
Hasnain Kazim — DenkerVita
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Kurt Schwitters — Merz-Collage — Schwitters klebte seine Bilder aus dem, was andere wegwarfen: Fahrscheine, Poststempel, zerrissenes Papier. Kazim macht mit Hassmails dasselbe — er blockiert sie nicht, er antwortet und macht daraus Form. Das Banner läuft von links nach rechts als Gefälle von Unordnung zu Ordnung: links der dunkle, zerrissene Haufen, in der Mitte ein gestempelter Brief mit unleserlicher Handschrift, darunter eine Seekarte mit Kompassrose (die Marinejahre) und ein Fahrplan, rechts die ruhigen hellen Felder mit viel Luft. Schwitters, Norddeutscher wie Kazims Kindheit, musste 1937 vor den Nazis fliehen — die Hand ist bewusst keine, die auf Herkunft zeigt. Kazim hat einem Juraprofessor widersprochen, der ihn genau darauf festnageln wollte.
Prompt: Wide banner 1200x500px, Merz collage in the spirit of Kurt Schwitters, 1920s Hanover Dada. A dense assemblage of torn and layered paper glued onto a warm ground: envelope fragments, cancelled postage stamps, circular postmark rings, ruled letter paper with faint illegible handwriting, ticket stubs, torn newspaper columns, a fragment of a nautical chart with depth soundings and a compass rose, a scrap of a ship timetable, wood-grain paper, a strip of grey cardboard. Palette: paper white and cream, sepia, tobacco brown, vermilion red, Prussian blue accents, one small square of gold leaf. Aged paper texture, visible torn edges, glue stains, slight yellowing. Composition reads left to right as a gradient of order: the left third is chaotic — overlapping crumpled scraps piled at sharp angles, dark and dense, almost illegible, layered many sheets deep. Toward the centre the fragments begin to align. The right third resolves into clean rectangular fields of pale paper arranged in a calm horizontal grid, with generous empty space, a single vermilion rectangle and a thin blue line running horizontally through them like a horizon. No readable words, no legible text, no lettering that spells anything — only the abstract texture and rhythm of printed and handwritten marks. Flat, matte, hand-glued surface. No faces, no figures, no photorealism.
Biographischer Snapshot
Hasnain Niels Kazim (19.10.1974, Oldenburg) — deutscher Journalist und Autor, Sohn schiitisch-muslimischer Eltern aus Pakistan, aufgewachsen evangelisch im Alten Land bei Stade. Ein ungewöhnlicher Weg: 1994 Offizieranwärter der Deutschen Marine, Politikwissenschaft an der Universität der Bundeswehr Hamburg, Dienst als Marineoffizier — dann Journalismus. Von 2006 bis 2019 beim Spiegel, als Korrespondent in Islamabad, Istanbul und Wien; 2016 musste er die Türkei verlassen, nachdem ihm die Presseakkreditierung verweigert wurde. Seit 2019 freier Autor in Wien.
Bekannt wurde er als der Mann, der auf Hassmails antwortet — erst auf der Bühne bei Hate Poetry, dann als Bestseller Post von Karlheinz (2018). Sein Thema ist das Streiten selbst: wie man Pöblern und Populisten mit Argumenten begegnet, ohne sie zu Feinden zu machen.
Wichtigste Werke: Grünkohl und Curry (2009), Krisenstaat Türkei (2017), Post von Karlheinz (2018), Auf sie mit Gebrüll! (2020), Deutschlandtour (2024), Der Islam und ich (2026) Kernkonzepte: Antworten statt Blockieren, Streit als demokratische Kulturtechnik, Zugehörigkeit ohne Erlaubnis
Biografie
Zwischen Karatschi und dem Alten Land (ab 1974): Kazim wird 1974 in Oldenburg geboren. Seine Eltern stammen aus einer schiitisch-muslimischen Familie, die 1947 bei der Teilung Indiens nach Karatschi zog und später zum Christentum konvertierte; der Vater fuhr zur See, die Mutter arbeitete als Übersetzerin. Er wächst evangelisch in Hollern-Twielenfleth im Alten Land auf, geht in Stade aufs Vincent-Lübeck-Gymnasium und tritt mit 19 aus der Kirche aus. Diese Doppelherkunft — norddeutsche Provinz und südasiatische Familiengeschichte — ist der Rohstoff fast aller seiner Bücher, ohne je zum Identitätsprogramm zu werden.
