Worum es geht

Ein Philosoph, dessen Familie seit dem siebten Jahrhundert in Jerusalem lebt und die den Schlüssel der Grabeskirche verwahrt, sitzt in einem alten Haus am Rand zwischen Ost und West und beantwortet die härteste Frage dieses Konflikts mit einem Märchen. Warum nahm Schahrazad kein Messer mit ins Schlafgemach, als der König eingeschlafen war? Seine Antwort ist die ganze Theorie der Gewaltfreiheit in einem Satz: Weil der Nächste, der den Platz eingenommen hätte, genauso schlimm gewesen wäre oder schlimmer. Sari Nusseibeh sagt Dinge, die auf beiden Seiten unbeliebt sind — dass Palästinenser begreifen müssen, warum die Gründung Israels aus israelischer Sicht das einzig Gerechte war; dass er zwischen dem Rückkehrrecht und einem eigenen Staat den Staat wählen würde; und dass er, anders als fast alle anderen Stimmen dieser Reihe, nicht an internationalen Druck glaubt. Es ist das langsamste, geduldigste und am schwersten zu widerlegende Gespräch der Reihe.

Quelle: Philosopher Sari Nusseibeh on peace between Israelis & Palestinians — Jung & Naiv: Episode 842 (veröffentlicht 30.07.2026, aufgezeichnet Anfang Juli 2026 in Ost-Jerusalem, 78 Minuten)

Wer spricht?

Sari Nusseibeh (geb. Februar 1949 in Damaskus) — palästinensischer Philosoph, Hochschullehrer und einer der prominentesten Vertreter des gewaltfreien Widerstands. Sohn von Anwar Nusseibeh, jordanischer Verteidigungsminister und Botschafter; die Familie Nusseibeh gehört zu den ältesten Jerusalems und verwahrt seit Jahrhunderten den Schlüssel der Grabeskirche, weil die christlichen Konfessionen einander nicht trauen. Studium in Oxford (Politik, Philosophie, Ökonomie, 1971), Promotion in islamischer Philosophie in Harvard (1978). Danach Dozent an der Universität Birzeit; 1995 Professor für islamische Philosophie und Präsident der Al-Quds-Universität in Jerusalem. Führende Figur der ersten Intifada auf dem gewaltfreien Flügel; 1991 drei Monate in israelischer Administrativhaft. Initiierte mit dem früheren Schin-Bet-Chef Ami Ayalon die israelisch-palästinensische Volksinitiative The People’s Voice. Autor u. a. von Once Upon a Country.

DenkerVita


Inhalt

Ein Haus am Rand zweier Städte

▶ 0:46 — „Es fühlt sich nicht besetzt an”, sagt Tilo, als sie sich setzen. Nusseibehs Antwort ist eine juristische Miniatur, die den Ort erklärt. Ost-Jerusalem wurde 1967 nicht nur besetzt, sondern annektiert; sofort galt israelisches Recht. Das annektierte Gebiet wurde von rund zehn oder zwölf auf etwa siebzig Quadratkilometer vergrößert. „Aber ich würde sagen, etwa 90 bis 95 Prozent der Palästinenser, die in Ost-Jerusalem leben, sind keine Israelis. Wir haben nur Aufenthaltsrechte. Und wir werden behandelt wie ein besetztes Volk.”

▶ 3:04 — Was daraus folgt, ist ein Zwischenstatus, den er präzise vermisst: Er darf nach Tel Aviv fahren und dort arbeiten — Menschen aus dem Westjordanland dürfen das derzeit nicht. Er untersteht nicht der Autonomiebehörde in Ramallah. Es gilt Zivilrecht. „Aber wenn der Bedarf entsteht, kann man aufgegriffen und nach Belieben der israelischen Armee oder Regierung behandelt werden.”

▶ 5:22 — Auf die Frage, ob man je versucht habe, ihn aus seinem alten Haus zu drängen: „Sie haben es noch nicht gewagt. Aber es passiert Menschen ständig.” Und dann, ohne Pathos, der Satz, der die ganze Lage zusammenfasst: „Ich fühle mich, um ehrlich zu sein, nicht sicher. Wir leben unter ständiger Sorge, weil man nie genau weiß, was Israel als Nächstes im Ärmel hat.”

Drei Monate ohne Anklage — und eine Stimme aus der Nachbarzelle

▶ 3:50 — Nusseibeh erzählt seine eigene Administrativhaft beiläufig, fast als Fußnote zur Rechtslage. Drei Monate, 1991. Das Instrument stamme noch aus der britischen Mandatszeit; Israel habe es übernommen und benutze es weiter — „und missbrauche es”. Wie es funktioniert: Man wird aufgegriffen, in eine Zelle geworfen, aller möglichen Dinge beschuldigt, ohne sich verteidigen zu können, ohne die Anklagepunkte zu erfahren. „Manche Leute sitzen unter dieser Definition seit Jahren und Jahren.”

