Worum es geht

160 Kilometer Mauerweg, sieben Fluchtgeschichten voller Mut und Hilfsbereitschaft — und die Erkenntnis, dass unter jedem Gullideckel Hoffnung liegen kann. Der Journalist Mats fährt mit dem Fahrrad die alte Grenze ab und findet an Supermarktparkplätzen, Friedhöfen und Seeufern Geschichten, in denen Menschen einander in die Freiheit halfen: die Frau, die in ein Grab stieg, den Rentnertunnel, die Dampferentführung im Kugelhagel. Das bewusste Gegengewicht zum Nachrichten-Dauerfeuer — und zum Rest dieses Gedenktages.

Anlass — Gedenktag an den deutschen Widerstand, 20. Juli

Der 20. Juli erinnert an das Stauffenberg-Attentat von 1944 und den Widerstand gegen die NS-Diktatur — die beiden anderen Tagesnotes von heute erzählen die dunkle Seite: warum die vielen nicht handelten, und wie fliehende KZ-Häftlinge an der eigenen Bevölkerung scheiterten. Diese dritte Note ist das bewusste Gegenbild, eine Generation später: Menschen, die einer anderen deutschen Diktatur entkamen — und diesmal halfen die Fremden. Studenten gruben Tunnel für Unbekannte, Westberliner zogen Flüchtende aus der Spree, ein 81-Jähriger bewies, dass niemand zu alt für die Freiheit ist. Widerstand hat auch eine helle Erbschaft — sie liegt unter Gullideckeln, Wiesen und Parkplätzen.

Quelle: Ich habe nach guten Nachrichten gesucht – und Unglaubliches gefunden (Mats Appreciated, 25.06.2026, 29 Min.)

Wer spricht?

Mats ist Journalist und betreibt den Kanal Mats Appreciated als bewusstes Gegengewicht zu seinem Hauptkanal Toppes voll Gold, auf dem er sich vor allem mit den dunklen Themen beschäftigt. Hier sucht er die guten Seiten der Welt — nicht als Wellness-Flucht, sondern als journalistische Korrektur eines verzerrten Nachrichtenbildes. Für dieses Video ist er mehrere Tage zu Fuß und mit dem Rad den Berliner Mauerweg abgefahren.


Inhalt

Der Gullideckel und der Trugschluss der Hoffnungslosigkeit

▶ 0:01 — Das Video beginnt mit der banalsten Frage der Welt: An wie vielen Gullideckeln kommt man vorbei, ohne je stehen zu bleiben? Dahinter steckt eine These, die den Rahmen für alles Weitere setzt. Wer aufs große Ganze schaut — Politik, Medien, Gesellschaft —, den überkommt „eine niederschmetternde Mischung aus Frust, Angst und Ohnmacht”. Aber:

„Unser Gefühl der Hoffnungslosigkeit beruht oftmals nicht darauf, dass es wirklich keine Hoffnung mehr gibt, sondern dass wir bloß denken, es gäbe keine mehr.” ▶ 1:32

Schlimme Schlagzeilen verkaufen sich besser, Algorithmen servieren Negatives im Übermaß — das ist keine Ausrede, sondern ein messbarer Verzerrungseffekt. Mats’ Antwort darauf ist nicht Wegsehen, sondern genauer Hinsehen: An unspektakulären Orten — einem Supermarktparkplatz, einem Seeufer, einem Gullideckel — liegen Geschichten „so voller Mut und Menschlichkeit, dass man es manchmal kaum glauben kann”. Das ist dieselbe Geste wie bei den Erinnerungsorten der beiden anderen heutigen Notes, nur mit umgekehrtem Vorzeichen: Nicht die Steine der Täter sprechen lassen, sondern die unsichtbaren Orte des Gelingens.