Der Umweg über die Marine (1994–2000): 1994 tritt Kazim als Offizieranwärter in die Deutsche Marine ein und studiert an der Universität der Bundeswehr Hamburg Politikwissenschaft, danach dient er als Marineoffizier. Der Lebensweg ist für die Person entscheidend: Der Mann, dem Hassschreiber später absprechen, „richtig deutsch" zu sein, hat auf der Gorch Fock gesegelt und einen Eid auf die Bundesrepublik geleistet. Eine kurze parteipolitische Episode gehört dazu — 1998 kandidiert er für die FDP bei der niedersächsischen Landtagswahl (2,7 Prozent Erststimmen im Wahlkreis Stade) und tritt zwei Monate später aus der Partei aus.
Vom Stader Tageblatt zum Spiegel (ab ~2000): Der journalistische Weg beginnt beim Stader Tageblatt, führt über die Heilbronner Stimme und die dpa 2006 in die Redaktion von Spiegel Online. Ab Juli 2009 ist er Südasien-Korrespondent in Islamabad, ab 2013 Türkei-Korrespondent in Istanbul. 2009 erhält er den CNN Journalist Award für Angriff auf Mumbai. Protokoll eines mörderischen Feldzugs, eine Rekonstruktion der Anschläge von 2008.
Bedroht und ausgewiesen (2014–2016): Nach seiner Berichterstattung über das Grubenunglück von Soma 2014 wird Kazim von Erdoğan-Anhängern massiv angefeindet und erhält Morddrohungen; er verlässt die Türkei vorübergehend. Anfang 2016 verweigern die türkischen Behörden ihm — wie weiteren ausländischen Journalisten — die Verlängerung der Presseakkreditierung; ohne sie kein Aufenthaltstitel. Im März 2016 zieht er nach Wien, berichtet als Österreich-Korrespondent und weiter über die Türkei. Ende 2019 scheidet er beim Spiegel aus und arbeitet seither frei.
Die Antwort auf den Hass (ab 2013): Parallel zur Auslandsarbeit entsteht das, wofür Kazim heute am bekanntesten ist. Mit Mely Kiyak, Deniz Yücel, Yassin Musharbash, Özlem Topçu, Özlem Gezer, Doris Akrap und Ebru Taşdemir liest er bei der antirassistischen Leseshow Hate Poetry rassistische Schmähbriefe auf der Bühne vor — das Gründungsteam wird 2014 vom Medium Magazin mit einem Sonderpreis als Journalisten des Jahres ausgezeichnet. Daraus wächst Post von Karlheinz (2018): Hassmails, jeweils mit Kazims Antwort — freundlich, schlagfertig, oft absurd. Der Grundgedanke: nicht blockieren, sondern antworten; nicht empört sein, sondern präzise.
Streit als Handwerk (ab 2020): Auf sie mit Gebrüll! … und mit guten Argumenten (2020) macht daraus eine Anleitung, die Kalifats-Satiren (Mein Kalifat, 2021; Mein Kalifatskochbuch, 2022) drehen die Islamisierungsangst in Komik um, und Zoff! Bumm! Bämm! (2023) erklärt Kindern, warum Streit nicht dasselbe ist wie Feindschaft. 2024 radelt er für die Deutschlandtour an Elbe, Ruhr, Rhein, Oder/Neiße, Neckar und Donau entlang und sucht im Gespräch mit Zufallsbekanntschaften nach dem, was das Land zusammenhält. 2026 folgt mit Der Islam und ich der ehrlichste Selbstversuch: eine Auseinandersetzung mit der Religion, der ein Großteil seiner Verwandtschaft angehört und zu der er selbst ein ambivalentes Verhältnis hat.
