Gedankenraum
DenkerVita·7. Oktober 2026

Christian Walburg — DenkerVita

Christian Walburg erforscht seit zwei Jahrzehnten, wie Migration und Kriminalität zusammenhängen, und hält zwei Lager zugleich auf Abstand: die Alarmisten und die Abwiegler.

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Oskar Schlemmer — Bauhaus-Figurenmalerei, glatte flache Ölfarbe, puppenhaft vereinfachte Menschen, Architektur als Bühne (nach seiner Bauhaustreppe, 1932). Eine breite Treppe steigt diagonal durchs Bild; auf ihren Stufen dieselben jungen Menschen, Stufe um Stufe älter, von Kindern unten bis zu Erwachsenen oben im Licht. Am Fuß steht einer mit Notizbuch und schaut hinauf. Hinten Förderturm und Schlote des Ruhrgebiets. Schlemmers Hand, weil Walburgs Arbeit eine Treppe ist: die Duisburger Längsschnittstudie, die Jahr für Jahr dieselben Jugendlichen befragte und zusah, wie aus ihnen Erwachsene wurden.

Prompt: A wide horizontal banner painting in the style of Oskar Schlemmer, Bauhaus figure painting, smooth flat oil colour, stylized doll-like human figures with rounded heads seen in profile and from behind, geometric architecture, soft warm light. A broad staircase rising diagonally from left to right across the whole picture; on its steps the same group of young people appears again and again, each step a year older: children at the bottom, teenagers in the middle, young adults at the top walking into light. At the foot of the stairs a single quiet figure stands with a notebook, looking up, listening. In the background faint silhouettes of Ruhr industry: a headframe of a coal mine and chimneys. Palette of ochre, terracotta, slate blue and cream. No letters, no numbers, no words, no logos, no photorealism, no signature.

Biographischer Snapshot

Wer spricht?

Dr. Christian Walburg — Jurist und Kriminologe, einer der bekanntesten deutschen Forscher zum Zusammenhang von Migration und (Jugend-)Kriminalität. Studium der Rechtswissenschaften in Münster, langjährig am Institut für Kriminalwissenschaften der Universität Münster, dort Mitarbeit an der Längsschnittstudie „Kriminalität in der modernen Stadt“. Promotion 2013 über Migration und Jugenddelinquenz, 2015 Nachwuchspreis der Kriminologischen Gesellschaft. Lehrstuhlvertretungen in Göttingen, Leipzig und Freiburg; zuletzt (Stand Dezember 2025) Vertreter der Professur für Kriminologie und Interdisziplinäre Kriminalprävention an der Deutschen Hochschule der Polizei in Münster.

Biografie

Christian Walburg kam über eine Jugendstudie zu seinem Thema. Nach dem Jura-Studium in Münster arbeitete er am dortigen Institut für Kriminalwissenschaften an der Verlaufsstudie „Kriminalität in der modernen Stadt“ unter Klaus Boers und dem Soziologen Jost Reinecke: Ab 2002 befragte das Team Jahr für Jahr dieselben Jugendlichen in Duisburg (dazu eine Münsteraner Kohorte) zu Schule, Freunden, Familie und eigenen Straftaten, über mehr als ein Jahrzehnt hinweg. In westdeutschen Großstädten hieß das: viele Kinder aus Einwandererfamilien, Enkel der Gastarbeiter, Aussiedler. Daraus wuchs seine Frage. Schon 2006 veröffentlichte er mit Boers und Reinecke einen Befund, der damals gegen die Erwartung lief: im Dunkelfeld keine Zunahme der Jugendkriminalität, kaum Unterschiede zwischen Einheimischen und Migranten (DNB).

Nach dem zweiten Staatsexamen promovierte er 2013 mit einer Arbeit über Migration und Jugenddelinquenz, die ein Jahr später bei Waxmann erschien. Für diese Forschung erhielt er im Herbst 2015 den Nachwuchspreis der Kriminologischen Gesellschaft, der Vereinigung der deutschsprachigen Kriminologie (Uni Münster, 02.11.2015). Er blieb als Akademischer Rat in Münster. Im Juli 2014 schrieb er für den Mediendienst Integration das Gutachten „Migration und Jugenddelinquenz – Mythen und Zusammenhänge“: wie Medienberichte die Wahrnehmung prägen, was Hell- und Dunkelfeld über junge Migranten verraten.

Ab 2019 vertrat er strafrechtliche Lehrstühle in Göttingen und Leipzig, im Wintersemester 2021/22 einen Lehrstuhl an der Juristischen Fakultät Freiburg; laut der Einführung zu seinem Freiburger Vortrag stand er damals kurz vor dem Abschluss seiner Habilitation (ein Abschluss ist in den öffentlich zugänglichen Quellen nicht ausgewiesen). 2019 gab er das erste Heft der neu gegründeten Fachzeitschrift Kriminologie – Das Online-Journal zum Schwerpunkt Migration und Kriminalität heraus. Im Dezember 2025 führte ihn der Verfassungsblog als Vertreter der Professur für Kriminologie und Interdisziplinäre Kriminalprävention an der Deutschen Hochschule der Polizei in Münster (Verfassungsblog); die Fachgebietsseite der DHPol nennt inzwischen Gina Rosa Wollinger als Leiterin.