Die Hand im Westen

▶ 3:04 — Erste Station, ein Steinwurf vom Reichstag: das Spreeufer, wo heute Ausflugsschiffe schippern. Ein ausländischer Tourist filmte hier 1988 zufällig, wie vier DDR-Flüchtlinge — drei Männer, eine Frau — über Dächer und Zäune ans Ostufer gelangten und in den Fluss sprangen, der in voller Breite zu Ostberlin gehörte. Die Männer erreichen das Westufer; der Frau fehlt kurz vor dem Ziel die Kraft, sich an der Ufermauer hochzuziehen, während sich ein DDR-Schnellboot nähert. Ihre eigene Erinnerung, im Video als O-Ton:

„Dann hat er meine Hand genommen und gesagt: Jetzt kannst du sowieso nicht mehr schießen, die Hand ist schon im Westen — und hat mich rausgezogen.” ▶ 4:35

Mats gesteht, dass er bei diesen Aufnahmen Tränen in den Augen hatte — nicht nur wegen des Muts der Flüchtenden, sondern wegen der Westberliner, die zum Ufer eilten, „um Flüchtenden, die komplette Fremde für sie sind, ohne zu zögern zu helfen und sie schützend in ihre Mitte zu nehmen”. Genau dieser Satz ist das Scharnier des Tages: In der Wagner-Note lieferten Anwohner fliehende Häftlinge zu Tausenden aus. Eine Generation später eilen Anwohner ans Ufer und ziehen Fremde heraus. Zwischen beiden Szenen liegt keine andere Menschennatur — nur eine andere Erzählung darüber, wer da flieht.

Die Frau, die in ein Grab stieg und verschwand

▶ 6:06 — Waltraud Niebank heiratet wenige Tage vor dem Mauerbau und zieht nach Westberlin; beim Behördengang in Ostberlin wird ihr die Umzugserlaubnis vor den Augen zerrissen — es „herrsche jetzt Kriegszustand”. Monate der vergeblichen Anträge, dann der Plan der Fluchthelfer: Auf einem Friedhof in Pankow, als Trauernde getarnt, geht sie mit einer Freundin auf ein Grab in der Mitte der Friedhofsmauer zu. Die Tannenzweige hinter dem Grabstein heben sich, ein junger Mann erscheint: „Bitte folgen Sie mir.” Knapp 30 Meter auf allen Vieren, 80 Zentimeter hoch, unter Friedhofsmauer und Kolonnenweg hindurch — in die Freiheit und zurück zu ihrem Mann.

Der Student „Kicki” aus dem Tunnel steht für ein ganzes Milieu: Die frühen Fluchthelfer kamen aus den Westberliner Universitäten, suchten undichte Stellen, fälschten Pässe, gruben Tunnel — erst für Kommilitonen, dann für Fremde. ▶ 9:09 Der Friedhofstunnel flog nach wenigen Tagen auf; die DDR riss die Friedhofsmauer ab und ließ sogar Gräber verlegen. Heute ist nichts mehr zu sehen — außer für den, der es weiß: neben Waltraud sind hier — je nach Zählung Dutzende weitere — Menschen „in ein Grab gehüpft und in die Freiheit verschwunden”. Das Grab als Geburtskanal — eine Umkehrung, die kein Drehbuch besser erfinden könnte.

Abgetaucht, entführt, erschwommen

▶ 12:32 — In einer kalten Novembernacht 1963 gleitet Hubert Hohlbein in den Jungfernsee bei Potsdam, im selbstgebauten Tauchanzug mit Bleigürtel. Er hat monatelang heimlich trainiert, unter Eis zu tauchen, und auf die perfekte Nacht gewartet — möglichst kalt, stürmisch, regnerisch, damit kein Grenzposten auf die Idee kommt, dass jemand unter Wasser unterwegs sein könnte. Anderthalb Stunden durch den See, dann ist er drüben. Die Pointe kommt danach: Hohlbein wird selbst Fluchthelfer in der Gruppe um Wolfgang Fuchs — durch den berühmten Tunnel 57 an der Bernauer Straße holt er 1964 Dutzende nach, darunter seine eigene Mutter. Wer die Freiheit geschenkt bekam, gibt sie weiter; das Muster zieht sich durch fast jede dieser Geschichten.

