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Gedankenraum
Zeitgeist·30. September 2026·0:24 h·28 Belegstellen

Akkudoktor — Mini-Atomkraftwerke und drei Versprechen

Ein Ingenieur legt drei Versprechen der Mini-Atomkraftwerke auf den Taschenrechner. Für die Dunkelflaute taugen sie nicht, beim Rest ist die ehrlichste Antwort: Das weiß heute niemand.

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Saul Steinberg: wacklige Tuschlinie auf grünem Rechenpapier, ein Hauch Aquarell. Auf der Waage liegen links ein Spielzeugreaktor mit drei leeren Versprechens-Fähnchen, rechts Sonne und Wind. Der Balken steht im Gleichgewicht und ruht auf der Mütze eines kleinen Mannes mit Taschenrechner. Dessen Rechenstreifen läuft in ein Fragezeichen aus. Steinberg, weil die Note ein Ingenieur ist, der nachrechnet: Witz statt Pathos, Karopapier statt Atomkraft-Ikonografie, und am Ende steht ehrlich das „Das weiß heute niemand“.

Prompt: Wide banner in the style of Saul Steinberg: wobbly, witty black ink line drawing on pale green engineering graph paper, the grid visible through sparse watercolor washes. A long hand-drawn balance scale stretches across the page, its beam perfectly level. On the left pan sits a small toy-like nuclear reactor, a little dome beside a short cooling tower; exactly three blank ribbon banners flutter up from it like promises, completely empty, no letters, no writing. On the right pan a big round yellow sun and two thin wind turbines. Below the scale a small cartoon man in a cap holds a pocket calculator; a long paper strip of calculation runs from it along the bottom of the page and curls at its far end into a large question mark. Palette: ink black, pale grid green, sun yellow, a soft grey cloud behind the reactor. Flat, humorous, no text anywhere, no photorealism, no signature.

Worum es geht

Ein Ingenieur legt drei Versprechen der Mini-Atomkraftwerke auf den Taschenrechner. Für die Dunkelflaute taugen sie nicht, beim Rest ist die ehrlichste Antwort: Das weiß heute niemand. Andreas Schmitz, der „Akkudoktor“, nimmt sich die Small Modular Reactors vor, die in Bayern, Schweden und Großbritannien gerade als Zukunft verhandelt werden: billiger durch Serienfertigung, Partner von Wind und Sonne, sicherer und sauberer als die großen Meiler. Er rechnet mit veröffentlichten Projektkosten, zeigt seine Annahmen offen und sagt an mehreren Stellen, dass er etwas nicht beurteilen kann. Sein Ergebnis gefällt keinem Lager ganz. Am Ende steht ein Satz, an dem sich auch das Video selbst messen lassen muss: Wer eine sichere Antwort verkauft, verkauft euch etwas.

Quelle: China baut DIE TEILE schon? Machen SMRs unsere Solaranlagen nutzlos? — Akkudoktor, veröffentlicht am 30.09.2026, 24 Minuten, Lizenz CC BY (Standbilder mit Quellenangabe), mit öffentlicher Quellenliste aus 92 Einträgen

Wer spricht?

Dr. Andreas Schmitz (Akkudoktor) ist Ingenieur und forscht zu mathematischer Optimierung und KI. Er studierte Maschinenbau an der TH Köln, wurde an der Ruhr-Universität Bochum promoviert und arbeitet seit vielen Jahren am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), inzwischen in reduzierter Stelle. Seit 2019 erklärt er auf seinem Kanal Akkudoktor (rund 478.000 Abonnenten) die Energiewende vom Balkon aus: Photovoltaik, Heimspeicher, Wärmepumpen, E-Autos. Dazu gehören das Forum akkudoktor.net und das Open-Source-Energiemanagement Akkudoktor-EOS; als Hauptpetent der Balkonsolar-Petition 2023 hat er die Regeln für Steckersolargeräte mitgeprägt. Sein Motto heißt „Physik ist keine Meinung“, seine Titel sind trotzdem laut. Dieses Video ist von Readly gesponsert, der Werbeblock ist gekennzeichnet und hat mit dem Thema nichts zu tun.

→ DenkerVita


Physik ist keine Meinung

0:00 — Schmitz beginnt mit einer Absage. Die einen feierten die Mini-Reaktoren, die anderen verteufelten sie, und „was die labern, interessiert uns tatsächlich heute einfach mal gar nicht“. Er wolle sich „die nackte Physik und die Ökonomie dahinter“ ansehen und die Politik dort lassen, „wo sie hingehören, und zwar nicht hier in meinem Kanal“ 0:00. Das ist das Versprechen des Kanals, und es ist anspruchsvoller, als es klingt: Bei kaum einem Energiethema ist die Politik so tief in die Zahlen eingesickert wie bei der Kernkraft.

Dann klärt er, was ein SMR überhaupt ist 2:17. Ein klassischer Reaktor liefert tausend Megawatt und mehr, ein SMR bis etwa dreihundert, unter zehn spricht man von Mikroreaktoren. Innen läuft dasselbe wie seit siebzig Jahren: Uran wird gespalten, die Wärme verdampft Wasser, der Dampf treibt eine Turbine, die Abwärme muss in einen Fluss oder einen Kühlturm. „Das ist also keine Science-Fiction“, sagt Schmitz, sondern im Kern längst bekannte Technik. Neu ist die Größe, und aus ihr leitet die Branche drei Versprechen ab: Die Anlagen sollen billiger werden, sich gut in die Energiewende fügen und sicherer sein. An diesen drei Versprechen hangelt sich das Video entlang, und das ist seine größte Stärke. Es prüft die Behauptungen der Befürworter, statt eine Gegenbehauptung aufzustellen.

Neu ist auch der Ort. Weil ein SMR auf weniger als zwei Fußballfeldern Platz findet 4:33, sollen ihn Industriebetriebe und KI-Rechenzentren direkt neben ihre Hallen stellen. Amazon und Google haben entsprechende Verträge geschlossen (Amazon, Google/Kairos Power). Die Nachfrage nach dem kleinen Reaktor kommt heute weniger vom Stromnetz als von denen, die rund um die Uhr rechnen.

Kleiner ist bisher nicht billiger

Baukosten pro Kilowatt, SMR (magenta) gegen große Kernkraftwerke (türkis). Grafik: Akkudoktor, CC BY.

5:27 — Das erste Versprechen zerlegt Schmitz in zwei Denkfehler: kleiner gleich günstiger, Masse gleich billiger. Den ersten widerlegt er mit echten Projekten. Aufgetragen sind die Baukosten pro Kilowatt gegen die Größe des Reaktors, und die kleinen liegen oben. NuScale in Utah, 2023 abgesagt, kam auf gut 20.000 Dollar pro Kilowatt, der erste Block im kanadischen Darlington auf 18.500, während die finnischen und emiratischen Großreaktoren Olkiluoto 3 und Barakah deutlich darunter liegen. „Die kleinen SMR-Reaktoren sind zumindest aktuell pro Kilowattleistung überhaupt nicht günstiger als die riesigen klassischen KKWs. Im Gegenteil, sie sind teurer aktuell“ 6:14.

