Worum es geht

Ein habilitierter Neurobiologe leitet in Freiburg das einzige Institut Deutschlands, das Telepathie, Spuk und Nahtoderfahrungen erforscht — und ist in jedem Gespräch der Nüchternste im Raum. Kornmeier erklärt, warum unsere Wahrnehmung die Welt nicht empfängt, sondern baut, warum das Bewusstsein 22 konkurrierende Theorien hat und keine trägt, und warum seine Phänomene seit hundert Jahren dasselbe Ergebnis liefern: zu groß, um sie zu ignorieren, zu klein, um zu überzeugen. Am Ende steht kein Befund, sondern eine Haltung — und die Frage, ob man sie aushält.

Quelle: Neurobiologe Jürgen Kornmeier über „Grenzgebiete der Psychologie” — Jung & Naiv: Folge 838 (16.07.2026, 4 Std. 23 Min.)

Wer spricht?

Jürgen Kornmeier (1967, Appenweier bei Offenburg) — Neurobiologe und Mathematiker, seit Juli 2022 Direktor des Instituts für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene (IGPP) in Freiburg.

Sohn eines Beamten im mittleren Dienst und einer Metzgerei-Verkäuferin, erster Akademiker der Familie. Wollte Gymnasiallehrer werden, studierte Biologie und Mathematik — und blieb hängen, weil ihn im Leistungskurs die Erkenntnis umgehauen hatte, dass der genetische Code für Mensch, Stubenfliege und Himbeere derselbe ist. Seine Doktorarbeit (2002) über Kippfiguren landete durch Zufall an genau jenem Institut, das er zwanzig Jahre später leiten sollte. Sechs Jahre Postdoc an der Freiburger Augenklinik, Habilitation 2013.

Kernkonzepte: Wahrnehmung als Konstruktion · perzeptuelle Instabilität · das Geist-Materie-Problem · verallgemeinerte Quantentheorie

DenkerVita


Inhalt

Die Welt kommt nie an

▶ 4:38 — Kornmeier beginnt nicht bei den Geistern, sondern beim Auge, und das ist keine Ausweichbewegung, sondern das Fundament. Von der gesamten elektromagnetischen Strahlung, die auf uns niedergeht — von Radiowellen bis UV —, ist unser Auge für ein winziges Fenster empfindlich. Die Honigbiene sieht Töne, die wir nie sehen werden; uns fehlt dafür etwas am anderen Ende. Was daraus folgt, ist unbequemer, als es klingt: Wir wissen nicht, wie ein Baum aussehen würde, wenn wir ihn vollständig sähen.

Es kommt schlimmer. ▶ 7:41 Die Netzhaut ist zweidimensional, die Welt ist es nicht. Beim allerersten Schritt des Sehens, wenn das Licht auftrifft, geht eine komplette Dimension verloren. Sie wird danach rekonstruiert — aus zwei leicht verschiedenen Augenbildern (die nur ein, zwei Meter weit tragen), aus Größenabnahme, Zentralperspektive, Kontrastverlust, Parallaxe. Und selbst was ankommt, ist schlecht: ▶ 25:20 Ein Punkt auf einer weißen Wand landet als Scheibe auf der Netzhaut, weil die Optik des Auges nicht perfekt ist.

„Jede Wahrnehmung, die wir haben, ist ein Konstrukt, eine innere Welt.” ▶ 26:05

Tilo Jung wirft ein, das sei doch nichts Neues. Stimmt — und ist trotzdem der springende Punkt. Man kann diesen Satz kennen und trotzdem sein Leben lang so tun, als sähe man die Welt. Kornmeier sagt ihn nicht als Philosoph, sondern als jemand, der die Rekonstruktion im Labor beim Arbeiten messen kann.

Der Filter, der uns zusammenhält

▶ 26:50 Aus dieser Not baut das Gehirn eine Tugend. Zwei Quellen speisen jede Wahrnehmung: der sensorische Input von unten (bottom-up) und das Wahrnehmungsgedächtnis von oben (top-down). Geprüft wird, was am besten passt — und zwar in Millisekunden, weil unsere Vorfahren entscheiden mussten: Beute oder Gefahr, hin oder weg. Wahrnehmung ist nicht Empfang, sie ist die schnellstmögliche plausible Interpretation.

Das Gewicht zwischen beiden Quellen ist verschiebbar, und hier wird die Sache konsequenzenreich. ▶ 27:35 Bei einem Menschen mit Halluzinationen dominiert Top-down so stark, dass Gedächtnisinhalte als Welt erscheinen. ▶ 34:25 Und Kornmeiers Erklärung für psychedelische Drogen ist dieselbe: ein Filter, ein Plausibilitätscheck, wird außer Kraft gesetzt — dann rutscht durch, was im Alltag nicht durchrutschen darf, weil es das Überleben gefährdet hätte.

Jung dreht das um: Sieht man auf Drogen also endlich, was wirklich da ist? Kornmeier bleibt hart. Es findet kein Wirklichkeitscheck mehr statt, das ist alles.

Weitergedacht

Wenn der Filter uns davor bewahrt, gefressen zu werden — wovor bewahrt er uns heute, wo uns nichts mehr frisst? Und wer entscheidet, ob das, was er wegfiltert, Rauschen ist oder Welt?

Noch etwas: ▶ 28:21 Schall und Licht brauchen Zeit, die Verarbeitung auch. Wir haben die Welt nie in Echtzeit — jedes Bild stammt aus der unmittelbaren Vergangenheit. Ein Torwart könnte einen Ball niemals in Echtzeit verarbeiten. Also sagt das Wahrnehmungssystem permanent die nahe Zukunft voraus, und diese Vorhersagen fließen in die Wahrnehmung ein. Was wir Gegenwart nennen, ist aus Vergangenheit und erwarteter Zukunft zusammengesetzt. Die Gegenwart ist der einzige Zeitpunkt, den unser Gehirn nicht hat.

Sechzig Millisekunden

Kornmeiers eigene Forschung dreht sich seit 2002 um Kippfiguren — den Necker-Würfel, die alte/junge Frau, den Hasen-Enten-Kopf. ▶ 55:49 Der Reiz bleibt konstant, das Erlebnis kippt. Das war eine Zeit lang das hippe Paradigma der Bewusstseinsforschung: Findet man im Gehirn den Ort, wo entschieden wird, was man gerade sieht, müsste das die Tür zum Bewusstsein sein. (Am Ende, sagt er trocken, war es komplizierter.)

Was er fand, war trotzdem bemerkenswert. Er verglich zwei Bedingungen: einmal wechselt der Würfel wirklich, per Computer — einmal wechselt nur die Wahrnehmung, während die Welt stillsteht. ▶ 58:07 Im EEG zeigten beide erstaunlich ähnliche Aktivitätsmuster. Beim rein inneren Wechsel waren sie um 60 Millisekunden verschoben.

