Quelle: “Trump has lost everything” | Yanis Varoufakis | The Exchange

Wer spricht?

Yanis Varoufakis (1961, Athen) — Ökonom, Autor, ehemaliger griechischer Finanzminister (2015). Sein neuestes Buch Raise Your Soul (2025) erzählt die Geschichte der letzten 100 Jahre durch die Augen von fünf Frauen, die ihn prägten.

DenkerVita

Interviewer: Oli Dugmore, New Statesman (The Exchange). Aufgenommen nach Varoufakis’ 65. Geburtstag, den er mit 2.000 Gästen in London feierte — darunter Jeremy Corbyn und Zack Polanski.


Kindheit unter der Junta — Das Modellflugzeug

▶ 1:30 — Die Eröffnungsszene seines Buches Raise Your Soul: Varoufakis, neun Jahre alt, wird von seiner Mutter in ein Athener Boutique-Hotel gebracht, das die griechische Geheimpolizei als Gefängnis nutzt. Sein Onkel — ein hochrangiger Siemens-CEO, der unter Folter zu lebenslanger Haft verurteilt wurde — schenkt ihm ein aus Streichhölzern und Zigarettenpapier gebautes Modellflugzeug. Mit aufgemaltem Hakenkreuz und Eisernem Kreuz — nicht aus Sympathie, sondern als Tarnung: Die griechischen Nazi-Wärter ließen das Kind damit passieren. Im Flugzeug versteckt: eine Nachricht an Mitkämpfer zur Koordination der Verteidigung vor dem Kriegsgericht.

„People think, ‘Oh, what terrible events to have marked the childhood.’ They’re dead wrong. I remember all that like a great adventure.”

▶ 5:19 — Der Onkel ist die Schlüsselfigur für Varoufakis’ Verständnis von Macht und Widerspruch. Vor dem Putsch von 1967 war er ein Establishment-Rechter — „on the verge between the Tories and Farage” — der glaubte, staatlicher Autoritarismus sei notwendig, um Demokratie zu bewahren. Als dieselben Autoritären die Verfassung suspendierten, wechselte er die Seiten. Als CEO von Siemens Griechenland hatte er mehr Macht als jeder Minister. Eines Tages nutzte er einen Ministerbesuch, um in der Privattoilette eine Bombe zu platzieren, die ein ganzes Stockwerk des Ministeriums zerstörte.

Was Varoufakis daraus lernte — nicht vom Onkel, sondern von seiner Mutter: die Fähigkeit, jemanden gleichzeitig zu lieben und zu verachten, ohne dass der Widerspruch die moralische Haltung zerstört.

„She knew how to love and to loathe him without allowing the contradiction to destabilize her, to make her lose her moral poise.”


Gewalt, Widerstand und Schwellen

▶ 9:10 — Auf die Frage nach bewaffnetem Widerstand antwortet Varoufakis mit einer Position, die sowohl prinzipiell als auch pragmatisch ist: Er sei „konstitutionell gegen Gewalt”, könne aber nie sagen, dass Gewalt niemals gerechtfertigt sei — nicht nach dem, was er 1973 erlebte, als Panzer über die Studenten auf der Patission Avenue rollten und Demonstranten niedergeschossen wurden.

Die Schwelle existiert — dort, wo alle Möglichkeiten erschöpft sind, grundlegende menschliche Würde ohne Gewalt zu bewahren. In Westeuropa sei man „nowhere near that threshold” — trotz des Autoritarismus gegen Palestine Action in Großbritannien und der Tatsache, dass Varoufakis selbst die Einreise nach Deutschland verboten wurde. Aber die Schwelle zu leugnen sei genauso gefährlich wie sie zu ignorieren.


Raise Your Soul — Ein Buch, das kein Buch sein sollte

▶ 14:29Raise Your Soul entstand als Therapie: 2023/24 waren „pretty nasty years” — Wahlniederlagen, Depression. Schreiben als Heilmittel, ohne Plan, ohne Vertrag. Der Auslöser war Schuldgefühl: Technofeudalism war ein Brief an seinen toten Vater. Aber die eigentliche politische Mentorin war seine Mutter.