Lauter ging es ein Jahr zuvor an der Oberbaumbrücke zu: ▶ 14:04 13 junge Ostberliner — mit einem Baby — entführen den Ausflugsdampfer „Friedrich Wolf” der Weißen Flotte, nachdem sie Kapitän und Ersten Offizier am Vorabend unter Alkohol gesetzt und in ihren Kabinen eingesperrt haben. Kurz nach fünf Uhr früh reißt das Schiff hart backbord in den Landwehrkanal, der schon zu Westberlin gehört. Mehr als 130 Schüsse feuern die Grenzposten ab; die Passagiere ducken sich hinter Stahlplatten, die sie morgens an Bord geschafft haben, der Maschinist lenkt das Schiff blind unter Deck — und alle kommen unverletzt an Land. Der Wahnwitz dieser Aktion lässt sich kaum übertreiben, und gerade deshalb erzählt sie etwas Wichtiges: Wie groß die Verzweiflung sein muss, damit 13 Menschen mit einem Baby in einen Kugelhagel fahren — und wie groß der Wille zur Freiheit.

Mit bloßen Händen: der Sand in den Wänden

▶ 18:39 — Am nördlichen Stadtrand, wo heute eine unscheinbare Wiese liegt, wohnte direkt am Todesstreifen die Familie Aagaard. Über Zaun und Mauer zu klettern wollten sie weder der Großmutter Gertrud noch dem Schäferhund Ajax zumuten — also gruben sie, ab Oktober 1962, einen Tunnel. Mit bloßen Händen, gestützt von Fensterrahmen und Brettern. Das eigentliche Problem war der Sand: Unter den Ferngläsern der Wachtürme wäre jeder Haufen im Garten aufgefallen. Also verschwand er im Haus — in Schubladen, Dachrinnen, Fernsehschränken, Badewannen, Fahrradschläuchen, Kissen; sie zogen sogar neue Wände ein, um bergeweise Sand dahinter zu verstecken. Zehn Meter pro Monat, ein halbes Jahr lang. Dann, in einer Nacht, zehn Minuten: 13 Menschen durch den Tunnel, die 70-jährige Großmutter auf einer Luftmatratze gezogen, eine Weihnachtsbaumkette als Fluchtwegbeleuchtung. Alle kommen durch.

Der schönste Satz der Geschichte steht am Ende: Nach dem Mauerfall zogen die Aagaards zurück in ihr altes Haus — „und selbst dann knirschte in den Zimmern immer noch der Sand”. ▶ 20:57 Die Freiheit hinterlässt Spuren im Gebälk.

Der Rentnertunnel: „Um es unseren Frauen so bequem wie möglich zu machen”

▶ 21:43 — Die vielleicht würdevollste Geschichte des Videos. Max Thomas, 81 Jahre alt, wird von den Nachbarn beim Tunnelbau zurückgelassen — man traut ihm die Strapazen nicht zu. Also beschließt das Ehepaar Thomas, den eigenen Tunnel zu graben. Um geeigneten Boden zu finden, pflanzt Herr Thomas unter den Augen der Grenzsoldaten mehrfach eine kleine Tanne um; am Hühnerstall wird er fündig. Fünf Männer zwischen 55 und 81 graben Tag und Nacht, 4.000 Eimer Sand wandern per Seilwinde in den Pferdestall, Glühbirnen dienen als Licht und Warnsystem, und wenn Soldaten misstrauisch werden, verwickelt der alte Herr sie in Gespräche über verstopfte Abwasserleitungen. Was ihn am besten schützt: „Keiner traut dem alten Mann einen Tunnelbau zu.” Nach 16 Tagen ist der Durchbruch geschafft — 32 Meter lang und bis zu 1,75 Meter hoch, absurd geräumig für einen Fluchttunnel:

„Das wollte Herr Thomas so — um es unseren Frauen so bequem wie möglich zu machen.” ▶ 23:15

Ausgerechnet der Alte bleibt am zu kleinen Ausgangsloch stecken und beginnt — noch auf DDR-Gebiet — laut zu schimpfen, bis ein Spaten nachhilft. Heute liegt an dieser Stelle ein Supermarktparkplatz. Und die DDR-Grenzer notierten bei der Inspektion trocken, hier sei „in Ruhe und mit großer Ausdauer gearbeitet” worden — ein unfreiwilliges Denkmal in Behördenprosa.

