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Gedankenraum
Zeitgeist·16. September 2026·0:35 h·20 Belegstellen

Vermögenssteuer gegen Fake News

Reichweite hat einen Preis, und ihn zahlen wenige: Thomas Laschyk führt Desinformation auf große Vermögen zurück — mit gut belegtem Kern und kuratierten Belegen.

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Künstlerhand: John Heartfield — politische Fotomontage der 1930er, Schwarz-Weiß mit einem roten Akzent, Maßstab als Argument.

Warum: Laschyks letzter Satz — „Wenn sie Millionäre hinter sich haben, brauchen wir Millionen hinter uns“ — ist ein ferner Nachhall von Heartfields berühmter Montage „Millionen stehen hinter mir“ (1932), die zeigte, wessen Geld hinter einer Stimme steht. Das Bild übersetzt die Staudamm-Metapher des Videos: Ein Arm im Nadelstreifen füttert den Lautsprecher mit Geld, die Flut aus Zeitungsfetzen und Displays überschwemmt die Stadt, und ein einzelner Mann wischt mit einem roten Schwamm.

Prompt: Wide 1200x500 banner in the manner of John Heartfield's 1930s political photomontage: stark black-and-white newsprint photographs cut and pasted, high contrast, grainy halftone, with a single bold red accent. On the left an enormous arm in a pinstripe suit sleeve and a gold cufflink reaches down from the top edge and pours a thick waterfall of banknotes and coins into the funnel of a giant old brass loudspeaker horn mounted on a steel mast. From the mouth of the horn a roaring flood of torn newspaper strips and shattered smartphone screens surges across a small grey town of rooftops. On the right, very small, a single man in shirtsleeves kneels in the rising flood trying to soak it up with one ordinary kitchen sponge, rendered in red. Behind him a concrete dam is cracking open. Collage edges visible, dramatic scale contrast, sober and biting, no text, no letters, no logos, no recognizable real faces.

Worum es geht

Reichweite hat einen Preis, und ihn zahlen wenige. Thomas Laschyk, Gründer des Faktencheck-Blogs Volksverpetzer, verfolgt die Desinformation im Netz zurück zu ihrem Geld: zu Algorithmen, die Empörung belohnen, zu gekaufter Werbung, bezahlten Influencern, zu Verlegern und Plattformbesitzern mit politischer Agenda — und zu einem Steuersystem, das die größten Vermögen schont. Seine Folgerung klingt wie Clickbait und ist halb ernst gemeint: Eine gerechte Besteuerung der Superreichen wäre wirksamer als der nächste Faktencheck. Der Kern, dass Geld Reichweite kauft, ist dicht belegt. Der Faktencheck zeigt aber auch, wie ein Aktivist, der von seiner These lebt, die Belege dafür auswählt.

Quelle: Das effektivste Mittel gegen Fake News wäre eine Vermögenssteuer — Volksverpetzer, veröffentlicht 16.09.2026

Wer spricht?

Thomas Laschyk (geb. 1992, Augsburg) — Gründer, Chefredakteur und Geschäftsführer des Volksverpetzer. Studierte Literaturwissenschaft in Augsburg und schrieb seine Masterarbeit über Storytelling in Fake News. Volksverpetzer begann 2014 als Facebook-Blog, ist seit 2019 eine gUG und beschäftigt heute rund 7 Vollzeitkräfte. Buch: Werbung für die Wahrheit (2024, Spiegel-Bestseller).

Interessenlage: Volksverpetzer finanziert sich nach eigener Aussage fast vollständig über Spenden und Abos einer Community, lehnt Staats- und Werbegeld ab, legt aber keine Gesamtzahlen offen. 2024 entzog das Finanzamt die Gemeinnützigkeit rückwirkend ab 2021; sie ist bis heute nicht zurück. Das Selbstverständnis ist offen parteiisch („Wir sind nicht neutral“), mit eigenen Kampagnen gegen die AfD (Petition „Prüft ein AfD-Verbot!“). Die Forderung nach einer Vermögenssteuer vertritt der Blog seit mindestens 2019. Das Video endet mit einem Spendenaufruf, und Laschyk ist mit NIUS, Welt und der Ostdeutschen Allgemeinen selbst im Streit.