Die Begründung ist schlicht und überzeugend. Genehmigung, Leitwarte, Sicherheitstechnik, Wachpersonal kosten ungefähr dasselbe, ob hinter dem Zaun dreihundert oder tausendsechshundert Megawatt stehen. Der kleine Reaktor muss diesen Fixblock auf weniger Leistung verteilen. Das ist der alte Grund, warum Kernkraftwerke über Jahrzehnte immer größer wurden: Die Branche hat die Skaleneffekte der Größe gesucht, weil ihr die Skaleneffekte der Stückzahl fehlten.

Die Grafik mischt allerdings, was sich kaum mischen lässt, und Schmitz schreibt es selbst darunter: unterschiedliche Preisbasen, unterschiedlich eingerechnete Finanzierung, „nur grobe Orientierung“. Hinkley Point C und Vogtle, die teuersten Großprojekte des Westens, liegen in derselben Höhe wie die SMR. Die Grafik zeigt darum eher, dass Kernkraft im Westen gegenwärtig überhaupt teuer gebaut wird, groß wie klein. Dass kleine Reaktoren daran etwas ändern, dafür gibt es bisher keinen Beleg. Einen ersten Hinweis liefert Darlington selbst: Der erste Block kostet samt gemeinsamer Infrastruktur 7,7 Milliarden kanadische Dollar, die drei folgenden zusammen 13,2, pro Block gut vierzig Prozent weniger (→ Faktencheck). Wie viel davon Lernen ist und wie viel geteilte Infrastruktur, weiß man noch nicht.

Siebzehn oder dreitausend

Wie viele SMR müsste man bauen, bis sie sich lohnen? Drei Schätzungen auf logarithmischer Achse. Grafik: Akkudoktor, CC BY.

7:00 — Gegen den Fixkostenblock soll die Serienfertigung helfen. Das Großkraftwerk ist eine Maßanfertigung auf der Baustelle, der SMR soll aus der Fabrik kommen, „wie so ein riesiges Lego-Set“. Die Idee nennt Schmitz ausdrücklich „nicht dumm“. Die Frage ist nur, wie viele Reaktoren man bauen muss, bis die Lernkurve den Nachteil der Größe ausgleicht, und hier gehen die Zahlen um drei Größenordnungen auseinander.

Eine Beratungsfirma im Auftrag des britischen Energieministeriums kam 2016 auf sieben bis fünfzig, im Mittel etwa siebzehn 7:46. Öko-Institut und TU Berlin kamen 2021 im Auftrag des Bundesamts für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung auf im Mittel dreitausend. Schmitz wägt beide Seiten mit derselben Hand: Die britische Regierung wollte damals ein eigenes SMR-Programm starten, das Öko-Institut „gilt jetzt eher als kernkraftkritisch“. Das Idaho National Laboratory, dessen Auftrag es ist, die Kernkraft voranzubringen, nennt gar keine Zahl, „was ja fast schon am seriösesten ist“. Aus dessen Lernrate rechnet Schmitz selbst mehrere hundert bis rund zweitausend Reaktoren aus, „ist aber meine Rechnung, muss auch nicht fehlerfrei sein“ 8:32.

Woher die Spanne kommt, erklärt er in einem Satz, der die ganze Debatte fasst: Die einen nehmen an, Kernkraft werde wie normale Industrie mit jeder Stückzahl billiger, die anderen schauen auf die Geschichte der Atomindustrie, „und da wurde es meist eher teurer“ 9:18. Zum Vergleich: Weltweit sind 417 Reaktoren in Betrieb, und das größte SMR-Projekt der Welt umfasst vier.

Dann kommt das eigentliche Problem. Es gibt nicht den einen SMR. Weltweit arbeiten Firmen an rund achtzig verschiedenen Konzepten 10:04, die Atomenergieagentur der OECD zählt sogar 127, und jedes braucht seine eigene Serie. Schmitz nennt es ein Henne-Ei-Problem: Für die Fließbandpreise fehlen die Aufträge, für die Aufträge fehlen die Fließbandpreise. Bemerkenswert ist, dass sich hier ein Marktargument gegen die Befürworter wendet, die sonst gern mit dem Markt argumentieren. Solange achtzig Konzepte um dieselben Kunden werben, zersplittert die Stückzahl, von der alle Kostensenkung abhängt.

Weitergedacht

Die Solarmodule wurden billig, weil die Welt ein einziges Produkt millionenfach baute. Müsste sich die SMR-Branche auf wenige Konzepte einigen, um überhaupt billig werden zu können, und wer hätte die Macht, diese Einigung zu erzwingen, wenn nicht ein Staat wie China?

Das falsche Werkzeug für die Dunkelflaute

Stromkosten eines Backup-Kraftwerks, das nur 400 Stunden im Jahr läuft. Annahmen im Bild: 7 % Zins, Gasturbine 1.000 €/kW, SMR 11.000 €/kW. Grafik: Akkudoktor, CC BY.

10:49 — Das zweite Versprechen lautet, SMR seien der perfekte Partner für Wind und Sonne, weil sie auch bei Flaute und Dunkelheit Strom liefern. Schmitz trennt es in zwei Fragen, und die Trennung ist der klügste Zug des Videos.

Die erste Frage heißt: Taugt ein SMR als Retter in der Dunkelflaute? Er beginnt mit der Häufigkeit 11:34, und die Zahlen stammen aus einer Auswertung von Uniper, einem Betreiber von Gaskraftwerken. Phasen von mindestens zehn Stunden ohne nennenswerten Wind- und Solarstrom gibt es im Schnitt alle drei Tage, von drei Tagen etwa zweimal im Jahr, von fünf Tagen alle dreieinhalb Jahre. Die kurzen Lücken sollen Batterien schließen, für die langen braucht es Kraftwerke, die rund vierhundert Stunden im Jahr laufen, fünf Prozent der Zeit. Ein Kraftwerk, das fast immer stillsteht, muss vor allem billig in der Anschaffung sein. Eine Gasturbine kostet rund tausend Euro pro Kilowatt, der erste kanadische SMR rund elftausend. Umgelegt auf vierhundert Stunden kostet die Megawattstunde aus der Gasturbine knapp vierhundert Euro, mit Wasserstoff gut sechshundert, aus dem SMR über zweitausend. Für die rund 23 Gigawatt Reserve, mit denen gerechnet wird, hieße das etwa 25 Milliarden Euro mit Gasturbinen oder 250 Milliarden mit SMR 12:20.

