Worum es geht
Innerhalb weniger Wochen treffen Wladimir Putins Russland Schlag auf Schlag: ukrainische Drohnen über Moskau und Putins Heimatstadt St. Petersburg, eine faktisch abgeschnürte Krim, Benzinrationierung an über tausend Tankstellen, eine Ölverarbeitung auf dem tiefsten Stand seit 2009. Konstantin Flemig ordnet ein, was diese Häufung bedeutet — und warum sie nicht zwingend in einen schnellen Frieden mündet. Eine Bestandsaufnahme darüber, wie ein Mythos zerfällt: der von der russischen Unbesiegbarkeit.
Quelle: Russland erlebt gerade MEHRERE Katastrophen hintereinander!
Wer spricht?
Konstantin Flemig (geb. 1988, Böblingen) — deutscher Kriegsreporter, Dokumentarfilmer und Buchautor. Ausbildung an der Deutschen Journalistenschule München und der Filmakademie Baden-Württemberg; Mitglied der Rogue Film School (Werner Herzog). Co-Gründer und Host von CRISIS – Hinter der Front (funk/ARD/ZDF, 2022–2024), seit 2024 unabhängig tätig. YouTube-Kanal „Konstantin Flemig – Kriegsreporter” mit ca. 220.000 Abonnenten. War selbst mehrfach in Kramatorsk und Donezk vor Ort. Buch: Freiheit unter Feuer (Heyne Verlag). Politisch überparteilich-faktenjournalistisch; pro-ukrainische Perspektive durch Vor-Ort-Berichterstattung, kein Aktivist.
Inhalt
Ein Monat voller Demütigungen
▶ 0:00 — Flemig beginnt mit einer ungewöhnlich harten Setzung: Putin durchlaufe „den vielleicht beschissensten Monat seines Lebens”. Was sonst nach Polemik klänge, ist hier der nüchterne Aufhänger für eine Bestandsaufnahme — denn die Belege kommen in Serie. Ganz vorne steht der große Drohnenangriff auf Moskau samt Versagen der russischen Flugabwehr, gefolgt vom Schlag gegen den Wirtschaftsgipfel in St. Petersburg, dem Wenden des Frontblatts zugunsten der Ukraine und der eskalierenden Lage auf der Krim.
Das Entscheidende an Flemigs Ansatz: Er liest die einzelnen Ereignisse nicht isoliert, sondern als Muster. Nicht ein Drohnenangriff ist die Nachricht, sondern dass Schlag auf Schlag dieselbe Botschaft sendet — ein Staat, der seine Kernräume nicht mehr schützen kann. Die Häufung ist die eigentliche Aussage, nicht das Einzelereignis.
Weitergedacht
Wenn die Stärke einer Diktatur auf dem Anschein von Kontrolle ruht — was passiert, wenn dieser Anschein öffentlich und wiederholt zerbricht, die Macht aber formal intakt bleibt?
Wenn die eigene Flugabwehr zur Waffe wird
▶ 4:38 — Eine der bittersten Pointen betrifft den Drohnenangriff auf Moskau im Juni 2026. Neuere Videos legten nahe, dass die spektakuläre Explosion einer Öltank-Anlage gar nicht direkt von einer ukrainischen Drohne stammte, sondern von der russischen Flugabwehr selbst:
„Ein brennendes Moskau, das zu großen Teilen auch von den eigenen Truppen unfreiwillig in diesen Zustand bombardiert wurde.”
Hier zeigt sich die Eigenlogik der modernen Luftverteidigung: Was vom Himmel fällt, ist nicht immer der Angreifer — manchmal ist es der Abfangversuch, der erst den Schaden anrichtet. Für eine Herrschaft, die sich über das Bild des „starken Mannes” definiert, ist das eine doppelte Niederlage: nicht nur getroffen, sondern durch die eigene Abwehr versehrt. Die Symbolik schlägt die Militärbilanz.
St. Petersburg: das „russische Davos” unter Rauchwolken
▶ 5:24 — Anfang Juni 2026 trifft es Putins Heimatstadt während eines großen Wirtschaftsgipfels — des „russischen Davos”. Delegationen aus aller Welt sollten sich erklären lassen, wie gut Russlands Lage sei, während draußen ukrainische Drohnen einschlugen und Rauchwolken den Himmel verdunkelten. Die Drohnen hatten über 1.000 Kilometer zurückgelegt, größtenteils durch russischen Luftraum. Dazu ein Direkttreffer auf die Korvette Boiki am Werfthafen von Kronstadt — das dritte Schiff der russischen Ostseeflotte, das die Ukraine ausschaltete, obwohl sie selbst keinen Ostsee-Zugang und keine eigene Marine hat.