→ DenkerVita


Ein Titel als Köder

0:00 — Das Video beginnt mit einer Aufzählung, die abbricht. Medienkompetenz, Faktenchecks, guter Journalismus: Das alles wäre die Lösung gegen Desinformation, sagt Laschyk, und das alles bleibt wirkungslos, wenn es niemand zu Gesicht bekommt. Dann der Satz, auf den das Video hinausläuft:

„Das ist ein Video über die unbequemste Wahrheit im Kampf gegen Desinformation. Es geht ums Geld.“ 0:00

Im Gespräch — 0:00

Laschyk weiß, wie sein Titel wirkt, und sagt es selbst: Man werde ihn für „Volksverpetzer-Clickbait“ halten. Die Überspitzung ist Methode, und er legt sie offen. Seit seinem Buch Werbung für die Wahrheit vertritt er die These, dass nüchterne Fakten im Wettbewerb der Aufmerksamkeit gegen aufregende Lügen verlieren. Also arbeitet Volksverpetzer mit Emotion, Satire und provokanten Überschriften. Er beruft sich auf ein aktuelles Paper, nach dem Faktenchecks mit Geschichten und Wertungen dreimal wirksamer seien, und zieht daraus den Satz, der sein Haus beschreibt:

„Darum machen wir keine neutralen Faktenchecks.“ 3:04

Im Gespräch — 3:04

Das ist ehrlich, und es verändert, wie man den Rest hört. Wer Belege in eine Geschichte gießt, wählt aus, welche Belege in die Geschichte passen. Die Stärke dieser Methode ist zugleich ihr Risiko, und das Video wird beides zeigen.

Die Lüge läuft schneller

3:49 — Der erste Baustein ist alt und solide. Laschyk zitiert die MIT-Studie aus Science von 2018: 126.000 Geschichten, zwölf Jahre Twitter, Falschmeldungen wurden mit 70 Prozent höherer Wahrscheinlichkeit weiterverbreitet, wahre Nachrichten brauchten sechsmal so lange, um dieselbe Zahl von Menschen zu erreichen. Und es waren Menschen, nicht Bots, die der Lüge den Vorsprung verschafften, weil sie überraschender, empörender und neuer klingt.

„Die Lüge hat einen eingebauten Geschwindigkeitsvorteil.“ 4:35

Hören — 4:35

Damit ist das Spielfeld beschrieben, bevor jemand eingreift. Laschyk erzählt dann, wie die Gegenmaßnahmen der vergangenen Jahre wieder zurückgenommen wurden: Trump ist zurück auf den Plattformen, Meta hat sein Faktencheck-Programm in den USA eingestellt. Seine Diagnose lautet, die Plattformen hätten den Vorteil der Lüge nicht gebremst, sondern verstärkt.

Hier liegt die erste Weiche des Videos. Aus der Beobachtung, dass Empörung schneller läuft, wird im nächsten Schritt die Behauptung, dass eine politische Richtung schneller läuft. Beides kann zugleich stimmen. Es sind aber zwei Aussagen, und die Forschung trägt die erste deutlich besser als die zweite.

Der Feed ist nicht neutral

5:20 — Der steilste Satz des Videos fällt früh und wird sofort halb zurückgenommen:

„Fake News und rechte Posts sind das Gleiche. Ja, nicht ganz …“ 5:20

Im Gespräch — 5:20

Was folgt, ist eine Reihe von Studien. Eine Auswertung von 32 Millionen Tweets von über 8.000 Abgeordneten aus 26 Ländern zeigt, dass radikal rechtspopulistische Parteien mit Abstand am meisten Falschinformationen verbreiten. Das ist gut belegt. Eine interne Twitter-Studie von 2021 fand, dass der Algorithmus in sechs von sieben Ländern rechte Parteien stärker verstärkte (Faktencheck: vereinfacht). Eine neue Nature-Studie belegt eine Verschiebung nach rechts auf X. Und für die Bundestagswahl 2025 zitiert er das Experiment der Uni Potsdam mit der Bertelsmann Stiftung: Die AfD stellte 21 Prozent der Parteivideos, wurde aber in 37 Prozent der Empfehlungen ausgespielt (Faktencheck: vereinfacht).

