Wer spricht?

Yisrael Medad (geb. 1947 in New York) lebt seit 1981 in der Siedlung Schilo im besetzten Westjordanland und ist der wohl artikulierteste englischsprachige Vertreter der israelischen Siedlerbewegung. Zwölf Jahre arbeitete er als politischer Mitarbeiter in der Knesset, danach am Menachem-Begin-Zentrum; er schreibt Kolumnen für die Jerusalem Post und andere Blätter. Für deutsche Leser ist er wertvoll, weil er eine Position ausformuliert, die im hiesigen Diskurs meist nur als Karikatur vorkommt — und weil er sie ruhig, historisch belesen und ohne Ausweichen vorträgt.

Biografie

  • Beruf / Fachgebiet: Publizist, Kolumnist, politischer Aktivist; ehemaliger Knesset- und Ministeriumsmitarbeiter
  • Geburtsjahr / Nationalität: 1947, New York City — US-amerikanisch-israelisch
  • 1964: Beitritt zur revisionistisch-zionistischen Jugendbewegung Betar, gegründet von Ze’ev Jabotinsky. Diese Prägung trägt sein gesamtes Denken
  • 1969: BA Politikwissenschaft, Yeshiva University; später MA Politikwissenschaft, Hebräische Universität Jerusalem
  • 1970: Auswanderung nach Israel gemeinsam mit seiner Frau
  • 1981: Umzug nach Schilo im Westjordanland, wo er bis heute lebt — inzwischen über vier Jahrzehnte
  • 1981–1994: politischer Mitarbeiter mehrerer Knesset-Abgeordneter und eines Ministers
  • bis Juni 2017: Leiter für Bildungsprogramme und Informationsressourcen am Menachem-Begin-Zentrum in Jerusalem
  • Heute: im Ruhestand, ehrenamtlich in Jerusalem tätig; arbeitet an einer kommentierten englischsprachigen Anthologie der Schriften Jabotinskys

Öffentliche Arbeit, Kanäle & Engagement

  • Jerusalem Post — langjähriger Kolumnist, unter anderem als Gastkolumnist zu Medienfragen; außerdem Beiträge in Los Angeles Times, International Herald Tribune, JNS, Aish und ein Blog bei der Times of Israel
  • Arutz 7 / Israel National News — sechs Jahre lang wöchentliche Radiosendung zu Medienthemen
  • Wiederkehrender Gast bei Jung & Naiv — Tilo Jung interviewt ihn seit 2014 in Abständen in Schilo, was eine ungewöhnliche Längsachse über zwölf Jahre ergibt

Kernthesen

  1. „Judäa und Samaria, nicht Palästina.” Der Namensstreit ist für ihn ein Rechtsstreit; er verweist darauf, dass die Grenzbeschreibung des UN-Teilungsplans von 1947 tatsächlich „Samaria and Judea” sagt — spricht Arabern aber ausdrücklich nicht das Recht ab, es Palästina zu nennen
  2. Kein palästinensischer Staat. Stattdessen Israel, eine Autonomie oder ein Kondominium mit Jordanien. Begründung: eine Kette abgelehnter Angebote von 1937 bis Oslo — „sie haben diese Gelegenheit verspielt”
  3. Ein Staat mit gestufter Staatsbürgerschaft. Als Modell nennt er ausdrücklich die Entnazifizierung: wer PLO, Hamas oder Islamischem Dschihad angehörte, wartet Jahre auf Rechte; wer Frieden wollte, wird sofort Bürger. Dass dies zwei Rechtssysteme bedeutet, bestreitet er als Apartheid
  4. Sicherheit auf Kosten fremder Freiheit ist legitim. Auf die Frage, ob ein guter Jude Freiheit gründen dürfe auf der Unfreiheit anderer: „Klar.” Begründet mit hundert Jahren palästinensischer Ablehnung
  5. Das Völkerrecht ist parteiisch. San Remo 1920 und der Völkerbund 1922 gelten ihm fort; das IGH-Gutachten von 2024 nicht — „eines der niedrigsten Gerichte der Welt”, Völkerrecht sei das Werk marxistischer und liberaler Professoren
  6. Siedlergewalt ist ein reales Problem. Er beziffert die Täter auf „etwa 300 Jugendliche” und erklärt sie mit dem Autoritätsverlust der Siedlerführung nach dem Abzug aus Gaza 2005 — ein Eingeständnis aus dem Milieu selbst

Politische / ideologische Einordnung

Revisionistischer Zionismus in der Tradition Jabotinskys und Begins, biografisch über Betar und das Begin-Zentrum verankert. Wählt Likud, hält Netanjahu für nicht korrupt und bescheinigt Ben-Gvir und Smotrich, ihre Sache „besser gemacht zu haben, als ich dachte”. Bemerkenswert für die Einordnung ist, was er nicht vertritt: keine Vertreibung, kein Anspruch auf das Land seines palästinensischen Nachbarn („es gehört ihm”), ausdrückliche Ablehnung jüdischer Unterdrückung als Prinzip. Seine Argumentation ist geschlossen, aber nicht enthemmt — und genau diese Mischung macht sie in der Debatte wirksam.

Faktenlage

Mehrere seiner Behauptungen halten der Prüfung nicht stand — die Leugnung der Hungersnot in Gaza (vom IPC im August 2025 förmlich festgestellt), die Behauptung, es gebe keine einzige palästinensische Friedensorganisation, und eine historisch verrutschte Kette von Wien 1683 bis zu den Mauren. Die Einzelnachweise stehen im Faktencheck der Note.

Verbindungen zu anderen Denkern

  • Dror Etkes — der Gegenpol mit derselben Ortskenntnis: aufgewachsen in einer Siedlung, heute Kartierer der Landnahme
  • Ami Ayalon — Medads direktes Ziel: „weiß nicht, wovon er redet”
  • Sari Nusseibeh — die lebende Widerlegung seiner These, es gebe keinen palästinensischen Friedenspartner

Gedankenwelten-Notes