GedankenraumFabian Wichmann — DenkerVita
Er wuchs eine Schienenbus-Station von der Mauer entfernt auf, sah Nachbarn zu Nazis werden und begleitete später bei EXIT-Deutschland Hunderte hinaus — Argumente, sagt er, perlen ab wie Teflon.
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Saul Steinberg (Federzeichnung) — eine lange graue Mauer, ein ruhiger Mann im Pullover hält eine kleine Tür darin offen; vor der Tür ein Haufen abgelegter Springerstiefel, dahinter eine offene Landschaft mit blasser Sonne. Steinbergs Witz liegt im Einfachen — und Wichmanns Arbeit ist genau das: keine Rede, eine Tür, die jemand offen hält, durch die der andere selbst gehen muss.
Prompt: Pen and ink line drawing in the manner of Saul Steinberg, witty minimal lines on white paper with a pale grey watercolor wash, wide 1200x500 banner. A very long grey wall stretches across the image. In the middle a calm man in a sweater holds a small door in the wall open. On the left, small line-drawn figures stand on the shadowed side; one of them is stepping through the door into an open landscape with a small pale sun. By the door lies a pile of heavy laced combat boots that people took off. No flags, no emblems, no symbols, no text, no signature.
Biographischer Snapshot
Fabian Wichmann — Erziehungswissenschaftler, aufgewachsen in einem Dorf am Berliner Stadtrand. Seit 2009 Ausstiegsbegleiter bei EXIT-Deutschland, Mitinitiator von Kampagnen wie „Rechts gegen Rechts“ und #HassHilft; seit 2025 wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Grüner Vogel e.V., der IS-Rückkehrer beim Ausstieg begleitet.
Biografie
Fabian Wichmann wuchs in einem kleinen Dorf in Brandenburg am Rand von Berlin auf; seine Welt endete, wie er sagt, „eine Eulenstation entfernt“ — eine Station mit dem Schienenbus, dann kam die Mauer. Als seine Mutter ihn am 9. November 1989 weckte und sagte, die Mauer sei gefallen, dachte er an die Mauer vom Kohleschuppen. In den Neunzigern sah er Nachbarn und Bekannte zu Neonazis werden; man mied Feste, Kneipen, ganze Dörfer. Dass ihn das nicht hineinzog, schreibt er seinen Eltern zu (Mauerecho 2025).
Er studierte Erziehungswissenschaft und arbeitet seit 2006 zum Thema, zunächst als Berater von Kommunen im Umgang mit Rechtsextremismus. Ab 2009 begleitete er bei EXIT-Deutschland (Träger: ZDK Gesellschaft Demokratische Kultur, Berlin) Menschen beim Ausstieg aus der rechtsextremen Szene, darunter Felix Benneckenstein (unauf.de). Bekannt wurden Kampagnen, die er mit anstieß: das „Trojaner-T-Shirt“, das 2011 auf einem NPD-Festival verteilt wurde und nach dem Waschen eine Ausstiegsbotschaft zeigte, und „Rechts gegen Rechts“ (2014), bei dem jeder Meter eines Neonazi-Marschs in Wunsiedel unfreiwillig Spenden für EXIT einbrachte (Wikipedia). Seit 2025 arbeitet er als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Grüner Vogel e.V., der Ausstiegsarbeit mit Islamisten und Rückkehrern aus dem „Islamischen Staat“ leistet (Grüner Vogel).
Bücher & Publikationen
- Pilarczyk/Wichmann (2013): „Aussteigen aus dem Rechtsextremismus: Foto-Praxis, bildwissenschaftliche Analyse und Ausstellungsarbeit“, MedienPädagogik, doi:10.21240/mpaed/23/2013.06.14.x
- Successfully Countering Hate and Far-Right Propaganda: The story of EXIT-Germany (Impakter)
- Beiträge im Journal EXIT-Deutschland · Podcast „Frisch an die Arbeit mit Fabian Wichmann“
Empfehlenswerte Videos & Vorträge
- Mauerecho — Rechtsextremismus in Ost und West: Zwischen Hass und Ausstieg (taz, 2025, mit Felix Benneckenstein)
- Exit mit Exit — EXIT-Deutschland Podcast (2021)
- Dogs of Berlin Real Talk: Fabian Wichmann über seine Arbeit bei Exit-Deutschland (Netflix, 2018)
Kernthesen
- Die Wende erklärt nicht alles. Verunsicherung begünstigte Radikalisierung, doch es braucht zusätzlich anschlussfähige Vorurteile aus Familie und Umfeld — sonst wäre der ganze Osten Nazi geworden.
- Argumente perlen ab wie Teflon. Wer sich zur Elite der Wissenden zählt, muss niemandem zuhören; wirksam sind Signale, offene Türen und Beziehungen, wenn die Zweifel kommen.
- Ausstieg ist Selbsttätigkeit. Die Begleitung setzt einen Rahmen — Beziehung, Sicherheit, Tattooentfernung, Umzug —, aussteigen muss die Person selbst; akut vier Jahre, biografisch ein Leben lang.
- Gelassenheit und Konsequenz. Strafverfolgung ist heute besser als in den Neunzigern und kann weiter wachsen; gesellschaftlich gelte es, Ambiguität auszuhalten und nicht über jeden Stock der AfD zu springen.
Verbindungen zu anderen Denkern
- Felix Benneckenstein — den er bei EXIT aus der Szene begleitete und mit dem er heute als Kollege spricht.
- Marcant — setzt auf das Gespräch, wo Wichmann vor zu viel Hoffnung auf Argumente warnt.
Cortex-Notes
- Benneckenstein und Wichmann — Zwischen Hass und Ausstieg — Mauerecho: Ausstiegsbegleitung von innen (03.10.2026)
- Wie kommt man aus der rechten Szene wieder heraus? — Stimme im wachsenden Panorama
Im Bestand
fünf gedachte Verweise