Reibungsflächen: Kazim ist ein streitbarer Autor, der auch selbst angegriffen wird — nicht immer zu Unrecht. 2017 wurde sein Kommentar zum AfD-Erfolg in Ostdeutschland („Ihr kamt 1990 mit dem Trabbi angeknattert und wählt heute AfD — wie soll ich euch ernst nehmen?") in der NZZ als westliche Herablassung kritisiert. 2020 warf ihm der Migrationsforscher Jannis Panagiotidis wegen eines Tweets über Russlanddeutsche Diskriminierung vor; Kazim entschuldigte sich später öffentlich. Dass die Deutschlandtour vier Jahre danach ausgerechnet das Zuhören sucht, liest sich wie eine Antwort auf diesen Vorwurf.
Bücher & Publikationen
| Titel | Jahr | Beschreibung |
|---|---|---|
| Grünkohl und Curry | 2009 | Die Geschichte einer Einwanderung — die eigene Familie zwischen Karatschi und dem Alten Land, erzählt statt soziologisch vermessen. |
| Plötzlich Pakistan | 2015 | Mein Leben im gefährlichsten Land der Welt: ein literarisches Gesellschaftsporträt aus den Korrespondentenjahren in Islamabad. |
| Krisenstaat Türkei | 2017 | Erdoğan und das Ende der Demokratie am Bosporus — die Chronik einer autoritären Wende, aus der Nähe und unter persönlichem Risiko beobachtet. |
| Post von Karlheinz | 2018 | Wütende Mails von richtigen Deutschen — und was ich ihnen antworte. Der Bestseller, der Hassnachrichten nicht ausstellt, sondern beantwortet. |
| Auf sie mit Gebrüll! | 2020 | … und mit guten Argumenten: eine Anleitung, Pöblern und Populisten Paroli zu bieten, ohne selbst zum Pöbler zu werden. |
| Mein Kalifat | 2021 | Ein geheimes Tagebuch, wie ich das Abendland islamisierte — Satire, die den „Großen Austausch" in seiner eigenen Sprache karikiert. |
| Mein Kalifatskochbuch | 2022 | Weisheiten und Rezepte aus dem Kalifat Karfiolien: Grünkohl, Curry und Zwiebelmett als kulinarische Fortsetzung der Satire. |
| Zoff! Bumm! Bämm! | 2023 | Ein Streitbuch für Erstlesende (mit Lena Hesse): warum Menschen streiten — und wann Streit gut ist. |
| Deutschlandtour | 2024 | Auf der Suche nach dem, was unser Land zusammenhält: ein politischer Reisebericht per Fahrrad entlang von sechs Flüssen. |
| Der Islam und ich | 2026 | Ein pointierter Essay über das ambivalente Verhältnis zur Religion der eigenen Familie — gegen pauschale „Islamkritik" und gegen Beschwichtigung zugleich. |
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Empfehlenswerte Videos & Vorträge
- „Auf sie mit Gebrüll!" — Hasnain Kazim im Interview (linXXnet talXX #14) — Langgespräch über das Handwerk des Streitens: wie man auf Hassnachrichten antwortet, wann Argumente wirken und wann nicht.
- „Die Leute trauen sich nicht mehr zu sprechen" — Kazim über die Türkei — Der Korrespondent nach drei Jahren Istanbul: über Angst, Selbstzensur und den Weg in den autoritären Staat.
- Interview über Hass in der Gesellschaft („Ein KICK für Hattingen", 2022) — Wo Hass herkommt, was er mit den Adressierten macht und warum Blockieren die schlechtere Antwort ist.
- Dora Heldt trifft Hasnain Kazim (Buch-Podcast, 2025) — Werkstattgespräch über Herkunft, Schreiben und die Fahrradreise durch Deutschland.
- Talk mit Hasnain Kazim — Grimme Online Award 2023 — Als Preispate über Wissen, Bildung und Information im digitalen Raum.
