Quelle: NiUS erfindet Islam-Skandal

Wer spricht?

Topfvollgold — YouTube-Kanal von Mats Schoenauer, Journalist und Medienkritiker. Schoenauer recherchiert für seinen Kanal über Medien, YouTube und Social Media. Zusammen mit Moritz Tschermak veröffentlichte er das Buch Ohne Rücksicht auf Verluste (KiWi Verlag) — eine Analyse der Bild-Zeitung und ihrer Methoden.

DenkerVita


Inhalt

Das verhängnisvolle Buffet

▶ 2:16 — Die eigentliche Geschichte beginnt unremarkabel: Frau A ist Gastronomin in Dortmund, betreibt ein Café, einen Catering-Service, beliefert Hochzeiten und Kantinen — unter anderem die des Dortmunder Polizeipräsidiums. Anfang März 2026 übernimmt sie die Kantine der Dortmunder Arbeitsagentur, die seit sechs Monaten leer stand. Zur Eröffnung plant sie ein Buffet — komplett aus eigener Tasche bezahlt — und lädt alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein.

Da die Eröffnung in die Fastenzeit fällt, entscheidet Frau A — selbst keine Muslimin — das gemeinsame Essen auf den Zeitpunkt des Iftars zu legen, das abendliche Fastenbrechen. Ihr Kalkül ist praktisch und verbindend zugleich: So kann jede und jeder teilnehmen, auch wer tagsüber fastet. Zusätzlich organisiert sie auf eigene Kosten eine Kinderbetreuung, damit auch Eltern entspannt kommen können.

„Ich bin Mutter von zwei Kindern und weiß, wie schwer es ist, eine Abendveranstaltung wahrzunehmen. Deshalb habe ich auf eigene Kosten auch für Kinderbetreuung gesorgt.” — Frau A

▶ 4:37 — Das Buffet findet statt, der Abend verläuft reibungslos. Zwei Tage später erhält Frau A einen Anruf mit unterdrückter Nummer: „Wir wissen, wo ihr seid und kommen zu euch. Ob wieder rauskommt, können wir nicht sagen.” Sie weiß noch nicht, was los ist. Dann kommt ein zweiter Anruf. Frau A setzt sich in die Agentur und fängt an zu weinen.


NiUS erfindet den Skandal

▶ 5:23 — Kurz vor den Drohungen ist beim Portal NiUS dieser Artikel erschienen: „Fastenbrechen für Bürgergeldempfänger — Dortmunder Arbeitsamt feiert Ramadan mit Luxusbuffet.” Autor Marc Sierzputowski behauptet darin, das Arbeitsamt habe eine öffentliche Veranstaltung für Bürgergeldempfänger ausgerichtet, das Buffet sei vom Steuerzahler finanziert worden, und der Staat habe damit gegen sein Gebot weltanschaulicher Neutralität verstoßen. Fotos von Frau A und dem Buffet werden abgedruckt — ohne ihre Erlaubnis.

Schoenauer fasst lakonisch zusammen: „Ich mach’s kurz. Nichts davon stimmt. Es ist alles falsch, komplett erfunden.”

Das bestätigt auch Anwalt Dr. Jasper Prewalt, der Selvi Aksünger (Frau A) vertritt:

„Berichterstattung hat am Ende ja gar nichts gestimmt. Das einzige, was gestimmt hat, wenn man es mal überspitzt sagen will, ist, dass es eine Eröffnung gegeben hat und dass die um gegen 18 Uhr stattgefunden hat. Ansonsten: Es waren keine Bürgergeldempfänger eingeladen. Es war auch nicht die Arbeitsagentur, die das Ganze veranstaltet hat. Finanziert wurde von der Pächterin, also nicht vom Steuerzahler. Also, das war alles falsch.”▶ 6:08

Weitergedacht

NiUS fragte Frau A nie an — die Geschichte war also nicht das Ergebnis schlechter Recherche, sondern der bewusste Verzicht auf Nachfrage. Wann ist fehlendes Nachfragen selbst journalistisches Versagen — und wann ist es eine Entscheidung für eine bestimmte Geschichte?


Julian Reichelt und die “Vollendung der deutschen Unterwerfung”

▶ 7:40 — In der Sendung NiUS Live sitzen Chefredakteur Julian Reichelt, Moderator Norbert Dobeleid und Redakteur Alexander Kissler. Was folgt, ist eine der dokumentiertesten islamfeindlichen Tiraden eines deutschen Medienprodukts der jüngeren Zeit.