▶ 6:54 — Die Organisatoren versuchten, das Desaster sprachlich aufzufangen: Anweisung ans Personal, optimistisch zu wirken, Worte wie „Explosion” oder „Bombe” zu vermeiden, um nicht daran zu erinnern, dass Russland im Krieg steht. Aufschlussreich ist auch das Gäste-Niveau — statt westlicher Spitzenmanager reiste, so Flemig trocken,
„aus den USA Steven Seagal. Ja, ich glaube, das sagt einiges aus.”
Die Beobachtung trifft einen wunden Punkt: Ein Wirtschaftsforum lebt davon, wer erscheint. Wenn der prominenteste westliche Gast ein altgedienter Actionschauspieler ist, dann ist das keine Randnotiz, sondern die Bilanz einer Isolation. Russland, so Flemigs Lesart, wird zum Paria-Staat — angewiesen auf China und bemüht, im globalen Süden Einfluss zu halten (Saudi-Arabien als frustrierter US-Verbündeter taucht als Ehrengast auf).
Die Front kippt: Kinburn und die unterbrochenen Adern
▶ 8:27 — An der Front zeigt sich eine operative Schwäche der russischen Truppen. Beispielhaft: die Räumung der Kinburn-Halbinsel im Süden der Ukraine. Teile der 104. Luftlandedivision mussten eine strategisch wichtige Position abziehen — direkte Folge einer vollständig unterbrochenen Versorgung mit Munition, Treibstoff und Lebensmitteln. Ukrainische Lang- und Mittelstreckenangriffe auf die Nachschublinien spielen, so Flemig, „eine ganz, ganz massive Rolle”.
Das ist der unspektakuläre, aber entscheidende Teil moderner Kriegsführung: Nicht der Sturm auf die Stellung entscheidet, sondern die Frage, ob die Stellung noch beliefert werden kann. Wer die Adern kappt, muss den Körper nicht erobern — er trocknet ihn aus.
Die Krim, abgeschnürt
▶ 9:58 — Auf der annektierten Krim spitzt sich die Lage zu. Die Ukraine intensivierte Angriffe auf den Güterverkehr entlang der verbleibenden Hauptversorgungsroute; die Krimbrücke ist für schwere LKW gesperrt. Allein im Mai wurden Angriffe auf rund 200 russische Lastwagen dokumentiert. Angriffe auf Lokomotiven und Bahntransformatoren führten zu Stromausfällen und zum Stopp des Passagierzugverkehrs.
▶ 10:44 — Die Folgen treffen den Alltag: Der Benzinverkauf an Zivilisten wurde zeitweise vollständig eingestellt, Schwarzmarktpreise schossen hoch, russische Touristen saßen ohne Treibstoff für die Heimreise fest. Supermärkte begannen, Grundnahrungsmittel wie Zucker und Fleisch zu rationieren.
▶ 11:30 — Und es bleibt nicht die Krim: Benzin musste an mehr als 1.000 Tankstellen in ganz Russland rationiert werden. Hier wird die Front in den Alltag der Zivilbevölkerung getragen — nicht als ferne Meldung, sondern als leere Zapfsäule. Genau das ist die politisch gefährlichste Form der Niederlage: eine, die man an der eigenen Tankstelle spürt.
Russlands Größe — von der Stärke zur Schwäche
▶ 12:16 — Die Ukraine hat im Drohnenkrieg an der Front die Oberhand gewonnen — vorerst, betont Flemig, das könne sich in Wochen oder Monaten wieder ändern. Verbesserte Technik, eine leistungsfähige Rüstungsindustrie, KI-Drohnen, die russische elektronische Kampfführung umgehen und Ziele autonom auch dann treffen, wenn die Verbindung zum Piloten abreißt.
▶ 13:02 — Daraus folgt eine paradoxe Umkehrung: Was immer Russlands strategische Stärke war — die enorme Größe des Landes —, wird zur Schwäche.
