Öffentlichkeit” wird zum Schlachtfeld, nicht zur Agora.
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Monopole auf öffentlichen Gütern machen Staaten erpressbar. Wie die mittelalterliche Belagerung über die Wasserversorgung: Wer Information, Kommunikation, Märkte und Cloud-Infrastruktur kontrolliert, kann auf den „Kill Switch” drücken — und ganze gesellschaftliche Systeme fallen aus. Das ist keine technische Frage, das ist eine Frage der Staatlichkeit.
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Cyber-Libertarismus ist die neue Achse — Tech-Oligarchen + Trump-Regierung + europäische Rechtspopulisten. Sie teilen einen Traum: digitale Herrschaft ohne Staat (oder: mit Staat, nur als Exekutor ihrer Interessen). Peter Thiel schreibt das Vorwort zu “The Sovereign Individual” — das ist das ideologische Manifest dieser Allianz.
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Entflechtung ist machbar — technisch, wirtschaftlich und demokratisch. Monopole basieren auf abschaffbaren Rechtsprivilegien: Haftungsfreistellung, Intermediär-Status statt Medienregulierung, geschlossene Standards. Der Weg: Telekom-Modell (Entflechtung), Outlink-Pflicht, offene Standards, Haftung für Inhalte, Interoperabilität.
Politische Einordnung
Andree ist kein Ideologe, sondern ein Sachbuchautor, der die Machtverhältnisse offenlegt. Seine Position ist emanzipatorisch: Entmachtung der Oligarchen, Rückgabe von Kontrolle an Gesellschaft und Staat. Das ist weder links noch rechts — es ist pro-Demokratie.
Seine Analyse findet quer durch die politischen Lager Resonanz — von medienpolitischen Initiativen bis zu Verleger- und Journalistenverbänden (u.a. BDZV). Der lauteste Widerspruch kommt erwartungsgemäß aus der Plattform-Lobby.
Die Verbindung zur Trump-Regierung und zum Cyber-Libertarianismus ist für Andree keine akademische Spekulation — es ist eine Analyse der Macht, die sich gerade formiert.
Verbindungen zu anderen Denkern
- Renée DiResta — Beide analysieren die strukturelle Unterwanderung demokratischer Öffentlichkeit durch Plattformmechaniken; DiResta von der Propagandaforschung her, Andree von der Medienökonomie — zwei Diagnosen, eine Krankheit.
- Katharina Nocun — Nocun teilt Andrees Forderung nach digitaler Souveränität und Datenschutz als demokratischer Grundbedingung; sie ergänzt seine Regulierungsthese um netzpolitische Praxis und Zivilgesellschaftsperspektive.
- Nadia Zaboura — Als Kommunikationswissenschaftlerin arbeitet Zaboura an medialer Öffentlichkeit und Desinformation; ihre Perspektive auf Medienvertrauen und demokratische Kommunikation steht in direktem Bezug zu Andrees Forumshoheit-Argument.







