GedankenraumStephan Bartunek — DenkerVita
Stephan Bartunek kannte die Verschwörungsszene um Ken Jebsen von innen. Heute nimmt er als „Oida, Bartunek!“ mit Schmäh und Wut FPÖ, AfD und seine alte Szene auseinander.
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Honoré Daumier — Lithokreide und Tuschlavierung auf cremefarbenem Papier, Sepia und Kohleschwarz, ein einziger Akzent im verblassten Rot. Ein schlaksiger Spötter auf der kleinen Bühne eines Wiener Kaffeehauses zeigt mit großer Geste auf eine Leinwand, auf der ein Redner am Pult vor seiner Menge steht; hinter ihm das rote Fadengeflecht der Verschwörungswand und die offene Tür, durch die er ihr entkommen ist, zu seinen Füßen eine abgelegte Theatermaske. Daumier war der Satiriker mit dem Lithostift und zeichnete Theater und Gaukler — die genaue Hand für einen Schauspieler, der die Szene von innen kannte und heute mit Schmäh auf sie zeigt.
Prompt: Wide panoramic banner in the manner of Honoré Daumier, lithographic crayon and ink wash on cream paper, the grain of the stone showing through, loose energetic satirical line. A lanky performer in a crumpled jacket stands on a small wooden cabaret stage in a Viennese coffee-house, half turned to the audience, one arm flung out in a sweeping theatrical gesture toward a large pale projection screen on the right that shows only a grainy blurred image of a crowd before a lectern, pure shapes and tones. His face is a loose expressive sketch with a wry, knowing grin, mid-quip, not a portrait. Behind him on the left, out of the darkness, a dense thicket of tangled red strings, pins and blank crumpled papers, a conspiracy wall he has just stepped out of, a door hanging open behind him. A discarded theatre mask lies at his feet. Round marble café tables and a bentwood chair in the foreground. Palette: warm sepia, charcoal black, cream, the single accent of faded red in the strings. Absolutely no text, no letters, no words, no handwriting anywhere.
Biografischer Snapshot
Stephan Bartunek (1977, Niederösterreich) — ausgebildeter Schauspieler (Max Reinhardt Seminar), kommentiert als „Oida, Bartunek!“ und BabaBartunek auf YouTube und Twitch FPÖ, AfD und rechte Influencer, mit Wiener Schmäh, sarkastisch, oft beleidigend.
Die Szene, die er heute zerlegt, kennt er von innen: Von 2015 bis 2021 gehörte er zu den „alternativen Medien“ um Ken Jebsen, schrieb für Rubikon und betrieb den Blog Gruppe42. Im September 2021 hat er öffentlich gebrochen. Der Ausstieg ist der Grund seiner Glaubwürdigkeit und zugleich sein Schatten.
Biografie
- Österreichischer YouTuber, Streamer und Schauspieler, online als BabaBartunek bzw. „Oida, Bartunek!“. Den bürgerlichen Namen Stephan Bartunek führt er selbst öffentlich (Instagram-Profil @bababartunek, Spendenaufrufe, Interviews).
- Jahrgang 1977, geboren in Niederösterreich, lebt in Wien. Studium der Schauspielkunst am Max Reinhardt Seminar (Mag. art.), so seine eigene Autorenzeile bei der früheren Gruppe42.
- Schauspieler in österreichischen Produktionen, u.a. Fladeranten Schau (2009), Bis einer weint (2010) und Bastagon und die Regenbogenprinzessin (2011) (IMDb).
- Die Jahre in der Szene (ca. 2015–2021). Er nannte sich damals „politischer Künstler und Friedensaktivist“, betrieb ab 2015 den anarchistisch orientierten Blog Gruppe42, schrieb für Rubikon und lieferte einen Beitrag zum Rubikon-Sammelband Die Öko-Katastrophe (2019). Er war mit Ken Jebsen befreundet, schrieb nach eigener Darstellung Reden für ihn, kannte Daniele Ganser und organisierte Veranstaltungen (Podcast Philipp Jordan Ungeschnitten #87). Das kritische Wiki Psiram dokumentiert aus dieser Zeit außerdem Texte für das rechte Magazin Info Direkt, antizionistische Facebook-Beiträge, eine BDS-Unterschrift, die Mitarbeit an der Wikipedia-feindlichen Reihe „Wikihausen“ mit Markus Fiedler und Dirk Pohlmann und ein Engagement für die Wiener Kleinpartei SÖZ (Kandidatur bei der Wien-Wahl 2020).
