Gedankenraum
DenkerVita·16. September 2026

Thomas Laschyk — DenkerVita

Ein Literaturwissenschaftler aus Augsburg, der Fake News als Erzählkunst las und daraus eine Redaktion baute, die für die Wahrheit wirbt, parteiisch für die Demokratie.

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Saul Steinberg — Witz der Feder, eine Linie, die denkt. Der Literaturwissenschaftler am Schreibtisch zieht einen einzigen sauberen Strich: Er wird zum Megafon, das geprüfte Häkchen aussendet, und reicht hinüber in das Knäuel aus Ausrufezeichen, in das von oben Münzen fallen. Auf dem Tisch das Spendenglas — die Wahrheit wirbt mit Kleingeld gegen ein Gewirr, das mit großem Geld gefüttert wird.

Prompt (FLUX.2 Pro, fal.ai): Wide 1200x500 banner in the manner of Saul Steinberg's witty pen-and-ink drawings with sparse pale watercolor washes on cream paper. On the left a young man with short hair sits at a small plain desk and draws one single continuous ink line with a steel pen; the line rises off the page, turns into an open book, then loops into a hand-drawn megaphone that sends out a clean orderly row of small speech bubbles filled with tiny checkmarks. On the right half a huge tangled scribble cloud of chaotic lines, spirals and exclamation marks looms, fed by little coins dropping into it from above. The young man's clean line reaches toward the tangle like a thread trying to unknot it. A small pale red donation jar with a few coins stands on his desk. Playful, precise, ironic, lots of white space, no readable text, no logos, no photorealism.

Biographischer Snapshot

Wer spricht?

Thomas Laschyk (geb. 1992, Augsburg) ist Gründer, Chefredakteur und Geschäftsführer des Anti-Fake-News-Blogs Volksverpetzer, seit 2019 als gemeinnützig gegründete UG (Volksverpetzer VVP gUG, Augsburg) organisiert. Studium der Internationalen und Vergleichenden Literaturwissenschaft an der Universität Augsburg (M.A.), Masterarbeit 2018 über Storytelling in Social Media Fake News. Autor des Spiegel-Bestsellers Werbung für die Wahrheit (2024). Mitinitiator der Petition „Prüft ein AfD-Verbot!“ mit den Omas gegen Rechts (rund eine Million Unterschriften). Der Volksverpetzer finanziert sich nach eigener Auskunft vollständig aus Crowdfunding und beschäftigte 2026 sieben Vollzeitkräfte; die Gemeinnützigkeit entzog das Finanzamt Augsburg-Stadt 2024 rückwirkend ab 2021.


Biografie

Der Volksverpetzer beginnt 2014 klein und lokal: als Facebook-Seite, auf der ein Student aus Augsburg die Kommunalpolitik seiner Stadt kommentiert.

Der Wendepunkt kommt im Herbst 2015. Mit der Ankunft vieler Geflüchteter fluten Gerüchte die sozialen Netzwerke: erfundene Übergriffe, Luxus-Handys, angebliche Sonderleistungen. Laschyk richtet die Seite neu aus, auf Hetze und Falschmeldungen. 2016 und 2017 schreibt er eine Kolumne beim österreichischen Faktencheck-Portal Mimikama, seit 2018 steht der Volksverpetzer auf eigenen Beinen. Im Juni 2019 wird aus dem Hobby eine Organisation, die Volksverpetzer VVP gUG mit Laschyk als Geschäftsführer.

Parallel studiert er Literaturwissenschaft, und das prägt seinen Blick auf das Thema. In seiner Masterarbeit von 2018 liest er Fake News als Erzählungen: mit Helden, Schurken, Opfern und einer Moral, die sich besser merken lässt als jede Statistik. Aus dieser Diagnose wird das Programm des Blogs. Wer gegen gute Geschichten ankämpft, braucht selbst welche, und darf dafür zuspitzen, Emotionen zeigen, provokante Überschriften setzen. Der Volksverpetzer wird so zu einer Mischform aus Faktencheck, Kommentar und Kampagne, die bewusst nicht wie eine Nachrichtenagentur klingt.