Die Zahl braucht einen Maßstab, und Kornmeier liefert ihn mit: 60 Millisekunden nach Reizbeginn misst man das erste Signal im Gehirn, nach etwa 400 Millisekunden ist ein Mensch in der Lage zu sagen, was er gesehen hat. Bewusstsein kostet also grob eine halbe Sekunde. Und über die Qualität der Messung macht er sich keine Illusionen:

„Stellt euch vor, da gibt’s ein großes Gebäude, sowas wie ein Reichstag. In jedem Zimmer sitzt ein Chor und singt ein Lied. Jeder Chor ein anderes Lied, ein anderes Tempo. Und du hältst dein Ohr außen an die Mauer — das, was du hörst, ist das, was wir mit dem EEG aufnehmen.” ▶ 60:24

Das ist die Stelle, an der ein anderer Wissenschaftler seinen Befund verkauft hätte. Kornmeier erklärt stattdessen, warum sein Instrument stumpf ist — und sagt, genau das müssten Wissenschaftler besser kommunizieren: Jedes Ergebnis gehört ins Licht der Frage, was das Messgerät überhaupt erfassen kann.

Eigene Einschätzung

Hier zeigt sich, warum dieses Gespräch ein Denker-Gespräch ist und nicht bloß ein gutes Erklärstück. Die Chor-Analogie ist keine Bescheidenheitsgeste; sie ist eine methodische Aussage. Wer sein eigenes Instrument so beschreibt, kann seine Befunde nicht mehr zu Wahrheiten aufblasen — er hat sich die Übertreibung selbst verbaut. Das ist eine Form von intellektueller Selbstbindung, die in populärer Wissenschaft fast ausgestorben ist.

Der Ort, an dem neue Ideen entstehen

Aus dem Kippfiguren-Befund wird etwas Größeres. ▶ 85:35 Ein stabiler mentaler Zustand ist wohldefiniert — kategorial. Beim Übergang von einem zum nächsten liegt ein kurzer instabiler Moment, ein akategorialer Zustand, den wir normalerweise nicht bemerken. Eine Forschungsrichtung hält genau diese Instabilität für die Voraussetzung von Einsichtsprozessen — dem Heureka-Moment.

Und damit stand die Evolution in einer Zwickmühle, die Kornmeier schön formuliert: Ist der instabile Zustand zu lang, bin ich nicht handlungsfähig und werde gefressen. Ist er zu kurz, springe ich nur noch zwischen vorhandenen Kategorien hin und her — und habe nie eine neue Idee. Kreativität braucht ein Zeitfenster, in dem das System kurz nicht weiß, was es sieht.

Das ist eine Aussage mit langer Reichweite. Sie besagt, dass Erkenntnis nicht trotz, sondern wegen eines Moments der Desorientierung möglich ist — und dass eine Kultur, die Unsicherheit auf null minimiert, sich die Einsicht mit wegoptimiert.

Das harte Problem, und warum es hart bleibt

▶ 39:46 Auf dem Tisch liegt eine Himbeere. Wir können uns darauf einigen, dass sie rot ist. Aber:

„Ich werde mein ganzes Leben bis zu meinem Tod niemals in Erfahrung kriegen, ob die Art und Weise, wie du diese Himbeere siehst — oder wenn du reinbeißt, wie du sie schmeckst — identisch ist mit der Art und Weise, wie ich sie sehe.” ▶ 40:32

Das ist David Chalmers’ Hard Problem in der Küchenversion, und Kornmeier zieht die Schraube fester: Es wird auch in Zukunft kein Experiment geben, das ihm erlaubt, die Welt aus fremden Augen zu sehen. Es gibt nicht genug Worte. Sein Erleben ist sein persönliches Geheimnis, unentrinnbar.

Jung schlägt Neuralink vor. Die Antwort kommt ohne Pause: ▶ 42:04 „Ach, das ist Bildzeitungsforschung.” Man müsse die Begrenztheit der Möglichkeiten erkennen.

Wie weit die Forschung ist, macht er an einer einzigen Zahl fest. ▶ 36:44 Anil Seth hat kürzlich ein Review über neuronale Korrelate des Bewusstseins geschrieben, mit einer Tabelle aktueller Theorien. Die Tabelle hat 22 Einträge — und ist eine Auswahl. Dazu der Satz seines Doktorvaters: Wenn es zu einer wissenschaftlichen Frage viele Theorien gibt, ist das ein starker Hinweis darauf, dass man noch nicht viel verstanden hat.

Auf Jungs Frage, ob KI dabei helfen könnte, antwortet Kornmeier ohne Begeisterung: Er glaube nicht. Umgekehrt aber sei die Sache dringlich — solange wir nicht definieren können, was Bewusstsein ist, können wir auch nie feststellen, ob eine Maschine es erlangt hat. Wir wüssten nicht, wonach wir messen.

Weitergedacht

Wenn niemand sagen kann, woran man Bewusstsein erkennt — woran erkennen wir dann eigentlich, dass unser Gegenüber eines hat? Wir unterstellen es. Was, wenn diese Unterstellung keine Erkenntnis ist, sondern eine moralische Entscheidung?

Das Institut, das es nicht geben dürfte

▶ 112:16 Das IGPP wurde 1950 von Hans Bender gegründet und ist in Deutschland einmalig. Es existiert nur, weil es privat finanziert ist: Bender begeisterte eine kinderlose, wohlhabende Unternehmerswitwe, die das Institut testamentarisch zum Begünstigten einer Stiftung machte. Anfangs war so viel Geld da, dass man es kaum ausgeben konnte — acht Millionen Mark im Jahr, bei drei Angestellten, und das Finanzamt drängte. Heute: ▶ 110:46 16 Personen, nicht alle Vollzeit, 1,7 Millionen Euro Budget, davon 80 bis 85 Prozent Personalkosten. Seit Finanzkrise, Corona, Ukraine liegen die Zuwendungen unter der Inflationsrate — das Institut schrumpft langsam und kontinuierlich.

Warum privat? Weil das Thema karriereschädlich ist, damals wie heute. Kornmeiers Doktorvater warnte ihn: „Rede nicht öffentlich über Bewusstsein” ▶ 14:36 — das galt in der Neurowissenschaft als Sache der Philosophen. Erst als Francis Crick, Nobelpreisträger für die DNA-Doppelhelix, sich dem Thema zuwandte, ging die Tür auf. Kornmeier nennt das als Moment seiner Desillusionierung: Es muss nur der Richtige ein Thema eröffnen, dann wird es akzeptiert. Wissenschaft ist zum gewissen Teil Politik.

Zu Bender gehört ein dunkler Fleck, und Jung fragt direkt danach. ▶ 113:01 Bender war NSDAP-Mitglied und nahm im besetzten Elsass eine Professur in Straßburg an. Kornmeier weicht nicht aus, aber er tut auch nicht so, als wüsste er mehr, als er weiß: „Ich würde sagen, er war ein Mitläufer, aber ich kann das jetzt nicht vollständig gut belegen.” ▶ 116:02 Er nennt, was ihm bekannt ist — Bender rettete bei der Konfiszierung okkulter Literatur Bücher und versteckte sie im Schwarzwald —, und was aufgearbeitet wird: ein Buch mit einem Historiker, ein laufendes Provenienzprojekt mit der UB Freiburg zur Frage, ob NS-Raubgut im Bestand liegt und ob es Nachkommen gibt, die man entschädigen kann.