Eine Erinnerung führte zur nächsten: Mutter → Vater → Vaters Mutter Anna (Mitglied der Ägyptischen Feministischen Union, geboren und gestorben in Kairo) → Mutters Mutter (eine Bäuerin von der Peloponnes) → eine weitere Frau. Am Ende: 100 Jahre Geschichte durch die Augen von fünf Frauen, die ihn — als „member of the defective sex” — zivilisierten.

„Their influence in civilizing me as a member of the defective sex — a man — was essential in the way that I understand the world.”


„Trump has lost everything” — Iran als Wendepunkt

▶ 20:35 — Varoufakis’ Geopolitik-Bilanz 2025: Xi gewann den Handelskrieg mit Trump, Trump gewann den Handelskrieg mit der EU, Putin gewann den narrativen Krieg um die Ukraine (zumindest im Globalen Süden und unter Trumps USA).

Der Wendepunkt: Trumps einziger Erfolg in der ersten Amtszeit war, sich nicht von Netanyahu in einen Nahostkrieg ziehen zu lassen. Jetzt ließ er sich genau dazu verleiten. Die Logik war absurd simpel — Joe Kent formulierte sie: Israel wird Iran bombardieren, Iran wird gegen die USA zurückschlagen, also müssen wir es zuerst tun (Faktencheck: vereinfacht).

„Trump was winning everything up until he allowed himself to be dragged into this war by Netanyahu. And now he’s going to lose everything. His political project is finished. Kaput.”

▶ 22:51 — Die MAGA-Basis hat drei Säulen: die Tech-Oligarchen („broligarchy”), die nationalistischen Populisten (Bannon-Lager), die christlichen/weißen Nationalisten. Die zweite Säule — explizit isolationistisch, gegen „forever wars” — wird durch den Iran-Krieg alieniert. Dazu kommt: das „Big Beautiful Bill” als Klassenkampf gegen die eigene Basis, verdoppelte Benzinpreise bei 110 Meilen täglichem Pendeln. Gleichzeitig ist die KI-Investitionswelle abgeebbt, weil Energie zu teuer wird.

Trump sitzt auf einem Eskalator, von dem er nicht mehr herunterkommt, ohne eine öffentliche mea culpa — „like a Roman emperor who receives the news that his legions have been decimated by the Goths, so he declares victory and holds a triumph in Rome.”


Zypern — Nationalismus als Selbstzerstörung

▶ 27:29 — Varoufakis erzählt die Geschichte der griechisch-israelischen Allianz von innen: 1999/2000 schlug sein Freund Nikos Kotzias eine strategische Partnerschaft mit Israel vor — der Feind meines Feindes (Türkei). Die Partnerschaft überlebte alle Regierungswechsel. Sechs Stunden nach Varoufakis’ Rücktritt als Finanzminister (6. Juli 2015) unterzeichnete Kotzias als Außenminister ein Abkommen, das Israel das Recht gab, griechischen Luftraum und Territorium für Kriegsübungen zu nutzen — ohne Zustimmung der griechischen Regierung.

„That’s becoming a satellite of another country.”

Jetzt — im Kontext des Iran-Kriegs — stehen griechische Fregatten und F-16 vor Zypern, angeblich um die Insel vor Iran zu schützen. In Wahrheit: um britisches Souveränitätsgebiet (Akrotiri) zu verteidigen, von dem aus die USA Iran bombardieren. Das wird in Griechenland als Sieg gegen die Türkei verkauft — eine nationalistische Verdrehung, die rational betrachtet absurd ist, aber perfekt funktioniert.

Die rationale Lösung — Wiedervereinigung Zyperns auf Grundlage eines bikommunalen Friedensdeals, Rückzug von Griechenland, Türkei und Großbritannien — findet keine Stimme. Stattdessen profitieren beide Nationalismen voneinander: Griechenlands Regierung und Erdogan brauchen die Spannungen zur Machtsicherung.


