Gedankenraum

Andreas Püttmann — DenkerVita

Aus der Mitte des katholisch-konservativen Milieus kritisiert der Politologe Andreas Püttmann dessen Rechtsdrift: Rechtspopulismus ist für ihn mit dem Christentum unvereinbar.

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Carl Spitzweg — Biedermeier-Öl in Honigbernstein und Umbra, ein Lichtstrahl durch das hohe Fenster, Staub darin. Ein Arbeitszimmer im Bonner Norden: Bücher bis zur Decke, Rheinstiche in Goldrahmen Kante an Kante an der Wand, ein Kruzifix dazwischen, Globus, Büste, Zeitungsstapel, kalter Kaffee. In der Mitte ein älterer Gelehrter im ausgebeulten Cardigan über einem Bogen mit Zahlenkolonnen. Spitzwegs Hand, weil sie das Sammelnde und leicht Verschrobene liebevoll ansieht, statt es zu belächeln — und weil hier Frömmigkeit und Statistik im selben Licht liegen: die „barock katholische Ader" und die Demoskopie in einem Zimmer.

Prompt: A wide 1200×500 painting in the style of Carl Spitzweg — warm Biedermeier oil, honeyed amber and umber palette with deep bottle-green and dusty rose, soft glazed brushwork, a single shaft of afternoon light falling through a tall window, gentle affectionate humour rather than grandeur. Interior of a cluttered study in an old Rhineland apartment: floor-to-ceiling shelves crammed with worn books and papers, small dark oil paintings and Rhine landscape engravings in ornate gilt frames hung edge to edge on the wall, a crucifix among them, bric-a-brac on every surface — a globe, a bust, a stack of newspapers, an empty coffee cup. In the middle a small elderly scholar in a rumpled cardigan sits at a heavy desk, seen in three-quarter profile, absorbed, one hand tracing a column of figures on a large sheet of statistical tables spread before him, spectacles pushed up. The gilt frames and the sheet of numbers occupy the same warm light — devotion and arithmetic in one room. No text, no lettering, no readable writing. Faces simplified and small, no photorealism. Painterly, intimate, slightly wry, dust motes in the sunbeam.

Biografie

Bücher & Publikationen

TitelJahrBeschreibung
Unter dem Anspruch des „C". Zu den Programmentwürfen der Unionsparteien1993Frühe Vermessung des „C" in CDU und CSU — was das Christliche im Parteiprogramm überhaupt verpflichtet.
Ziviler Ungehorsam und christliche Bürgerloyalität1994Die Dissertation: Konfession und Staatsgesinnung in der Demokratie des Grundgesetzes — wie viel Gehorsam schuldet der Gläubige dem Rechtsstaat, wann darf das Gewissen brechen?
Auf Vermittler angewiesen. Wie entsteht öffentliche Meinung über die Kirche?1996Medienwirkungsforschung am Fall Kirche: Die Institution erreicht die Gesellschaft nur durch Dritte — und wird von ihnen gerahmt.
Leben Christen anders? Befunde der empirischen Sozialforschung1998Püttmanns Signatur-Frage, demoskopisch geprüft statt behauptet: Lässt sich religiöse Praxis in Verhalten, Vertrauen, Ehrenamt messen?
Christliche Erziehung als Beitrag zum Gemeinwohl2000Religiöse Bildung nicht als Privatsache, sondern als Beitrag zu den Voraussetzungen, von denen der Staat lebt.
Gesellschaft ohne Gott. Risiken und Nebenwirkungen der Entchristlichung Deutschlands2010Sein bekanntestes Buch. Auf breiter Datenbasis fragt er, was mit Toleranz, Vertrauen, Familie und Demokratie geschieht, wenn der christliche Grundwasserspiegel sinkt. In der FAZ rezensiert, vom jüdischen Publizisten Chaim Noll als „ein optimistisches Buch" zu diesem Thema gelobt.
Führt Säkularisierung zum Moralverfall? Eine Antwort auf Hans Joas2013Streitschrift gegen die These, Säkularisierung sei moralisch folgenlos — mit Zahlen statt Kulturpessimismus.
Wie katholisch ist Deutschland – und was hat es davon?2017Bestandsaufnahme des katholischen Deutschlands und seiner Gemeinwohlleistung — Religionssoziologie ohne Wehleidigkeit.