Bemerkenswert ist, was er daran anschließt. Er warnt selbst davor, die heutige US-Regierung mit dem NS-Regime gleichzusetzen — und stellt dann trotzdem die Frage, die ihn offensichtlich umtreibt: Trump hat massiv in die amerikanische Wissenschaftsszene eingegriffen. Was tut man, wenn man ein Institut leitet? Mitmachen, hinschmeißen, umlernen zum Automechaniker, emigrieren?

Eigene Einschätzung

Das ist die einzige Stelle, an der Kornmeier von seinem Fachgebiet in die Politik hinüberreicht, und er tut es klug: nicht als Gleichsetzung, sondern als Ernstnehmen einer Situation, die er sich selbst nicht zutraut zu entscheiden. Wer Bender nur als Nazi abhakt, spart sich die Frage, die Bender stellt. Wer ihn nur als Bücherretter erzählt, ebenso. Beides gleichzeitig stehen zu lassen, ohne es zur Bilanz zu verrechnen, ist die anstrengendere Variante — und die redlichere.

Zu groß zum Ignorieren, zu klein zum Überzeugen

Was hat das Institut in 75 Jahren herausgefunden? Kornmeier fasst es in einen Satz, der die ehrlichste Zeile des ganzen Gesprächs ist:

„Es gibt kleine Effekte, die zu groß sind, um sie zu ignorieren, aber zu klein, um allgemein zu überzeugen. Es gibt ein Replikationsproblem.” ▶ 119:06

Manche replizieren, manche scheitern, manche finden das Gegenteil. Kein klares Bild. Dasselbe beim ▶ 117:34 Stargate-Projekt: 20 Millionen Dollar, aus Angst, die Sowjets spionierten per Telepathie; einzelne Treffer beim remote viewing, aber nichts, was man auf Kommando herbeirufen oder militärisch nutzen könnte. 1995 eingestellt. Die Protokolle liegen heute in der IGPP-Bibliothek.

Und die Fälle selbst? Der berühmte Rosenheimer Spuk von 1967 nimmt viel Raum ein: ▶ 125:13 Neonröhren, die sich herausdrehten, hunderte Anrufe bei der Zeitansage, Bilder, die sich an der Wand drehten. Die Stadtwerke legten eine eigene Leitung, dann einen Generator — die Phänomene blieben. Polizei, Ingenieure, Elektriker: alles protokolliert, alle unterschrieben, dass sie es nicht erklären können. Bender identifizierte eine 19-jährige Angestellte als Fokusperson; war sie krank oder im Urlaub, passierte nichts. Sie ging, der Spuk hörte auf.

Kornmeier erzählt das, und dann sichert er es sofort in beide Richtungen ab. Auf der einen Seite ärgert ihn die Rezeption: Ein Physiker habe ein Drahtseil von der Decke gespannt, um Gebäudeschwingungen zu prüfen — später sei ein Entzauberer gekommen, habe das Seil gesehen und zum Beweis für Betrug erklärt, ohne je zu erklären, wie eine Frau am Schreibtisch damit Bilder drehen sollte; so stehe es bis heute in der Wikipedia. (Faktencheck: vereinfacht — der Betrugsverdacht ruht auf einer deutlich breiteren Kette als diesem einen Seil, und die deutsche Wikipedia formuliert vorsichtiger, als er es darstellt. Siehe unten.) Auf der anderen Seite: „Ich war nicht dabei. Vielleicht hat der Bender was übersehen.” Und Bender hat übersehen — in einer Zahnarztpraxis fiel er auf eine inszenierte Geisterstimme herein, weil die Sprechstundenhilfe mit dem Zahnarzt unter einer Decke steckte.

Eigene Einschätzung

Diese Stelle ist der Lackmustest der ganzen Note — und sie fällt nicht sauber aus. Der Faktencheck zeigt: Der Betrugsverdacht gegen Rosenheim stützt sich auf gefundene Nylonfäden an mehreren Objekten, einen Gummiknüppel hinter einem Schrank, mit dem sich das Klopfen reproduzieren ließ, und mehrere unabhängige Vorwürfe. Kornmeier verkürzt das auf ein missdeutetes Drahtseil. Kein Täuschungsversuch — er sichert im selben Atemzug ab und erzählt Benders Blamage von sich aus. Aber es ist eine Rundung in die eigene Richtung, und sie passiert ausgerechnet dort, wo das Erbe seines Institutsgründers auf dem Spiel steht. Wer eine Haltung so konsequent vertritt wie er, hat trotzdem eine Stelle, an der ihm die Nachprüfung entgleitet — und es ist die, an der es persönlich wird. Das entwertet den Rest nicht. Es zeigt, was sein eigener Satz kostet, wenn man ihn auf ihn selbst anwendet.

Über die eigenen Phänomene sagt er dann den Satz, der seine ganze Position in sich trägt:

„Ich halte das für wahrscheinlich, dass es die Phänomene gibt, aber ich würde nicht meine Hand dafür ins Feuer legen.” ▶ 123:43

Und seine Hypothese, warum sie sich nicht ins Labor holen lassen: Wenn es sie gibt, hängen sie eng am Ich-Bewusstsein. Solange wir Bewusstsein nicht verstehen, verstehen wir die Phänomene nicht — und wissen deshalb nicht, was wir im Labor tun müssten, damit sie auftreten. Das ist die eleganteste denkbare Ausrede und zugleich eine überprüfbare These. Man muss sich entscheiden, wie man sie liest; Kornmeier lässt beides zu.

Der praktische Teil ist wichtiger als der spektakuläre. ▶ 134:18 Eine repräsentative Umfrage des Instituts ergab, dass 75 Prozent der Bevölkerung mindestens einmal im Leben eine außergewöhnliche Erfahrung gemacht haben — was, wie Kornmeier sofort dazusagt, nichts über deren Wahrheitsgehalt aussagt. Aber täglich kommen E-Mails. Und die Beratungsstelle des Instituts fängt Menschen auf, die sonst durch eine Kette fallen: ▶ 142:41 Arzt → Psychologe → Psychiater → Psychiatrie → Psychopharmaka, die nicht helfen können, weil die Diagnose nicht stimmt. Sein Kollege, ein approbierter Psychotherapeut, arbeitet mit dem Bild einer Psychosomatik der Umgebung: ein psychischer Konflikt, der sich nicht im Körper spiegelt, sondern im Raum. Meist ein Konflikt zwischen Autonomie und Bindung, meist bei Jugendlichen mitten in der Ablösung. Wird der Konflikt gelöst, verschwindet das Phänomen. Ein hoher Prozentsatz gehört trotzdem in klinische Behandlung, und das sagt er auch.

Eigene Einschätzung

Man kann diese Konstruktion für einen Taschenspielertrick halten — sie ist so gebaut, dass sie nie widerlegt werden kann. Aber sie hat einen Effekt, den Kornmeier nicht ausspricht und der vielleicht der eigentliche Wert des Instituts ist: Sie nimmt Menschen ernst, ohne ihnen recht zu geben. Wer mit einem präkognitiven Traum zum Psychiater geht, bekommt eine Diagnose. Wer damit ans IGPP geht, bekommt eine Frage. Das ist keine Erkenntnis, aber es ist Fürsorge — und die Botschaft dieser Beratung lautet ausdrücklich: Ihr müsst keine Angst haben, das sind keine bösen Geister.

