Gedankenraum
DenkerVita·22. September 2026

Valentine Fanjeaux — DenkerVita

Eine Chemieingenieurin aus Bar-le-Duc, die mit ihren Kolleginnen und Kollegen die letzte französische Spinnerei für Strickgarn übernahm und nun an ihrer Spitze steht.

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Sonia Delaunay (simultane Farbscheiben) — Delaunay kam von der Stoffgestaltung zur Malerei und wieder zurück: Ihre Farbscheiben sind Textil, das in Bewegung geraten ist. Valentine ist Chemie-Ingenieurin aus der Färberei einer Spinnerei und läuft Marathon. Also: Knäuel und Farbkreise aus gefärbter Wolle, und quer hindurch eine kleine laufende Figur, die den Faden mitnimmt. Eine andere Hand als Léger für die Note, weil die Note das Kollektiv malt und die Vita die eine, die vorne läuft.

Prompt: Painting in the style of Sonia Delaunay's simultaneous color works, wide horizontal banner, gouache on paper with a flat matte finish. Large overlapping concentric discs and arcs of pure color fill the composition like skeins and cones of dyed wool seen from above: vermilion, saffron yellow, cobalt blue, emerald, violet, warm pink, black. Strands of yarn unwind from the discs as flowing rhythmic bands across the whole width. Within the rhythm, a single small stylized running figure made of simple geometric color planes, no facial features, striding from left to right as if running along the bands of wool. Joyful, rhythmic, energetic, handmade. No text, no letters, no numbers, no signature.

→ Gedankenwelten-Notes: ARTE Re — Wenn Arbeiter Chefs werden


Biographischer Snapshot

Wer spricht?

Valentine Fanjeaux ist Präsidentin und Generaldirektorin (PDG) der Bergère de France SCOP in Bar-le-Duc (Meuse, Lothringen), der Wollspinnerei, die ihre Belegschaft im Oktober 2024 aus der Liquidation gekauft hat. Sie ist in Bar-le-Duc geboren, studierte angewandte Chemie und Textiltechnik und fing im Januar 2014 mit einem befristeten Vertrag in der Fabrik ihrer Heimatstadt an. Zur Zeit der ARTE-Reportage ist sie 36, leitet die Produktion mit einem Team von 20 Leuten und ist frisch gewählte Vorsitzende des Verwaltungsrats: eine Praktikerin ohne Werk im Buchsinn. Ihr Werk ist eine Fabrik, die noch läuft.

Biografie

Die Geschichte beginnt in der Stadt, in der sie geboren ist. Im Januar 2014, gerade aus einer Ingenieurschule für angewandte Chemie gekommen, unterschreibt Valentine Fanjeaux ihren ersten befristeten Vertrag bei Bergère de France in Bar-le-Duc (L'Est Républicain, „Ils ont marqué 2025“, 20.12.2025, zitiert in der Presseschau des Unternehmens). Nach Angaben von Dauphine Executive Education kam sie von der ITECH, der Lyoner Ingenieurschule für Textil und Chemie, und stieg über die Jahre bis in die Produktionsleitung auf (Dauphine Executive Education, 14.10.2025). Im Oktober 2024 führt sie Le Journal des Entreprises als Verantwortliche für Färberei und Veredelung (JDE, 22.10.2024); in der ARTE-Reportage ist sie Produktionsleiterin mit 20 Arbeiterinnen, Arbeitern und Vorarbeitern.

Das Unternehmen, in das sie hineinwächst, ist eines im langen Abstieg. 1946 von Robert Petit gegründet, in den 1990er-Jahren mit rund 800 Beschäftigten und 1.500 Tonnen Wolle im Jahr, danach ein Jahrzehnt der Sozialpläne und Gerichtsverfahren (La Gazette France, April 2026). 2015 das erste Sanierungsverfahren, im April 2024 die Zahlungsunfähigkeit, dann die Liquidation; die Fabrik sollte am 26. Oktober 2024 schließen (JDE). Im Gespräch mit ARTE erzählt sie von den Jahren davor: Kurzarbeit, fehlendes Material, eine Motivation im Keller, „weil wir mit der Schließung gerechnet haben“. Viele hätten gewartet, dass das Beil fällt, „aber dann dachten wir, wir nehmen das selbst in die Hand“.

Mit einer kleinen Gruppe, drei oder vier Leute, darunter die Kreativchefin Corinne, sitzt sie beim ersten Treffen mit Marie-Madeleine Maucourt von der Union Régionale des Scop Grand Est und fragt, wie man ein Unternehmen übernimmt. Es gibt zwei Angebote vor Gericht: das der Belegschaft und eines des Konkurrenten Phildar, der nach Aussage der Beschäftigten nur die Marke wollte. Am 21. Oktober 2024 gibt das Handelsgericht Bar-le-Duc dem Genossenschaftsplan den Zuschlag, am 25. Oktober übernimmt die SCOP. Rund 56 von 145 Beschäftigten werden Gesellschafter (die Presse schwankt zwischen 56 und 57), alle mit gleicher Einlage; laut Reportage im Schnitt etwa 20.000 Euro, bezahlt aus Abfindung und Arbeitslosengeld. Die Leitung ist zunächst zweiköpfig: Jean-Michel Nicolas, bis dahin kaufmännischer Direktor, wird Generaldirektor, Valentine Fanjeaux Präsidentin des Verwaltungsrats (JDE).

Die ARTE-Kamera zeigt, was das kostet. Drei bis vier Stunden am Tag kommen für das neue Amt dazu, „mehr arbeiten für das gleiche Geld“. Die Kinder holt sie später von der Schule ab, oder ihr Mann tut es. Sie schließt die Arbeitsverträge der neuen Gesellschafterinnen selbst ab, fährt mit Corinne nach Paris zu italienischen Lieferanten, entdeckt auf einer Messe ein recyceltes Garn. Sie klopft monatelang bei Behörden an, bis der Präsident des Departements Meuse die Genossenschaft empfängt und 570.000 Euro zusagt, 10.000 Euro pro Gesellschafter; das Geld soll in den Onlinevertrieb, die Produktion und die Reparatur der Maschinen fließen. Und sie läuft. Seit sieben Jahren ist das Laufen ihr Ventil, New York, Chicago und Berlin hat sie hinter sich, Tokio ist der Traum. „Man muss das Ventil ablassen, bevor es explodiert.“

Im August 2025 ändert sich die Doppelspitze. Laut Handelsregister (BODACC vom 12.08.2025) scheidet Jean-Michel Nicolas als Generaldirektor und Verwaltungsrat aus; seit dem 5. August 2025 ist Valentine Fanjeaux Präsidentin des Verwaltungsrats und Generaldirektorin (Pappers / BODACC). Die Gründe für diesen Wechsel sind öffentlich nicht berichtet. Parallel absolviert sie das Universitätsdiplom Business Management SCOP an der Pariser Université Dauphine, weil sie als Textilingenieurin, wie sie sagt, wenig von Buchhaltung, Personalwesen und Arbeitsrecht verstand (Dauphine).

Wie es der Genossenschaft geht (Stand September 2026)

Ob die Genossenschaft trägt, lässt sich bisher nur an Zeichen ablesen, noch nicht an Bilanzen.

Die Zeichen sprechen für eine Genossenschaft, die lebt und sich umbaut. Ob sie wirtschaftlich hält, entscheidet sich an Zahlen, die noch niemand veröffentlicht hat.

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