„Durch diese Größe Russlands ist es im Prinzip fast unmöglich, das ganze Land lückenlos gegen ukrainische Drohnenschwärme zu verteidigen.”
Diese Beobachtung ist die intellektuell stärkste der Analyse: Tiefe schützt nur, solange der Gegner an der Oberfläche bleibt. Sobald billige, reichweitenstarke Drohnen jeden Punkt im Hinterland erreichen, wird die Weite zur unverteidigbaren Fläche. Die Geografie, die Napoleon und Hitler verschluckte, bietet gegen Schwärme keinen Schutz mehr.
▶ 13:49 — Dazu eine zerrüttete Armee: Berichte über Korruption (Untergebene bestechen Vorgesetzte, um nicht in die „Todeszone” geschickt zu werden), Masse statt Klasse, kaum ausgebildete Sturmtrupps, die nur kurz überleben. Flemigs Fazit:
„Russische Soldaten sterben mittlerweile schneller, als neue Rekruten gefunden werden können.”
Das Herz der Wirtschaft und das Öl-Paradox
▶ 15:20 — Systematische ukrainische Schläge gegen Ölterminals haben die russische Ölverarbeitung auf den niedrigsten Stand seit 2009 zurückgeworfen — fast zwanzig Jahre. Daraus entsteht ein scheinbares Paradox: Der russische Rohöl-Export erreicht ein Rekordhoch.
▶ 16:05 — Die Auflösung ist ökonomisch schlicht: Wenn die heimischen Raffinerien zerstört sind, kann Russland das Öl nicht mehr im Land verarbeiten und muss Rohöl exportieren — obwohl verarbeitetes Öl weit mehr Geld brächte. Der Rekordexport ist also kein Stärkesignal, sondern eine Notmaßnahme. Dazu räumt der russische Finanzminister „massiven finanziellen Druck” ein; nach zwei Steuererhöhungen könnten weitere folgen. Die Kosten landen zunehmend bei der Bevölkerung — eine Erhöhung der Treibstoffpreise finanziert ausgerechnet den Schutz der Raffinerien:
„Also zahlen die russischen Bürger jetzt direkt für den Schutz auch der Vermögenswerte von schwerreichen Oligarchen.”
Warum kein schneller Frieden — und der zerstörte Mythos
▶ 16:52 — Selenski unterbreitete vor dem Hintergrund des Wirtschaftsforums ein öffentliches Angebot für direkte Friedensverhandlungen — Putin wies es schroff ab. Das zwang ihn rhetorisch in die Defensive, zeigt aber auch: Ein schneller Frieden ist für Russland nicht ohne Risiko. Eine heißgelaufene Kriegswirtschaft, die abrupt endet, und Hunderttausende heimkehrende Soldaten könnten zu Instabilität führen.
▶ 18:23 — Bemerkenswert ist Flemigs Gleichmut an dieser Stelle: Dasselbe Instabilitätsrisiko gelte auch für die Ukraine. Ohne das „vereinende Momentum” des Krieges könnten Konfliktlinien aufbrechen, Machtkämpfe entstehen, der enorme Bedarf heimkehrender Soldaten ungedeckt bleiben — entscheidend werde, ob Europa den Wiederaufbau trägt. Er macht aus der ukrainischen Seite kein bruchloses Heldenbild.
▶ 19:09 — Mögliches Kalkül Putins: ein Warten auf die Wahlen in Frankreich und einen möglichen Rechtsruck, der die Ukraine-Unterstützung sabotieren könnte — ähnlich der enttäuschten Hoffnung, Trumps Wahl werde die USA zum Rückzug zwingen. Flemig nennt das ehrlich „Kremlastrologie”. Doch eine Bilanz steht für ihn fest:
„Die letzte Woche hat den letzten Rest vom Mythos der russischen Unbesiegbarkeit wohl endgültig zerstört. Putin sieht nicht mehr aus wie der große mächtige Lenker des Geschehens, sondern eher wie ein Getriebener.”
Weitergedacht
Wenn ein Diktator den Krieg nicht beenden kann, weil der Frieden ihn destabilisieren würde — ist er dann noch Herr des Krieges oder schon dessen Gefangener?