▶ 31:05 — Der Anlass war ein Telefonat: Jemand von der PLO im Ausland reichte den Hörer an den irakischen Botschafter weiter, der neben ihm saß. „Aber ich bin nicht dumm. Ich habe mit Leuten links und rechts telefoniert und wusste, dass nichts, was ich sagte, geheim war.” Man beschuldigte ihn, ein irakischer Spion zu sein — mitten im Golfkrieg, während Raketen auf Israel fielen. „Das war keine ordentliche Anklage. Das war eine PR-Sache.”

▶ 32:39 — Und dann die Szene, die er als die eigentliche Erinnerung erzählt. In der ersten Nacht in der Zelle, in einem zivilen Gefängnistrakt, kommt ein Mann zu ihm — vernarbtes Gesicht, vermutlich aus dem Drogenmilieu, einer, mit dem er im Leben nie zu tun gehabt hätte. Er hatte ein Radio. Im Radio prahlte Netanjahu, damals Israels UN-Vertreter, man habe einen Spion gefasst. Der Mann sah ihn an und sagte:

„Hörst du, was diese Bastarde über dich reden?”

„Es war sehr wohltuend für mich”, sagt Nusseibeh, „zu wissen, dass es wenigstens jemanden auf der anderen Seite gibt, der versteht, wie die Lage wirklich ist.” Ausgerechnet aus der israelischen Unterwelt, ausgerechnet in der Zelle.

Schahrazad, oder warum das Messer nichts löst

▶ 17:00 — Als Tilo fragt, wie Koexistenz denn konkret gehen solle, antwortet Nusseibeh mit einer Gegenfrage: „Kennen Sie Schahrazad?” Und erzählt Tausendundeine Nacht neu — nicht als Rahmenhandlung, sondern als politische Theorie. Ein König lässt sich jede Nacht ein Mädchen bringen und schneidet ihm danach die Kehle durch. Schahrazad, Tochter eines Ministers, beginnt zu erzählen; die Geschichte ist so spannend, dass der König einschläft, ohne das Ende zu hören. Am nächsten Morgen ist die Nacht vorüber, und er will den Rest hören. Nacht um Nacht, tausendundein Mal — bis beide einen Weg gefunden haben, miteinander zu leben, und der König seine Verfassung geändert hat.

▶ 18:32 — Dann stellt er die Frage, auf die alles hinausläuft, und sie ist bemerkenswert unsentimental: Warum nahm Schahrazad kein Messer mit? Sie hätte ihn im Schlaf töten können, in der ersten Nacht. Ihr Vater saß bei Hofe, alle waren gegen den König; man hätte einen Staatsstreich vorbereiten können.

„Und dann entschied ich, dass die eigentliche Botschaft der Geschichte von Schahrazad ist: Hätte sie das getan und ihn getötet, dann wäre sehr schnell jemand anderes an seine Stelle getreten. Und der Nächste wäre genauso schlimm gewesen wie er oder schlimmer.”

▶ 19:18 — Daraus zieht er seine Definition der Gewaltfreiheit, die nichts Moralisierendes hat, sondern eine Aussage über Wirkung ist: „Der einzige Weg, Gewalt zu überwinden, ist, langsam Gespräch zu nutzen, Verständnis, Psychologie wenn man so will, Geduld — bis man an dem Punkt ist, an dem sichergestellt ist, dass keine Gewalt nachfolgt.”

Weitergedacht

Schahrazads Methode setzt voraus, dass sie jede Nacht überlebt und der König jede Nacht zuhört. Was aber, wenn der König gar nicht neugierig ist — oder wenn die Erzählerin schon in der ersten Nacht getötet wird? Ist Gewaltfreiheit eine Strategie, die nur funktioniert, wenn der Mächtige ein Mindestmaß an Interesse am anderen behält? Und was heißt es, wenn genau dieses Interesse das Erste ist, was in einem langen Konflikt verlorengeht?

Die Menschlichkeit im anderen suchen

▶ 13:52 — Nusseibehs Begründung der Gewaltfreiheit ist demografisch, nicht fromm. Hier stehe eine große palästinensische Bevölkerung, gestützt auf eine viel größere arabische, Fuß an Fuß mit den Israelis. „Es kann einfach nicht geschehen, dass eine Partei die andere durch Gewalt vollständig zum Verschwinden bringt. Also müssen wir einen Weg finden, zusammenzuleben. Wie hässlich es Ihnen im Moment auch erscheinen mag — Sie müssen darüber hinaussehen. Sie müssen die Menschlichkeit im anderen suchen. Und Sie werden überrascht sein.

▶ 14:39 — Tilo prüft die Grenze und nennt Ben-Gvir und Smotrich. Nusseibehs Antwort hat zwei Teile. Erstens: Menschen würden nicht so geboren und wollten nicht notwendig so sein. Zweitens, und das ist der eigentliche Punkt: „Ben-Gvir und Smotrich sind ein paar Leute. Sie repräsentieren nicht.” Er lebe hier seit vielen Jahren und habe viele Israelis aus verschiedenen Blickwinkeln kennengelernt.