Dolly, oder: warum er nichts glaubt

Der Kern seiner Haltung lässt sich auf eine Anekdote zurückführen. ▶ 180:04 Sein Genetik-Professor Rudi Hausmann — ein Vorbild, einer, der in die Vorlesung kam und sagte: Wer bei mir hört, hört nichts, was in den Lehrbüchern steht — brachte eines Tages den Zeitungsartikel über Klonschaf Dolly mit. Er legte, sagt Kornmeier, seine ganze Autorität als Mikrobiologe in die Waagschale und erklärte, es sei unmöglich, eine Säugetierzelle zu klonen. Er begründete es sauber, mit Mechanismen der Befruchtung.

Dann kam heraus, dass es doch geht.

„Das hat mich erschüttert. Und da habe ich mir gedacht: Eigentlich darf man sich als Wissenschaftler einfach nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Man sollte niemals sagen, das ist komplett unmöglich. […] Wir sollten bescheidener sein und ehrlich sein und sagen: Leute, die Welt ist kompliziert, und wir haben jetzt gut funktionierende Modelle — aber damit haben wir nicht die Welt verstanden.” ▶ 181:34

Auf Jungs Frage, woran er denn am ehesten glaube — Telepathie, Hellsehen, Präkognition, Geister —, antwortet er mit einem geliehenen Satz, von dem er nicht einmal weiß, wer ihn erfunden hat:

„Ich glaube nichts, halte aber alles für möglich. Das ist gute Wissenschaft.” ▶ 182:19

Es wäre leicht, diesen Satz als Weichspüler zu lesen, als das freundliche Vielleicht, mit dem man sich aus jeder Verantwortung stiehlt. Er ist das Gegenteil. Der erste Halbsatz ist eine Absage an die Esoterik: nichts wird geglaubt, keine Erfahrung ist ein Beweis, kein Medium bekommt Kredit. Der zweite ist eine Absage an die Zunft: kein Modell ist so fest, dass es das Unerwartete verbieten dürfte. Beide Hälften kosten etwas. Wer nur die zweite nimmt, landet bei „man wird ja wohl noch fragen dürfen”; wer nur die erste nimmt, landet bei Hausmann vor Dolly.

Und Kornmeier lässt keinen Zweifel, auf welcher Seite er steht:

„Wissenschaft ist das Beste, was wir Menschen haben. Aber Wissenschaft lässt sich nicht in zwei Sätzen erklären.” ▶ 178:32

Der Rosenduft

Fast am Ende erzählt er eine Geschichte, die zeigt, wofür das alles gut ist. ▶ 189:09 Die Vorgeschichte ist ein Jahrhundert Forschung: der Patient Henry Molaison, dem man beidseitig den Hippocampus entfernte und der danach keine neuen Erinnerungen mehr bilden konnte; Rattenstudien, die zeigten, dass im Tiefschlaf die Aktivitätsmuster des Tages noch einmal abgespielt und vom Hippocampus in den Cortex überspielt werden — ein nächtliches Backup. Darauf setzten Rasch und Born ihre Studie: Menschen spielen Memory, während Rosenduft im Raum ist; im Tiefschlaf appliziert man den Duft erneut — und steuert damit von außen, was ins Langzeitgedächtnis gelangt.

Dann kommt Franziska Neumann, Lehramtsstudentin, Biologie und Englisch. Sie hatte eine Handcreme gerochen, die ihre Mutter benutzte, als sie klein war, und war schlagartig in ihrer Kindheit. Sie suchte nach dem Warum, fand die Studie, und beschloss, sie in ihrer Examensarbeit nachzumachen. Sie kaufte Duftstäbchen im Supermarkt, überzeugte eine Schule, zwei Klassen und deren Eltern, verteilte die Stäbchen an Schüler, die sie unangezündet aufs Nachttischchen legten — und über ein Schuljahr Englischvokabeln lernten. Sie hatte keine Statistik gerechnet, nur Mittelwerte und Balken.

Kornmeier bat sie nach dem Seminar zu sich: Kommen Sie ins Institut, Sie kriegen einen Stuhl neben meinem Schreibtisch, wir werten das gescheit aus. „Wenn da wirklich was Signifikantes dran ist, muss die Welt erfahren, was Sie da für tolle Forschung gemacht haben.” ▶ 192:12 Es war signifikant. Es wurde publiziert, und eine zweite Studentin replizierte es später besser kontrolliert, per Duft im Briefumschlag.

Eigene Einschätzung

Dass er diese Geschichte in einem Gespräch über Telepathie und Spuk erzählt, ist kein Ausrutscher — es ist die Antwort auf alles davor. Hier funktioniert, was in den Grenzgebieten nicht funktioniert: ein Befund, der repliziert; eine Kette von Patient über Ratte zum Menschen. Und mitten drin der Lehrer, der nie Lehrer wurde und trotzdem einer ist. Kornmeier zeigt, was er hätte, wenn seine Phänomene sich fassen ließen — und macht damit ohne ein Wort der Klage deutlich, was ihm fehlt.

Wobei der Kontrast präziser liegt, als er auf den ersten Blick scheint, und der Faktencheck korrigiert hier meinen ersten Griff: Der Rosenduft-Effekt ist gar nicht groß. Die Meta-Analyse über 91 Experimente kommt auf ein Hedges’ g von 0,29 — robust, aber konventionell ein kleiner Effekt. Er ist damit nicht weit von jener Größenordnung entfernt, die Kornmeier für seine Grenzgebiete beschreibt. Was die beiden trennt, ist allein die Replizierbarkeit: Der Rosenduft kam zweimal aus Kornmeiers eigenem Haus zurück, einmal per Post im Briefumschlag, verblindet. Das ist die ganze Trennlinie. Nicht die Wucht des Befundes entscheidet, sondern ob er wiederkommt, wenn ein anderer ruft.

Nachtrag: Mona Lisa lächelt doch

Weil Kippfiguren Mehrdeutigkeit auf der untersten Ebene sind, wollte Kornmeier sie eine Etage höher testen: Mehrdeutigkeit von Emotionen. Was liegt näher als die Mona Lisa, über deren rätselhaften Ausdruck ganze Bibliotheken geschrieben wurden? Sie erzeugten neun Varianten, von eindeutig traurig bis eindeutig fröhlich, mit da Vincis Original in der Mitte. ▶ 204:24 Ergebnis: Das angeblich mehrdeutigste Gemälde der Kunstgeschichte wurde von über 90 Prozent als fröhlich gelesen.

Der eigentliche Befund kam im zweiten Durchgang. Sie warfen die fröhlichen Varianten weg, machten das Original zum fröhlichsten Reiz und setzten kleinere Schritte dazwischen — und die Skala verschob sich mit. ▶ 207:26 Kornmeiers Bild dafür: Du betrittst einen Raum, suchst die fröhlichste und die traurigste Person, baust daraus deinen Maßstab. Kommt jemand Fröhlicheres herein, ist die vorher Fröhlichste plötzlich weniger fröhlich — obwohl sich an ihrem Gesicht nichts geändert hat. (Faktencheck: vereinfacht — verschoben hat sich die psychometrische Funktion, nicht das Urteil über das Original; dessen Happy-Bias blieb laut Paper erhalten.)