Kernthesen
- Antworten statt blockieren. Hassnachrichten verlieren ihre Macht nicht durch Wegklicken, sondern durch eine Antwort — freundlich, konkret, oft komisch. Der Absender ist selten der Adressat der Wirkung: Es geht um die Mitlesenden.
- Streit ist eine demokratische Kulturtechnik, keine Panne. Wer Konflikt für ein Zeichen des Scheiterns hält, verwechselt Demokratie mit Harmonie. Gestritten werden muss — die Frage ist, ob mit Argumenten oder mit Drohungen.
- Zugehörigkeit fragt niemanden um Erlaubnis. Die Frage „Woher kommst du wirklich?" unterstellt, Deutschsein sei etwas, das man verliehen bekommt. Kazims Biografie — Alten Land, Marineoffizier, Bundeswehruniversität — ist das lakonische Gegenargument.
- Autoritäre Wenden sind lange vorher zu sehen. Was er in der Türkei beobachtete — der Druck auf die Presse, das Schrumpfen des Sagbaren, die Selbstzensur vor der Zensur — beschreibt er als Muster, nicht als türkischen Sonderfall.
- Satire nimmt der Angst den Griff. Mein Kalifat spricht die Sprache der Islamisierungsfurcht so lange nach, bis sie sich selbst widerlegt. Die Lächerlichkeit ist ein Argument, das die Ernsthaftigkeit nicht liefern kann.
- Zuhören ist keine Kapitulation. Die Deutschlandtour setzt darauf, dass man mit fast allen reden kann — ohne die Positionen zu teilen. Die Grenze verläuft nicht bei unbequemen Meinungen, sondern dort, wo die Gleichheit anderer bestritten wird.
Politische / ideologische Einordnung
Kazim ist liberal-antirassistisch, ohne einem Lager zuzugehören: eine kurze FDP-Episode 1998, danach parteipolitisch ungebunden. Seine Verteidigungslinie ist die liberale Demokratie und die Gleichheit der Rechte — gegen Rechtsextremismus und Rassismus ebenso wie gegen religiösen Extremismus, den er in Interviews ausdrücklich einschließt („Wir müssen gegenüber religiösen Extremisten intolerant sein"). Als Autor mit muslimischer Familiengeschichte, der selbst evangelisch aufwuchs und mit 19 aus der Kirche austrat, steht er quer zu den üblichen Frontverläufen der Islamdebatte: Er wehrt pauschale Islamkritik ab und benennt gleichzeitig familiäre Zwänge und Gleichberechtigungsdefizite.
Angreifbar ist er dort, wo Zuspitzung in Herablassung kippt — die Trabbi-Bemerkung über AfD-Wählende im Osten (2017) und der Russlanddeutschen-Tweet (2020, mit späterer Entschuldigung) sind die belegten Fälle. Beide Male ging es um dieselbe Spannung: Wie hält man einen Ton, der klar bleibt und trotzdem gesprächsfähig? Sein Werk seit 2020 — vom Argumentationsbuch bis zur Fahrradtour durch die Republik — lässt sich als Arbeit an genau dieser Frage lesen.
Auszeichnungen: CNN Journalist Award (2009) · Sonderpreis Journalisten des Jahres für das Hate-Poetry-Gründungsteam (Medium Magazin, 2014) · Medienpreis Goldener Kompass (2015) · dritter Platz Politikjournalist des Jahres (2016) · Pate des Vincent-Lübeck-Gymnasiums Stade bei Schule ohne Rassismus — Schule mit Courage (seit 2010)
Verbindungen zu anderen Denkern
- Matthias Quent — DenkerVita — Der Gesprächspartner des StreitClub-Abends, und die Reibung ist produktiv: Quent will das Verbotsverfahren nicht als Verbot, sondern als Klärung der Verbotswürdigkeit — Kazim misstraut dem Verfahren, weil ausgerechnet der Verfassungsschutz als Kronzeuge auftritt, dieselbe Behörde, die am NPD-Verfahren und im NSU-Komplex versagte. Dieselbe Spaltung wiederholt sich bei der Bildung: Quents Daten zeigen den formalen Bildungshintergrund als schärfste Trennlinie, Kazim hält den Juraprofessor dagegen, der ihm zwanzig geschliffene Seiten schrieb und mit dem Ratten-Satz endete. Beide haben recht, und genau deshalb greift keines der Instrumente allein.