Reichelt, der vor seiner Zeit bei NiUS jahrelang die BILD-Chefredaktion innehatte und 2021 wegen Vorwürfen des Machtmissbrauchs gegenüber jungen Mitarbeiterinnen entlassen wurde, zieht aus einer harmlosen Kantineneröffnung eine politische Verschwörung auf höchster Ebene:

„Wir sehen ja die Unterwerfung unter den Islam schreitet voran und ein wesentlicher Treiber dieser Unterwerfung ist der deutsche Staat. Er spürt die neuen Machtverhältnisse. Ist ja auch interessant, dass es im Arbeitsamt ist. Offenbar hat man dort dann überproportional Klientel in Dortmund aus muslimischen Kreisen.”▶ 8:25

▶ 12:57 — Reichelt steigert sich weiter und konstruiert eine direkte Verbindung zwischen dem Buffet und einer angeblichen staatlichen Strategie zur Anwerbung muslimischer Migranten:

„Das ist ja eigentlich die Vollendung, die Vollendung der Zuwanderung in den deutschen… Das ist wirklich Vollendung der deutschen Unterwerfung.”

Die Logik ist einfach zu beschreiben: Eine nicht-muslimische Gastronomin lädt Behördenmitarbeiter zu einem selbstbezahlten Essen ein und wählt dafür einen Zeitpunkt, zu dem auch fastende Kollegen teilnehmen können — und daraus macht Reichelt die Vollendung einer islamischen Machtübernahme des deutschen Staates. Kollege Kissler fügt hinzu, die „Botschaft” in auswanderungsbereite muslimische Länder laute nun: „Dort finanziert man auch noch vom Staatswegen eure Schlemmerei an Ramadan.” Ein Buffet, das kein Steuergeld gekostet hat, wird zur auswanderungspolitischen Botschaft an die muslimische Welt.

▶ 16:46 — Nicht zu vergessen: Reichelts klassischer Trick aus BILD-Zeiten. Er spielt arme deutsche Rentner, die bei der Tafel Schlange stehen, gegen muslimische Migranten aus, die vom Staat luxuriös bewirtet werden. Auch das ist eine Erfindung — denn im Arbeitsamt gab es schlicht kein von Steuergeldern finanziertes Essen für Muslime.

Weitergedacht

Reichelt weiß, dass seine Zuschauerschaft viele ältere Menschen umfasst, die sich von sozialen Abstiegsängsten geplagt fühlen. Ist die Rentner-gegen-Migranten-Rahmung eine rhetorische Schwäche — oder gerade eine kalkulierte Stärke, weil sie emotionale Reaktanz statt rationale Überprüfung auslöst?


Die Propaganda-Papageien

▶ 18:17 — Die NiUS-Erfindung wird rasend schnell weiterverbreitet, ohne dass irgendjemand nachfragt. YouTuber Boris von Morgenstern präsentiert die Geschichte als Tatsache — und behauptet, er habe das zugrundeliegende Schreiben „für sich selbst verifiziert im Rahmen der Berichterstattung”. Als dann erhebliche Zweifel auftauchen, stellt er sein Video auf nicht gelistet und gibt nicht der eigenen schlechten Recherche die Schuld, sondern dem Umstand, dass er nicht der „linksgrünen Blase” angehöre.

Tim Kellner nutzt die Schlagzeile direkt für Shop-Werbung. Sein Video bekommt 137.000 Views. Das Klarstellungsvideo von Frau A: knapp 20.000.

Auch Politiker übernehmen die Geschichte ohne Überprüfung:

  • Jan Wenzel Schmidt, Bundestagsabgeordneter AfD
  • Hansjürgen Goßner, Bundestagsmitglied AfD
  • Daniela Önhausen, Landtagsabgeordnete Brandenburg AfD
  • Jana Witeczki, Stadträtin AfD

▶ 21:19 — Einer der AfD-Politiker sagt es unverblümt: „Im Jobcenter Dortmund, mitten im schönen grauen Ruhrpott, hat das Jobcenter wie NiUS berichtet, ein großes Fastenbrechen zum Ramadan organisiert mit Luxusbuffet, Kinderbetreuung und süßen Leckereien auf Steuerzahlerkosten […] Jobcenter waren früher einmal dafür gedacht, Menschen in Arbeit zu bringen. Heute organisiert man Ramadanfeste für unsere Goldtaler.”

Das Muster ist bekannt und effektiv: NiUS erfindet, Influencer verstärken, Politiker machen den Anlass zur Grundlage konkreter politischer Forderungen — und niemand muss je die Falschheit der Ausgangsbehauptung einräumen.