Von Protofaschismus zu Faschismus

▶ 44:25 — Varoufakis erklärt, warum er vom Begriff „Protofaschismus” zu „Faschismus” gewechselt ist. Nicht weil er Trump oder Farage als Person so nennt — sondern weil die Bewegung die historischen Stufen repliziert:

Die Faschismus-Sequenz (1920er → heute):

  1. Bankenkollaps (1929 / 2008)
  2. Sozialismus für die Wenigen, Austerität für die Vielen
  3. Die Linke scheitert — durch Nichtwahl oder Verrat im Amt (Griechenland 2015)
  4. Rechtspopulisten plagiieren linke Bankenkritik (Goebbels’ Reden: „Die erste Seite hätte ich schreiben können”)
  5. Gleichzeitig: neoliberaler als die Neoliberalen — der liberale Staat wird als „kommunistisch” gebrandmarkt
  6. Evokation einer fiktiven goldenen Vergangenheit — „Make XY Great Again”
  7. Sozialversprechen an die Armen — gegen den Preis demokratischer Stimme (Mussolinis Renten als erstes europäisches Pensionssystem)
  8. Angriff auf öffentliche Institutionen (BBC, Universitäten) als „kommunistisch”
  9. Ultra-Zionismus als Distanzierung vom historischen Antisemitismus — der Muslim/die Linke/die Trans-Person als neuer Feind
  10. Die fehlende Stufe, die jetzt eingetreten ist: Allianz mit Big Business — Tech-Oligarchen als moderne Pendants der Industriellen, die in den 1920ern die Faschisten finanzierten

„Up until two, three years ago, they weren’t. But now you see that they are — in the United States, Reform here. There are now large chunks of big capital that are now banking, like they did in the 1920s and ’30s.”


Energiemärkte — Das Kartell

▶ 54:20 — Auf die Debatte über Nordsee-Fossile antwortet Varoufakis mit einer grundlegenden Systemkritik: Es gibt keinen Strommarkt. Es gibt ein Studio mit einem Kabel — kein Wettbewerb zwischen 50 Anbietern. Der Staat simuliert einen Markt, der in Wahrheit ein Kartell ist.

Großbritannien produziert an guten Tagen 50% seines Stroms aus Erneuerbaren — zu null Grenzkosten. Aber der Preis wird bestimmt durch den teuersten marginalen Produzenten: gefracktes Gas aus New Mexico. Selbst bei 98% Windstrom würde man für alles den Gaspreis zahlen.

„We have to reconsider what Thatcher did. She took a perfectly usable public utility and replaced it with a pseudo market, a quasi market, a phony state-created market that serves the interest of the cartel.”

Sein Vorschlag: Zurück zur sozialisierten Stromversorgung — Durchschnittskosten plus 10% Marge statt marginale Preisbildung.


Labour — „Utterly toxic”

▶ 38:17 — Varoufakis’ Labour-Kritik ist vernichtend: Selbst Tony Blair habe nie Tony Benn oder Ken Loach aus der Partei geworfen. Starmer habe jeden Linken vertrieben, der progressive Werte vertritt — und Ken Loach als Antisemiten gebrandmarkt, weil er den Genozid an Palästinensern nicht unterstütze. Der tiefe Kern der Labour Party — die konservative Bank — bevorzuge Boris Johnson vor Jeremy Corbyn, genau wie die Demokraten Trump vor Bernie Sanders bevorzugten.

Die Grünen unter Zack Polanski füllten das Vakuum, indem sie sich als ökosozialistische Partei neu erfanden: nicht nur Umwelt, sondern Vermögensteuer, Einkommensverteilung, die Erkenntnis, dass das Wachstumsmodell „ecosidal” sei.


Stagflation und Zentralbank-Fehler

▶ 50:32 — Varoufakis warnt vor einem dreifachen ökonomischen Schock: Die KI-Investitionswelle ebbt ab (Energiekosten), die Zinsen steigen nicht mehr, und der Iran-Krieg treibt Energiepreise. Die Tarif-Schocks waren abfederbar, weil Oligopole die Kosten absorbierten — der Iran-Schock ist es nicht.

Zentralbanken, die jetzt Zinsen erhöhen, begehen „gross negligence” — energiegetriebene Inflation lässt sich nicht durch Nachfragezerstörung bekämpfen, sondern nur durch Begrenzung der Monopolprofite. Direkt anschlussfähig an seine Technofeudalism-Analyse: Cloud Rent und Energiekartelle als zwei Varianten derselben Tributabschöpfung.


Deutschlands Einreiseverbot — BMW löst das Problem

▶ 57:24 — Eine Anekdote, die das Machtgefüge offenlegt: Varoufakis wurde die Einreise nach Deutschland verboten. Dann lud ihn der BMW-Vorstand zur Keynote der BMW Foundation Berlin ein. „Don’t worry. Doesn’t apply to us.” Er ging, niemand stoppte ihn. Sein Gerichtsverfahren, in dem er das Recht auf Begründung des Verbots einklagt, wird alle zwei Monate vertagt.


