DenkerVita·20. September 2026

Lena Kotré — DenkerVita

Die innen- und remigrationspolitische Sprecherin der AfD Brandenburg — ein Profil, das ausschließlich aus ihren eigenen, datierten Sätzen besteht.

Worum es geht

Lena Kotré ist stellvertretende Fraktionsvorsitzende sowie innen- und remigrationspolitische Sprecherin der AfD-Fraktion im Brandenburger Landtag. Der Brandenburger Verfassungsschutz führt sie seit dem 14. August 2025 als Rechtsextremistin; der AfD-Landesverband klagt gegen die Einstufung. Öffentlich vertreten hat sie unter anderem die Vergabe von Abschiebungen an private Unternehmen, DNA-Proben zur Herkunftsbestimmung, die Ausbürgerung eingebürgerter Deutscher nach Straftaten und die Frage, ob 60 statt 82 Millionen Einwohner nicht genügten. Diese Seite gibt ihre Äußerungen im Wortlaut wieder, mit Datum, Ort und Quelle.

Wie diese Seite gebaut ist

Die Gedankenwelten dokumentieren Positionen, sie teilen sie nicht. Diese Seite enthält keine eigenen Zuschreibungen über die Person: Sie besteht aus Zitaten, die von Correctiv, vom Brandenburger Innenministerium, vom Tagesspiegel und von t-online veröffentlicht wurden, sowie aus öffentlich zugänglichen biografischen Angaben. Jede Zeile ist an der verlinkten Quelle prüfbar. Wo eine Stellungnahme von ihr fehlt, ist das vermerkt.


Wofür sie steht — in ihren eigenen Worten

Eine Bevölkerung von 60 Millionen

23.01.2026, Autohalle Vetschau (Spreewald), Vortragsabend mit dem österreichischen Rechtsextremisten Martin Sellner. Im Saal: die Identitäre Bewegung, Organisatoren der Montagsproteste, Vertreter von Die Heimat (vormals NPD).

„Brauchen wir wirklich 82 Millionen Menschen in diesem Land? Reichen nicht erstmal 60 Millionen aus, bis sich die Geburtenrate wieder erholt hat?"

Am selben Abend: Man könne sich „kulturfremde Zuwanderung" nicht mehr leisten, das habe „mit Biologie zu tun"; man solle über eine Rückkehr zum historischen „Abstammungsprinzip" nachdenken.

Ebenfalls an diesem Abend, laut Correctiv: Das Remigrationskonzept der AfD ziele „nicht auf Staatsbürger".

Druck auf deutsche Staatsbürger

Mai 2025, Vortrag in Berlin. Zitiert im Einstufungsvermerk des Brandenburger Verfassungsschutzes. Ziel sei, „das eigene Volk zu bevorzugen"; über Staatsbürger, die sie als nicht assimiliert ansieht:

„dann machen wir es euch hier so richtig unbequem … diese Leute entscheiden, ob sie … unser Land wieder verlassen"

„diese Menschen müssen das Land auch verlassen … man muss tatsächlich gucken, dass man irgendwie auch Druck ausübt"

DNA-Proben und Ausbürgerung

Dezember 2024, Kloten (Schweiz). Treffen mit dem AfD-Bundestagsabgeordneten Roger Beckamp, Mitgliedern des in Deutschland verbotenen Netzwerks Blood & Honour und der Schweizer Gruppe Junge Tat. Dort schlug sie DNA-Proben zur Herkunftsbestimmung vor sowie die Ausbürgerung eingebürgerter Deutscher nach Straftaten: Sie hätten die Behörden getäuscht, als sie bei der Einbürgerung ihr Bekenntnis zur Verfassung abgaben. Auf die Anfragen von Correctiv antwortete sie nicht.

Eine private Abschiebeindustrie

2026, Veranstaltungsreihe Staatsreparatur, Berlin. In ihrem dort vorgestellten Konzept sollen Abschiebungen per öffentlicher Ausschreibung an private Unternehmen vergeben werden — Erfassung, Ausrüstungsbeschaffung, Zugriff, Transport, private Abschiebehaftanstalten, Passbeschaffung. Als Optimalfall nennt sie, alle vollziehbar Ausreisepflichtigen binnen sechs Monaten „entfernt" zu haben, bei Kosten von einer Milliarde Euro; einbezogen werden sollen auch anerkannte Asylberechtigte, denn „Asyl ist ein Recht auf Zeit". Über die Privatisierungspläne der Fraktion berichtete der Tagesspiegel.

