Andreas Schmitz — DenkerVita

„Physik ist keine Meinung“, sagt Andreas Schmitz, der Akkudoktor: ein Ingenieur, der die Energiewende vom Balkon aus vorrechnet und die Kritik an sich in einer öffentlichen Tabelle beantwortet.

Biographischer Snapshot

Wer spricht?

Dr. Andreas Schmitz (Akkudoktor) — Ingenieur und Wissenschaftler für mathematische Optimierung und KI, promoviert an der Ruhr-Universität Bochum über Optimierungsverfahren und mehrstufige Gaußprozesse, seit vielen Jahren am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Seit 2019 erklärt er auf seinem YouTube-Kanal Akkudoktor (rund 478.000 Abonnenten, Stand 09/2026) die Energiewende vom Balkon aus: Photovoltaik, Heimspeicher, Wärmepumpen, E-Autos, dynamische Stromtarife. Dazu gehören das werbefreie Forum akkudoktor.net und das Open-Source-Energiemanagement Akkudoktor-EOS. Als Hauptpetent der Balkonsolar-Petition (2023, über 100.000 Unterschriften) hat er die Regeln für Steckersolargeräte mitgeprägt. Sein Motto lautet „Physik ist keine Meinung“, und seine Titel und Thumbnails sind laut.

Biografie

Am Anfang stand ein Geschenk. Schmitz schenkte einem Freund ein kleines Solarpanel zum Handyladen, hängte aus Neugier ein Multimeter daran und staunte, wie viel Energie herauskam (EnergieWinde/Ørsted). Erneuerbare Energien hatten bis dahin keine Rolle für ihn gespielt.

Sein Weg davor war der eines Ingenieurs, der gern Neues ausprobiert. Am Campus Gummersbach der TH Köln wählte er den damals neu eingeführten Bachelor „Mechanical Engineering with Computer Science“, als fast sein ganzer Jahrgang noch aufs Diplom zielte. Weil sie nur zu zweit waren, saßen sie in den Vorlesungen der Maschinenbauer und der Informatiker zugleich. Danach machte er das Diplom im Maschinenbau und schrieb die Abschlussarbeit beim DLR in Köln, das ihn übernahm und wo er zum maschinellen Lernen kam (TH Köln, Alumni-Porträt). Mit einem Fachhochschulabschluss war die Promotion damals schwer zugänglich, also holte er berufsbegleitend einen Master in Computer Science an der Fernuniversität Hagen nach. Ende 2020 wurde er an der Ruhr-Universität Bochum promoviert, mit einer Arbeit über mathematische Optimierungsverfahren und mehrstufige (Multi-Fidelity-)Gaußprozesse. Nach eigener Angabe arbeitet er weiterhin hauptberuflich als Wissenschaftler, zuletzt unter anderem an der Frage, ob Text-zu-Bild-Generatoren wie Stable Diffusion physikalische Vorhersagen treffen können (Selbstdarstellung). Seine DLR-Stelle hat er zugunsten des Kanals reduziert; den aktuellen Umfang nennen die Quellen nicht.

Das erste Video ging am 27. März 2019 online: „DIY Balkon Solaranlage – Folge 0“, Laderegler, Batterie, Wechselrichter, Schirmmütze, „Moin Leute!“. Seine Frau habe gelacht, weil alles so improvisiert war. Zum „Akku-Doktor“ wurde er, weil er in einem frühen Video zeigte, wie man schwächelnden Lithium-Akkus wieder Leistung abgewinnt; aus alten Notebookzellen baute er eine 18650-Powerwall. Die Energiekrise ab 2021 machte aus dem Hobbykanal eine Anlaufstelle. Sein meistgesehenes Video, die energetische Sanierung des neu gekauften Hauses mit einer DIY-Wärmepumpenheizung, erreichte rund 2,4 Millionen Aufrufe.

Der Wendepunkt kam mit dem Klima. Als er auf die Gefahren der menschengemachten Erderwärmung hinwies, bekam er neben Zuspruch Häme und Drohungen und dachte zeitweise ans Aufhören. Die Community hielt ihn, sammelte Geld, und aus dem Ein-Mann-Kanal wurde ein kleines Unternehmen mit Cutter und einem angestellten Wissenschaftler für die Recherche. Seitdem ist er politischer geworden: zwei Bundestagspetitionen, eine Anhörung als Sachverständiger im Bundestag, Einladungen ins Wirtschaftsministerium, 2026 eine formale Programmbeschwerde gegen eine Lanz-Sendung beim ZDF. Er ist verheiratet, hat zwei Kinder und lebt mit der Familie in einem Einfamilienhaus auf dem Land, das mit Strom heizt und fährt. Sein Hobby ist die Astrofotografie. Geburtsjahr und Geburtsort sind öffentlich nicht belegt.

Öffentliche Arbeit, Kanäle & Engagement

Bücher hat Schmitz keine veröffentlicht. Seine wissenschaftlichen Arbeiten (Optimierung, Ersatzmodelle, Turbomaschinen) listet er hier.

Kanäle

Open Source & Werkzeuge (Übersicht)

Petitionen & Politik (Übersicht)

Finanzierung: Werbeintegrationen (u. a. Readly, HelloFresh, Emma, Wechselpilot), Affiliate-Links (Amazon, eBay, Tibber), direkte Spenden. Einzelne Videos laufen bewusst ohne Werbung (Transparenzseite).