Damit schließt sich der Bogen zum Anfang: Unser Wahrnehmungssystem misst nicht, es vergleicht. Es hat keine absoluten Werte, nur Verhältnisse. Wer den Rahmen setzt, setzt mit, was wir sehen.

Weitergedacht

Wenn die Skala aus dem Extremsten im Raum gebaut wird — was macht ein Medienalltag mit uns, in dem täglich etwas Extremeres hereinkommt? Verschiebt sich dann das Urteil, oder verschiebt sich schon die Wahrnehmung, bevor das Urteil überhaupt beginnt?


Faktencheck

Bestätigt — 22 Bewusstseinstheorien bei Anil Seth

Das Review ist Seth & Bayne, Theories of consciousness (2022) — der Fließtext behandelt vier Theoriefamilien, Table 1 listet 22 Theorien und weist sich ausdrücklich als Auswahl aus. Kornmeiers Zahl stimmt exakt. Quelle: Seth & Bayne — Nat Rev Neurosci 23:439–452 (2022) · doi:10.1038/s41583-022-00587-4 (Review)

Bestätigt — 60 Millisekunden endogene Desambiguierung

Kornmeiers eigener Befund ist publiziert: Die Reversal Negativity liegt bei 220 ms (exogener Wechsel) vs. 260 ms (endogener), die parietale Positivität bei 400 vs. 470 ms. Sein Review beziffert die Desambiguierungszeit auf 40–60 ms; im Gespräch nennt er das obere Ende seines eigenen Bereichs. Die Größenordnung trägt. Quelle: Kornmeier & Bach — Front Hum Neurosci 6:51 (2012) · doi:10.3389/fnhum.2012.00051 (primär, OA) · Ursprungsbefund: doi:10.1016/j.visres.2004.10.006

Bestätigt — Zeitmaßstab von Reiz bis Bewusstsein

Das erste kortikale Signal (C1-Komponente aus V1) setzt rund 50–60 ms nach Reizbeginn ein; die mit bewusster Berichtsfähigkeit assoziierten späten Positivitäten liegen bei 400–470 ms. Quelle: Kelly, Gomez-Ramirez & Foxe — Cereb Cortex (2008) · doi:10.1093/cercor/bhn022 (primär, OA)

Bestätigt — Mona Lisa wird als fröhlich gelesen

Neun Varianten, da Vincis Original in der Mitte — das Paper formuliert es sogar stärker als Kornmeier: „The probability of responding ‘happy’ to the original Mona Lisa was close to 100%.” Seine „über 90 Prozent” sind konservativ gerundet. Quelle: Liaci, Fischer, Heinrichs, Tebartz van Elst & Kornmeier — Sci Rep 7:43511 (2017) · doi:10.1038/srep43511 (primär, OA)

Vereinfacht — die Verschiebung im zweiten Durchgang

Der Kern stimmt: Wurde das Original zum fröhlichsten Reiz gemacht, verschob sich die psychometrische Funktion signifikant — Wahrnehmung ist relativ zum Reizkontext. Das Paper hält aber ausdrücklich fest, dass der Happy-Bias des Originals erhalten blieb: „The happiness bias of da Vinci’s original remained with this smaller range of emotional faces, but the resulting psychometric function differed.” Verschoben hat sich die Skala, nicht das Urteil über das Original selbst. Kornmeiers Raum-Analogie („die vorher Fröhlichste ist plötzlich weniger fröhlich”) ist zugespitzter als der Befund — didaktische Verkürzung ohne erkennbares Interesse. Quelle: Liaci et al. — Sci Rep 7:43511 (2017) · doi:10.1038/srep43511

Bestätigt — Rasch & Born, Rosenduft im Tiefschlaf

Die Originalstudie ist genau die beschriebene: Objekt-Ort-Lernen unter Rosenduft, erneute Duftgabe im Tiefschlaf verbessert die Konsolidierung, fMRT zeigt Hippocampus-Aktivierung. Beide Replikationen aus Kornmeiers Haus sind publiziert — Franziska Neumanns Examensarbeit als Feldstudie an einer Schule, und Jessica Knötzeles besser kontrollierte Nachfolge mit Duftsäckchen in beschrifteten Briefumschlägen, geruchlosen Kontrollen und verblindeten Teilnehmern. Quellen: Rasch, Büchel, Gais & Born — Science 315:1426 (2007) · doi:10.1126/science.1138581 · Neumann, Oberhauser & Kornmeier — Sci Rep 10:1227 (2020) · doi:10.1038/s41598-020-57613-7 · Knötzele et al. — Sci Rep 13:1226 (2023) · doi:10.1038/s41598-023-28676-z (alle primär, OA)

Vereinfacht — „ein Effekt, der groß genug ist zu überzeugen" (Fehler dieser Note, nicht Kornmeiers)

Diese Note stellte den Rosenduft-Befund zunächst als Gegenbild zu den Grenzgebieten dar: hier ein Effekt, der repliziert und überzeugt. Der erste Teil hält, der zweite nicht. Die Meta-Analyse über 91 Experimente (N = 2.004) findet für Targeted Memory Reactivation ein Hedges’ g = 0,29 (95 % CI [0,21–0,38]), im Tiefschlaf g = 0,27 — robust und klar von null verschieden, konventionell aber ein kleiner Effekt. Was den Rosenduft von der Telepathie trennt, ist nicht die Effektgröße, sondern die Replizierbarkeit. Der Text oben ist entsprechend korrigiert. Quelle: Hu, Cheng, Chiu & Paller — Psychol Bull 146(3):218–244 (2020) · doi:10.1037/bul0000223 (Meta-Analyse — höchste Solidität)

Bestätigt — kleine Effekte, Replikationsproblem

Kornmeiers Bilanz ist eine bemerkenswert exakte Beschreibung der Literaturlage, von beiden Seiten geprüft. Positiv: Storm, Tressoldi & Di Risio finden über Free-Response-Studien 1992–2008 signifikante Effekte (doi:10.1037/a0019457); Tressoldi & Storm bestätigen das 2021 in einem Registered Report über 40 Jahre Ganzfeld. Null: Milton & Wiseman finden über 30 Studien (1987–1997) eine Effektstärke von 0,013 (p = .24) — eine glatte Nicht-Replikation von Bem & Honorton. Methodenkritik: Hyman hält dagegen, Meta-Analyse allein sei kein Konfirmationsbeleg; Rouder, Morey & Province zeigen, dass die Evidenz bei Storm et al. nur an Studien mit manueller Randomisierung hängt — mit automatischer wird sie „unpersuasive”; Bierman et al. quantifizieren den möglichen Anteil fragwürdiger Forschungspraktiken. Sogar der Parapsychologe Rabeyron nennt es selbst das „Psi-Paradox”. Kornmeier wählt keine Seite, sondern beschreibt den Dissens korrekt — der bestbelegte Satz des Gesprächs. Quellen: Milton & Wiseman — Psychol Bull 125(4):387–391 (1999) · Storm et al. — Psychol Bull 136(4):471–485 (2010) (Meta-Analyse) · Hyman (2010) · Rabeyron — Front Psychol 11:562992 (2020) · Bierman et al. — PLoS ONE 11(5):e0153049 (2016)