Faktencheck

Bestätigt — Griechische Militärjunta als NATO-Mitglied

Die griechische Junta (1967–1974) war tatsächlich NATO-Mitglied. Die USA und europäische Alliierte tolerierten das Regime aus antikommunistischen Gründen. Varoufakis’ Erinnerung an die Niederschlagung des Polytechnikum-Aufstands am 17. November 1973 mit Panzern und Schusswaffen ist historisch belegt. Quelle: Wikipedia — Greek Military Junta

Bestätigt — Mussolinis Rentensystem

Italien führte unter Mussolini 1933 das INPS (Istituto Nazionale della Previdenza Sociale) ein, das erste umfassende staatliche Rentensystem. Varoufakis vereinfacht leicht — Deutschland hatte Bismarcks System seit 1889 — aber als faschistisches Sozialsystem zur Machtstabilisierung ist die Aussage korrekt. Quelle: INPS History

Vereinfacht — Trump und der Iran-Krieg

Varoufakis’ Darstellung von Trumps Positionswechsel zum Iran vereinfacht die komplexe Dynamik. Der Verweis auf Joe Kent bezieht sich auf öffentliche Aussagen im US-Kongress, die reale politische Strömung — aber die Entscheidungsfindung ist komplexer als „Netanyahu hat Trump hineingezogen”. Trumps eigene Agenda (Ölpreise, Saudische Allianz, innenpolitische Ablenkung) spielt ebenfalls eine Rolle.

Vereinfacht — 50% Erneuerbare in UK

Großbritannien erreichte 2024 tatsächlich Phasen mit über 50% erneuerbarer Stromerzeugung. Der Jahresdurchschnitt lag 2024 bei ca. 43%. Varoufakis’ Grundkritik am Merit-Order-Prinzip (Grenzkosten des teuersten Produzenten bestimmen den Preis) ist ökonomisch korrekt und wird breit diskutiert. Quelle: National Grid ESO — Future Energy Scenarios

Bestätigt — Griechisch-israelisches Militärabkommen

Griechenland und Israel unterzeichneten 2015 ein erweitertes Verteidigungsabkommen. Die Details zu Luftraumnutzung ohne griechische Regierungszustimmung sind schwer unabhängig zu verifizieren, aber die enge Militärkooperation und gemeinsame Übungen sind gut dokumentiert. Quelle: Kathimerini — Greece-Israel Defense Cooperation


Weiterführende Quellen

Im Interview zitierte / relevante Quellen:


Verbindungen

Yanis Varoufakis — Technofeudalism

Dasselbe Interview-Thema aus zwei Winkeln: Die IAI-Note erklärt den ökonomischen Mechanismus (Cloud Capital, Cloud Rent, Doom Loop); diese Note zeigt Varoufakis als politischen Akteur — Kindheit unter Diktatur, Faschismus-Analyse mit historischer Tiefe, Geopolitik. Die Stagflations-Warnung hier ist die konkrete Gegenwarts-Anwendung der Technofeudalism-Theorie.

Autoritaerer Internationalismus

Varoufakis’ Faschismus-Sequenz (Bankenkollaps → Austerität → Linkes Scheitern → Rechter Populismus → Big-Business-Allianz) ist die ökonomische Genealogie dessen, was der Autoritäre Internationalismus als globales Netzwerk kartiert. Seine Bemerkung über Griechenlands Regierung als „Tories plus Farage” ist ein konkreter Datenpunkt.

Andreas Kemper — Faschismen im 21. Jahrhundert

Kempers Faschismus-Taxonomie und Varoufakis’ Faschismus-Sequenz ergänzen sich: Kemper ordnet theoretisch ein (Technofaschismus, institutioneller Faschismus), Varoufakis liefert den historischen Mechanismus — die zehn Stufen von 1929 bis heute. Beide betonen: Faschismus ist kein Rückfall, sondern eine Mutation.

Grenzgaenger Studios — Wie Peter Thiel den Westen umbauen will

Varoufakis’ Stufe 10 — die Allianz zwischen Faschismus und Big Tech — ist exakt das, was Grenzgänger Studios an Thiel dokumentiert. Varoufakis nennt es „Tech-Oligarchen, die wie in den 1920ern die Faschisten finanzieren”; Chaudhry und Hübsch zeigen den konkreten Einzelakteur.