Weitergedacht

Ein 81-Jähriger gräbt in 16 Tagen einen Tunnel, weil niemand es ihm zutraut — und genau das schützt ihn. Wie oft ist Unterschätzung nicht Kränkung, sondern Spielraum?

Durch Fäkalien in die Freiheit — und der Blick auf den Gullideckel

▶ 25:32 — Die letzte Geschichte schließt den Kreis zum Anfang: Carl-August von Halle, Architekturstudent in Westberlin, schließt sich einer Gruppe an, die über Pläne der Berliner Kanalisation verfügt. Mehrfach fährt er nach Ostberlin, um Fluchtwillige über den Weg durch die Röhren zu informieren. Mats hat selbst einmal bei einer Führung versucht, einen Gullideckel zu heben — 100 bis 200 Kilo. Wer damals floh, musste den unbemerkt hochwuchten, in den stinkenden Schacht steigen, sich durch dunkle Röhren voller Fäkalien tasten und später von der DDR eingebaute Sperrgitter durchsägen. Hunderte schafften es trotzdem. Von Halle wurde von einem Stasi-Agenten verraten, zu über zwei Jahren Haft verurteilt und kam frei, weil er versprach, im Westen für die Stasi zu arbeiten — ein Versprechen, an das er „keinen Gedanken verschwendete”. ▶ 27:04

Der Schluss kehrt zur Rahmenthese zurück, aber verwandelt: Am Brandenburger Tor erzählt Mats von einer Frau, die bei jedem Berlin-Besuch durch das Tor geht — jedes einzelne Mal. „Früher ging das ja nicht. Deshalb will ich heute jede Gelegenheit nutzen.” ▶ 16:22 Daraus wird kein Dankbarkeits-Kitsch, sondern eine präzise Selbstbeobachtung: Den deutschen Pass, eines der stärksten Reisedokumente der Welt, hält er nur genervt in der Flughafenschlange in der Hand — statt sich zu erinnern, dass die Elterngeneration nicht einmal durch das Tor gehen durfte. Freiheit bemerkt man erst, wenn sie bedroht ist — oder wenn man sie sich bewusst vor Augen führt. Der Gullideckel ist am Ende beides: Kanalisationstechnik und Mahnmal, je nachdem, wie man schaut.


Weiterdenken

Was Sokrates vielleicht gefragt hätte

  • Dieselben Deutschen, deren Eltern fliehende KZ-Häftlinge auslieferten, zogen zwanzig Jahre später Fremde aus der Spree. Was hatte sich geändert — die Menschen, oder die Erzählung darüber, wer da flieht? Und welche Erzählung über Fliehende erzählen wir heute?
  • Fast jeder Gerettete in diesen Geschichten wurde selbst Fluchthelfer. Ist Dankbarkeit, die handelt, ein verlässlicherer Motor der Solidarität als Moral, die fordert?
  • Mats’ These: Hoffnungslosigkeit ist oft ein Wahrnehmungsfehler, kein Weltzustand. Aber wo kippt der bewusste Blick aufs Gute in Beschönigung — und woran merkt man den Unterschied?
  • Die Orte dieser Geschichten sind unmarkiert: Parkplatz, Wiese, Gullideckel. Braucht gelingende Erinnerung das Denkmal — oder reicht es, dass jemand die Geschichte weitererzählt, solange sie jemand weitererzählt?
  • Was ist mein Brandenburger Tor — die Freiheit, die ich täglich durchschreite, ohne sie zu bemerken?