▶ 16:14 — Die härtere Gegenfrage kommt sofort: Kann er Menschlichkeit in dem sehen, was Hamas tut? „Das ist eine sehr schwierige Frage.” Und dann weicht er ihr nicht aus, sondern beantwortet sie symmetrisch: „Ich sehe nicht, dass das, was Hamas tut, humanistisch oder human wäre. Und ich sehe vieles von dem, was die Israelis tun, ebenfalls nicht als human an. Aber der Punkt ist, darüber hinauszublicken, tiefer hineinzuschauen und zu denken: Was hat sie so gemacht? Können wir einen Weg finden, darüber hinwegzukommen?”

Was unter der Gewalt liegt

▶ 20:52 — Der empirische Kern seiner Zuversicht sind keine Verhandlungen, sondern Arbeitsverhältnisse. Palästinensische Arbeiter versuchten Tag für Tag, über die Mauer zu klettern, oft unter Beschuss — und wenn sie es schafften und auf israelischen Baustellen arbeiteten, seien die Beziehungen zu den Menschen dort tatsächlich gut. In Krankenhäusern arbeiteten Palästinenser Seite an Seite mit Juden; Geschäftsleute kooperierten.

▶ 21:40 — „Wenn wir die Oberfläche der Gewalt abziehen könnten, kämen wir an einen Ort, an dem normale Menschen auf beiden Seiten sehr gut miteinander auskommen.” Und dann eine Beobachtung, die in dieser Debatte selten fällt: Oft könne man Israelis und Palästinenser nicht unterscheiden — „nicht nur im Aussehen, sondern sogar in ihren Gewohnheiten.”

▶ 22:27 — Seine Erklärung, warum Politiker dennoch die Gewalt wählen, ist beinahe mitleidig: Politiker seien Menschen, die Führer werden oder bleiben wollten, „und Gewalt ist ein attraktiver Weg, weil sie für ihre Leute sonst nicht viel tun können.” Der Durchschnittsmensch sei nicht gewalttätig. Als Tilo einräumt, er habe in Jericho Angst gehabt, antwortet Nusseibeh mit der Nüchternheit dessen, der es kennt: „Sie sollten länger hierbleiben. Dann gewöhnen Sie sich daran. Sie lernen, zwischen den Momenten der Gewalt zu leben.” Und gleich darauf die Korrektur, damit das nicht als Rat missverstanden wird: „Man würde sich ein solches Leben nicht aussuchen.”

Gegen den Druck von außen

▶ 24:03 — Hier trennt sich Nusseibeh von fast jeder anderen Stimme dieser Reihe, und er weiß es. Auf die Frage, ob die internationale Gemeinschaft Israel zu Gesprächen zwingen müsse, antwortet er: „Viele Palästinenser und Israelis denken, dass genau das nötig ist. Ich persönlich bin davon nicht ganz überzeugt.” Israelis und Palästinenser müssten es selbst lösen — „in ihrer eigenen Zeit”.

▶ 24:56 — Tilo hält dagegen: „Es sind sechzig Jahre.” Nusseibeh, ohne jede Ungeduld: „Aber Dinge können hunderte von Jahren weitergehen.” Warum überhaupt eine schnelle Lösung? Man brauche natürlich etwas, das so viel Stabilität und Frieden wie möglich erhalte — aber zugleich solle man auf eine Zeit hinarbeiten, „in der es echten Frieden gibt, mit dem beide Seiten wirklich zufrieden sind.”

Das ist die unbequemste Position des ganzen Gesprächs, und sie ist es in beide Richtungen: Sie entlastet die deutsche Politik nicht — er hält Sanktionen nicht für falsch, nur für nicht entscheidend —, aber sie entzieht auch jedem Aktivismus die Dringlichkeit. Es ist eine Haltung, die man nur einnehmen kann, wenn man wirklich in Jahrhunderten denkt. Ob das Weisheit ist oder die Resignation eines Siebenundsiebzigjährigen, entscheidet das Gespräch nicht.

Die erste Intifada und Rabins Knochen

▶ 25:45 — Seinen Beleg dafür, dass Verwandlung möglich ist, holt er aus der eigenen Biografie. Vor Oslo habe man einander verprügelt; Rabin habe dazu aufgerufen, palästinensischen Jungen die Knochen zu brechen. „Kurz bevor er seine Haltung änderte und entschied: Wir können den Kampf um Frieden und Unabhängigkeit nicht gewinnen, indem wir Menschen die Knochen brechen. Wir müssen mit den Palästinensern sprechen.” Genau das habe Rabin herausgehoben — „ein Führer, der tatsächlich den mutigen Schritt nach vorn tun konnte. Und er wurde dafür getötet. Manche Menschen, die getötet werden, sind gute Menschen. Und sie werden getötet, weil sie gut sind.”