- Michel Friedman — DenkerVita — Zwei Männer, die auf Feindeslisten stehen und daraus entgegengesetzte Konsequenzen ziehen. Friedman argumentiert vom mündigen Wähler her: Wer die AfD wählt, weiß, was er tut, und jede Erklärung ist eine Exkulpation. Kazim widerspricht nicht in der Sache, sondern in der Reihenfolge — erst zuhören, dann urteilen, weil er zurückholen will, was noch zurückzuholen ist. Was sie verbindet, ist die Weigerung, den Streit für einen Betriebsunfall der Demokratie zu halten.
- Aladin El-Mafaalani — DenkerVita — Das Integrationsparadox liefert die soziologische Begründung für Kazims Grundüberzeugung: Konflikt ist kein Zeichen des Scheiterns, sondern des Gelingens — wer mit am Tisch sitzt, verhandelt die Spielregeln mit. Genau darum ist die Hassmail an Kazim keine Aberration, sondern die erwartbare Reaktion auf einen, der sich das Deutschsein nicht verleihen lässt. In der Konsequenz gehen beide auseinander: El-Mafaalanis Misstrauensgemeinschaften lassen sich weder durch Fakten noch durch Regierungsversagen entzaubern — was Kazims Frage „Können wir diese Leute zurückholen?" die Zuversicht nimmt, ohne sie zu widerlegen.
- Bernhard Pörksen — DenkerVita — Pörksens respektvolle Konfrontation — die Position hart angreifen, die Person nicht — ist die Theorie zu Kazims Praxis: die Antwort auf die Hassmail, die freundlich bleibt und trotzdem nichts durchgehen lässt. Auch das Du-Ohr-Zuhören („In welcher Welt stimmt das, was der andere sagt?") beschreibt, was Kazim auf seiner Fahrradtour durch Deutschland tut. Die offene Frage steht zwischen beiden: Pörksens redaktionelle Gesellschaft setzt auf Medienmündigkeit — Kazims Volljurist war maximal mündig und schrieb trotzdem, eine Ratte bleibe eine Ratte.
- Natalie Amiri — DenkerVita — Fast dieselbe Biografie in einem anderen Land: doppelte Herkunft, Korrespondentin von innen, entzogene Pressekarte, dann die Ausreise, weil das Bleiben lebensgefährlich wurde. Beide haben gelernt, eine autoritäre Wende an dem zu erkennen, was vor der Repression kommt — an dem, was Leute sich nicht mehr zu sagen trauen. Amiri beschreibt ein Regime, das offen mit Gewalt herrscht; Kazims These, die Türkei sei kein Sonderfall, sondern ein Muster, findet in ihrem Iran den Beleg und in Europa die eigentliche Adresse.
- Düzen Tekkal — DenkerVita — Beide weigern sich, ihre Kritik auf ein Lager auszurichten: Tekkals „böse Zwillinge" — Islamismus und Rechtsextremismus als zwei Gestalten derselben Demokratiefeindschaft — decken sich mit Kazims Satz, man müsse gegenüber religiösen Extremisten intolerant sein, während er pauschale Islamkritik zurückweist. Ihre Formel „zwei Väter: der kurdische und das Grundgesetz" ist Kazims Zugehörigkeit-ohne-Erlaubnis aus einer anderen Biografie. Die Differenz liegt im Blickwinkel: Tekkal spricht als Angehörige einer Gruppe, die der Dschihadismus auslöschen wollte, Kazim als Sohn der Religion selbst — sie ringt mit dem Kulturrelativismus der Linken, er mit dem Ressentiment, das ihm täglich in den Briefkasten fällt.
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