Faktencheck

Bestätigt — Gefilmte Spree-Flucht am Reichstag (1988)

Am 21. August 1988 flohen drei Männer und eine Frau schwimmend über die Spree nahe dem Reichstag; ein ausländischer Tourist filmte die Szene, in der Westberliner die kraftlose Frau aus dem Wasser zogen. Die Aufnahmen liefen im September 1988 im SFB-Magazin Kontraste und wurden weltbekannt; die Frau war zudem im dritten Monat schwanger. Quelle: Escaping East Germany in a video from 1988

Bestätigt — Waltraud Niebank, Pankower Friedhoftunnel

Niebank heiratete acht Tage vor dem Mauerbau, die Umzugserlaubnis wurde ihr zerrissen; im Dezember 1961 floh sie durch einen ~30 m langen, ~80 cm hohen Tunnel, dessen Einstieg hinter einem Grabstein auf einem Pankower Friedhof lag, nach Schönholz. Der Tunnel flog wenige Tage später auf, Mauer und Gräber wurden verlegt. Zur Gesamtzahl der Geflüchteten nennen die Quellen keine einheitliche Zahl (bis zu 100 in manchen Darstellungen) — in der Note entsprechend offen formuliert. Quelle: Gelungene Tunnelflucht unter einer Friedhofsmauer, 19.12.1961 — Chronik der Mauer

Bestätigt — Hubert Hohlbein, Tauchflucht durch den Jungfernsee

In der Nacht des 21. November 1963 durchschwamm Hohlbein im selbstgebauten Tauchanzug mit Bleigürtel den Jungfernsee bei Potsdam, rund anderthalb Stunden. Er wurde Fluchthelfer in der Gruppe um Wolfgang Fuchs — durch den Tunnel 57 (Bernauer Straße, Oktober 1964) flohen 57 Menschen, darunter seine Mutter. Quelle: Hubert Hohlbein — Wikipedia · Chronik der Mauer

Bestätigt — Dampferentführung „Friedrich Wolf", 8. Juni 1962

13 junge Ostberliner entführten den Ausflugsdampfer Friedrich Wolf der Weißen Flotte, nachdem sie Kapitän und Ersten Offizier betrunken gemacht und eingesperrt hatten; Grenzboote feuerten rund 135 Schüsse ab, die Passagiere duckten sich hinter mitgebrachte Stahlplatten — alle kamen unverletzt an. Quelle: Gelungene Flucht mit dem Fahrgastschiff „Friedrich Wolf”, 8.6.1962 — Chronik der Mauer

Bestätigt — Der Familientunnel (Familie Aagaard)

Die Familie Aagaard begann am 5. Oktober 1962 in Glienicke/Nordbahn einen Tunnel; der Sand wurde im Haus versteckt (Schubladen, eingezogene Wände, Klärgrube). In der Nacht vom 9. auf den 10. März 1963 flohen alle 13 Personen in gut zehn Minuten, die 70-jährige Großmutter Gertrud auf einer Luftmatratze, beleuchtet von einer elektrischen Weihnachtsbaumkette. Der knirschende Sand nach dem Rückkauf des Hauses ist dokumentiert. Quelle: Aagaard-Tunnel — Fluchttunnel Glienicke · Sand in der Schublade — Berliner Zeitung

Bestätigt — Der „Rentner-/Senioren-Tunnel" (Max Thomas)

Max Thomas, 81, grub mit vier weiteren Männern (55–81 Jahre) ab dem 20. April 1962 in 16 Tagen einen 32 m langen, mit 1,75 m ungewöhnlich hohen Tunnel von Glienicke/Nordbahn nach Berlin-Frohnau; rund 4.000 Eimer Sand, gelungene Flucht am 5. Mai 1962. Quelle: Der „Senioren-Tunnel” — Chronik der Mauer

Bestätigt — Carl-August von Halle, Fluchthilfe durch die Kanalisation

Der Architekturstudent half nach dem Mauerbau mit einer Studentengruppe (mit Plänen der Berliner Kanalisation) Ostberlinern durch die Abwasserröhren; ein als Flüchtling getarnter Stasi-Agent verriet ihn. Das Bezirksgericht Potsdam verurteilte ihn im Februar 1962 zu zwei Jahren und zwei Monaten Haft; nach 14 Monaten kam er frei. Quelle: Fluchthilfe durch die Kanalisation — Chronik der Mauer