Frau As Stimme und der juristische Gegenschlag

▶ 22:05 — Frau A entscheidet, sich nicht länger wegzuducken. In einem Social-Media-Video nimmt sie Stellung:

„Dieser Artikel war pure Absicht. Keiner hat mich kontaktiert und auch nur gefragt, was daran wahr ist oder ähnliches. Genauso wurden meine Bilder benutzt, ohne dass ich danach gefragt worden bin. Das Framing lief genauso, wie sie es wollten. Aber die Wahrheit dahinter hat sie nicht interessiert.”▶ 22:51

Ihr Klarstellungsvideo wird von der NiUS-Reichweite schlicht überrollt. Gemeinsam mit Anwalt Prewalt geht sie juristisch vor. Zunächst eine Abmahnung — NiUS gibt keine Unterlassungserklärung ab. Dann ein Antrag auf einstweilige Verfügung beim Landgericht Köln.

▶ 25:54 — Das Gericht gibt Frau A recht. Mehrere der Falschbehauptungen werden NiUS verboten. Auch Fotos von Frau A darf NiUS nicht mehr zeigen. Anwalt Prewalt:

„Das Landgericht hat gesagt, dass die Behauptungen, die wir angegriffen haben, sämtlich unwahr sind. Das ist zwar noch nicht rechtskräftig, aber zumindest mal ein starkes Signal.”

NiUS ändert daraufhin den Artikel massiv — räumt aber keinen einzigen Fehler ein.


Reichelts Verteidigung — “Zu 100 Prozent stimmt alles”

▶ 28:11 — In einem Podcast gibt Reichelt zu, was wirklich passiert ist — und nennt es trotzdem seine Version:

„Im März gab’s diese Geschichte mit dem Buffet. Also, es war die Kantine, war paar Monate leer. Dann hat sich dann eine neue Besitzerin reingepachtet und hat dort zur Eröffnung ein Buffet ausgerichtet. Und dann kurzfristig entschieden, wegen des Ifta, des Fastenbrechens des Ramadans das damit dann zu bewerben… Und bei euch steht dann eben drüber: Fastenbrechen für Bürgergeldempfänger. Dortmunder Arbeitsamt feiert Ramadan mit Luxusbuffet und in der Unterzeile: finanziert vom Steuerzahler. Stimmt ja nicht.”

Der Gesprächspartner fasst die Kritik zusammen. Reichelts Antwort: „Doch, stimmt. Zu 100%.”

Da die ursprünglichen Falschbehauptungen gerichtlich verboten wurden, weicht Reichelt auf ein neues Framing aus: Nicht mehr das Essen sei vom Steuerzahler bezahlt worden, sondern der Cater sei durch Steuermittel subventioniert — weil die Agentur für Arbeit als staatliche Institution die Kantine betreibt. Anwalt Prewalt:

„Also, diese Behauptung ist natürlich erstmal zutreffend. Da versucht man halt ein Framing… aber da ist kein Geld in diese Veranstaltung geflossen vom Steuerzahler, sondern es war privates Geld von der Kantinenpächterin.”▶ 30:29

Die Technik ist präzise: Weil die direkte Lüge verboten ist, werden Wahrheiten über weitere Ecken so aneinandergereiht, dass dasselbe Bild entsteht. Steuerzahler sind irgendwie immer dabei. Reichelt streitet außerdem ab, über Frau A persönlich berichtet zu haben — im selben Video, in dem sein erstes NiUS-Video mit ihrem Foto belegt wird.


NiUS, CORRECTIV und die CDU

▶ 32:03 — Den tiefsten Einblick in die Machtstruktur hinter NiUS liefert das Gespräch mit Prewalt zum Abschluss des Videos. NiUS ist deshalb so gefährlich, weil das Portal konsequent in die Mitte der deutschen Politik hineinstrahlt.

Prewalt beschreibt das Phänomen:

„Für mich ist nicht wirklich nachvollziehbar, warum viele auch so im politischen Raum, also Leute, die so im Bereich der CDU oder so unterwegs sind, warum die teilweise immer noch auf NiUS als Quelle vertrauen und setzen, wenn man doch weiß, dass die immer und immer wieder Falschbehauptungen in die Welt setzen.”

▶ 33:35 — Prewalt analysiert das Kalkül: NiUS braucht diese Politiker ebenso wie die Politiker NiUS brauchen. Die Politiker verleihen einem Portal, das journalistische Standards konsequent missachtet, einen seriösen Anstrich. NiUS bietet Reichweite und ein Publikum, das die jeweiligen Botschaften bereitwillig aufnimmt.

