Gedankenraum
DenkerVita·3. Oktober 2026

Felix Benneckenstein — DenkerVita

Neun Jahre Neonazi, bundesweit als Liedermacher „Flex“, dann Flaschen auf dem Kopf, eine Aussage bei der Polizei und der Ausstieg — heute begleitet Felix Benneckenstein andere hinaus.

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Käthe Kollwitz (Lithografie) — Kohle und schwarze Kreide auf Cremepapier: ein junger Mann mit kahlem Kopf und Verband sitzt am Boden an der Wand, die Gitarre neben sich abgelegt; durch eine offene Tür fällt Licht, und eine Hand reicht herein. Kollwitz zeichnete das Leid ohne Beschönigung und mit Mitgefühl — der Liedermacher, der von den eigenen Leuten verletzt wurde und eine Hand annimmt.

Prompt: Charcoal and black chalk lithograph in the expressive manner of Käthe Kollwitz on cream paper, wide 1200x500 banner. A young man with a shaved head sits on the floor against a wall, an acoustic guitar laid down beside him, one hand pressed to a bandaged head. On the left an open door through which pale light falls across the floor, and from the light a hand reaches in to help him up. Monochrome with one faint warm tone in the light. Clean paper margins, the corners of the image are plain and empty. Absolutely no signature, no initials, no handwriting, no letters, no text anywhere.

Biographischer Snapshot

Wer spricht?

Felix Benneckenstein (1986, Starnberg) — wuchs in München und Erding auf, stieg mit fünfzehn in die Szene ein und war rund neun Jahre aktiv: Münchner Kameradschaft, NPD, bundesweit bekannt als Liedermacher „Flex“. Nachdem ihn andere Neonazis angegriffen hatten, sagte er bei der Polizei aus, saß einige Monate in Haft und stieg um 2010/11 mit EXIT aus — begleitet von Fabian Wichmann. 2011 gründete er die Aussteigerhilfe Bayern, für die er bis heute Ausstiege begleitet.

Biografie

Felix Benneckenstein wurde 1986 in Starnberg geboren und wuchs in einem linksliberalen Elternhaus mitten in München auf, mit einem ein Jahr jüngeren Bruder mit Down-Syndrom und einer Mutter, deren Vater ein nicht weißer amerikanischer Soldat war. 1992 nahmen ihn die Eltern mit zur Lichterkette nach den Brandanschlägen. Mit zehn, elf zog die Familie ins Umland, nach Dorfen bei Erding. Im April 2000 zündeten Neonazis dort eine Sozialunterkunft an, in der 17 Menschen schliefen, darunter ein Freund von ihm (BGH 2002); die rechte Clique im Dorfener Stadtpark war laut Lokalpresse später auch sein erster Kontakt zur Szene (Merkur).

Mit elf, zwölf kippte sein Leben, zunächst ohne Politik: Diebstähle, Autoaufbrüche, Polizei, der Abbruch des Gymnasiums. Mit fünfzehn fand er in Erding das Angebot, das zu seiner Lage passte — einen Bauwagen der Republikaner, die DVU, einen gut organisierten NPD-Kreisverband (Sonntagsblatt/epd 2026). Mit sechzehn brach er mit der Familie und zog nach München. 2003 trat er der Münchner Kameradschaft bei, später der NPD, und wurde als Liedermacher „Flex“ bundesweit bekannt; 2006 gründete er in Erding eine eigene Gruppe, 2007 zog er nach Dortmund-Dorstfeld (Haus der Bayerischen Geschichte).

Den Ausstieg leitete Gewalt aus den eigenen Reihen ein: Bei einer Schlägerei zerschlugen andere Neonazis Flaschen auf seinem Kopf, er sagte bei der Polizei aus — in der Szene der Verrat schlechthin — und saß danach einige Monate in Haft. Um 2010/11 stieg er mit Hilfe von EXIT-Deutschland aus, begleitet von Fabian Wichmann (BR 2024). Gemeinsam mit ihm verließ Heidi Benneckenstein die Szene, die in einer völkischen Familie aufgewachsen war und heute seine Frau ist.

2011 gründete er mit zwei weiteren Aussteigern die Aussteigerhilfe Bayern, die sich vor allem an Kader richtet; rund hundert Menschen hat er nach eigenen Angaben beim Ausstieg geholfen. Er hält Vorträge an Schulen und holt den Schulabschluss auf dem zweiten Bildungsweg nach.

Öffentliche Arbeit, Kanäle & Engagement

Empfehlenswerte Videos & Vorträge

Kernthesen

  1. Selbstverantwortung. Es gab nicht nur Neonazis um ihn herum — „ich habe mir das gezielt rausgepickt“.
  2. „Die Gewalt geht von den anderen aus.“ Mit dieser Umkehrung fängt die Szene auch die, die Gewalt eigentlich nicht mögen.
  3. Ost und West, die gleiche Ideologie. Der Unterschied liegt in der Sichtbarkeit, nicht im Denken.
  4. Der Rechtsstaat muss früh zugreifen. Junge Aussteiger aus TikTok-Kreisen kommen meist nach einer Hausdurchsuchung; klassische Neonazis hätten „ihre Ruhe“, solange alle auf die AfD schauen.

Politische Einordnung

Heute klar gegen Rechtsextremismus, ohne Parteibindung. Seine Haltung zum Staat hat sich verschoben: 2012 hielt er Ausstiegshilfe für keine Aufgabe von Staat und Geheimdienst, heute rät er Bedrohten, die Sicherheitsbehörden einzuschalten, und fordert eine konsequentere Strafverfolgung.

Verbindungen zu anderen Denkern

Cortex-Notes

Im Bestand

Fabian WichmannDenkerVitaBenneckenstein und WichmannZwischen Hass und AusstiegThomas „Eichi" EichstädtDenkerVitaMarcantDenkerVitaWie kommt man aus der…Philip SchlafferDenkerVita

sechs gedachte Verweise

verlinktdieselbe Quelle, nie verlinkt
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