▶ 28:03 — Seine eigene Rolle in der ersten Intifada beschreibt er zurückhaltend („Leute sagen das; ich war jedenfalls beteiligt”) und sein Programm präzise: Entkopplung vom Besatzungssystem — keine Steuern zahlen, nicht in ihren Behörden arbeiten, Genehmigungen nicht annehmen — und ziviler Aufbau eigener Strukturen, bis zur Unabhängigkeitserklärung und Verhandlungen über zwei Staaten. „Und ja, die Idee war Gewaltfreiheit. Sie musste gewaltfrei sein.” Auf Tilos Nachfrage, ob die erste Intifada denn nicht gewalttätig gewesen sei: „War sie eigentlich nicht, nein.” (→ Faktencheck)

▶ 30:18 — Warum er sich nie als Anführer zeigte: „Hätte ich mich als Anführer gezeigt, wäre ich im Gefängnis gelandet.” Was ihm ohnehin passierte, drei Jahre später.

Der 7. Oktober, dreifach erklärt

▶ 36:35 — Wie er den Tag erlebte, ist fast komisch und sehr aufschlussreich: Er besitze zwar einen sehr schönen Fernseher, sehe aber keine Nachrichten — nur koreanische Serien. „Romantisch oder Science-Fiction. Man weiß, dass am Ende alles gut wird.” Er habe die Meldungen langsam mitbekommen. „Ich bilde mir nicht schnell eine Meinung.” Er habe sein Urteil in der Schwebe gelassen, während um ihn herum manche jubelten.

▶ 38:06 — Sein späteres Urteil ist eindeutig: Hamas habe „die Dinge für uns schlimmer gemacht”. Auf Tilos Einwand, viele Palästina-Unterstützer im Westen sähen das anders, antwortet er mit einem alten Bild: Wer weiter von der Szene entfernt sei, sei päpstlicher als der Papst. Aus der Ferne sei alles klar — hier das Unrecht, dort das Recht, und Widerstand sei rechtens. „Es ist leicht, das aus der Ferne zu sehen. Man kann auf der einen Seite voreingenommen sein oder auf der anderen. Man sollte vorsichtig sein.”

▶ 40:28 — Seine Erklärung der israelischen Reaktion — „ich dachte, sie wären vernünftiger. Aber die Israelis sind verrückt geworden” — hat drei Ebenen, und die Dreiteilung ist das Analytischste des Gesprächs. Erstens der Schock der Durchdringung: Man schuf Israel als sicheren Hafen für Juden und die stärkste Armee der Region, um Juden zu schützen — „und plötzlich ist deine Mauer durchbrochen. Das ganze Projekt des Zionismus ist, genau das zu verhindern.” Zweitens die Massaker selbst: „Ein Massaker ist ein Massaker. Ein Mord ist ein Mord, von wem auch immer begangen. Und wäre ich auf der israelischen Seite und sähe das mir geschehen, ich wäre auch sehr, sehr zornig.” Drittens, und außerhalb der Gefühlslage, das Politische: „Vielleicht können wir die Gelegenheit nutzen, um die Palästinenser loszuwerden, um mehr Territorium zu nehmen.” Bestimmte Teile der Armee und der politischen Ebene hätten das wohl für eine gute Sache gehalten — „eine zynische Art, die Dinge zu betrachten.”

▶ 43:32 — Und dann die Kritik an der eigenen Seite, die kein Blatt vor den Mund nimmt: Die Autonomiebehörde hätte aufstehen und den Angriff selbst verurteilen müssen, bevor sie die Reaktion darauf verurteilte. „Das erste, was man verurteilen muss, ist der Angriff selbst, ein mörderischer Angriff. Und das würde deine Verteidigung später rechtfertigen.” Sein Fazit: „Beide Seiten waren heuchlerisch.”

„Vergesst die Rechtsbegriffe”

▶ 45:05 — Auf die Genozid-Frage antwortet Nusseibeh anders als alle anderen in dieser Reihe — nicht bejahend wie Abu Eid, nicht verneinend wie Ayalon, sondern die Frage selbst zurückweisend: „Vergessen Sie die Rechtsbegriffe. Darüber haben die Leute angefangen zu streiten, und es wurde eine akademische Angelegenheit, etwas, das an Universitäten zwischen Rechtsphilosophen diskutiert wird. Was macht das für einen Unterschied? Es ist mir eigentlich gleich, wie Sie es nennen.

▶ 45:51 — Was ihm nicht gleich ist, sind die Tatsachen, und er zählt sie auf: so viele getötete Zivilisten, „klar in einem Blutrausch”; ein politischer Plan dahinter, Gaza von Palästinensern zu leeren; das Gefühl, im Westjordanland und in Jerusalem die Nächsten zu sein; und, an jenem Morgen im Radio gehört, die Rede davon, dass Jordanien folgen könnte. Dann seine eigene, unjuristische Definition: „Was bedeutet Genozid? Es bedeutet, ein Volk loszuwerden. Wie auch immer man sie loswird — man kann es Genozid nennen oder wie man will.”