Er ist ein gefragter Einordner in der öffentlichen Debatte: Autor des Überblicks „Migration und Kriminalität“ im bpb-Dossier Innere Sicherheit (zuletzt aktualisiert Juli 2025), Gesprächspartner des Evangelischen Pressedienstes, Gast im Podcast des Mediendienstes Integration. Im Podcast der Uni Münster plädierte er 2024 für einen kritischeren Umgang mit Jugendstrafe: Gefängnisse seien für junge Menschen ein belastendes Umfeld, kein entwicklungsförderndes (Uni Münster Podcast, 03.03.2024).

Bücher & Publikationen

TitelJahrBeschreibung
Migration und Jugenddelinquenz. Eine Analyse anhand eines sozialstrukturellen Delinquenzmodells2014Dissertation (Waxmann). Auf Basis der Duisburger Schülerbefragungen: Wie erklären soziale Lage, Bildungswege und Wertorientierungen die Delinquenz junger Migranten?
Delinquenz im Altersverlauf (Hrsg. Boers/Reinecke)2019Sammelband zur Längsschnittstudie „Kriminalität in der modernen Stadt“; Walburg ist Mitautor, u. a. des Kapitels zur Verbreitung von Delinquenz im Altersverlauf (mit Lena Verneuer).
Migration und Jugenddelinquenz – Mythen und Zusammenhänge (Gutachten, PDF)2014Gutachten für den Mediendienst Integration: was Kriminalstatistiken zeigen und was nicht, Dunkelfeldbefunde, Anzeigeverhalten, soziale Lage.
Angekommen und zugehörig? Migration, Integration und Jugenddelinquenz2018Aufsatz in der Monatsschrift für Kriminologie und Strafrechtsreform 101 (1), S. 16–45: Zugehörigkeit und Integration als Schlüssel zur Delinquenz der zweiten Generation.
Zur Relevanz der wissenschaftlichen Beschäftigung mit ‚Migration und Kriminalität‘2019Vorwort zum ersten Heft von Kriminologie – Das Online-Journal: warum Forschung das Thema nicht meiden darf.
Migration und Kriminalität (bpb-Dossier Innere Sicherheit)akt. 07/2025Überblick der Bundeszentrale für politische Bildung: Statistik, Dunkelfeld, Fluchtmigration, Erklärungsansätze.
Wer ist „wir“? Zur neuerlichen Debatte über die Debatte über Migrantenkriminalität2025Verfassungsblog, 10.12.2025. Antwort auf den FAZ-Gastbeitrag von Elisa Hoven und Frauke Rostalski: Das Bild einer verharmlosenden Debatte halte einer nüchternen Prüfung nicht stand.

Empfehlenswerte Videos & Vorträge

Kernthesen

Politische Einordnung

Walburg ist kein Parteigänger, er argumentiert als Empiriker gegen zwei Verzerrungen zugleich. Die eine liefern nach seinen Worten AfD, Nius und Co. „täglich“: Skandalisierung, Pauschalisierung, Ethnisierung. Die andere nennt er „abwiegelnd“: Es reiche nicht, Statistiken bloß zu dekonstruieren, ein „hier gibt es nichts zu sehen“ falle hinter den Forschungsstand zurück. 2025 widersprach er im Verfassungsblog trotzdem der These, die deutsche Debatte sei von Verharmlosung geprägt. Innenminister, Polizeistatistik und Leitmedien hätten die Erfassung und Nennung von Herkunftsmerkmalen in den letzten zehn Jahren deutlich ausgeweitet; wer ein Zerrbild der Debatte zeichne, nähre die Erzählung von Rechtsaußen, „die da oben“ verschwiegen etwas (Verfassungsblog 2025). Sein Freiburger Vortrag fand auf Einladung der Humanistischen Union statt, einer bürgerrechtlichen Organisation. Die Strafbarkeit von Grenzübertritten nennt er dort „stark diskutabel“, die Kriminalisierung von Fluchthilfe sieht er als Türöffner für staatliche Zugriffe.

Verbindungen zu anderen Denkern

Cortex-Notes

Im Bestand

Christian WalburgMigration, Flucht und KriminalitätBissenBlaBlaAfD-Behauptungen zur…Aladin El-MafaalaniDenkerVitaGerald KnausDenkerVitaStephan MarksDenkerVitaHeinz BudeDenkerVitaMichel FoucaultDenkerVita

sieben gedachte Verweise

verlinktdieselbe Quelle, nie verlinkt
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