Vereinfacht — die Wikipedia und der Rosenheimer Spuk

Die einzige Stelle des Gesprächs mit erkennbarer Schlagseite — und bezeichnenderweise genau dort, wo es um das Erbe seines Institutsgründers geht. Kornmeiers Darstellung zerfällt in zwei Teile. Teil eins hält halb: Die englische Wikipedia führt den Fall als „Rosenheim poltergeist claim” unter „1967 hoaxes” und „Paranormal hoaxes” — das kommt „erwiesener Fake” nahe. Die deutsche ist deutlich vorsichtiger, schreibt zugeschrieben („nach Ansicht von Skeptikern als Schwindel aufgedeckt”) und nennt ihn zugleich „einen der am besten untersuchten und dokumentierten Fälle”. Teil zwei hält nicht: Kornmeiers Kernvorwurf — der „Beweis” sei ein missdeutetes Drahtseil gewesen — findet sich in keiner der beiden Fassungen. Beide stützen sich auf ein breiteres Bündel: vom Zauberkünstler Albin Neumann gefundene Nylonfäden an mehreren Objekten, einen Gummiknüppel hinter einem Schrank, mit dem sich Klopfen und Wandspuren reproduzieren ließen (von der Hausgehilfin bestätigt), Herbert Schäfers Vorwurf, Bender unterschlage einen nachgewiesenen Manipulationsfall, den Hinweis, Annemarie S. sei von einem Polizisten bei Betrug ertappt worden, und John Taylors Analyse, die Schreiber-Ausschläge seien mechanisch erzeugt worden. Kornmeier reduziert diese Kette auf ein einzelnes Seil — das entlastet Bender stärker, als die Quellenlage trägt. Zugute zu halten ist ihm, dass er im selben Atemzug absichert („Ich war nicht dabei. Vielleicht hat der Bender was übersehen”) und Benders Zahnarztpraxis-Blamage von sich aus erzählt. Kein Täuschungsversuch — aber eine Verkürzung in die für ihn günstige Richtung. Quellen: Spuk von Rosenheim — Wikipedia (de) · Rosenheim poltergeist claim — Wikipedia (en) · Adrion — „Geister oder Nylon?”, Die Zeit, 10.04.1970

Bestätigt — 75 Prozent außergewöhnliche Erfahrungen

Das IGPP führte 1998 und 2025 zwei repräsentative Erhebungen durch; rund 75 Prozent der deutschsprachigen Normalbevölkerung berichten mindestens eine außergewöhnliche Erfahrung im Leben. Bauer & Schetsche kommen 2003 auf „fast drei Viertel”. Kornmeiers „vor etwa 25 Jahren” trifft die Erhebung von 1998. Quellen: uniCROSS (Uni Freiburg) · IGPP — Außergewöhnliche Erfahrungen

Bestätigt — Hans Bender: NSDAP, Straßburg, Mitläufer

Alle Elemente halten. Bender war 1933 kurzzeitig SA-Mitglied, ab 1935 im NS-Dozentenbund, beantragte am 30.10.1937 die NSDAP-Aufnahme (rückwirkend zum 1.5.1937, Mitgliedsnr. 5.615.364) und lehrte 1941–1944 an der Reichsuniversität Straßburg, ab 1942 als außerordentlicher Professor und Institutsdirektor. Bemerkenswert: Kornmeier bleibt unter seinen Belegen. Sein zögerndes „Ich würde sagen, er war ein Mitläufer, aber ich kann das jetzt nicht vollständig gut belegen” trifft exakt die formale Einstufung im Entnazifizierungsverfahren — „Mitläufer” ist dort eine dokumentierte Kategorie. Die Aufarbeitung mit einem Historiker existiert: Das IGPP ließ den Freiburger Romanisten Frank-Rutger Hausmann Benders Straßburger Jahre untersuchen; dessen Befund lautet auf ein Gemisch aus Naivität, Nicht-wissen-Wollen und Opportunismus. Die Provenienzfrage ist real: Die IGPP-Bibliothek geht auf Benders Straßburger Bestand zurück, der mutmaßlich Zugänge aus der „Sonderaktion Heß” (Juni 1941) sowie nachweislich Erwerbungen aus dem annektierten Elsass enthält; IGPP-Historiker Uwe Schellinger forscht dazu. Quellen: Hans Bender — Wikipedia · EZW — Hausmann über Bender in Straßburg 1941–1944 · Uwe Schellinger — IGPP

Bestätigt — IGPP 1950 gegründet, privat finanziert durch eine kinderlose Witwe

Bender eröffnete das Institut 1950 in Freiburg-Herdern; die frühen, bescheidenen Mittel kamen von der Stiftung der Schweizer Biologin Fanny Moser. Der von Kornmeier geschilderte Geldsegen kam später und stammt tatsächlich von einem kinderlosen Unternehmerpaar: Asta Holler (1904–1989), die ihren Mann um 20 Jahre überlebte, stellte die Mittel testamentarisch bereit; ab 1992 flossen sie jährlich ans IGPP, das daraufhin stark expandierte. Die Struktur trifft Kornmeier exakt. Nicht unabhängig belegbar: die Einzelzahlen aus dem Gespräch — „acht Millionen Mark im Jahr bei drei Angestellten”, heute 16 Personen und 1,7 Mio. € Budget mit 80–85 % Personalkosten. Interne Haushaltszahlen, keine unabhängige Quelle gefunden. Sie sind plausibel und für Kornmeier eher unvorteilhaft (er beschreibt Schrumpfung), also ohne Motiv zur Beschönigung. Quellen: IGPP — History · IGPP — Wikipedia

Bestätigt — Stargate: 20 Millionen Dollar, 1995 eingestellt

Das US-Programm zur militärischen Nutzung von remote viewing lief 1975–1995, kostete rund 20 Millionen Dollar und wurde 1995 eingestellt, anschließend deklassifiziert. Auch Kornmeiers Nuance trägt: Die vom CIA beauftragte AIR-Evaluation fiel gespalten aus — Jessica Utts sah einen statistisch signifikanten Effekt, Ray Hyman hielt die Schlussfolgerung für verfrüht und die Befunde für nicht unabhängig repliziert. Eingestellt wurde es mangels nachweisbaren nachrichtendienstlichen Werts — genau Kornmeiers „einzelne Treffer, aber nichts auf Kommando Abrufbares”. Quellen: Stargate Project — Wikipedia · AIR — Evaluation of the Remote Viewing Program (CIA FOIA)

Bestätigt — Henry Molaison (H.M.)