„Für die Dunkelflaute ist ein SMR aktuell das absolut falsche Werkzeug.“ 13:07

Hören — 13:07

Das Argument ist robust, und zwar unabhängig davon, wie man zur Kernkraft steht. Es folgt aus der Struktur der Kosten: Ein Kraftwerk mit hohen Bau- und niedrigen Betriebskosten gehört in den Dauerbetrieb, eines mit niedrigen Bau- und hohen Brennstoffkosten in die Reserve. Selbst wenn SMR um die Hälfte billiger würden, blieben sie für vierhundert Stunden im Jahr ein Luxus. Wer in Talkshows sagt, man brauche Kernkraft „für die Dunkelflaute“, verwechselt Grundlast mit Reserve.

Eine Zahl im Bild verdient Vorsicht. Die tausend Euro pro Kilowatt für die Gasturbine stammen aus einer Zeit, bevor der weltweite Ansturm von Rechenzentren und Kraftwerksstrategien die Preise hochtrieb. Wood Mackenzie meldet seit 2025 stark gestiegene Turbinenpreise und lange Lieferzeiten (Wood Mackenzie). Am Verhältnis ändert das wenig, an der Größe der Rechnung schon (→ Faktencheck).

Die Studien hängen an Annahmen, die keiner kennt

13:07 — Die zweite Frage ist schwerer: Passt ein SMR in ein Stromsystem aus Wind und Sonne, wenn er rund um die Uhr läuft? Aus den kanadischen Baukosten rechnet Schmitz je nach Zins acht bis 21 Cent pro Kilowattstunde, Wind und Sonne liegen bei vier bis neun, allerdings ohne Speicher. Offen bleiben auf beiden Seiten die großen Posten: bei den Erneuerbaren die Systemkosten, bei der Kernkraft Endlagerung und Versicherung 13:52.

Also fragt er nach dem ganzen System und zeigt, wie die Wissenschaft sich darüber zerstreitet. Eine amerikanische Studie findet, dass feste CO₂-freie Leistung ein klimaneutrales Stromsystem um zehn bis 62 Prozent günstiger macht. Eine dänische, die Speicher und Netz einrechnet, kommt auf 46 Euro pro Megawattstunde für Wind und Sonne und etwa das Doppelte für Kernkraft. Eine weitere dänische findet fast keinen Unterschied 14:37. „Also super hilfreich“, sagt Schmitz, und meint es ohne Spott gegen die Forscher:

„Das Ergebnis, das man da hört, hängt an irgendwelchen Annahmen, die heute keiner kennt.“ 15:23

Im Gespräch — 15:23

Das ist der ehrlichste Satz des Videos. Systemmodelle antworten auf die Frage, die man ihnen stellt, und die Annahmen über Reaktorpreise und Speicherkosten im Jahr 2045 entscheiden das Ergebnis, bevor die erste Gleichung gelöst ist. Was sich im Hier und Jetzt beantworten lässt, ist die Lücke. Nach einer Schätzung der TU Berlin müsste ein neuer Reaktor unter etwa 5.000 Dollar pro Kilowatt kosten, um mitzuhalten, für zwanzig Prozent Anteil am Strommix unter 3.000. Die aktuellen Projekte liegen bei 12.600 bis 20.000 16:08. „Hart, aber auch tatsächlich nicht unmöglich.“ Der Vergleich ist allerdings schiefer, als die Grafik aussieht: Die Schwellen stammen aus einem noch nicht begutachteten Papier über Hochtemperatur- und Salzschmelzreaktoren, die Vergleichswerte von wassergekühlten SMR, der obere davon vom abgesagten NuScale-Projekt (Faktencheck: vereinfacht). Dass die Lücke groß ist, bleibt richtig. Wie groß, lässt sich so nicht sagen.

Was SMR heute kosten und was sie kosten dürften, um mitzuhalten. Grafik: Akkudoktor, CC BY.

Ein zweites, leiseres Argument steckt in einem Nebensatz. Schon heute gibt es in Deutschland über fünfhundert Stunden im Jahr mit negativem Strompreis 16:54. Ein teurer Reaktor, der dann herunterregeln muss, verliert Geld, und diese Stunden werden mit jedem Solardach mehr. Hier wird die Titelfrage des Videos beantwortet, ohne dass Schmitz sie ausspricht: SMR machen die Solaranlagen nicht nutzlos. Eher gilt das Umgekehrte. Je mehr Sonne im Netz ist, desto seltener kann ein Reaktor verkaufen, was er verkaufen muss, um seine Baukosten zurückzuholen. Darum landen die meisten SMR-Projekte in der Nische, bei Industriestandorten und Rechenzentren, die rund um die Uhr Strom und Wärme brauchen.

Weitergedacht

Wenn die Sonne den Reaktor aus dem Markt drängt, weil beide dieselben Mittagsstunden besetzen: Ist die Frage „Kernkraft oder Erneuerbare“ eigentlich eine Frage des Geschmacks, oder hat das Stromnetz sie schon entschieden, bevor die Politik darüber streitet?

Sicherer, aber nicht sicher

17:40 — Beim dritten Versprechen gibt Schmitz den Befürwortern zuerst recht, „teilweise ja“. Ein kleinerer Kern enthält weniger Brennstoff, also weniger radioaktives Material. Viele Konzepte wollen sich im Notfall ohne Pumpen und ohne Strom kühlen, allein durch Schwerkraft und Naturumlauf, „das wäre ein echter Fortschritt, muss sich im Betrieb allerdings erst noch beweisen“ 18:26. Kleiner werde das Risiko, null werde es nicht.

Dann folgt ein Satz, der eine politische Sprengkraft hat, die Schmitz nicht ausspielt: Mehr als die Hälfte der SMR-Konzepte braucht einen höher angereicherten Brennstoff, und den bekommt man kommerziell aktuell nur aus Russland. Für die fortgeschrittenen Konzepte stimmt das, sie hingen an ihrem Anfang am Lieferanten, von dem sich Europa gerade löst. Die wassergekühlten SMR aber, mit denen Schmitz die Kosten rechnet, von GE-Hitachi, Rolls-Royce, NuScale, fahren mit gewöhnlichem Uran (Faktencheck: vereinfacht). Der Engpass trifft also genau die Reaktoren, die am meisten versprechen.

Auch die passive Kühlung ist weiter, als das Video sagt. Chinas Hochtemperaturreaktor HTR-PM hat 2023 im laufenden Kraftwerk Tests bestanden, bei denen die Kühlung abgeschaltet wurde und beide Module sich ohne Eingriff selbst abkühlten (Zhang et al. 2024, doi:10.1016/j.joule.2024.06.014, Autoren vom Entwickler). Unbewiesen ist sie für die wassergekühlten SMR, nicht für jeden.