▶ 35:07 — Besonders scharf ist der Kontrast zu CORRECTIV. Während konservative Politiker wegen einer strittigen CORRECTIV-Recherche lautstark Rechenschaft fordern und das Portal delegitimieren, erscheinen dieselben Politiker weiterhin bei NiUS, das nachweislich und systematisch erfindet. Schoenauer stellt fest: Dieser Doppelstandard begegnet ihm in den Kommentaren seiner Videos ständig — Nutzer, die nie auf die eigentliche Kritik eingehen, sondern reflexartig auf CORRECTIV und die Öffentlich-Rechtlichen ablenken.

Weitergedacht

Wenn NiUS-Lügen regelmäßig widerlegt werden und CDU-Politiker trotzdem weiter auftreten: Ist das politische Kalkül, Naivität, oder gibt es eine Art impliziten Vertrag — NiUS liefert die emotionale Mobilisierung, die Politiker die nötige Legitimation?


Faktencheck

Bestätigt — NiUS-Artikel über Ramadan-Buffet in Dortmund

NiUS veröffentlichte am 13. März 2026 einen Artikel über ein angebliches “Luxusbuffet für Bürgergeldempfänger” bei der Dortmunder Agentur für Arbeit. t-online, Mimikama und Volksverpetzer haben den Artikel unabhängig dokumentiert und widerlegt. Die Kantinenpächterin Selvi Aksünger trug die Kosten selbst — kein Steuergeld floss in das Buffet. Quelle: t-online — Nius erfindet Skandal in Dortmund

Bestätigt — Julian Reichelts Entlassung wegen Machtmissbrauch 2021

Julian Reichelt wurde im Oktober 2021 von Axel Springer als BILD-Chefredakteur entlassen. Hintergrund: Vorwürfe, er habe untergebene Mitarbeiterinnen in Abhängigkeitsverhältnissen in sexuelle Beziehungen verwickelt und dem Vorstand die Unwahrheit gesagt. Ein Aufhebungsvertrag mit millionenschwerer Abfindung wurde geschlossen. Quelle: LTO — Springer reicht Millionenklage gegen Reichelt ein

Vereinfacht — Landgericht Köln, einstweilige Verfügung

Die Note behauptet, das Landgericht Köln habe eine einstweilige Verfügung gegen NiUS erlassen. Ein unabhängiger Beleg (Pressemitteilung, Gerichtsprotokoll) konnte nicht gefunden werden. Einzig NiUS selbst erwähnt das Verfahren in einem Nachfolgeartikel (“so das Landgericht Köln”), was eine Verfügung impliziert, aber nicht unabhängig bestätigt ist. Gemäß Anwalt Prewalt im Video ist der Beschluss nicht rechtskräftig. Quelle: NiUS — Die unbestreitbaren Fakten über das Iftar (kein unabhängiger Gerichtsbeleg gefunden)

Nicht verifizierbar — View-Zahlen der Influencer-Videos

Die Note nennt konkrete View-Zahlen (Tim Kellner: 137.000, Boris von Morgenstern: 15.000, NiUS-Video: 200.000). Diese Zahlen stammen aus dem Video selbst und können sich verändert haben. Die Verbreitung durch AfD-Politiker ist durch t-online dokumentiert, die YouTuber-Zahlen sind nicht unabhängig verifizierbar. Quelle: Keine unabhängige Quelle gefunden


Weiterführende Quellen

Externe Berichte zum Fall (via Sherlock):

Im Video zitiert:


Verbindungen

Topfvollgold — Mordfall Stade und das Versagen von NiUS

Der Nachfolge-Fall: Wenige Monate nach dem erfundenen Ramadan-Skandal macht NIUS per Namensverwechslung eine Unbeteiligte zur mutmaßlichen Mord-Komplizin von Stade — derselbe Bauplan (Migrationsgeschichte als Zielscheibe, Hetzjagd, versteckte Korrektur), diesmal mit einem Kapitalverbrechen als Bühne.

Topfvollgold — BILD und NIUS: Wie erfundene Geschichten Hass schüren

Direktes Vorgängervideo von Topfvollgold zu derselben Methode: BILD und NiUS als Maschinerie zur Produktion islamfeindlicher Fake-Meldungen. Dort: der “Shopping-Skandal” mit den Afghanen. Hier: das Ramadan-Buffet. Dasselbe Playbook, zwei Monate später.