Laschyk räumt ein, dass dahinter keine politische Absicht stehen muss. Die AfD ist auf den Plattformen am aktivsten, 73 Prozent ihrer Kurzvideos im Wahlkampf waren Angriffe auf Gegner, und ein Algorithmus, der Empörung belohnt, belohnt den Skrupellosesten. Dann kommt der Satz, mit dem er sein eigenes Lager beschreibt:

„Wer aufklärt, kämpft nicht auf neutralem Boden.“ 10:39

Im Gespräch — 10:39

Die Argumentation ist sorgfältiger als ihr Einstieg, aber die Auswahl kippt. Dieselbe Potsdamer Studie fand, dass die Linke ihren Anteil fast verdreifachte, relativ also noch stärker verstärkt wurde als die AfD; ihr Fazit lautet „die Ränder“, nicht „rechts“. Und das eine Land, in dem die Twitter-Studie keine Rechtsverstärkung fand, war ausgerechnet Deutschland. Beide Details hätten aus dem Rechtsdrall einen Randdrall gemacht, und für die These „austauschbar fast“ braucht Laschyk den Rechtsdrall.

Weitergedacht

Wenn Algorithmen vor allem die Ränder belohnen — wäre das Problem dann kleiner, weil es beide Seiten trifft, oder größer, weil es kein politisches Gegenmittel gibt?

Reichweite hat einen Preis

11:47 — Der stärkste Teil des Videos ist eine Treppe mit vier Stufen. Auf der ersten steht die Werbung. Das Portal NIUS hat laut Correctiv seit 2023 mindestens 1,4 Millionen Euro in politische Anzeigen bei Google und Meta gesteckt. Im Wahlkampf 2025 fand Correctiv 141 Anzeigen mit Falschinformation und Hetze, manche für weniger als 100 Euro in Hunderttausende Feeds gekauft. Die russische Doppelgänger-Kampagne erreichte über bezahlte Meta-Anzeigen Dutzende Millionen Nutzer, obwohl die Agentur dahinter längst sanktioniert war.

Auf die erste Stufe setzt Laschyk eine zweite, stillere: Das Geld fließt auch ohne Absicht. Eine Nature-Studie zeigt, dass drei Viertel aller Desinformationsseiten von Werbung leben und Firmen mit automatisierter Anzeigenschaltung rund zehnmal häufiger dort landen — meist, ohne es zu wissen.

Die dritte Stufe sind bezahlte Influencer. Das US-Justizministerium klagte 2024 zwei Mitarbeiter des russischen Staatssenders RT an, die knapp zehn Millionen Dollar verdeckt in die Firma Tenet Media geschleust haben sollen, die damit rechte US-Influencer bezahlte. Die vierte Stufe ist die Plattform selbst, die Musk für 44 Milliarden Dollar kaufte und deren blauen Haken man seither kaufen kann.

13:42 — Eine Pointe gehört dazu: Seit Oktober 2025 nehmen Meta und Google wegen der EU-Transparenzverordnung überhaupt keine politische Werbung mehr an. Getroffen hat das Verbot laut Laschyk diejenigen, die sich an Regeln hielten — Parteien und NGOs mit Impressum —, während verdeckte Propaganda nie als Werbung gekennzeichnet war. Der Einwand verdient Gehör. Die Brücke von Tenet Media zur AfD, die er nebenbei schlägt, trägt dagegen nicht (Faktencheck: vereinfacht).

Wem die Zeitung gehört

15:58 — Die klassischen Medien bekommen ein eigenes Kapitel. Jeff Bezos stoppte elf Tage vor der US-Wahl 2024 die geplante Wahlempfehlung der Washington Post für Kamala Harris und legte wenige Monate später fest, dass das Meinungsressort nur noch persönliche Freiheiten und freie Märkte verteidigen solle. Der Ressortleiter trat zurück.