▶ 47:22 — Hier entsteht der interessanteste Widerspruch des Gesprächs, und er kommt vom Fragesteller. Tilo erklärt, warum die Worte für einen Deutschen sehr wohl zählen: Deutschland ist Vertragsstaat der Völkermordkonvention von 1948, die eine Pflicht zur Verhinderung enthält; der IGH stellte 2024 fest, dass die Gefahr eines Völkermords besteht, und ordnete vorsorgliche Maßnahmen an, denen Israel nicht voll nachkam. Daraus folge für unterstützende Staaten eine Pflicht, ihre Politik zu ändern — keine Waffen, keine diplomatische Deckung.

▶ 48:09 — Nusseibehs Antwort ist respektvoll und desillusioniert zugleich: „Ich verstehe Ihre Meinung, und ich verstehe Ihre Gründe. Als Deutscher, als Mensch, als Person mit Werten.” Aber er habe sich durch viele UN-Resolutionen gearbeitet, unzählige Regierungsvertreter getroffen, jahrzehntelang Versprechen gehört. „Mein Vater war Jurist und glaubte an das Recht. Ich bin völlig zynisch geworden, was all diese Regelwerke und Gesetze angeht — sie sind Werkzeuge, die je nach Interessen von Regierungen benutzt oder nicht benutzt werden. Darauf sollte man sich nicht verlassen.”

▶ 51:22 — Und daraus die größere Diagnose: Die internationale Ordnung, die seit dem Ersten Weltkrieg aufgebaut wurde, breche gerade auseinander. „Alles ist jetzt zerbrochen, diese ganze Ordnung.” Die Lehre daraus: Staaten handelten nach unmittelbaren Interessen und Machthunger — „also nicht zu viel von ihnen erwarten.” Man solle weiter im eigenen Land um Werte ringen, sich aber nicht darüber täuschen, dass diese Dinge demnächst irgendjemanden retten. Deshalb — und das ist der Bogen zurück zu Schahrazad — „soll man seine Lösungen bei seinem Feind suchen, mit seinem Feind.”

Was die Palästinenser über Israel begreifen müssen

▶ 52:54 — Die Passage, die ihn auf seiner eigenen Seite am unbeliebtesten macht. „Juden hatten Probleme, nicht nur mit Deutschland. Juden hatten ein Problem, ich weiß nicht warum, durch ihre ganze Geschichte hindurch. Und es muss etwas getan werden, um den Hafen zu bieten, nach dem sie gesucht haben.”

▶ 53:42 — Und dann die Forderung an die eigenen Leute: Viele Palästinenser sagten, wir wissen, was den Juden in Deutschland geschah — aber warum sollen wir dafür bezahlen? „Es reicht nicht, das zu sagen. Wir müssen den weiteren Schritt tun und wirklich verstehen, dass die Ungerechtigkeit, die uns widerfahren ist — die Gründung Israels —, aus israelischer Sicht das einzig Gerechte war, das sie tun konnten: einen sicheren Hafen für sich zu schaffen. Da müssen wir hinkommen. Wir müssen über unsere psychologischen Probleme im Verständnis Israels hinwegkommen. Und Israel muss über einige seiner Probleme im Verständnis von uns hinwegkommen.”

▶ 54:31 — Die Asymmetrie, die er daraus ableitet, ist die klarste Formel des Gesprächs: Israelis stellen Sicherheit vor Freiheit, Palästinenser Freiheit vor Sicherheit. Die einen sagen: erst die Mauer, die Armee, dann können wir Frieden schließen. Die anderen: erst weg mit den Stiefeln, dann können wir Frieden bauen. „So ist es. Und es wird nie funktionieren.”

Das Rückkehrrecht und der Abend im Flüchtlingslager

▶ 67:46 — Nusseibehs unpopulärste Position, und er trägt sie ohne Absicherung vor. Palästinenser hätten das Recht auf Rückkehr. Sie hätten aber auch andere Rechte, darunter das, sich einen eigenen Staat zu schaffen. „Und man hat ein Problem, wenn ein Recht mit einem anderen kollidiert. In dieser besonderen Lage tun sie das.” Man könne beide Rechte fahren lassen — oder das ergreifen, das sich verwirklichen lässt. „Ich bin für das Recht, einen Staat zu schaffen. Auf Kosten eines anderen Rechts, das ich habe: des Rückkehrrechts.

▶ 69:21 — Sein Vorwurf an die eigene Führung ist nicht, dass sie das Rückkehrrecht faktisch aufgab, sondern dass sie es verschwieg: In den Oslo-Ausschüssen sei allen Beteiligten klar gewesen, dass auf die Rückkehr der Flüchtlinge nicht gedrängt würde. „Warum sagt ihr den Leuten nicht, was ihr tut? Das ist das Problem. Es ist unpopulär. Wenn du ein Führer bist, musst du überzeugen.”