Klarsprech — Peter Thiel und ObjectionAI

Varoufakis’ „broligarchy” als eine der drei MAGA-Säulen — Klarsprech dokumentiert ihren prominentesten Vertreter und seine vier Machtdimensionen.

Heiner Flassbeck — Deutschlands Lohn-Irrsinn

Varoufakis’ Analyse der europäischen Stagnation (fehlendes Wachstumsmodell, Austerität, kein Investitionsplan) trifft auf Flassbecks empirische Befunde: Lohndumping seit Schröder, Deflationsrisiko, Institute als Versager. Beide kommen zum selben Schluss: Europas Problem ist nicht Mangel an Ideen, sondern politischer Wille.

Christoph Butterwegge — Armut NEU DENKEN

Varoufakis’ „socialism for the bankers and austerity for everybody else” nach 2008 ist die internationale Rahmung von Butterwegges empirischem Befund: 13,3 Mio. Armutsgefährdete in Deutschland als Ergebnis politischer Entscheidungen.

Diba Mirzaei — Irankrieg & Geschichte (Jung & Naiv 815)

Mirzaei liefert die iranische Innenperspektive zu dem, was Varoufakis geopolitisch analysiert: Wie der Iran-Krieg innenpolitisch wirkt, warum die Bevölkerung zwischen Regime und Bombardierung zerrieben wird. Varoufakis’ Außenperspektive (Trump von Netanyahu hineingezogen, Europa als Komplize über Akrotiri und Ramstein) ergänzt Mirzaeis historische Tiefe zur iranischen Revolution und IRGC-Machtstruktur.

Nico Lange — Hat Trump die Kontrolle über den Iran-Krieg verloren

Beide kommen zum selben Schluss — Trump hat die Kontrolle verloren — aber aus verschiedenen analytischen Traditionen: Lange als Sicherheitspolitiker (Eskalationslogik, militärische Dynamik, Hegseths Inkompetenz), Varoufakis als Ökonom (Benzinpreise als MAGA-Killer, KI-Investitionswelle abgeebbt, Stagflationsrisiko). Zusammen: das vollständige Bild, warum der Iran-Krieg Trumps politisches Projekt beendet.

Philip Manow — Autoritäre Zeiten

Manow erklärt empirisch, was Varoufakis historisch herleitet: Warum Wähler autoritäre Parteien wählen — nicht aus Irrationalität, sondern als rationale Reaktion auf Globalisierungsverlierer-Erfahrungen. Varoufakis’ Faschismus-Sequenz (Bankenkollaps → Austerität → populistische Mimikry) ist der Mechanismus hinter Manows Daten. Manow liefert die Empirie, Varoufakis die Genealogie.

Eva von Redecker — Über den neuen Faschismus (Jung & Naiv 811)

Redeckers Phantombesitz-Konzept (Machtansprüche, die sich durch vermeintliche Eigentumsverhältnisse legitimieren) trifft auf Varoufakis’ Beobachtung, dass Faschisten sich heute mit Big Business verbünden. Beide analysieren denselben neuen Faschismus — Redecker philosophisch über Eigentum und Gewalt, Varoufakis ökonomisch über die Stufen der Machtergreifung. Redeckers „Phantombesitz” erklärt, warum Tech-Oligarchen sich als Eigentümer des Gemeinwesens verstehen.

PhoenixRunde — Machtpoker in Peking, Trump trifft Xi

Konvergierende Diagnose: Die PhoenixRunde zeigt, wie Chinas Kalkül genau auf Trumps Schwäche durch den Irankrieg setzt — dasselbe, was Varoufakis als „Trump has lost everything” analysiert. Xi wartet gelassen ab, während die MAGA-Basis erodiert.

TheTrumpWeek — Ölkrise, KI-Staatsfonds, Thiels Abgang

Biersky stellt Varoufakis’ These auf die Probe: Entweder rettet Trump die Milliardäre (KI-Staatsfonds als Rettungsring) — oder er hat durch Iran-Krieg und Ölkrise bereits zu viel gegen ihre Interessen agiert. Peter Thiels Emigration ist ein Datenpunkt für Varoufakis’ Seite.