In Deutschland, sagt Laschyk, müsse man Medienmacht nicht einmal kaufen:

„Man kann sie auch einfach geschenkt bekommen.“ 16:43

Im Gespräch — 16:43

Gemeint ist Mathias Döpfner. Friede Springer schenkte ihm 2020 rund 15 Prozent der Anteile, er kaufte 4,1 Prozent dazu und erhielt die Stimmrechte ihres übrigen Pakets. Seither kontrolliert ein einzelner Mann mehr als 44 Prozent der Stimmrechte am Konzern hinter Bild und Welt. Dazu kommen Holger Friedrich, der die Berliner Zeitung kaufte und die Ostdeutsche Allgemeine gründete, und der Unternehmer Frank Gotthardt, der NIUS mit mehr als 20 Millionen Euro Kapitalrücklage ausstattete.

Das Muster, das Laschyk daraus zieht, ist einfach: Am Anfang steht fast überall ein großes Vermögen und ein Besitzer mit Agenda. Es fällt auf, wie belastbar gerade dieser Teil ist — Schenkung, Stimmrechte, Rücklagen sind dokumentiert. Die Etiketten, die er darüberlegt („Fake-News-Schleudern“, Döpfners „rechtsradikale Einstellungen“), sind seine Wertung. Man kann sie teilen oder nicht; der Befund steht auch ohne sie. Beim Streit mit der Ostdeutschen Allgemeinen ist er selbst Partei, und die Gerichte gaben ihm bisher recht.

Aufklärung mit dem Spendenkonto

19:08 — Gegen diese Finanzkraft, sagt Laschyk, trete Aufklärung mit Spendenkonten, Projektanträgen und Crowdfunding an. Und sie werde übertroffen und obendrein gezielt angegriffen. Er nennt das einen Doppelschlag. Seriöser Journalismus steht hinter Paywalls, während Fake News gratis sind, weil das Geld von woanders kommt.

Dazu ein Detail aus dem deutschen Steuerrecht, das mehr erzählt als jede Grafik:

„Modellbau und Amateurfunk stehen in der Abgabenordnung, aber Journalismus nicht.“ 19:54

Hören — 19:54

Gemeinwohlorientierte Redaktionen arbeiten deshalb in einer Grauzone, und Volksverpetzer hat seine Gemeinnützigkeit verloren. Die Kleine Anfrage der Union mit 551 Fragen zu 17 Organisationen vor der Bundestagswahl, der Mythos vom „NGO-Komplex“, teure Rechtsstreits mit Verlagen, die „viel tiefere Taschen“ haben: All das gehört für ihn zum selben Angriff. Die AfD will den öffentlich-rechtlichen Rundfunk auf einen „Grundfunk“ zurückschneiden.

Dieser Abschnitt ist der persönlichste des Videos, und hier spricht Laschyk am deutlichsten in eigener Sache. Die fehlende Gemeinnützigkeit für Journalismus ist ein echtes Problem, das auch Correctiv und netzpolitik.org beklagen. Dass die Union-Anfrage „komplett als Geraune widerlegt“ worden sei, ist dagegen eine Zuspitzung (Faktencheck: vereinfacht). Sein Schluss verdient trotzdem Aufmerksamkeit: Eine Öffentlichkeit, in der Reichweite nur hat, wer sie bezahlen kann, ersetzt Argumente durch Geld.

Weitergedacht

Laschyk beklagt, dass spendenfinanzierte Aufklärung ausgehungert wird, und bittet am Ende um Spenden. Schwächt das sein Argument — oder ist es genau der Beweis, den er führt?

Der Kreislauf

22:56 — Nun schließt Laschyk den Kreis von der Meinung zurück zum Geld. Döpfner schrieb laut den von der Zeit veröffentlichten Chats vor der Bundestagswahl 2021 an seinen Chefredakteur Julian Reichelt, man solle die FDP stärken. Am selben Abend erschien auf bild.de ein Artikel, der Christian Lindner zum Kanzlermacher erklärte. Das Aktienpaket im Wert von rund einer Milliarde Euro, das Döpfner geschenkt bekommen hatte, blieb über Poolverträge und eine Verschonungsbedarfsprüfung weitgehend steuerfrei — ein Verleger, dessen Blätter für eine Partei trommelten, die solche Schlupflöcher nicht schließen wollte.