Bei der Kühlung trennt er wieder sauber zwei Probleme 19:11. Dass ein Kraftwerk den Fluss aufheizt, mildert ein einzelner SMR, weil er weniger Abwärme hat. Die realen Projekte stellen aber mehrere nebeneinander, und dann kommt unterm Strich ähnlich viel Wärme ins Wasser. Und wenn der Fluss im Hitzesommer ohnehin zu warm ist, muss jedes Kraftwerk drosseln, „egal wie gering sie ist“, die Abwärme. Das kann kein Reaktor lösen, und mit dem Klimawandel werden diese Sommer häufiger. Frankreich musste 2025 mehrere Reaktoren wegen zu warmer Flüsse herunterfahren (tagesschau).

Atommüll und die Idee aus dem Bierzelt

Atommüll pro erzeugter Energie, großes Kraftwerk gegen SMR, nach Krall, Macfarlane und Ewing (PNAS 2022). Grafik: Akkudoktor, CC BY.

19:56 — Beim Müll zitiert Schmitz eine Studie der Universitäten Stanford und British Columbia: Je nach Bauart erzeugen SMR pro Kilowattstunde zwei- bis dreißigmal so viel Atommüll wie große Reaktoren, weil aus kleinen Kernen mehr Neutronen entweichen und das umliegende Material aktivieren. Gemessen ist das Volumen, und die Autoren schreiben selbst, das Volumen sei nicht die wichtigste Kennzahl; für ein Endlager zählen Wärme und Chemie, und dort sehen sie bei SMR keinen Vorteil (Krall, Macfarlane & Ewing 2022, doi:10.1073/pnas.2111833119). Die Industrie bestreitet den Befund, und eine begutachtete Gegenrechnung aus zwei US-Forschungslaboren findet für neuere Designs kaum Unterschiede zum großen Druckwasserreaktor (Kim, Boing & Dixon 2024, doi:10.1016/j.net.2024.01.046). Schmitz legt beide Seiten hin und sagt: „Wer hier richtig liegt, ehrlich gesagt, ich kann das nicht einschätzen. Ich weiß es nicht“ 20:41. Für einen Kanal, der von Gewissheit lebt, ist das bemerkenswert.

Dann ändert sich der Ton. Markus Söder hatte vorgeschlagen, Atommüll als Brennstoff zu nutzen und damit perspektivisch die Endlagerfrage zu lösen. Das Prinzip heißt Transmutation, und Schmitz nennt drei Haken 21:27. Die SMR, über die geredet wird, können es nicht, dafür braucht es andere Reaktortypen. Der Müll verschwindet nicht, er strahlt danach nur kürzer, ein Endlager braucht man trotzdem, wie auch das zuständige Bundesamt sagt (BASE). Und das Verfahren gibt es noch nicht, das Bundesamt rechnet mit Jahrzehnten Forschung. Inhaltlich ist das sauber, das Bundesamt stützt alle drei Einwände. Ein Motiv, das Schmitz nicht nennt: Im bayerischen Koalitionsvertrag steht, der Freistaat sei grundsätzlich kein geeigneter Standort für ein Endlager, und ein Versprechen, das die Endlagerfrage verschwinden lässt, kommt dieser Linie gelegen. Die Pointe danach ist weniger sauber: „Ja, Markus, vielleicht das nächste Mal erstmal die Physik-Nachhilfe buchen und dann das Endlager abschaffen. Ja, oder bleib einfach im Bierzelt“ 22:14.

Hier bricht Schmitz das Versprechen, mit dem er begonnen hat, und zwar nur zur einen Seite hin. Der Spott trifft einen Politiker, der für Kernkraft wirbt. Eine vergleichbare Stelle über die Versprechen der anderen Seite, etwa über billige Speicher im Jahr 2045, kommt im Video nicht vor. Das macht seine Rechnung nicht falsch. Es zeigt nur, wie schwer es ist, die Politik aus einem Kanal herauszuhalten, dessen Publikum sie mitbringt.

Weitergedacht

Schmitz macht sich über Söders Physik lustig und sagt selbst beim Müll: „Ich weiß es nicht.“ Wo verläuft die Grenze zwischen berechtigtem Spott über eine falsche Behauptung und dem Lagerdenken, das er am Anfang ausschließen wollte?

Wer euch etwas verkauft

22:59 — Das Fazit fasst die Haltung des ganzen Videos. Kein Energiethema werde so hitzig diskutiert, gestritten werde „als ging es um irgendeine Glaubensfrage“, obwohl es eine Ingenieursfrage sei: Was kostet es, was kann es, was weiß man schon. „Physik ist keine Meinung.“ Sicher sei nur eines:

„Wer heute behauptet, SMR sind die Lösung für alles, oder SMRs sind eine totale Katastrophe und funktionieren sowieso nicht, beides ist nicht haltbar. Und wer euch eines davon als sicher verkauft, der verkauft euch etwas.“ 23:45

Im Gespräch — 23:45

Der Satz ist gut, und er fällt auf das Video zurück. Der Titel fragt, ob China „die Teile schon baut“ und ob SMR „unsere Solaranlagen nutzlos“ machen. Von China ist im gesprochenen Text keine Rede, und die Solarfrage beantwortet das Video nur zwischen den Zeilen, mit einem klaren Nein. Dabei hätte China das Video bereichert. Die einzigen SMR mit Betriebserfahrung stehen dort und in Russland, der HTR-PM seit Ende 2023 im kommerziellen Betrieb, das schwimmende Kraftwerk Akademik Lomonossow seit 2020 (→ Faktencheck), und sie hätten beide Richtungen bedient: den Nachweis passiver Sicherheit und die Frage nach den echten Kosten. Der Titel verkauft also genau die Aufregung, vor der das Fazit warnt. Das ist die Ökonomie von YouTube und kein Grund, der Rechnung zu misstrauen. Die Quellen liegen offen, die Annahmen stehen im Bild, die eigenen Schätzungen sind als solche markiert.

Die eigentliche Leistung des Videos liegt in seinen Trennungen: Dunkelflaute gegen Dauerbetrieb, aufgeheizter Fluss gegen zu warmen Fluss, das Gesicherte gegen das Offene. Wer diese Trennungen übernimmt, kann die Debatte weiterführen, ohne sich einem Lager anschließen zu müssen. Was danach noch offen bleibt, ist eine Wette auf die Lernkurve, und die wird gerade nicht in Deutschland entschieden, sondern in Darlington, in Schweden, wo Rolls-Royce drei Reaktoren bauen soll (Videberg Kraft), und in China.