Faktencheck
Bestätigt — Großer Drohnenangriff auf Moskau (Juni 2026)
Im Juni 2026 traf eine der größten ukrainischen Drohnenwellen seit Kriegsbeginn Moskau, setzte die Kapotnja-/Moskauer Ölraffinerie in Brand und legte zeitweise vier Flughäfen lahm; der Kreml räumte den Treffer ein. Bürgermeister Sobjanin meldete am 19. Juni eine erneute „massive” Attacke. Der ukrainische Generalstab betonte mehrfach, dass Brände teils durch eigene russische Flugabwehr-Trümmer ausgelöst wurden — die spezifische Zuschreibung „diese Explosion ging auf die Flugabwehr selbst zurück” stammt aus zeitnahen OSINT-Videos und ist im Detail nicht unabhängig presse-bestätigt; sie wird daher als plausible, aber nicht hart belegte Einzelaussage geführt. Quelle: The Hindu · NBC News
Bestätigt — Angriff auf St. Petersburg während des SPIEF
Am 3. Juni 2026 trafen ukrainische Drohnen St. Petersburg unmittelbar vor Eröffnung des SPIEF („Putins Davos”); die Distanz von rund 1.100 km ist mehrfach belegt. Saudi-Arabien war Ehrengast (größte saudische Delegation der bilateralen Geschichte). Steven Seagal war anwesend — allerdings als Panelist im Format „Russia–US: A Cultural Dialogue”, nicht als saudischer Gast. Quelle: CNN — Drohnen vor SPIEF · CNN — Seagal beim SPIEF
Bestätigt — Treffer auf die Korvette „Boiky" in Kronstadt
In der Nacht 2./3. Juni 2026 trafen ukrainische Drohnen die Korvette Boiky (Projekt 20380) im Trockendock in Kronstadt — der erste ukrainische Treffer auf ein Kriegsschiff der Ostseeflotte. Präzisierung: Boiky ist das dritte Schiff ihrer Bauklasse (Projekt 20380); Flemigs Formulierung „drittes Schiff der Ostseeflotte” ist eine andere (zählende) Lesart — die Schiffsklassen-Zählung ist die belegte. Quelle: Naval News · Navy Lookout
Vereinfacht — Russischer Rückzug von der Kinburn-Halbinsel
Russische Einheiten zogen sich im Juni 2026 wegen abgeschnittener Nachschublinien aus Teilen der Kinburn-Halbinsel zurück — breit berichtet. Zwei Präzisierungen: Die meisten Quellen nennen das 337. Luftlanderegiment (Teil der 104. Garde-Luftlandedivision — Flemigs „104. Division” ist auf Divisionsebene stimmig). Und: Ein vollständiger Abzug wurde Anfang Juni von der ukrainischen Seite noch als „zu früh zu bestätigen” bezeichnet — ein laufender, kein abgeschlossener Befund. Quelle: France 24 · RBC-Ukraine
Bestätigt — Krim abgeschnürt: Brücke, Treibstoff, Rationierung
Die Krimbrücke ist seit Januar 2026 für schwere Fahrzeuge gesperrt. Ende Mai 2026 wurde A-95-Benzin auf 20 l/Person/Tag limitiert; am 21. Juni wurde der zivile Benzinverkauf nach einem Angriff auf Kraftstoffanlagen in Kertsch ganz ausgesetzt. Supermärkte rationierten Grundnahrungsmittel (Zucker, Buchweizen, Reis) — „Fleisch” konkret nicht in den Quellen, der Kern (Rationierung) hält. Quelle: Kyiv Post · RBC-Ukraine
Nicht eindeutig belegt — Benzin-Rationierung an „über 1.000 Tankstellen"
Dass russlandweit Rationierung herrscht, ist belegt: In Moskau und St. Petersburg limitierten Ketten den Verkauf (20–60 l/Person), Ursache sind die Raffinerie-Schläge (~25 % Raffineriekapazität betroffen). Die exakte Zahl „über 1.000 Tankstellen” als Gesamtsumme ließ sich in keiner unabhängigen Quelle bestätigen — der zugrundeliegende Befund (breite, mehrkettige Rationierung) stimmt, die runde Zahl ist nicht verifizierbar. Quelle: Novaya Gazeta Europe · RFE/RL
Bestätigt — Ölverarbeitung auf Tiefstand, Rohöl-Export als Ausweg