Empfehlenswerte Videos & Vorträge

Kernthesen

  1. Physik ist keine Meinung. Energiefragen sind Ingenieursfragen: Was kostet es, was kann es, was weiß man schon? Wer Kernkraft, Speicher oder Erneuerbare als Glaubensfrage behandelt, verkauft etwas. Offene Fragen dürfen offen bleiben; im SMR-Video sagt er ausdrücklich, dass vieles schlicht noch niemand weiß.
  2. Die Energiewende gelingt im Kleinen zuerst. Balkonkraftwerk, Heimspeicher und Wärmepumpe machen sie im Alltag greifbar und überzeugen auch Skeptiker: „Sie können den härtesten Klimawandel-Skeptiker überzeugen, wenn er sieht, dass sich sein Zähler nicht mehr dreht“ (Petitionsausschuss 2023).
  3. Jedes Werkzeug hat seinen Zeitraum. Batterien sind für Minuten und Stunden da (Regelenergie, PV-Verschiebung, Lastspitzen), nie für die wochenlange Dunkelflaute. Für die braucht es gesicherte Leistung aus Gas- und Wasserstoffkraftwerken, flexibler Biomasse, Importen und Lastmanagement. Viel Kritik an ihm, so seine Antwort, misst auf dem falschen Zeithorizont.
  4. Metriken können lügen, ohne falsch zu sein. Primärenergie-Anteile lassen effiziente Technik schrumpfen, Bestandsstatistiken verdecken den Wandel bei den Neuzulassungen. Wer den Fortschritt messen will, muss wählen, was er misst.
  5. Wissen gehört allen. Werkzeuge, Rechner und Energiemanagement gibt er kostenlos und quelloffen heraus; Netzentgelte und Förderung sollen belohnen, was dem Netz physikalisch nützt.

Politische Einordnung

Eine Parteibindung ist nicht bekannt, und Schmitz verortet sich selbst jenseits der Lager; im SMR-Video will er die Politik „da lassen, wo sie hingehört, nicht hier in meinem Kanal“. Tatsächlich ist er ein politischer Akteur der dezentralen Energiewende: Petent, Sachverständiger, Kampagnenpartner von Campact, Beschwerdeführer beim ZDF. Seine Gegner stehen meist dort, wo die Energiewende gebremst wird: bei Peter Altmaier und dem PV-Einbruch 2013–2017, bei Christian Lindner und der EEG-Vergütung („Habt ihr Lack GESOFFEN?“), bei Markus Söders Transmutations-Idee („vielleicht das nächste Mal erstmal die Physik-Nachhilfe buchen“), bei Welt und Bild. Regierungen schont er dabei nicht. Die Förderregeln für Luft-Luft-Wärmepumpen nannte er 2023 unter der Ampel „kompletten Irrsinn“, dem Wirtschaftsministerium unter Schwarz-Rot warf er 2025 vor, die Kleinspeicher-Petition mit einem „PR-Trick“ ins Leere laufen zu lassen, und die hohen Wärmepumpenpreise führt er auf politische Entscheidungen der Förderpolitik zurück. Bei der Kernkraft lässt er beide Lager-Gewissheiten nicht gelten: SMRs seien weder die Lösung für alles noch sicher zum Scheitern verurteilt.

Die Kritik an ihm kommt von mehreren Seiten, und er dokumentiert sie selbst in einer öffentlichen Tabelle mit Urteil „gerechtfertigt / nicht gerechtfertigt“ (Kritik geprüft und beantwortet). Dreimal gibt er Kritikern darin recht und verweist auf Korrekturvideos: ein Speicher, der für die Idee eines Videos technisch ungeeignet war, übersehene Reparaturmöglichkeiten bei E-Auto-Akkus, ein Rechenfehler im PV-Tool. Die schärfste Gegenstimme ist Stefan Spiegelsperger (Outdoor Chiemgau), der ihm vorwirft, Strompreise und die Rolle von Batterien in der Dunkelflaute schönzurechnen, und der seine Kritik auch auf einem Windkraft-Symposium der AfD vortrug. Diese Punkte weist Schmitz fachlich zurück; die Tabelle ist seine eigene Einordnung und kein unabhängiger Schiedsspruch.

Zwei Einwände bleiben, auch wenn man ihm fachlich folgt. Der erste betrifft die Form: Großbuchstaben, „GESTÖRT“, „PSEUDO Müll“, „keinen BOCK mehr“. Seine Titel folgen der Aufmerksamkeitslogik der Plattform, die er bei Welt und Bild kritisiert, und die Spötteleien gegen Söder oder Lindner passen schlecht zum Anspruch, Politik aus dem Kanal zu halten. Der zweite betrifft die Finanzierung. Der Kanal lebt auch von Werbung und Affiliate-Links, darunter Links zu Stromanbietern und Hardware aus dem Themenfeld, über das er urteilt. Er legt das offen, und viele Werkzeuge sind gratis; die Abhängigkeit von der Reichweite bleibt trotzdem bestehen.

Verbindungen zu anderen Denkern

Cortex-Notes

Im Bestand

AkkudoktorProgrammbeschwerde gegen Markus…AkkudoktorMini-Atomkraftwerke und drei…Jacob BeautempsDenkerVitaTorsten WilholtDenkerVitaDirk SpechtDenkerVitaMichael SternerDenkerVitaClaudia KemfertDenkerVitaFelix GoldbachDenkerVita

acht gedachte Verweise

verlinktdieselbe Quelle, nie verlinkt
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