Die Reichweite wächst mit den Krisen. In der Corona-Pandemie wird der Blog zu einer der lautesten Stimmen gegen Querdenker-Mythen; der Arzt Wolfgang Wodarg und der Anwalt Reiner Fuellmich ziehen Klagen gegen ihn zurück. Ein früher Beitrag vom Januar 2020, das Virus sei nicht gefährlicher als die Grippe, wird später offen korrigiert. 2021 sammelt der Volksverpetzer rund 740.000 Euro für die Opfer der Flutkatastrophe im Ahrtal, später Geld für Tafeln und Geflüchtete.

Ab August 2023 wird der Kurs politischer. Mit den Omas gegen Rechts startet Laschyk die Petition „Prüft ein AfD-Verbot!“, die knapp eine Million Menschen unterschreiben; die Unterschriften gehen im Januar 2024 an den Bundesrat, im Oktober 2024 an den Bundestag. Anfang 2024 erscheint sein Buch Werbung für die Wahrheit und landet auf der Spiegel-Bestsellerliste. Im selben Frühjahr folgt der härteste Schlag: Ende April 2024 entzieht das Finanzamt Augsburg-Stadt dem Volksverpetzer rückwirkend ab 2021 die Gemeinnützigkeit, weil die Arbeit nicht zu den Satzungszwecken passe und dem Journalismus zu nahe stehe. Laschyk ändert die Satzung zum 30.12.2024 (Förderung der politischen Bildung, ausdrückliche Neutralität gegenüber Parteien), der Status bleibt bis heute verloren.

Seither arbeitet die Redaktion ohne steuerliche Absetzbarkeit weiter, mit Steady-Mitgliedern, PayPal-Spenden, App und Shop. 2025 unterstützt der Volksverpetzer das AfD-Gutachten der Gesellschaft für Freiheitsrechte, 2026 verteilt er zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt Flyer mit dem Titel „Warum du wählen gehen solltest! (Und zwar nicht die AfD)“. Im Juli 2026 weist das OLG Dresden den Antrag von Verleger Holger Friedrich (Ostdeutsche Allgemeine) auf eine einstweilige Verfügung gegen den Blog zurück, wie zuvor schon das Landgericht. Im September 2026 veröffentlicht Laschyk ein Video, das die bisherige Linie zu Ende denkt: Das wirksamste Mittel gegen Fake News sei eine Vermögensteuer. Eine Forderung, die der Volksverpetzer allerdings schon seit 2019 vertritt.


Bücher & Publikationen


Empfehlenswerte Videos & Vorträge


Kernthesen

  1. Fake News gewinnen als Geschichten. Eine Falschmeldung überzeugt durch Figuren, Empörung und Moral, selten durch ihre Belege. Ein nüchterner Faktencheck, der nur „falsch“ sagt, erreicht deshalb kaum jemanden. „Desinformation gewinnt nicht, weil sie besser ist, sondern weil sie gutes, emotionales Marketing und Story Telling nutzt.“
  2. Die Wahrheit braucht Werbung. Wer aufklären will, muss die Werkzeuge der Gegenseite nutzen: Zuspitzung, Emotion, Satire, klare Wertungen. Laschyk beruft sich auf Forschung, nach der Faktenchecks mit Erzählung und Einordnung wirksamer sind als neutrale.
  3. Neutralität kann selbst verzerren. Wenn eine Seite des politischen Spektrums den Großteil der Falschbehauptungen verbreitet, wäre es irreführend, das zu verschweigen. Der Volksverpetzer versteht sich als überparteilich gegenüber Parteien und parteiisch zugunsten der Demokratie.
  4. Reichweite ist käuflich. Plattform-Algorithmen belohnen Empörung, Plattformbesitzer greifen ein, Milliardäre kaufen oder finanzieren Medien. Medienkompetenz und Faktenchecks behandeln Symptome, solange die Verteilung der Aufmerksamkeit dem Geld folgt.
  5. Deshalb ist Steuerpolitik auch Medienpolitik. Vermögen- und Erbschaftsteuer sowie geschlossene Schlupflöcher würden die Summen begrenzen, mit denen einzelne Superreiche den öffentlichen Diskurs formen können. Laschyk hält diese Zuspitzung für ernster gemeint, als sie klingt.