Russlands Raffinerie-Durchsatz fiel im Mai 2026 auf ~4,58 Mio. b/d — den niedrigsten Stand seit Oktober 2009. Ursache: mind. 30 Schläge auf Ölanlagen im Mai. Das von Flemig benannte „Paradox” trifft den Mechanismus genau: Da Raffinerien ausfallen, weicht Russland auf vermehrten Rohöl-Export aus (zugleich Exportverbote für Benzin und Kerosin) — Rohöl lässt sich verschiffen, raffinierte Produkte nicht mehr in gleichem Maß herstellen. Quelle: United24 · Energy Intelligence
Bestätigt — Finanzminister räumt Druck ein, Steuererhöhungen
Finanzminister Siluanow warnte vor einer Budgetlücke von mind. 2 Bio. Rubel (~28 Mrd. $). Für 2026 ist die Mehrwertsteuer von 20 auf 22 % angehoben und die VAT-Pflichtschwelle drastisch gesenkt — mehrere Steuermaßnahmen, mit weiteren im Gespräch. Flemigs Aussage ist korrekt. Quelle: PBS · The Moscow Times
Bestätigt — Verluste übersteigen die Rekrutierung
Westliche und ukrainische Stellen berichten seit Ende 2025 / Anfang 2026 mehrere Monate in Folge, dass Russlands Verluste die Rekrutierung übersteigen — Rekrutierung gesunken auf ~800–1.000/Tag bei zugleich Rekordverlusten. Als Trend belegt; die genauen Zahlen sind naturgemäß Schätzungen verschiedener (teils interessierter) Stellen. Quelle: Japan Times / Bloomberg · LBC
Bestätigt — Selenskis Friedensangebot, von Putin abgelehnt
Anfang Juni 2026 (rund um den SPIEF) bot Selenski in einem offenen Brief ein persönliches Treffen und einen „vollständigen Waffenstillstand” an. Putin lehnte ab — er sehe „derzeit keinen Sinn” in einem Treffen, hielt an der Forderung nach ganz Donezk fest. Genau wie von Flemig dargestellt. Quelle: France 24 · Al Jazeera
Nicht verifizierbar — „~200 russische Lastwagen im Mai 2026 angegriffen"
Diese konkrete Detailzahl (dokumentierte Angriffe auf rund 200 russische LKW im Mai im Krim-Nachschub) ließ sich in keiner unabhängigen Quelle bestätigen. Der übergeordnete Befund — systematische Schläge gegen die Krim-Logistik (Fähren, Brücke, Treibstoff) — ist belegt, die spezifische LKW-Zahl nicht. (Keine unabhängige Quelle gefunden.)
Weiterführende Quellen
Aus der Video-Beschreibung:
- Die Video-Beschreibung enthält nur den Sponsoren-Link (Proton Mail) — keine inhaltlichen Quellen.
Im Video genannte Bezugspunkte:
- Drohnenangriff auf Moskau (Juni 2026) — Gegenstand eines früheren Flemig-Videos, hier nur referenziert
- Russischer Wirtschaftsgipfel St. Petersburg („russisches Davos” / SPIEF), Anfang Juni 2026
Zur Einordnung (Sherlock):
- BBC — Will Putin change tactics after Ukrainian drone attacks? — Einordnung der größten Moskau-Attacke
- The Moscow Times — Russia’s Fuel Shortages Are Manageable, But the Kremlin’s Options Are Shrinking — nüchterne Gegenstimme zur Treibstoffkrise
- The Bell — SPIEF 2026: the economic forum that avoided the subject — unabhängige russische Wirtschaftssicht auf das Forum
- United24 — 55,000 drone — Kosten-Asymmetrie des Boiky-Treffers (pro-Kyiv)
- Meduza — Sobjanin meldet erneute „massive” Attacke — unabhängige russische Quelle zur zweiten Welle
Verbindungen
→ Konstantin Flemig — Ukraine Gebietsgewinne 2026
Die direkte Vorgeschichte derselben Stimme: Dort die ukrainischen Geländegewinne und Putin „unter Druck” im April, hier zwei Monate später die Verdichtung auf die Heimatfront — Drohnen über Moskau, Benzinrationierung, Krim abgeschnürt. Zusammen lesen sich die beiden Notes als Flemigs These einer fortschreitenden Erosion: erst die Front, dann das Hinterland.