William Beecher Scoville entfernte 1953 beidseitig Teile des medialen Temporallappens samt Hippocampus; Scoville & Milner beschrieben 1957 die schwere anterograde Amnesie. Meistzitierte Fallstudie der Gedächtnisforschung. Quelle: Scoville & Milner — J Neurol Neurosurg Psychiatry 20:11–21 (1957) · doi:10.1136/jnnp.20.1.11 (primär, OA)

Bestätigt — Crick öffnete die Tür zum Bewusstsein

Dass Bewusstsein davor als Tabu galt, ist keine Legende: Crick & Koch schrieben 1990 selbst, es sei „remarkable that most of the work in both cognitive science and the neurosciences makes no reference to consciousness”; die Arbeit gilt rückblickend als „the rebirth of consciousness science”. Kornmeiers Desillusionierung beschreibt einen real dokumentierten Wendepunkt. Quellen: Crick & Koch — Seminars in the Neurosciences 2:263–275 (1990) (primär, OA) · Seth, He & Hohwy — Neuroscience of Consciousness (2015) · doi:10.1093/nc/niv001

Bestätigt — namhafte Biologen hielten Klonen für unmöglich

Die Dolly-Anekdote trägt in ihrem Kern und ist sogar schärfer belegbar, als Kornmeier sie erzählt: James McGrath und Davor Solter erklärten 1984 in Science wörtlich „The cloning of mammals by simple nuclear transfer is biologically impossible” — sauber begründet mit der Annahme, Differenzierung lege das Genom irreversibel fest. Dolly wurde am 5. Juli 1996 geboren. Genau die Struktur, die Kornmeier beschreibt: eine mit voller Autorität und guter Begründung vorgetragene Unmöglichkeitsbehauptung, die fällt. Nicht überprüfbar: die persönliche Anekdote über seinen Genetik-Professor Rudi Hausmann — eine private Vorlesungserinnerung. Sie ist keine tragende Behauptung, sondern die Illustration eines gut belegten Vorgangs. Quellen: McGrath & Solter — Science 226:1317–1319 (1984) · Wilmut et al. — Nature 385:810–813 (1997) · doi:10.1038/385810a0 (primär)

Bestätigt — Nobelpreis für Physik 2022

Alain Aspect, John F. Clauser und Anton Zeilinger erhielten den Preis zu gleichen Teilen „for experiments with entangled photons, establishing the violation of Bell inequalities and pioneering quantum information science”. Quelle: The Nobel Prize in Physics 2022

Sherlocks Gesamtbefund

Von sechzehn geprüften Claims halten vierzehn ohne Abstriche, zwei sind Verkürzungen ohne Täuschungsabsicht. Bemerkenswerter noch: Kornmeier bleibt an zwei Stellen hinter seinen eigenen Belegen zurück — bei der Mona Lisa („über 90 %”, tatsächlich nahe 100 %) und bei Bender („kann ich nicht gut belegen”, tatsächlich ist „Mitläufer” die dokumentierte Entnazifizierungs-Einstufung samt Historiker-Buch aus seinem eigenen Haus). Wer sein Institut verkaufen wollte, würde andersherum runden. Die einzige Stelle mit Schlagseite ist Rosenheim — und es ist genau die, an der es um Benders Erbe geht.


Weiterführende Quellen

Aus der Video-Beschreibung:

Im Gespräch erwähnt:

  • Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene (IGPP), Freiburg — Kornmeiers Institut; auch die Beratungsstelle für Menschen mit außergewöhnlichen Erfahrungen
  • Michael Bach — Optische Täuschungen & visuelle Phänomene — über 140 interaktive Täuschungen zum Selbstausprobieren, jede mit Erklärung des Mechanismus. Bach war Kornmeiers praktischer Doktorvater an der Freiburger Augenklinik; die Sammlung war sein Hobby und ist heute in der Wahrnehmungsforschung Referenz. Kornmeier im Gespräch: „Die weltbeste Webseite über optische Täuschungen — gebt einfach Michael Bach in den Browser ein.” ▶ 102:24
  • Anil Seth — Review über neuronale Korrelate des Bewusstseins mit der Tabelle der 22 Theorien
  • David Chalmers — Hard Problem of ConsciousnessDavid Chalmers — Das Hard Problem des Bewusstseins
  • Elizabeth Loftus — Forschung zur Manipulierbarkeit des Gedächtnisses (im Kontext der Marienerscheinung von Fátima)
  • Björn Rasch & Jan Born — Studie zu Rosenduft und Gedächtniskonsolidierung im Tiefschlaf
  • Harald Atmanspacher, Hartmann Römer, Harald Walach — Verallgemeinerte Quantentheorie, entstanden aus dem Pauli-Jung-Dialog
  • Alain Aspect, John Clauser, Anton Zeilinger — Nobelpreis für Physik 2022 für den experimentellen Nachweis der Quantenverschränkung
  • Aniela Jaffé — Erinnerungen, Träume, Gedanken von C.G. Jung (genialokal) — von Kornmeier als „wirklich lesenswert” empfohlen
  • Männer, die auf Ziegen starren (2009) — Spielfilm über das Stargate-Projekt
  • Stargate-Projekt — die freigegebenen Protokolle liegen in der IGPP-Bibliothek

Kornmeiers eigene Forschung (via Sherlock, alle Open Access):

Zur Replikationsdebatte — beide Seiten (via Sherlock):

Zu Bender und der Institutsgeschichte (via Sherlock):


Verbindungen

Claus-Christian Carbon — Wahrnehmung und Wirklichkeit

Der nächste Nachbar — und darum die aufschlussreichste Reibung. Beide arbeiten mit mehrdeutigen Reizen und finden dasselbe: Carbons gemorphtes Gesicht wird eindeutig weiblich, sobald vorher „Maria” fällt; Kornmeiers Mona Lisa wird fröhlicher, sobald etwas Fröhlicheres den Raum betritt. Nur zieht Carbon aus dem Befund eine Aussage über die Welt — „Die Welt, die du wahrnimmst, existiert nicht da draußen” —, während Kornmeier an derselben Stelle über sein Messgerät spricht: ein Ohr an der Mauer eines Hauses voller singender Chöre. Carbon macht aus der Konstruktion eine These, Kornmeier eine Grenze. Wer beide liest, sieht, dass derselbe Laborbefund zwei verschiedene Temperamente von Wissenschaft trägt.

Rebecca Boehme — So trickst du dein Gehirn aus

Böhme ist die empirische Bremse gegen die Lesart, in die Kornmeier zu kippen droht. Beide beschreiben dieselbe Maschine — ein Gehirn, das die nahe Zukunft vorhersagt, weil es die Gegenwart nie hat. Aber Böhme wehrt sich ausdrücklich gegen die „kontrollierte Halluzination”: Unsere Sinne sind in Interaktion mit der Welt entstanden, und die Realität kann uns eines Irrtums überführen — man kann hingehen und anfassen. Kornmeier sagt an derselben Stelle scheinbar das Gegenteil und meint doch dasselbe: Auf Drogen sieht man nicht endlich, was wirklich da ist, sondern es findet nur kein Wirklichkeitscheck mehr statt. Der Filter ist bei beiden die Verbindung zur Welt, nicht die Trennung von ihr. Interessant wird es dort, wo Kornmeier seine Grenzgebiete-Phänomene ansiedelt — Effekte, die man gerade nicht anfassen, hochheben und von allen Seiten anschauen kann. Genau das ist Böhmes Kriterium für Wirklichkeit.