24:27 — Das zweite Beispiel ist Gotthardt. Seine CompuGroup Medical steigerte in der Amtszeit von Jens Spahn Umsatz und Gewinn um rund 75 Prozent; das Unternehmen bestreitet einen Zusammenhang, und Laschyk sagt das fair dazu. Gotthardt und seine Frau spendeten 2025 rund 380.000 Euro an CDU und FDP. Transparency International sah darin eine problematische Dreiecksbeziehung und forderte einen Untersuchungsausschuss. Laschyk verdichtet es zu einer Formel:

„Vermögen kauft Reichweite. Reichweite macht Politik. Politik schützt und vermehrt Vermögen und verteilt von unten nach oben.“ 25:13

Im Gespräch — 25:13

Der Satz ist gut gebaut, und er beschreibt einen realen Mechanismus. Einen direkten finanziellen Rückfluss kann Laschyk aber in keinem Fall nachweisen, und er räumt das ein. Die Formel ist eine Hypothese über Anreize, kein Nachweis von Käuflichkeit. Dass die CEOs der großen KI- und Techkonzerne inzwischen mit den G7-Regierungschefs am Tisch sitzen, ohne gewählt zu sein, fügt sich in das Bild. Es ist aber eher eine Frage der Konzernmacht als der Steuer.

Steuerkrater

26:43 — Im letzten Drittel wechselt das Video von der Medienanalyse zur Steuerpolitik. Laut Oxfam stieg das Vermögen der deutschen Milliardäre im vergangenen Jahr inflationsbereinigt um 30 Prozent auf 840 Milliarden Dollar. Das Netzwerk Steuergerechtigkeit rechnet vor, dass der effektive Steuersatz typischer Milliardenvermögen seit 1996 drastisch gesunken ist (Faktencheck: vereinfacht). Zugleich kamen die Reallöhne kaum vom Fleck: Erst 2025 erreichten sie wieder das Niveau von 2019. Laschyk stellt dem ein Plus der deutschen Milliardenvermögen von 81 Prozent gegenüber (Faktencheck: falsch — das ist die weltweite Zahl).

29:47 — Stärker ist sein Material zur Erbschaftsteuer. Bei den größten Erbschaften und Schenkungen setzten die Finanzämter zunächst 2,13 Milliarden Euro fest und erließen dann 99,7 Prozent wegen „Verschonungsbedarf“ der Erben. Die Verschonungsregeln für Betriebsvermögen sind mit rund acht Milliarden Euro jährlich die größte Steuersubvention des Landes. Wer normal erbt, zahlt prozentual mehr als jemand, der 100 Millionen geschenkt bekommt. Das Bundesverfassungsgericht verhandelt die Regelung im Oktober 2026 erneut.

Dann die Rechnungen: Gabriel Zucman schätzt für die G20, dass Milliardäre effektiv 0,3 Prozent ihres Vermögens an Steuern zahlen; eine globale Mindeststeuer von 2 Prozent brächte 200 bis 250 Milliarden Dollar. Für Deutschland nennt Laschyk 42 Milliarden Euro aus einer Vermögenssteuer von einem Prozent laut DIW (Faktencheck: vereinfacht).

Hier trägt die Erbschaftsteuer das Argument besser als die neue Vermögenssteuer, und Laschyk sieht das selbst: Man müsse keine neuen Steuern erfinden, es reiche, die bestehenden anzuwenden. Die Zahlen zur Vermögenssteuer wählt er dagegen jeweils in ihrer dramatischsten Variante.

Ein Schwamm gegen die Flut

32:05 — Am Ende nimmt Laschyk den Titel weitgehend selbst zurück. Eine Vermögenssteuer von einem Prozent hindere keinen Musk daran, eine Plattform zu kaufen, und kein Gotthardt müsse deshalb NIUS schließen. Es gehe nicht um eine einzelne Steuer, sondern um ein System, das nicht mehr funktioniere.