Faktencheck

Gegen das Transkript gelesen, die Quellenliste des Kanals als Spur genutzt und unabhängig nachgeprüft (Primärstudien mit DOI, Behörden, Fachpresse; Stand 30.09.2026). Schmitz rechnet über weite Strecken sauber und benennt seine Unsicherheiten offen. Wo er verkürzt, geht das meist, aber nicht immer, zulasten der SMR.

Vereinfacht — „SMR pro Kilowatt eindeutig teurer als große Kraftwerke“

5:27 Die Richtung stimmt. Kleine Blöcke verlieren Skaleneffekte, und eine Monte-Carlo-Analyse über 15 SMR-Konzepte findet keines, das mit Erneuerbaren mithält (Steigerwald et al. 2023, Einzelstudie, peer-reviewed). Gegenüber großen Reaktoren aus Asien (Barakah: rund 24–32 Mrd. $ für 5,6 GW) liegt Darlington klar darüber. Das Wort „eindeutig“ hält beim Westvergleich aber nicht. Darlington (4× BWRX-300) ist mit 15,1 Mrd. $ für 1,2 GW budgetiert, also rund 12.600 $/kW. Die Endkosten von Vogtle 3/4 (über 30 Mrd. $ für 2,2 GW) und Hinkley Point C (laut EDF 2024 £31–34 Mrd. in Preisen von 2015 für 3,2 GW) liegen gleichauf oder darüber. Hier wird ein Budget mit Ist-Kosten nach Überschreitungen verglichen. Außerdem fehlt ein Befund aus dem Projekt selbst: Block 1 kostet samt gemeinsamer Infrastruktur CAD 7,7 Mrd., die drei folgenden Blöcke zusammen CAD 13,2 Mrd. Pro Block ist das gut 40 % weniger, auch wenn die geteilte Infrastruktur einen Teil davon erklärt. Quelle: WNN — What is the budget for Canada's first SMR project? · Steigerwald, Weibezahn, Slowik, v. Hirschhausen (2023), Energy, doi:10.1016/j.energy.2023.128204 · Vogtle · Hinkley Point C · Barakah

Bestätigt — Die Stückzahl bis zum Kostenvorteil: 17 oder 3000

7:46 Die britische Studie für das Energieministerium DECC (März 2016) sieht Kostenparität mit großen Reaktoren bei 5 GWe kumulierter Leistung und 8 % Lernrate. Das sind bei 300 MW rund 17 Einheiten. Die Spanne reicht von 2 GWe (10 % Lernrate) bis über 15 GWe (5 %). Das BASE nennt „im Mittel 3000 SMR“. Beide messen gegen denselben Maßstab, den großen Reaktor. Der Abstand entsteht fast nur aus der angenommenen Lernrate, und genau so erklärt ihn Schmitz. Er nennt auf beiden Seiten mögliche Interessen und kennzeichnet seine eigene Rechnung (mehrere Hundert bis 2000) als eigene. Die INL-Metaanalyse legt sich tatsächlich auf keine Zahl fest. Zwei Anmerkungen: „Das größte Projekt hat vier Reaktoren“ stimmt für fest beschlossene Bauten. Angekündigte, unverbindliche Programme sind viel größer, etwa TVA/ENTRA1 mit bis zu 6 GW, also 72 NuScale-Module (September 2025). Und die NEA zählt 127 SMR-Designs statt 80. Das stützt sein Argument der Zersplitterung sogar. Quelle: DECC/EY — Small modular reactors: Can building nuclear power become more cost-effective? (2016) · BASE — Small Modular Reactors · INL — Meta-Analysis of Advanced Nuclear Reactor Cost Estimations · POWER — TVA, ENTRA1 sign 6-GW agreement · WNN — 127 SMR designs

Bestätigt — Dunkelflauten und SMR als Backup: Gas rund 25 Mrd. €, SMR rund 250 Mrd. €

11:34 / 12:20 Die Häufigkeiten stammen wörtlich aus einer Uniper-Kurzstudie (2016–2025, Definition: mindestens 10 h unter 10 % der installierten Wind- und PV-Leistung). Das ergibt 1.435 Ereignisse, also etwa alle drei Tage, dreitägige Flauten rund zweimal im Jahr und über fünf Tage alle 3,5 Jahre. Uniper betreibt Gaskraftwerke und profitiert von der Schlussfolgerung, es brauche gesicherte Leistung. Die Zahlen sind Messreihen, aber die Definition ist Unipers. Dass es keine feste Definition gibt, sagt Schmitz selbst. Die 11.000 €/kW entsprechen genau dem Darlington-Schnitt (13,3 Mrd. € / 1,2 GW). Die 2.300–3.200 €/MWh bei 400 Stunden ergeben sich mit 7–10 % Kapitalkosten. Die 1.000 €/kW für Gas liegen eher am unteren Rand. Die EIA setzte (AEO 2022) 785–1.294 $/kW an, und Wood Mackenzie meldet 195 % Preisanstieg bei Turbinen seit 2019 (Wood Mackenzie steht in seiner eigenen Quellenliste). Selbst bei doppelten Gaskosten bleibt etwa Faktor fünf, der Schluss hält also. Die Ausschreibungen nach dem StromVKG verlangen 10 h Dauerleistung, praktisch also Gaskraftwerke. Quelle: Solarserver — Uniper: Deutschland erlebt regelmäßig Dunkelflauten · Wood Mackenzie — Gas turbine prices soar 195 % · EIA AEO Table 8.2 · pv magazine — Kraftwerksstrategie passiert Kabinett

Bestätigt — SMR-Strom 8–21 ct, Solar/Wind 4–9 ct, über 500 Stunden negative Preise

13:52 / 16:54 Fraunhofer ISE (2024) nennt für PV-Freifläche 4,1–6,9 ct und für Wind an Land 4,3–9,2 ct. Für neue Kernkraft rechnet das ISE mit 13,6–49 ct. Schmitz' SMR-Spanne liegt damit am freundlichen Ende, hier verkürzt er eher zugunsten der SMR. Negative Stunden: 457 im Jahr 2024, 573 im Jahr 2025 (seit Oktober 2025 wird viertelstündlich gemessen). Das Argument, ein teurer Reaktor verliere bei Abregelung Geld, trägt. Quelle: Fraunhofer ISE — Stromgestehungskosten 2024 (PDF) · IWR — Zusammenfassung ISE 2024 · BHKW-Infozentrum — Negative Strompreise

Bestätigt — Systemstudien widersprechen sich (10–62 % günstiger vs. 46 zu 100 €/MWh vs. kaum Unterschied)

