Gedankenraum
DenkerVita·10. Mai 2026

Ulrike Herrmann — DenkerVita

Wachstum und Klimaschutz passen nicht zusammen, sagt die taz-Journalistin Ulrike Herrmann, und empfiehlt eine geplante Schrumpfung nach dem Vorbild der britischen Kriegswirtschaft.

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Bold flat editorial — Ein unendlicher Wachstumspfeil schießt nach oben, trifft auf eine harte planetare Grenze und biegt hinab in einen stabilen grünen Kreislauf aus Gärten und Windrädern. Der klare Stil trägt Herrmanns These — das Ende des Wachstumskapitalismus und ein geplanter grüner Übergang.

Prompt: Bold flat editorial illustration, 1200x500 wide banner. An infinite-growth arrow shooting upward, hitting a hard planetary-boundary ceiling and bending down into a stable green circular economy of gardens and wind turbines; the end of growth capitalism and a planned green transition. Deep green, teal, ochre, red arrow, cream, clean graphic shapes. No photorealism, no realistic faces.

Biografie

Ulrike Herrmann (*13. Januar 1964, Hamburg) ist eine deutsche Wirtschaftsjournalistin und Publizistin. Sie ist seit 2000 Redakteurin bei der taz und seit 2006 Wirtschaftskorrespondentin — eine Position, die ihr Sichtbarkeit in der deutschsprachigen Mediendebatte gab.

Werdegang:

Politische Orientierung: CDU-Mitglied (1984–1989), später Bündnis 90/Die Grünen (Mitgliedschaft seit 2021 ruhend). Sie ist kritischer Intellektueller ohne strikte Parteigebundenheit.

Bücher & Publikationen

TitelJahrBeschreibung
Älter werden, Neues wagen (mit Martina Wittneben)2008Portraits älterer Menschen, die Ruhestandsstereotype widerlegen
Hurra, wir dürfen zahlen. Der Selbstbetrug der Mittelschicht2010Kritische Analyse: Mittelschicht sieht sich als Elite, obwohl sie abzugleiten droht; Lobbyisten fördern diesen Selbstbetrug
Der Sieg des Kapitals. Wie der Reichtum in die Welt kam2013Historische Genese des Kapitalismus; scharfe Begriffsunterscheidung: Markt ≠ Geld ≠ Kapital
Kein Kapitalismus ist auch keine Lösung. Die Krise der heutigen Ökonomie2016Kritik an Neoklassik als „quasi-religiösem Dogma"; Rehabilitation klassischer Ökonomen (Smith, Marx, Keynes)
Deutschland, ein Wirtschaftsmärchen. Warum es kein Wunder ist, dass wir reich geworden sind2019Dekonstruktion der Wirtschaftswunder-Legende; Kritik an Export- und Sparorientierung
Das Ende des Kapitalismus: Warum Wachstum und Klimaschutz nicht vereinbar sind2022Kernwerk zu „grünem Schrumpfen"; Britische Kriegswirtschaft 1940 als Modell einer geplanten Schrumpfung durch Rationierung
Geld als Waffe. Wie die Wirtschaft über Krieg und Frieden entscheidet2026Geopolitik durch ökonomische Linse: Autokratien greifen zu Krieg, wenn wirtschaftlich schwach

Empfehlenswerte Videos & Vorträge

Kernthesen

1. Grünes Schrumpfen statt grünes Wachstum

Herrmanns zentrale These: Wirtschaftswachstum und Klimaschutz sind strukturell unvereinbar. Die Hoffnung auf „Entkopplung" (Wachstum ohne Ressourcenverbrauch) ist eine Illusion — Kapitalismus muss wachsen, um zu überleben. Die einzige ehrliche Antwort auf die Klimakrise ist eine demokratisch kontrollierte Schrumpfung durch geordnete Rationierung.

Historisches Modell: Britische Kriegswirtschaft ab 1940 — eine Marktwirtschaft mit staatlicher Lenkung, bei der Firmenbesitz erhalten blieb, aber Manager/Besitzer Staatsquoten erfüllen mussten und Güter nach Bedarf (nicht Kaufkraft) verteilt wurden. Soziale Akzeptanz durch gleichmäßige Rationierung, nicht durch Zwang.

2. Geld als Waffe — Ökonomie erklärt Geopolitik

Neuere These: Autokratische Staaten (Russland, China) greifen zu Krieg, weil sie wirtschaftlich schwach sind. Krieg dient als Ablenkungsmanöver von innenpolitischen Krisen. Wirtschaftliche Stärke (westliche Allianzen, Dollardominanz) ist das eigentliche strategische Schachbrett — nicht ideologische oder historische „Gründe".

3. Strukturelle Kapitalismusanalyse

4. Keynes-orientierte Wirtschaftspolitik

Post-keynesianisch orientiert; kritisch gegenüber:

Politische / ideologische Einordnung

Links-kritischer Intellektueller — nicht Marxist, aber systemkritisch. Sie verbindet:

Kontrovers: Marktliberale Think Tanks kritisieren ihre Kriegswirtschaftsthese als „extremer als viele Sozialisten sie fordern würden". Auch Links-progressive Kritiker (Karl-Martin Hentschel, Grüne) bemängeln ihre Fokus auf Zwang/Verzicht ohne Raum für innovative Lösungen.

Positionierung: Unabhängig, aber grünen Positionen näher als SPD; seit 2021 Grünen-Mitgliedschaft ruhend — ein Statement zu journalistischer Unabhängigkeit.

Verbindungen zu anderen Denkern

Auszeichnungen & Anerkennung

Gedankenwelten-Notes


Weiterdenken

Was Aristoteles vielleicht gefragt hätte
  • Wenn Wachstum konstitutiv für Kapitalismus ist — wie könnte eine Wirtschaftsform aussehen, die absichtlich schrumpft, ohne in autoritäre Lenkung zu verfallen?
  • Herrmann nennt die britische Kriegswirtschaft 1940 als Modell für "demokratische Rationierung" — aber gilt das nur für existenzielle Krisen (Krieg, Klimanotstand), oder ist es ein Dauerzustand?
  • Stimmt ihre Diagnose, dass Autokratien zu Krieg greifen, weil sie wirtschaftlich schwach sind — oder vereinfacht das die geopolitischen Motive (NATO-Expansion, Taiwan, ressourcenstrategische Interessen)?
  • Wer kontrolliert die "Rationierung" in ihrer Überlebenswirtschaft? Und unterscheidet sich das qualitativ von totalitärer Planwirtschaft?
  • Können westliche Demokratien sich ein "grünes Schrumpfen" leisten, solange China und Indien weiter wachsen?

Im Bestand

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