▶ 70:06 — Dann die Geschichte, die zeigt, was er unter Führung versteht. Aktivisten aus einem Flüchtlingslager bei Bethlehem luden ihn ein, um über seine Äußerungen zu sprechen. Zwanzig, dreißig Männer, alle bewaffnet. „Natürlich hatte ich Angst. Aber ich wusste: Wenn ich nicht hingehe, kann ich in dieser Nacht nicht schlafen.” Drei Stunden Geschrei. Am Ende traten zwei oder drei der Gastgeber zu ihm und sagten ihm drei Dinge ins Gesicht:

„Erstens: Wir haben dir kein einziges Argument abgekauft. Zweitens: Wir sind angewidert, wenn wir dich solche Erklärungen abgeben hören. Und drittens: Trotzdem respektieren wir dich dafür, dass du uns genau sagst, was du denkst.”

„Und das mussten sie hören”, sagt Nusseibeh. „Das ist eine Zeit, in der Führer sich ihren Bevölkerungen stellen müssen — auf beiden Seiten natürlich — und ihnen genau sagen, was getan werden muss.”

Abbas, der Stalinist — und der kleine Philosoph in jedem

▶ 65:29 — Über Mahmud Abbas urteilt er kühl und aus persönlichem Zerwürfnis: „Er ist ein guter stalinistischer Führer, wenn Sie verstehen, was ich meine. Er ist gut in Machenschaften, Verschwörungen. Aber er hat nicht das Charisma, das Arafat hatte. Er bekommt die Leute nicht hinter sich.” Auf Nachfrage, ob er als Stalinist wisse, wie man Rivalen loswird: „Er wird seine Rivalen los, ja.” Die Szene des Bruchs erzählt er genüsslich: Abbas habe ihm in einer Sitzung befohlen, seine Erklärungen zu unterlassen. „Ich sagte ihm: Es tut mir sehr leid, aber ich arbeite nicht für Sie. Ich arbeite für den Mann neben Ihnen.” — und zeigte auf Arafat. Arafat deckte ihn nicht.

▶ 72:29 — Zum Schluss die Familie. Ob es stimme, dass sie Jahrhunderte zurückreiche? „Ich bin kein Historiker, aber einige Familienmitglieder behaupten es.” Man solle das Buch seiner Tochter lesen, benannt nach der Frau, von der die Familie abzustammen beansprucht — einer Frau, die zur Zeit des Propheten lebte und an seiner Seite kämpfte. Glaubt er es? „In dem Maße, in dem man Märchen gern hört.” Tilo: „Wir haben doch vorhin über ein Märchen gesprochen.” Nusseibeh: „Ganz genau.”

▶ 74:48 — Und die letzte Frage, nach seiner Philosophie, beantwortet der Harvard-Promovierte mit einer Absage an jede Schule: „Ich gehöre keiner Denkschule an.” Bei einer Buchvorstellung in Bethlehem habe er den Leuten gesagt, in jedem von uns stecke ein kleiner Philosoph — und der Philosoph sei einfach ein Mensch, der denkt.

„Philosophieren ist Denken. Nehmt euch also nicht Kant vor oder Hegel oder Schopenhauer, geht nicht angelsächsisch oder französisch — denkt einfach. Denkt eure eigenen Fragen, versucht eure eigenen Fragen zu beantworten. Und wenn ihr darin geübt seid, dann seid ihr als guter Philosoph geübt.”


Faktencheck

Bestätigt — Ost-Jerusalem, 70 Quadratkilometer, Aufenthaltsstatt statt Staatsbürgerschaft

Israel annektierte 1967 rund 70 Quadratkilometer des Westjordanlands zur Jerusalemer Stadtgemeinde und dehnte israelisches Recht darauf aus. Den palästinensischen Bewohnern wurde Daueraufenthaltsrecht zuerkannt, nicht Staatsbürgerschaft — ein Status, der leichter entzogen werden kann als eine Staatsbürgerschaft. Rund 270.000 Palästinenser in Ost-Jerusalem halten heute diesen Status. Nusseibehs Angabe „90 bis 95 Prozent sind keine Israelis” ist dabei sogar zu vorsichtig: Nur etwa 2,3 % der palästinensischen Jerusalemer nahmen die israelische Staatsbürgerschaft an — über 97 % sind es also nicht, überwiegend aus grundsätzlicher Weigerung, die israelische Souveränität über das besetzte Jerusalem anzuerkennen. Quellen: B’Tselem — East Jerusalem · Ir Amim — Jerusalem 1967–2020: The Truth About Annexation