Wichtige Aufsätze und Buchbeiträge (Auswahl):

TitelJahrFundort
Menschenbild und Medienwirkung2002In: Nomos und Ethos. Hommage an Josef Isensee, Berlin, S. 69–101
„Das sind die Werte, für die ich hier stehe am äußersten Rande" — über Alfred Delp und den Widerstand gegen Hitler2007Alfred-Delp-Jahrbuch 1/2007, S. 54–77
Christliche Volkspartei ohne christliches Volk?2007Festschrift für Wolfgang Bergsdorf, Paderborn, S. 85–108
Tapferkeit – die Kardinaltugend der Freiheit2010In: Die leise Diktatur. Das Schwinden der Freiheit, Aachen, S. 99–118
Was ist die AfD? Und wie als Kirche mit ihr umgehen?2017In: Orth/Resing (Hrsg.): AfD, Pegida und Co. Angriff auf die Religion?, Freiburg, S. 36–57
Geschlechterordnung und Familismus als Policy-Angebote des Rechtspopulismus und Autoritarismus für das katholische Milieu2019In: Gender – Nation – Religion, Frankfurt/M., S. 51–80
Populistische Radikalisierungstendenzen im konservativ-katholischen Milieu Deutschlands2022In: Nothelle-Wildfeuer/Striet: Katholischer Rechtspopulismus, Freiburg
Christlicher ziviler Ungehorsam im demokratischen Rechtsstaat des Grundgesetzes?2024In: Zugänge zu Recht und Religionen, Bd. 2, Baden-Baden, S. 207–244
Zwischen Christdemokratie und Rechtspopulismus. Wie die Merz-Union ideell schlingert und schrumpft2025Blätter für deutsche und internationale Politik 5/2025, S. 51–60
Von der Demokratie zur Ochlokratie? Empirische, sozialpsychologische und tugendethische Aspekte des Rechtspopulismus2026In: Ramb/Zaborowski (Hrsg.): Religion und Politik (Koordinaten Europas 3), Göttingen, S. 236–264
Zwei Selbstzitate ohne verifizierten Fundort

Püttmann verweist im Göpel-Gespräch auf einen eigenen Aufsatz über „Rechtspopulismus und Narzissmus" und auf den von ihm geprägten Begriff „Militanz der Mitte". Beide ließen sich bislang keiner konkreten Publikation zweifelsfrei zuordnen; der sozialpsychologische Strang findet sich der Sache nach im Ochlokratie-Aufsatz (2026). Ebenfalls oft zitiert, aber nicht bibliografisch greifbar: sein Warntext vor der Rechtsdrift der Union von 2015, „Die Nashörner kommen".

Empfehlenswerte Videos & Vorträge

Kernthesen

Bezugsdenker, auf die er sich selbst beruft: José Ortega y Gasset (Der Aufstand der Massen, 1929) · Ernst-Wolfgang Böckenförde · Karl Popper · Konrad Adenauer · Adolf Arndt · Elisabeth Noelle-Neumann · Alfred Delp · Dostojewski.

Politische / ideologische Einordnung

Püttmann nennt sich selbst konservativ und landet im Wahl-O-Mat regelmäßig bei der Union auf Platz 1 — er ist im Milieu aufgewachsen, das er kritisiert: Junge Union, Konrad-Adenauer-Stiftung, katholische Verbände. Genau daraus bezieht seine Kritik ihre Schärfe. Die Merz-Union wirft er in den Blättern (2025) vor, „ideell zu schlingern und zu schrumpfen": eine Verschiebung nach rechts unter Merz, Linnemann und Spahn bei gleichzeitiger Marginalisierung des Sozialflügels (CDA). Gegenüber der AfD ist er einer der schärfsten Kritiker aus dem christlich-konservativen Lager — mit dem Argument, nicht der Milieuverrat, sondern die Sache selbst verbiete das Bündnis.

Von links wird er darum gern als Kronzeuge zitiert, von rechts als Abtrünniger geführt. Beides greift zu kurz: Sein Maßstab ist nicht die Achse links–rechts, sondern die Frage, ob eine Politik die Voraussetzungen der Demokratie stärkt oder verzehrt. Wo er wirklich konservativ bleibt — in Fragen von Familie, Lebensschutz und kirchlicher Lehre — steht er quer zum säkular-progressiven Konsens, was in Rezeptionen seiner AfD-Kritik oft untergeht.

Verbindungen zu anderen Denkern

Gedankenwelten-Notes

Im Bestand

Andreas PüttmannWerte NEU DENKENDietrich BonhoefferDenkerVitaAlexander ThieleDenkerVitaArnd HenzeDenkerVitaMatthias QuentDenkerVitaGesine SchwanDenkerVitaSteffen MauDenkerVitaMichael HartmannDenkerVita

acht gedachte Verweise

verlinktdieselbe Quelle, nie verlinkt
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