Bestätigt — Deutscher Pass unter den stärksten der Welt

Laut Henley Passport Index 2026 erlaubt der deutsche Pass visafreie Einreise in 185 Länder (Platz 4 weltweit). Quelle: Mächtigster Reisepass — Ranking 2026, Handelsblatt

Bestätigt — Mauerweg ~160 km, Mauerbau ab 13. August 1961

Beides unstrittig. Quelle: Berliner Mauerweg — berlin.de

Vereinfacht — Gewicht eines Gullideckels

Mats schätzt aus eigener Erfahrung „100 bis 200 Kilo”. Gängige gusseiserne Kanaldeckel wiegen eher 40–90 kg, schwere Ausführungen (Klasse D400) erreichen ~135 kg — die untere Zahl ist realistisch, die obere hoch gegriffen. Beiläufige persönliche Schätzung ohne strategischen Wert. Quelle: Keine unabhängige Quelle für die konkrete Angabe; allgemeine Herstellerangaben zu Kanalgussdeckeln.


Weiterführende Quellen

Aus der Video-Beschreibung: Die Beschreibung enthält keine Quellenliste (nur Sponsor- und Musiklinks).

Zu den erzählten Orten und Geschichten:

Von Sherlock ergänzt:


Verbindungen

Jens-Christian Wagner — Buchenwald und deutsche Erinnerung

Die Schwester-Tagesnote zum 20. Juli und das direkte Gegenstück: Bei Wagner liefert die eigene Bevölkerung fliehende KZ-Häftlinge zu Tausenden aus, hier ziehen Westberliner eine Generation später wildfremde Flüchtende aus der Spree. Zwischen beiden Szenen liegt keine andere Menschennatur — nur eine andere Erzählung darüber, wer da flieht.

aspekte — Warum niemand die Nazis aufhielt

Der dunkle Pol desselben Triptychons: Während aspekte zeigt, wie die vielen wegsahen, während eine Diktatur legal die Republik zerlegte, erzählt der Mauerweg die helle Erbschaft des Widerstands — Menschen, die für Fremde Tunnel gruben. Gemeinsam spannen die drei Tagesnotes den Bogen von Untätigkeit über Auslieferung zu tätiger Solidarität.

Maren Urner — Radikal hoffnungsvoll

Mats’ Rahmenthese — Hoffnungslosigkeit sei oft ein Wahrnehmungsfehler, kein Weltzustand — ist fast wörtlich Urners neurologisches Argument, dass Hoffnung eine Denkweise aus Willens- und Wegkraft ist. Beide diagnostizieren denselben medialen Negativitätsbias und setzen ihm nicht Wegsehen, sondern genaueres Hinsehen entgegen.

Good News - Gute Nachrichten Juni 2026

Dieselbe Grundgeste des konstruktiven Journalismus: das bewusste Gegengewicht zum Nachrichten-Dauerfeuer. Die GoodNews-Reihe sammelt kontinuierlich, was Mats für ein einzelnes Video am Mauerweg tut — der Beleg, dass das Gute nicht selten ist, nur seltener erzählt wird.

Koschi Politik — Gute Nachrichten: Bondi raus, Supreme Court & Meinungswandel Immigration

Eine weitere bewusste Gute-Nachrichten-Note — und thematisch enger, als es scheint: Sie handelt vom Meinungswandel zur Immigration, also genau von der Frage, wer als schützenswert Fliehender gilt. Die Erzählung über Fliehende kippt in beide Richtungen, damals wie heute.

Liya Yu — Dehumanisierung und Rehumanisierung

Yu liefert die neuropolitische Theorie zur Kernfrage dieser Note: warum dieselben Anwohner einmal ausliefern und einmal retten — je nachdem, ob der Fremde als Mensch oder als Feind gerahmt wird. Ent- und Rehumanisierung als das Scharnier zwischen 1944 und 1962.

Semsrott — Zur Gegenmacht

Beide setzen der politischen Lähmung tätige Zuversicht entgegen: Semsrott aus Freude und zivilgesellschaftlicher Organisierung, Mats aus dem Muster, dass fast jeder Gerettete selbst Fluchthelfer wurde — Dankbarkeit, die handelt, statt Moral, die fordert.