14:37 Alle drei Studien gibt es, und er gibt sie korrekt wieder. Sepulveda et al. 2018 (MIT, Joule, rund 600 Zitationen) rechnen mit jeder festen CO2-armen Leistung, also Kernkraft, Gas mit CCS und Geothermie, und das für US-Systeme. Die Ersparnis von 10–62 % gilt für Null-Emissions-Szenarien. Dass er zwischen Kernkraft und fester Leistung „nicht unterscheide“, sagt er selbst. Die dänische Studie ist Lund et al. 2026 (Energy): 46 €/MWh für Offshore-Wind plus PV gegen rund 100 €/MWh für Kernkraft, bei sektorgekoppeltem System, effektiv 10.000 €/kW Kernkraft-Kapital und ohne Endlagerkosten. Die „fast kein Unterschied“-Studie stammt von der NTNU in Norwegen, rechnet aber für Dänemark (Moen et al. 2025, Applied Energy): ±5 %, nach Anpassungen ±1 %. Beide Lager haben bekannte Positionen, Lund und Breyer für 100 % Erneuerbare, die Jenkins-Gruppe für feste Leistung. Die Gegenüberstellung ist fair, und sein Schluss („hängt an Annahmen“) ist die Kernthese der NTNU-Arbeit. Quelle: Sepulveda et al. (2018), doi:10.1016/j.joule.2018.08.006 · Lund et al. (2026), doi:10.1016/j.energy.2026.140880 · Moen, Hjelmeland, Nøland (2025), doi:10.1016/j.apenergy.2025.126888 · pv magazine — SLCOE-Studie

Vereinfacht — „TU Berlin: 5.000 $/kW für Wettbewerbsfähigkeit, aktuelle Projekte 12.600–20.000 $“

15:23 Die Schwellen stammen aus Wimmers, Böse, Göke (arXiv 2412.15083, Preprint, v2 Dezember 2025). Das Paper untersucht nicht-leichtwassergekühlte Reaktoren (Natrium, Hochtemperatur, Salzschmelze) für Wärme und Strom im Europa des Jahres 2040. Unter 5.000 $/kW dominieren sie bei Hoch- und Mitteltemperatur-Wärme, rund 20 % Stromanteil erreichen sie ab 3.000 $/kW. Die Vergleichswerte gehören zu einer anderen Familie, den Leichtwasser-SMR: 12.600 $ ist Darlington, die obere Marke entspricht rechnerisch dem 2023 abgesagten NuScale-Projekt in Utah (9,3 Mrd. $ für 462 MW). Der Abstand ist real. Der „vier- bis sechsfache“ Abstand mischt aber Reaktorfamilien, ein beerdigtes Projekt und einen Preprint. Die TU-Berlin/DIW-Gruppe um Christian von Hirschhausen, von der auch die 3000 stammen und die im DIW-Wochenbericht titelte, der Ausbau „entbehrt technischer und ökonomischer Grundlagen“, stellt er neutral als „TU Berlin“ vor. Das Öko-Institut kennzeichnet er dagegen als kernkraftkritisch. Quelle: Wimmers, Böse, Göke — Can They Compete? arXiv:2412.15083 (Preprint) · DIW Wochenbericht 10/2023 · NuScale Power (CFPP-Absage)

Vereinfacht — HALEU nur aus Russland, passive Kühlung unbewiesen

18:26 Laut US-Energieministerium brauchen die meisten fortgeschrittenen US-Designs HALEU, das „noch nicht im kommerziellen Maßstab verfügbar“ ist. Centrus hatte bis Juni 2026 erst gut 1,9 t aus einem Demonstrationsvertrag geliefert. Auf dem Weltmarkt ist Russland der einzige kommerzielle Lieferant. Für den Westen stimmt die Aussage also. Die SMR, mit denen er die Kosten rechnet (BWRX-300, Rolls-Royce, NuScale), fahren allerdings mit gewöhnlichem Uran unter 5 %. Der Engpass trifft die fortgeschrittenen Konzepte. Zur Kühlung: Ein PSI-Test (PANDA) zeigt, dass passive Kondensationskühlung schwächer wirkt als modelliert, was ihn stützt. Er verschweigt aber, dass Chinas HTR-PM 2023 im kommerziellen Kraftwerk unter Leistung Kühlverlusttests bestanden hat. Beide Module kühlten sich ohne Eingriff selbst ab (peer-reviewed in Joule, Autoren allerdings vom Entwickler Tsinghua/INET). „Unbewiesen“ gilt damit für wassergekühlte SMR, beim Hochtemperaturtyp gibt es einen Nachweis im Betrieb. Quelle: DOE — What is HALEU? · ingenieur.de — Ohne diese Brennstoffkugeln bleiben viele SMR nur Entwürfe · wissenschaft.de — Passive Kühlung im Test · Zhang et al. (2024), Joule, doi:10.1016/j.joule.2024.06.014

Bestätigt — Mehrere SMR bringen so viel Abwärme wie ein Großblock, bei warmen Flüssen hilft das nichts

19:11 Die Physik stimmt. Vier BWRX-300 in Darlington ergeben 1,2 GW, also die Größenordnung eines großen Blocks, und SMR haben keinen besseren Wirkungsgrad. Die DW berichtet 2026 dasselbe: Die Bündelung mehrerer Einheiten erhöht den Wasserbedarf. Gedrosselt wird wegen Einleitgrenzen zum Schutz der Gewässer, wie er sagt. Kühltürme oder Trockenkühlung mildern die Abhängigkeit vom Fluss, kosten aber Wirkungsgrad. Das gilt für alle Reaktorgrößen gleich. Quelle: DW — Kleine Reaktoren, große Versprechen · GRS — Kernkraftwerke auf dem Trockenen

Vereinfacht — „SMR erzeugen 2- bis 30-mal so viel Atommüll“

19:56 Die Studie (Krall/Macfarlane/Ewing, PNAS 2022, peer-reviewed, rund 130 Zitationen) misst das Volumen hoch-, mittel- und schwachradioaktiver Abfälle je erzeugter Energie. Die Autoren schreiben selbst: „volume is not the most important evaluation metric“. Für das Endlager zählen Nachzerfallswärme und Chemie, und da bringen SMR „keinen Vorteil“. Von einem 2- bis 30-fachen Nachteil ist dort keine Rede. „30-mal so viel Atommüll“ ohne das Wort Volumen klingt nach 30-facher Gefahr. Die Neutronen-Leckage als Ursache gibt er korrekt wieder. Der Streit ist außerdem größer als „die Industrie bestreitet“. NuScale und Terrestrial Energy kritisierten veraltete Designstände (160-MWth-Version). Argonne und INL kamen 2024 peer-reviewed zu dem Schluss, dass sich VOYGR, Natrium und Xe-100 in den meisten Kennzahlen wie ein Druckwasserreaktor verhalten und das Brennstoffvolumen stark vom Design abhängt („no major challenges“). Die DOE-Labore haben ein institutionelles Interesse an Kernkraft, Macfarlane war NRC-Chefin und ist Kritikerin. Dass Schmitz offen sagt, er könne das nicht beurteilen, ist ehrlich. Quelle: Krall, Macfarlane, Ewing (2022), PNAS, doi:10.1073/pnas.2111833119 · Kim, Boing, Dixon (2024), Nucl. Eng. Technol., doi:10.1016/j.net.2024.01.046 · ANS — NuScale responds to SMR critique