- Der Bruch. Nach eigener Erzählung kam der Sinneswandel mit der Corona-Pandemie; öffentlich vollzog er ihn im September 2021 mit dem Video Mein Abschied aus den alternativen Medien. Seither arbeitet er die Szene, aus der er kommt, von außen auf. Selbst Psiram, das ihn zuvor scharf kritisierte, nennt seine Ausstiegsversuche „vielfältig“ und „glaubhaft“. Zur Zusammenarbeit mit Fiedler sagt er heute, sie sei ein „Fettfleck“ in seiner Laufbahn gewesen.
- Heute: politischer Kommentar mit Schwerpunkt FPÖ, AfD, Identitäre und rechte Influencer, dazu Verschwörungsszene und Kulturkampf. Auf dem Zweitkanal „Oida, Bartunek!“ erscheinen in dichter Folge kurze Kommentar- und Reaktionsvideos: Clips, Pressemitteilungen, Posts und Wikipedia-Artikel liegen auf dem Bildschirm und werden live kommentiert.
- Stil: Wiener Schmäh, Sarkasmus, Polemik, Großbuchstaben-Titel. Über sich selbst sagt er, er bereite das Material „ein bisschen sarkastisch“ auf, „weil irgendwie muss man ja diesen Wahnsinn ertragen“.
- Gast in der Folge 72 des Podcasts Veto über seine Zeit als „Wahrheitssucher“ (Episodeneintrag).
Öffentliche Arbeit, Kanäle & Engagement
- YouTube „Oida, Bartunek!“: @Oida_Bartunek. Der Kommentarkanal mit über 500 Videos und rund 13.500 Abonnenten (Stand Oktober 2026) behandelt AfD, FPÖ, ÖVP und rechte Influencer. Seit Februar 2026 erscheint dort auch das Format Bussi Baba vom Hauptkanal.
- YouTube BaBaBartunek: @BaBaBartunek. Der Hauptkanal besteht seit 2020 und hat knapp 400 Videos: Sendungsreihen wie Bakoka und Die Eierlikör-Show, Demo-Reportagen (Baba im Einsatz) und lange Gespräche mit Skeptikern und Kennern der Verschwörungsszene (Sebastian Bartoschek, Marko Kovic, Franz Pökler).
- Twitch: twitch.tv/bababartunek
- Instagram: @bababartunek
- Discord: Community-Server
- Patreon: patreon.com/bababartunek, dazu YouTube-Kanalmitgliedschaften.
- Früher: Blog Gruppe42 (2015–2021), Artikel bei Rubikon (heute Manova, Autorenseite), Beitrag im Sammelband Die Öko-Katastrophe (Rubikon, 2019, Hg. Jens Wernicke und Dirk Pohlmann).
Empfehlenswerte Videos & Vorträge
- Ulrich Siegmunds AfD-Mann Tillschneider wird abgewiesen – jetzt drohen sie der jüdischen Gemeinde! (10.10.2026) — Hans-Thomas Tillschneider will am Jahrestag des Anschlags von Halle in die Synagoge und wird abgewiesen. Bartunek legt seine Landtagsrede von 2020 daneben, in der Tillschneider die Tat einen unpolitischen „Amoklauf“ nannte, und zeigt die Drohung eines AfD-Lokalpolitikers mit gestrichenen Fördergeldern.
- Mein Abschied aus den alternativen Medien (Re-Up) (2021) — der öffentliche Bruch mit der Szene, in der er sechs Jahre lang aktiv war.
- Sebastian Bartoschek im Gespräch über Verschwörungstheorien und Babas Zeit darin (2024) — fast zwei Stunden mit dem Psychologen und Verschwörungsforscher über Ein- und Ausstieg.