Bestätigt — die Administrativhaft 1991, mit einem Detail, das er auslässt

Nusseibeh wurde weniger als zwei Wochen nach Beginn des Golfkriegs 1991 unter dem Verdacht festgenommen, ein irakischer Agent zu sein, und verbrachte drei Monate in Administrativhaft im Gefängnis von Ramle — ohne Anklage. Freigelassen wurde er unter anderem, weil US-amerikanische und britische Stellen die Haft in Frage stellten und Amnesty International ihn als gewaltlosen politischen Gefangenen anerkannte — ein Umstand, den er im Gespräch nicht erwähnt. Kleine Abweichung: Öffentliche Darstellungen nennen als Anlass, er habe am Telefon beschrieben, wo eine irakische Rakete eingeschlagen sei; Nusseibeh selbst erzählt von einem Gespräch mit dem irakischen Botschafter, dem ein PLO-Kontakt den Hörer gereicht habe. Der Kern — Haft ohne Anklage auf Spionageverdacht, drei Monate — ist unstrittig. Quellen: Jerusalem Story — Sari Nusseibeh (Biografie) · Human Rights Watch World Report 1992 — West Bank and Gaza

Vereinfacht — „Die erste Intifada war nicht gewalttätig"

Nusseibehs eigener Flügel war gewaltfrei, und der Charakter des Aufstands war überwiegend ziviler Massenwiderstand: Streiks, Boykotte, Steuerverweigerung, Steinwürfe. Aber „nicht gewalttätig” beschreibt die Bilanz nicht. Nach Zählungen von B’Tselem töteten israelische Soldaten und Siedler zwischen 1987 und 1993 über 1.100 Palästinenser, darunter rund 250 Kinder; über 100.000 wurden verletzt. Auf israelischer Seite starben rund 200 Menschen. Und, was Nusseibeh ganz auslässt: Etwa 350 Palästinenser wurden von anderen Palästinensern getötet — überwiegend als mutmaßliche Kollaborateure. Seine Aussage über das eigene Programm stimmt; seine Aussage über den Verlauf des Aufstands blendet dessen blutigste Seite aus, einschließlich der innerpalästinensischen. Quelle: B’Tselem — Fatalities in the first Intifada

Bestätigt — Biografie und akademischer Werdegang

Geboren im Februar 1949 in Damaskus, Studium der Philosophie, Politik und Ökonomie in Oxford (Abschluss 1971), Promotion in islamischer Philosophie in Harvard (1978). Danach Dozent an der Universität Birzeit bis 1990; 1995 Professor für islamische Philosophie und Präsident der Al-Quds-Universität. Die Angaben im Gespräch stimmen; die Familie Nusseibeh ist als Verwahrerin des Schlüssels der Grabeskirche historisch belegt — eine Rolle, die auch Ami Ayalon in Folge 839 unabhängig schildert. Quelle: PASSIA — Sari Anwar Nusseibeh

Bestätigt — die Rechtslage, auf die Tilo sich beruft

Tilos Argument gibt die Rechtslage korrekt wieder. Die Völkermordkonvention von 1948 verpflichtet Vertragsstaaten nicht nur zur Bestrafung, sondern ausdrücklich zur Verhütung von Völkermord; der Internationale Gerichtshof hat 2007 im Bosnien-Urteil klargestellt, dass diese Pflicht greift, sobald ein Staat von einem ernsthaften Risiko erfährt. Der IGH ordnete im Verfahren Südafrika gegen Israel vorsorgliche Maßnahmen an und sah ein „real and imminent risk of irreparable prejudice” (→ Spur). Was der IGH nicht getan hat: einen Völkermord festgestellt. Das Hauptverfahren ruht inhaltlich bis 2027/29. Nusseibehs Zynismus richtet sich nicht gegen die Rechtslage, sondern gegen die Erwartung, dass Staaten ihr folgen.


Verbindungen

Ami Ayalon — Wir haben den Krieg gewonnen

Die beiden kennen einander seit Jahrzehnten und trugen gemeinsam die Volksinitiative The People’s Voice. In derselben Interviewreihe erzählt Ayalon den Stammbaum-Dialog: Er hat keinen, weil die Schoah ihn auslöschte; Nusseibehs beginnt im siebten Jahrhundert in Jerusalem. Beide erzählen einander unabhängig voneinander in verschiedenen Folgen — Ayalon lässt sogar Grüße über den Interviewer ausrichten. Ihre Differenz ist bezeichnend: Ayalon setzt auf internationalen Druck und eine große Geste; Nusseibeh hält beides für nachrangig.

Xavier Abu Eid — Was vom Voelkerrecht uebrig ist

Zwei palästinensische Antworten auf dieselbe Enttäuschung. Abu Eid hat jede Rechtsinstanz durchlaufen und fordert von Europa konkretes Handeln — Kennzeichnung, Sanktionen, Anerkennung. Nusseibeh hat denselben Weg hinter sich und zieht den entgegengesetzten Schluss: nicht auf die Institutionen setzen, sondern auf den Feind. Wer beide liest, sieht die palästinensische Debatte über ihre eigene Strategie, nicht nur über Israel.