Bestätigt — Söders Transmutationsversprechen trägt nicht

20:41 / 21:27 Söder am 15.03.2026 („Kernenergie 2.0“): Er will Atommüll als Brennstoff nutzen, das sei „sinnvoller … als ihn für Millionen Jahre strahlen zu lassen“, und „perspektivisch könnte damit auch die Endlager-Frage gelöst werden“. Schmitz zitiert korrekt. Das BASE stützt alle drei Einwände: Transmutation gelang bisher allenfalls im Labor, bis zur Einsatzreife bräuchte es mehrere Jahrzehnte Forschung, und ein Endlager bleibt nötig (Transuran-Reste, langlebige Spaltprodukte, 3.836 Kokillen). Nötig wären 3 bis 23 Transmutationsreaktoren über 55 bis 300 Jahre, dazu mehr schwach- und mittelradioaktiver Abfall. Zu absolut ist nur „SMR können das nicht“: Das BASE selbst nennt nicht-wassergekühlte SMR-Konzepte mit Plutoniumbrennstoff und Wiederaufarbeitung, die bisher auf dem Papier stehen. Das Motiv, das Schmitz nicht nennt: Im bayerischen Koalitionsvertrag steht, der Freistaat sei „grundsätzlich kein geeigneter Standort“ für ein Endlager. Ein Versprechen, das die Endlagerfrage verschwinden lässt, kommt dieser Linie gelegen. Schmitz verspottet ihn stattdessen („Nuklearexperte Söder“, „bleib einfach im Bierzelt“ 22:14). Damit bricht er sein eigenes Versprechen vom Anfang, Politik habe „nicht hier in meinem Kanal“ Platz0:00. Quelle: tagesschau — Söder wirbt für Mini-AKW (15.03.2026) · ZDFheute — Söder will Atommüll nutzen · BASE — Partitionierung und Transmutation · Landtag Schleswig-Holstein — Kritik an Bayerns Endlager-Ausschluss

Vereinfacht — Titel „China baut DIE TEILE schon?“

China kommt im gesprochenen Text kein einziges Mal vor, und auch die zweite Titelfrage („Machen SMRs unsere Solaranlagen nutzlos?“) wird nie direkt beantwortet. Die Fakten zum Titel: Chinas HTR-PM (zwei Reaktormodule, eine 210-MWe-Turbine) läuft seit Dezember 2023 kommerziell. Linglong One (ACP100, rund 125 MWe) hat Kalt- und Turbinentests hinter sich (Oktober und Dezember 2025), Kritikalität war bis Juli 2026 nicht gemeldet. Russlands schwimmendes Kraftwerk Akademik Lomonossow (2× 35 MWe) liefert seit Mai 2020 Strom. Die FAZ schrieb am 23.09.2026, SMR gebe es „bislang nur in China und Russland“. Das Video verspricht also, auf „echte Projekte“ und „harte Fakten“ zu schauen, und lässt dabei genau die einzigen Anlagen mit Betriebserfahrung weg. Sie hätten beide Richtungen bedient: den Nachweis passiver Sicherheit (HTR-PM) und die Frage nach den realen Kosten. Der Titel dient den Klicks, der Inhalt deckt ihn nicht. Quelle: WNN — China's demonstration HTR-PM enters commercial operation · Going Critical — Linglong-1 · Akademik Lomonossow · FAZ — Hier beginnt die Atomkraft-Aufholjagd des Westens

Vereinfacht — Fazit „Wer es als sicher verkauft, verkauft euch etwas“

23:45 Der Kern hält. Die Forschung sagt selbst, dass das Systemergebnis an Annahmen hängt (Moen et al. 2025), und die Wirtschaftlichkeit in Serie ist offen. Schmitz markiert eigene Rechnungen, Spekulation und Nichtwissen sauber. Die Darstellung kippt aber leicht gegen SMR, und das an Stellen, die ein Laie nicht bemerkt: Wer vorbelastet ist, kennzeichnet er ungleich (die britische Regierung und das Öko-Institut ja, die TU-Berlin/DIW-Gruppe und Uniper nicht). Die einzigen laufenden SMR in China und Russland samt HTR-PM-Test fehlen. Beim Atommüll fehlt das Wort Volumen. Das „eindeutig teurer“ misst ein Budget an Endkosten. In die andere Richtung gehen seine SMR-Strompreise am günstigen Ende und Gaskosten eher zu niedrig. Das Publikum des Kanals besitzt PV und Speicher, und der Titel spricht dessen Sorge an. Ein vorsichtig skeptisches SMR-Urteil passt zu diesem Publikum. Zugleich erspart er ihm die unbequeme Nachricht nicht, dass gesicherte Backup-Leistung nötig bleibt. „Physik ist keine Meinung“ und „keine Parteibrille“22:59 verträgt sich schlecht mit dem Söder-Spott eine Minute davor. Quelle: Moen, Hjelmeland, Nøland (2025), doi:10.1016/j.apenergy.2025.126888 · Steigerwald et al. (2023), doi:10.1016/j.energy.2023.128204 · Transkript (Zeitstempel oben)


Weiterführende Quellen

Aus der Quellenliste des Kanals (Auswahl, vollständig: 92 Einträge):

Von Sherlock ergänzt:


Verbindungen

→ MONITOR — Atomkraft-Comeback? Was hinter den neuen Mini-Reaktoren steckt

MONITOR prüft das SMR-Versprechen an der Geschichte, am THTR-300 in Hamm-Uentrop, und holt seine Experten aus dem kritischen Lager. Der Akkudoktor prüft es an Kostenkurven und stellt die Schätzungen beider Seiten nebeneinander. In der Sache landen beide beim selben Befund: Kleiner ist bisher teurer, und für den Kern der Wette gilt Wimmers' „wir wissen es noch nicht“. Das stärkste Argument für SMR, das MONITORs letzte Sokrates-Frage vermisst, liefert der Akkudoktor nach: die passive Kühlung und die Lernrate des Idaho National Laboratory.