→ Konstantin Flemig — Reaktion auf Precht, Russland und die Grenzen der Expertise
Der argumentative Gegenpol im eigenen Werk: Gegen Precht behauptet Flemig, der Koloss sei brüchiger als sein Mythos — der Katastrophen-Monat liefert dafür die empirische Munition (Ölverarbeitung auf Tiefstand seit 2009, Armee jenseits ihrer Rekrutierungskapazität). Doch die Precht-Note mahnt epistemische Demut an — ein heilsamer Vorbehalt gegen die Verlockung, aus einem schlechten Monat ein Kriegsende zu lesen.
→ Konstantin Flemig — Was Moskau verschweigt: Nazis und Sowjets verbündet
Beide zielen auf denselben Kern — den russischen Selbst-Mythos. Dort der historische Gründungsmythos vom alleinigen Bezwinger des Faschismus, hier der militärische Mythos der Unbesiegbarkeit. Flemigs durchgehende Stoßrichtung: Russlands Stärke ist über weite Strecken Erzählung, und der Drohnenkrieg dekonstruiert sie schneller als jede Geschichtsdebatte.
→ Konstantin Flemig — Deutschland als Ruestungs-Grossmacht
Die Kehrseite derselben Medaille: Russlands Ölverarbeitung und Rekrutierung kollabieren, während Deutschland seine Munitionsproduktion massiv hochskaliert. Industrielle Durchhaltefähigkeit als heimlicher Hauptdarsteller des Krieges — wer die Produktion verliert, verliert die Front. Beide Notes erzählen den Krieg von der Logistik her, nicht vom Schlachtfeld.
→ Konstantin Flemig — US-Seeblockade gegen Iran
Dasselbe Instrument an zwei Schauplätzen: ökonomische Strangulation als Waffe. Beim Iran die geplante US-Seeblockade gegen die Ölexporte, bei Russland die Drohnenschläge auf Raffinerien und die Benzinrationierung. Flemig zeigt zweimal, dass moderne Kriege oft an der Tankstelle entschieden werden, nicht an der Frontlinie.
→ Torsten Heinrich — Ukraine bewusst geopfert
Produktive Spannung in der Deutung derselben Lage: Heinrich fragt, ob der Westen den Krieg bewusst verlängert, um Russland langsam zu schwächen. Flemigs Katastrophen-Monat erzählt dagegen von einer rapiden, womöglich kippenden Erosion — kein langsames Ausbluten, sondern ein sich beschleunigender Verfall. Wer hat recht über das Tempo?
→ Gerdes — Ukraine Zelensky wird staerker
Zwei Stimmen, eine Diagnose, verschiedene Linsen: Gerdes liest aus Leadership-Perspektive einen erstarkenden Selenski gegen ein unnachgiebiges Russland; Flemig liefert die materielle Unterfütterung — und das von Russland abgelehnte Friedensangebot Selenskis verbindet beide Erzählstränge direkt.
→ Herfried Münkler — Muss es Kriege geben
Der theoretische Resonanzboden zur Kernthese: Münklers Begriff vom postheroischen Westen und seine Reflexion über Durchhaltefähigkeit treffen Flemigs Befund einer Armee, deren Verluste die Rekrutierung übersteigen. Wenn Größe im Drohnenkrieg zur Schwäche wird, stellt sich Münklers Grundfrage neu: Was entscheidet Kriege, wenn weder Masse noch Heroismus mehr tragen?
Weiterdenken
Was Sokrates vielleicht gefragt hätte
- Wenn die schiere Größe Russlands von der Stärke zur Schwäche wird — welche anderen vermeintlichen Stärken könnten sich unter neuen technischen Bedingungen ins Gegenteil verkehren?
- Flemig sagt, ein schneller Frieden sei für Putin gefährlicher als der Krieg — was sagt das über Kriege, die ihre eigenen Beender bestrafen?
- Der „Mythos der Unbesiegbarkeit” gilt als zerstört — aber wem nützt es, einen Gegner für besiegt zu erklären, bevor er besiegt ist?
- Wenn beide Seiten Instabilität durch Frieden riskieren — worin liegt dann überhaupt noch der Anreiz, ihn zu schließen?
- Was wäre das stärkste Gegenargument gegen die These, dass dieser Monat eine Wende markiert — und nicht bloß eine Momentaufnahme?