Yisrael Medad — Der Siedler und sein Recht

Medad behauptet, es gebe auf palästinensischer Seite keine einzige Friedensorganisation und keinen Gesprächspartner. Nusseibeh ist die lebende Widerlegung: ein Palästinenser, der seit den siebziger Jahren gewaltfrei arbeitet, der Israelis das Recht auf einen sicheren Hafen ausdrücklich zugesteht und der bereit ist, das Rückkehrrecht zugunsten eines Staates zurückzustellen. Die beiden Notes nebeneinander zeigen, was Medads geschlossene Erzählung ausblenden muss, damit sie geschlossen bleibt.

Inon und Abu Sarah - The Future is Peace

Dieselbe Wette auf die Begegnung, zwei Temperamente. Inon und Abu Sarah bauen Bewegung, Termine, ein Ziel für 2030; Nusseibeh denkt in Jahrhunderten und misstraut der Eile. Schahrazads Methode ist die langsamste Fassung dessen, was die beiden als organisierte Praxis betreiben.

Anat Saragusti — Zensur und Pressefreiheit in Israel

Saragusti nennt Netanjahus Presseverachtung ein Drehbuch. Nusseibeh liefert dazu die persönliche Fußnote von 1991: Netanjahu, damals UN-Vertreter, prahlte im Radio damit, einen Spion gefasst zu haben — während der so Bezeichnete ohne Anklage in einer Zelle saß und ein israelischer Kleinkrimineller das Urteil sprach: „Hörst du, was diese Bastarde über dich reden?”

Israel und Gaza — Völkerrecht im Schatten der Aufmerksamkeit

Nusseibeh ist der schärfste Einwand gegen die Spur — und deshalb für sie am wertvollsten. Die Spur misst, ob Recht vertagt wird. Nusseibeh sagt, das Recht sei nie das gewesen, was man dafür hielt: ein Werkzeug, das Staaten nach Interesse benutzen oder liegenlassen. Wäre er im Recht, wäre die Frage der Spur falsch gestellt — nicht ob Rechenschaft versandet, sondern warum wir je erwarteten, dass sie es nicht tut. Gehört in den Gleichmut-Spiegel.

Chantal Mouffe — Das Politische und die Politik

Nusseibehs Schahrazad ist eine Antwort auf Mouffes Grundfrage: Wie verwandelt man den Feind, den man nicht vernichten kann, in einen Gegner, mit dem man streiten kann? Nusseibeh gibt darauf keine institutionelle Antwort, sondern eine erzählerische — tausendundein Abend statt eines Gesellschaftsvertrags.

Liya Yu — Dehumanisierung und Rehumanisierung

„Sie müssen die Menschlichkeit im anderen suchen. Und Sie werden überrascht sein.” Was Nusseibeh aus siebzig Jahren Erfahrung sagt, beschreibt Yu als neuropolitischen Vorgang. Beide behaupten, dass Rehumanisierung machbar ist — der eine über Geduld und Alltag, die andere über die Bedingungen, unter denen Gehirne einander wieder als Menschen erkennen.


Sieben Zeugen, kein Konsens

Das Panorama liest alle sieben Gespräche dieser Reise nebeneinander — und zeigt, was keine Einzelnote zeigen kann: Beim Wort Genozid gehen alle drei denkbaren Wege auseinander, beim Druck von außen steht einer gegen alle, und trotzdem beschreiben alle sieben dasselbe Nicht-Sehen.

Weiterdenken

Was Sokrates vielleicht gefragt hätte

  • Schahrazad überlebt, weil der König neugierig bleibt. Setzt Gewaltfreiheit also voraus, dass der Mächtige den Unterworfenen noch interessant findet — und ist Gleichgültigkeit damit gefährlicher als Hass?
  • Nusseibeh sagt, es sei ihm gleich, ob man es Genozid nennt; Tilo hält dagegen, das Wort löse eine Rechtspflicht aus. Wer hat hier den realistischeren Begriff von Sprache — der, für den Worte Taten auslösen, oder der, für den sie Werkzeuge der Mächtigen sind?
  • Er wählt den Staat und lässt das Rückkehrrecht fahren. Darf ein Einzelner ein Recht abwägen, das Millionen anderen gehört — und wird die Antwort dadurch besser, dass er es ihnen ins Gesicht sagt statt hinter ihrem Rücken?
  • „In ihrer eigenen Zeit” — auch wenn das hundert Jahre dauert. Ab welchem Punkt wird Geduld zur Komplizenschaft mit dem Zustand, den man geduldig erträgt? Und wer darf diesen Punkt bestimmen: der, der wartet, oder der, der währenddessen stirbt?
  • Er verlangt von Palästinensern, zu verstehen, dass die Gründung Israels aus israelischer Sicht das einzig Gerechte war. Was wäre die genaue Entsprechung, die Israelis über die Nakba begreifen müssten — und warum fällt es leichter, die erste Forderung zu formulieren als die zweite?