Daniel - AfD Bundestag-Propaganda Schulvorfall Schleife

Identische Propagandaarchitektur auf verschiedenen Bühnen: NiUS erfindet den Islam-Skandal, AfD-Politiker übernehmen ohne Prüfung und machen Parlamentsthemen daraus — genau wie Chrupalla den Schulvorfall in Schleife. In beiden Fällen folgen Morddrohungen gegen Unbeteiligte als direkte Konsequenz der Hetze.

Staiy — News Leipzig Medienschweigen und Rechte Mediabubble (10.05.2026)

Staiy analysiert NiUS als strukturelles Triggermedium im Teufelskreis aus Klick-Anreizen und Angstproduktion — diese Note liefert den konkreten Fallbeweis: NiUS produziert nicht nur Migration negativ, sondern erfindet islamfeindliche Inhalte gezielt, um den Kreislauf am Laufen zu halten.

ARTE — Forschung Fake und faule Tricks

Der Agnotologie-Blueprint gilt auch hier: Reichelts Reaktion auf das Gerichtsurteil — statt zu widerlegen, neue Wahrheitsketten bauen (“Kantine ist staatlich finanziert, also…“) — ist das klassische Tabak-Muster: Zweifel ist das Produkt, nicht die Widerlegung der Lüge.

Steffen Mau — Triggerpunkte Konsens und Konflikt

Mau zeigt, dass Islam und Migration zur Arena “Innen/Außen” gehören — mit besonders niedrigen Triggerschwellen. NiUS betreibt gezielt Triggerpunkt-Aktivierung: Ein harmloses Buffet wird zur “Unterwerfung unter den Islam” aufgeladen, weil genau diese Arena maximale emotionale Reaktanz erzeugt.

Wilhelm Heitmeyer — Die Durchrohung der Gesellschaft

Die Morddrohungen gegen Frau A innerhalb von zwei Tagen nach dem NiUS-Artikel sind kein Zufall, sondern institutionalisierte Enthemmung: NiUS ist eine der Strukturen, die Heitmeyer mit “Durchrohung” meint — nicht einzelne böse Kommentatoren, sondern ein Medium, das Gewaltfantasien systematisch stimuliert.

MONITOR — AfD-Erfolg trotz Skandalen

MONITOR zeigt, dass rechte Medienarbeit durch Dauerbeschallung normalisiert, nicht durch Überzeugung. Diese Note ist ein Einzelfall-Beleg dafür: Selbst nach Gerichtsurteil, Klarstellung und Schoenauers Dokumentation ändert NiUS nichts — weil Normalisierung keine Korrektheit braucht, nur Lautstärke.

Topfvollgold — Die Wahrheit über die Öffentlich-Rechtlichen

Die Folgewirkung des hier dokumentierten Mechanismus: NiUS erfindet Skandale und organisiert Empörung — Schönauers ÖRR-Insider beschreiben, wie genau solche Kampagnen in den Redaktionen ankommen. Aus Angst vor dem nächsten Shitstorm flüchten sich Nachrichtenredakteure in „sichere Wahrheiten” statt journalistischer Einordnung. Was hier als Methode analysiert wird, erscheint dort als vorauseilende Selbstzensur der angegriffenen Institution.


Weiterdenken

Was Sokrates vielleicht gefragt hätte

  • NiUS hat Frau A nie um Stellungnahme gebeten — kann man das als Fahrlässigkeit bezeichnen, oder ist die gezielte Nicht-Nachfrage selbst der journalistische Akt?
  • Reichelt sagt “zu 100 Prozent stimmt alles”, obwohl ein Gericht das Gegenteil sagt — welche Art von Realitätsverhältnis liegt einer solchen Aussage zugrunde? Strategische Lüge, oder echte kognitive Dissonanz?
  • CDU-Politiker erscheinen weiter bei NiUS, obwohl sie wissen, dass dort systematisch gelogen wird — wäre “Komplizenschaft” das richtigere Wort, oder gibt es eine sauberere Erklärung?
  • Die Drohungen gegen Frau A kamen innerhalb von zwei Tagen nach dem NiUS-Artikel — trägt das Portal für die physische Bedrohung einer Privatperson eine rechtliche Mitverantwortung, oder endet Pressefreiheit erst an der direkten Aufforderung zur Gewalt?
  • Schoenauer dokumentiert Muster, die sich wiederholen: Erfindung → Verstärkung → Politisierung → nächste Erfindung. Warum funktioniert das Korrektiv — Faktencheck, Gericht, Klarstellung — als Gegenstrategie nicht?