Politische Einordnung

Laschyk macht aus seiner Haltung kein Geheimnis. Der Volksverpetzer ist offen aktivistisch gegen die AfD und gegen das, was er rechte Medienmacht nennt (Springer, NIUS, die Blätter Holger Friedrichs), und bewegt sich inhaltlich im linksliberalen Raum: Vermögensteuer, Schutz von Geflüchteten vor Hetze, AfD-Verbotsprüfung. Telepolis verortete die Linie „zwischen SPD und Grünen“. Mitglied der internationalen Faktenchecker-Netzwerke IFCN oder EFCSN ist der Volksverpetzer nicht, und er beansprucht auch nicht, nach deren Neutralitätsregeln zu arbeiten.

Die Verdienste sind handfest. Der Blog hat über Jahre Falschmeldungen dokumentiert, die sonst niemand aufgegriffen hätte, etwa die erfundene NIUS-Geschichte vom „Ramadan-Luxusbuffet“ oder die Karriere des BILD-Worts „Heizungshammer“. Er hat Rechtsstreite gegen Corona-Leugner und zuletzt gegen einen Verleger gewonnen, Hunderttausende Euro für Flutopfer gesammelt und mit der Verbotspetition eine Debatte mitgeprägt, die später Juristen der GFF mit einem Gutachten unterfütterten. Fehler wie die frühe Corona-Einschätzung hat Laschyk öffentlich korrigiert.

Die Schwächen folgen aus derselben Methode. Wer Wahrheit bewirbt, gerät in Versuchung, Kausalitäten stärker zu behaupten, als die Belege tragen. Die NZZ (Scherrer, 01/2025) hielt dem Blog den Fall eines 2020 in Bayonne getöteten Busfahrers vor, den der Volksverpetzer unter der Überschrift „Anti-Masken-Propaganda tötet“ verbuchte, obwohl das Masken-Motiv nach Darstellung der NZZ nicht haltbar war. Telepolis (Nowak, 02/2024) beschrieb ihn als „Diskurswächter“. Hinzu kommen selektive Evidenz in Kampagnentexten und eine Spendenansprache, die Dringlichkeit oft mit Bedrohung verbindet. Bei der Finanzierung nennt der Blog Großspender ab 5.000 Euro namentlich, veröffentlicht aber keine Gesamteinnahmen, was bei einem Medium, das Transparenz von anderen fordert, auffällt. Von rechts (Achgut, NIUS) kommt dagegen Polemik, die zwischen berechtigter Methodenkritik und dem Versuch schwankt, einen unbequemen Gegner pauschal zu delegitimieren; staatliche Förderung erhält der Volksverpetzer nach eigener Auskunft nicht.

Wer seine Texte liest, liest also beides: sorgfältig recherchierte Belege und einen Autor, der mit ihnen etwas erreichen will. Laschyk würde das nicht bestreiten; es ist sein Programm.


Verbindungen zu anderen Denkern


Cortex-Notes

Im Bestand

Vermögenssteuer gegen Fake…Mats SchoenauerDenkerVitaRenée DiRestaDenkerVitaMartin OettingDenkerVitaLeonhard DobuschDenkerVitaDer Heizungshammerwie ein erfundenes Wort ein…Lars WienandDenkerVita

sieben gedachte Verweise

verlinktdieselbe Quelle, nie verlinkt
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