→ Die ganze Analyse dieses Konzepts


Reaktionen aus dem Land Brandenburg

Der Auftritt in Vetschau führte zu Stellungnahmen der Landesregierung. Innenminister René Wilke erklärte in einer Pressemitteilung seines Hauses vom 27. Januar 2026, das „rein taktische Lavieren der AfD-Spitze gegenüber Martin Sellner" werde „durch Lena Kotré zur Farce"; ihr offenes Bündnis mit dem rechtsextremen Ideologen lege den Kern dieser Partei offen. Unter derselben Überschrift — „AfD Brandenburg toleriert rechtsextremistischen Wahnsinn" — verbreitete auch die Polizei Brandenburg die Mitteilung. Die AfD sprach ihrerseits von Hetze.

Das Bundesverwaltungsgericht hatte zuvor festgestellt, dass Sellners Remigrationskonzept verfassungswidrig ist.


Die Einstufung

14.04.2025Der Brandenburger Verfassungsschutz stuft den AfD-Landesverband als gesichert rechtsextremistisch ein
14.08.2025Verfassungsschutzchef Wilfried Peters bestätigt, dass Kotré persönlich als Rechtsextremistin geführt wird — die sechste von dreißig AfD-Landtagsabgeordneten
BegründungVerstöße gegen die Menschenwürde, Kriminalisierung von Bevölkerungsgruppen, Ausbürgerungsbestrebungen. Die Berliner Zitate stehen im Vermerk
OffenDer Landesverband klagt gegen die Einstufung vor dem Verwaltungsgericht Potsdam. Das Verfahren ist nicht entschieden

Was dagegen zu sagen wäre

Der Gleichmut gehört auch hierher, sonst taugt das Register nichts.

Die Einstufung ist eine Behördenbewertung, kein Urteil. Sie wird gerichtlich angegriffen, und der Ausgang steht aus. Was hier zählt, sind darum nicht die Etiketten, sondern die Zitate — und die stammen von ihr.

Die 60-Millionen-Zahl hat eine harmlosere Lesart. Das rechte Portal ansage.org argumentiert, weder Höcke noch Kotré hätten je die Abschiebung von 20 Millionen Menschen gefordert; gemeint sei, dass die Bevölkerung bei Zuwanderungsstopp durch Alterung von selbst auf etwa 60 Millionen sinke. Demografisch ist das nicht absurd — ohne Zuwanderung schrumpft Deutschland tatsächlich, wenn auch über Jahrzehnte. Was die Lesart nicht trägt: „reichen … aus" ist eine Bewertung, keine Prognose, und „erstmal" beschreibt einen angestrebten Zustand. Vor allem fällt der Satz zwischen „kulturfremd", „Biologie" und „Abstammungsprinzip". Der Kontext entscheidet ihn.

Sie hat sich nicht geäußert. Auf die Anfragen von Correctiv zum Treffen in Kloten antwortete sie nicht. Wo eine Gegendarstellung fehlt, steht das hier — nicht als Schuldeingeständnis, sondern als Lücke im Material.


Zur Person

Geboren am 11. November 1987 als Lena Duggen. Juristin, zweites Staatsexamen 2016, als Rechtsanwältin tätig. Von 2011 bis 2014 Mitglied der islamkritischen Kleinpartei Die Freiheit; dort, so beschreibt es das Aktionsbündnis Brandenburg, lernte sie das öffentliche Reden. AfD-Mitglied seit 2015, seit dem 1. September 2019 im Brandenburger Landtag, seit 2024 für den Wahlkreis Barnim III. Stellvertretende Fraktionsvorsitzende, innen- und remigrationspolitische Sprecherin. Seit 2021 verheiratet mit Steffen Kotré, AfD-Abgeordneter im Bundestag und dort energiepolitischer Sprecher.


Fundstellen

Jede Aussage dieser Seite ist mehrfach und unabhängig veröffentlicht — überwiegend in amtlichen Mitteilungen und überregionalen Medien, und alles seit Monaten oder Jahren öffentlich zugänglich.

Vetschau, 23.01.2026 — die 60 Millionen, „kulturfremd", „Abstammungsprinzip"

Berlin, Mai 2025 — „Druck", „das eigene Volk bevorzugen"

Einstufung als Rechtsextremistin, 14.08.2025

Kloten, Dezember 2024 — DNA-Proben, Ausbürgerung

Privatisierung der Abschiebung

Person, Mandat, Gegenposition

Sie betreibt außerdem einen eigenen YouTube-Kanal.


Gedankenwelten-Notes

Verbindungen zu anderen Denkern

Im Bestand

Daniel - Lena Kotré plant…Hannah ArendtDie Banalität des BösenAndreas KemperTechnofaschismus und die AfD

drei gedachte Verweise

verlinktdieselbe Quelle, nie verlinkt