→ Mario Buchinger — Neue Reaktorgenerationen

Dieselben Kandidaten, zwei Temperaturen. Bei der Transmutation decken sich die Befunde fast wörtlich: andere Reaktortypen nötig, der Müll strahlt kürzer, Jahrzehnte Forschung. Bei den SMR spricht Buchinger von „PowerPoint-Reaktoren“ und setzt rund 5.000 nötige Einheiten als gegeben. Der Akkudoktor zeigt, dass die Schätzungen von 17 bis 3.000 reichen, und hält gerade diese Spanne für die ehrliche Antwort. Wer beide nacheinander sieht, merkt, wie viel das Urteil „Sackgasse“ an Wissen voraussetzt.

→ Mario Buchinger — Kernenergie und Erneuerbare

Buchinger zitiert den RWE-Chef Krebber: Die Erneuerbaren machen die Ökonomie des Kernkraftwerks kaputt. Der Akkudoktor kommt über die negativen Strompreise zum selben Mechanismus und beantwortet damit seine eigene Titelfrage. SMR machen die Solaranlagen nicht nutzlos, die Solaranlagen nehmen dem Reaktor die Stunden, in denen er verdienen müsste. Seine Trennung von Dauerbetrieb und Reserve ergänzt Buchingers Absage an das Grundlastdenken um die Kostenrechnung.

→ Gutachter Kail — Stromversorgung 2038 ohne Gaskraftwerke

Beide behandeln die Dunkelflaute als Zahl statt als Schreckbild. Kail beziffert die Lücke (104,6 GW), der Akkudoktor die Frage, womit man sie füllt: Ein Kraftwerk, das 400 Stunden im Jahr läuft, muss billig in der Anschaffung sein. Kails Umrüstung des Gaskraftwerk-Bestands auf Wasserstoff zieht daraus die letzte Konsequenz, denn am billigsten ist die Anlage, die schon steht. Offen bleibt bei beiden, ob der grüne Wasserstoff rechtzeitig in der nötigen Menge da ist.

→ Michael Sterner — Söders Energie-Irrtum

Zwei Wissenschaftler gegen denselben Ministerpräsidenten. Sterner widerlegt Söders Satz, ohne Kernkraft gehe es nicht, der Akkudoktor Söders Transmutations-Idee. Sterners Hinweis, die Brennstäbe kämen weiter aus Russland, verschärft der Akkudoktor für die SMR: Mehr als die Hälfte der Konzepte braucht höher angereicherten Brennstoff, den es kommerziell nur dort gibt.

→ Neitzel & Iltisberger — Hype Is a System

Das erste Merkmal von Hype ist nach Neitzel und Iltisberger die Vision, die als Gewissheit auftritt. Der Schlusssatz des Akkudoktors ist dieselbe Regel als Verbraucherwarnung, und bei ihm gilt sie in beide Richtungen, gegen das Heilsversprechen ebenso wie gegen die Gewissheit des Scheiterns. Zugleich steckt das Video in der Strukturfalle, die der Vortrag beschreibt: Wer im Attention System gehört werden will, braucht einen Titel, der mehr verspricht, als der Inhalt hält.

→ Jacob Beautemps — Der Super-El-Niño und die Kunst der Zurückhaltung

Zwei promovierte Wissenschaftler, die auf YouTube erklären und an der entscheidenden Stelle sagen, dass sie es nicht wissen: Beautemps bei den Europa-Folgen des El Niño, der Akkudoktor beim Atommüll der SMR. Beide trennen, was heute feststeht, von der Wette auf die Zukunft. Der Unterschied liegt in der Verpackung: Beautemps zahlt für die Zurückhaltung mit Reichweite, der Akkudoktor holt sie sich über einen Titel zurück, der die Zurückhaltung des Videos nicht teilt.

→ Akkudoktor — Programmbeschwerde gegen Markus Lanz: Energiewende-Desinformation im ZDF

Die erste Note über denselben Kanal, eine Programmbeschwerde gegen eine Talkshow. Beide Male zerlegt Schmitz eine Behauptung mit Zahlen, und beide Male richtet sich der Spott gegen einen Unionspolitiker, damals Altmaier, jetzt Söder. Nebeneinander gelesen zeigen die zwei Notes, wie weit sein Versprechen reicht, die Politik aus dem Kanal herauszuhalten.

→ Panorama Energie

Die Note gehört zur Panorama-Sektion „Die neue Nachfrage: Wird KI zum trojanischen Pferd der Atomkraft?“. Sie liefert zwei Bausteine, die dort fehlen: die Rechnung, warum SMR als Reserve für die Dunkelflaute ausscheiden, und den Befund, dass die Nachfrage nach dem kleinen Reaktor heute von Rechenzentren und Industriestandorten kommt, während er im Stromnetz gegen die Mittagssonne verliert.


Weiterdenken

Was Sokrates vielleicht gefragt hätte
  • Schmitz sagt, Kernkraft sei „eine ganz klare Ingenieursfrage“. Ist sie das, wenn die Antwort an Zinsen, Versicherungen, Endlagern über hunderttausend Jahre und am Vertrauen in Behörden hängt, also an lauter Dingen, die kein Taschenrechner liefert?
  • Die Studien widersprechen sich, weil sie verschiedene Zukünfte annehmen. Nach welchen Kriterien soll eine Gesellschaft entscheiden, wenn die Experten ehrlich sagen, dass sie es nicht wissen: nach dem geringsten Risiko, den geringsten erwarteten Kosten oder danach, welche Entscheidung sich später am leichtesten korrigieren lässt?
  • Solaranlagen wurden billig, weil sie klein sind und millionenfach gebaut werden. SMR wollen denselben Weg gehen. Was unterscheidet eine Technik, die durch Masse billig werden kann, von einer, bei der jedes Exemplar eine Genehmigung, einen Zaun und einen Wachmann braucht?
  • Das Video warnt vor denen, die Gewissheit verkaufen, und verkauft sich selbst mit einem Titel, der Aufregung verspricht. Kann man auf YouTube überhaupt aufklären, ohne ein wenig zu verführen, und wo wird aus der Verführung ein Verrat an der Aufklärung?

Von hier einen Faden gehen7 Stationen, rückwärts durch den Bestand

Im Bestand

Andreas SchmitzDenkerVitaMONITORAtomkraft-Comeback? Was hinter…Mario BuchingerLügen der Kernenergie (6/6):…Mario BuchingerLügen der Kernenergie (2/6):…Stromversorgung 2038ohne neue GaskraftwerkeMichael SternerSöders Energie-Irrtum: FaktencheckNeitzel & IltisbergerHype Is a System: How Tech…Der Super-El-Niño 2026und die Kunst der ZurückhaltungAkkudoktorProgrammbeschwerde gegen Markus…EnergieAlles wird StromWarum Millionen…Veronika GrimmDer Preis als Signal (Jung &…NorioGICON Höhenwindturm:…

elf gedachte Verweise · zwei geteilte Quellen, die noch niemand verlinkt hat

verlinktdieselbe Quelle, nie verlinkt
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