- Wer oder was ist Martin Sellner? (2024) — Porträt des österreichischen Identitären-Kopfs.
- Kai Stuht ist leider durchgedreht (2022) — Debunking eines Gesprächs des Fotografen Kai Stuht mit Ken Jebsen.
- Philipp Jordan Ungeschnitten #87 — Baba Bartunek über seine Zeit als Verschwörungstheoretiker — Podcast über die Freundschaft mit Jebsen, die Reden, die Veranstaltungen und den Ausstieg.
Kernthesen
- Rechter Terror ist politisch, nicht „Amok“. Halle, Hanau und der Mord an Walter Lübcke waren politisch motivierte Taten. Wer sie zu Taten verwirrter Einzelner erklärt, schneidet die Ideologie heraus, die sie trägt: den „Großen Austausch“, die Vorbilder, die Influencer.
- Die Rechte inszeniert sich als Opfer. Die Opferpose sieht er als Grundmuster von FPÖ und AfD und ihrer Anhänger. Das eigene Elend werde auf andere projiziert, und wer zurückgewiesen wird, drohe danach, etwa mit gestrichenen Fördergeldern oder einer „geänderten Gedenkkultur“.
- Influencer und Partei züchten einander heran. Die Distanz zwischen Täterideologie, neurechten Stichwortgebern wie Martin Sellner und Parteipolitik ist kleiner, als die Parteien zugeben. Darum werde die Ideologie beschwiegen, sonst verlöre man Wähler und Influencer.
- Die „alternativen Medien“ haben sich selbst verraten. So schrieb er beim Ausstieg 2021: Man sei angetreten, „um Wahrheit zu suchen“, und sei „zu einer sich dauernd wiederholenden Desinformationskampagne geworden — hauptsache dagegen“.
- Hinschauen ist Pflicht, Spott ist Notwehr. „Man muss dahin zeigen, wo es stinkt“, sagt er. Sarkasmus macht das Material für ihn erträglich, und das Triggern der Gegenseite gehört ausdrücklich dazu.
Politische / ideologische Einordnung
Bartunek steht heute klar antifaschistisch und offen links (ein Video heißt Why being left-wing is cool). Seine Glaubwürdigkeit hat eine eigentümliche Quelle: Er kennt die Mechanik der Verschwörungsszene von innen, ihre Eitelkeiten, ihr Geldmodell und ihre Feindbilder. Er arbeitet nah am Material, also mit Clips, Pressemitteilungen, Landtagsprotokollen und Presseberichten, und zeigt seine Quellen auf dem Bildschirm.
Die andere Seite gehört ebenso zum Bild. Der Ton ist polemisch bis beleidigend: Er macht sich über Körper und Aussehen von Gegnern lustig und fällt Pauschalurteile über ganze Wählerschaften („sie alle sind skrupellos, charakterlos“). Die Titel sind auf Klicks gebaut. Das unterhält die eigene Gemeinde und erreicht die andere Seite kaum. Hinzu kommt der Schatten der eigenen Vergangenheit: Wer heute Antisemitismus von rechts anprangert, hat laut Psiram selbst antizionistische Beiträge verbreitet und für ein rechtes Magazin geschrieben. Das lässt sich als Hypothek lesen oder als Ausweis eines Lernwegs. Für einen Lernweg spricht, dass er den Bruch öffentlich vollzogen hat und seither gegen seine alten Weggefährten anarbeitet. Seit etwa 2025 führt er zudem einen öffentlichen Streit mit dem Twitch-Streamer Imp aus dem GWUP-Umfeld, der ihn nach Bartuneks Darstellung verleumdet habe. Für rechtliche Schritte sammelt er Spenden.
Er ist kein Journalist und kein Wissenschaftler, sondern ein Kommentator mit Bühne, Haltung und Biografie. Seine Stärke liegt in der Innensicht und im Zeigen von Material. Seine Grenze ist der Spott, der aus einem Befund eine Beleidigung macht.
Verbindungen zu anderen Denkern
(wird von Montaigne befüllt)
Gedankenwelten-Notes
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