David Chalmers — Das Hard Problem des Bewusstseins

Kornmeier erzählt Chalmers’ Problem in der Küchenversion — die Himbeere auf dem Tisch, deren Rot er nie mit fremden Augen sehen wird — und stellt sich damit auf Chalmers’ Seite gegen jeden schnellen Materialismus. Bei der Antwort trennen sie sich. Chalmers erweitert die Liste der Fundamentalgrößen, nimmt Panpsychismus und IIT als ernsthafte Kandidaten, sucht Gesetze, die auf ein T-Shirt passen. Kornmeier hält Anil Seths Tabelle mit 22 konkurrierenden Theorien hoch und zitiert seinen Doktorvater: Viele Theorien zu einer Frage sind ein starker Hinweis darauf, dass man noch nichts verstanden hat. Chalmers’ IIT wäre in dieser Tabelle eine Zeile. Die Ironie: Kornmeiers eigenes Institut arbeitet mit der verallgemeinerten Quantentheorie an genau der Sorte Erweiterung, die Chalmers fordert — er würde sie nur nie eine Antwort nennen.

Bewusstsein

Die Orientierungskarte, auf der Kornmeier keinen eigenen Punkt hat — und gerade darum hingehört. Er bezieht keines der sechs Lager, sondern spricht über den Zustand der Karte selbst: 22 Theorien, keine trägt. Sein Instrument dazu ist die Chor-Analogie, das Ohr an der Mauer. Am nächsten steht er den Mysterianern, aber ohne deren Behauptung — dass wir es nie verstehen werden, wäre für ihn schon wieder ein Satz zu weit aus dem Fenster.

Markus Gabriel — Was ist Realitaet

Gabriel verwirft das Modell, in dem Kornmeier misst. Die „Welt des Zuschauers” — wir kämen an die Welt an sich nie heran, es bleibe nur die Konstruktion — ist für Gabriel eines von drei überholten Realitätskonzepten; sein Neuer Realismus sagt, die Wirklichkeit strahle Perspektiven ab, und diese seien objektiv real, keine Gehirnprodukte. Kornmeier liefert dazu die unbequemste Empirie: Die Perspektive auf die Mona Lisa verschiebt sich, sobald ein fröhlicheres Gesicht den Raum betritt, obwohl sich am Gemälde nichts ändert. Ist diese verschobene Perspektive eine objektiv existierende Perspektive im Sinne Gabriels — oder ein Artefakt einer Skala, die aus dem Extremsten im Raum gebaut wird? Beide könnten hier recht behalten, und genau das macht die Frage interessant: Der Philosoph entscheidet über den Status der Perspektive, der Empiriker zeigt, wovon ihr Zustandekommen abhängt.

ARTE — Forschung Fake und faule Tricks

Die unbequemste Verbindung dieser Note — weil sie Kornmeiers Satz gegen ihn wendet. „Ich glaube nichts, halte aber alles für möglich” ist die redliche Version genau des Zweifels, den die Agnotologie zur Waffe schmiedet: nicht widerlegen, sondern in der Schwebe halten. Kornmeier weiß das offenbar — er richtet den Zweifel zuerst gegen die eigenen Phänomene und sagt offen, wo sie scheitern. Die Doku liefert zugleich die Erklärung, warum sein Institut privat finanziert sein muss: „Waisen der Wissenschaft”, Felder, die unerforscht bleiben, weil ihre Ergebnisse niemanden bereichern. Kornmeiers Version davon ist die Karriereschädlichkeit, die erst wich, als mit Francis Crick der Richtige das Thema Bewusstsein eröffnete — sein eigener Satz: Wissenschaft ist zum gewissen Teil Politik.

Edgar Morin — Das komplexe Denken

Kornmeiers Satz ist Morins principe dialogique in sieben Wörtern: zwei Logiken, die einander widersprechen und beide nötig sind — glauben und offenhalten —, zusammengehalten ohne Synthese. Beide sind Naturalisten, die gerade darum gegen den Machbarkeitswahn stehen. Morins „Der Respekt vor dem Realen ist gleichzeitig der Respekt vor dem Mysterium” und Kornmeiers Lehre aus dem Klonschaf Dolly — man darf nie sagen, etwas sei komplett unmöglich — sind derselbe Gedanke aus zwei Berufen. Die Reibung liegt in der Reichweite: Morin baut aus der Haltung eine Methode für ein ganzes Jahrhundert, Kornmeier hält sie klein und lokal, als methodische Selbstbindung eines Einzelnen, der weiß, wie stumpf sein Messgerät ist.

Der Super-El-Niño 2026 — und die Kunst der Zurückhaltung

Dieselbe Tugend, aus entgegengesetzten Richtungen. Beautemps hat eine Prognose, die wahrscheinlich zutrifft, und dämpft sie — sein „großes Aber” schützt die Aussage davor, zur Gewissheit zu werden. Kornmeier hat Phänomene, die wahrscheinlich nicht überzeugen, und dämpft ebenfalls — er erklärt, warum sein EEG nur das Rauschen hinter der Mauer hört. Beide sagen den Satz, den man in populärer Wissenschaft fast nie hört: Jedes Ergebnis gehört ins Licht der Frage, was das Messgerät überhaupt erfassen kann. Bei Beautemps kostet die Zurückhaltung Reichweite, bei Kornmeier kostet sie den Befund selbst.


Weiterdenken

Was Sokrates vielleicht gefragt hätte

  • Kornmeier sagt, man dürfe nie behaupten, etwas sei komplett unmöglich. Aber wenn nichts unmöglich ist — womit begründet man dann noch, dass man etwas nicht erforscht? Jede Ressource, die an ein Phänomen geht, fehlt woanders. Wer entscheidet das, und mit welchem Kriterium außer dem Bauchgefühl?
  • „Ich glaube nichts, halte aber alles für möglich.” Ist das eine Haltung oder eine Immunisierung? Ein Satz, der nie widerlegt werden kann, kostet seinen Träger nichts — es sei denn, er zahlt anderswo. Der Faktencheck gibt eine unerwartete Teilantwort: Kornmeier rundet an zwei Stellen gegen sich selbst und nur an einer für sich — bei Rosenheim, wo das Erbe seines Institutsgründers hängt. Ist die Haltung also echt, weil sie überall dort hält, wo es ihn nichts kostet — oder gerade nicht echt, weil sie an der einen teuren Stelle nachgibt?
  • Wenn die Wahrnehmung ihre Skala aus dem Extremsten im Raum baut, und wenn Kreativität einen Moment der Instabilität braucht — sind das zwei Befunde oder einer? Was hieße es, wenn Erkenntnis und Manipulierbarkeit denselben Mechanismus benutzen?
  • Die Beratung des IGPP nimmt Menschen ernst, ohne ihnen recht zu geben. Ist das der ehrlichste Umgang mit dem Nichtwissen — oder eine sanftere Form, jemandem nicht zu glauben?
  • Kornmeier hat sich gegen Psychedelika entschieden, weil zu wenig verstanden sei, wovon Reversibilität abhängt: „Da ist mir mein Bewusstsein zu schade.” Ist das wissenschaftliche Vorsicht oder eine Wertentscheidung im Kostüm der Vorsicht? Und was wäre daran falsch?