„Ich bin kein Steuerexperte, ich bin nur ein Dude, der sich mit Fake News auskennt.“ 32:05

Im Gespräch — 32:05

Was von der These übrig bleibt, ist eine lange, indirekte Kette. Mit dem Geld ließen sich gemeinnütziger Journalismus, verlässliche Förderung von Demokratieprojekten, Medienbildung und ein Sozialstaat finanzieren, der Menschen Sicherheit gibt. Wenn Rentner keine Flaschen mehr sammeln müssten, wären sie vielleicht weniger anfällig für Fake News über angeblich luxuriös lebende Geflüchtete. Für diese Kette zeigt das Video keinen Beleg; die Forschung zu Ungleichheit und Rechtspopulismus stützt sie nur unter Bedingungen (→ Faktencheck). Das stärkste Bild hebt er sich für den Schluss auf:

„Wer Fake News bekämpfen will, ohne über diese Probleme zu reden, versucht eine Flut mit einem Schwamm aufzuwischen, während nebenan jemand mit Milliarden in der Tasche einen Staudamm sprengt.“ 34:23

Hören — 34:23

35:09 — Unmittelbar danach folgt der Spendenaufruf: „Wenn sie Millionäre hinter sich haben, brauchen wir Millionen hinter uns.“ Das Video ist damit zugleich Analyse und Fundraising, und beides lässt sich nicht trennen. Laschyk fälscht keine Tatsachen. Er stellt Belege zu einer Geschichte zusammen, von der sein eigenes Haus lebt, und die Lücken liegen fast alle auf derselben Seite. Das Video führt damit seine eigene These vor: Wer um Reichweite kämpft, erzählt die Geschichte, die trägt.

Weitergedacht

Laschyks Methode — Fakten in Geschichten mit Wertung gießen — ist dieselbe, die er den Fake News zuschreibt, nur mit belegten Fakten. Wo verläuft die Grenze zwischen „Werbung für die Wahrheit“ und einer Auswahl, die die Wahrheit schon verbiegt?


Faktencheck

Zur Einordnung

Von 24 geprüften Behauptungen halten die meisten. Laschyk erfindet fast nichts. Die Verzerrungen liegen in Weglassungen, und sie zeigen fast immer in dieselbe Richtung: vom Befund „Algorithmen belohnen die Ränder und das Engagement“ hin zu „Algorithmen belohnen rechts“, und bei den Steuerzahlen hin zur dramatischeren Variante. Harmlose Versprecher (Euro statt Dollar, zwei statt vier Länder) sind nicht aufgeführt.

Falsch — „Die deutschen Milliardenvermögen legten um 81 % zu“

Die 81 Prozent seit März 2020 sind laut Oxfam die weltweite Zahl. Eine Minute vorher ordnet Laschyk sie noch richtig zu; an dieser Stelle steht sie als deutsche Zahl direkt neben den deutschen Reallöhnen, wo sie den stärksten Kontrast erzeugt. Für Deutschland nennt Oxfam ein reales Plus von 30 Prozent im letzten Jahr (in US-Dollar gerechnet, was durch den starken Euro 2025 zusätzlich aufbläht). Quelle: Oxfam — Pressemitteilung 19.01.2026

Vereinfacht — AfD „fast doppelt so oft empfohlen“ (Uni Potsdam / Bertelsmann)

Die Zahlen stimmen: 21,5 Prozent der Parteivideos, 37,4 Prozent der Empfehlungen. Laschyk verschweigt, dass Die Linke noch stärker verstärkt wurde (von 9,7 auf 27,6 Prozent, fast verdreifacht). Das Fazit der Studie lautet: Parteien an den Rändern profitieren. Die X-Zahlen (37,9 Prozent AfD gegen 1 Prozent SPD) stammen aus einem nicht begutachteten arXiv-Preprint, dessen Modell nach eigener Angabe nur 7 Prozent der Unterschiede erklärt. Quellen: Bertelsmann Stiftung — Algorithmen im Wahlkampf · arXiv 2503.02888

Vereinfacht — Twitter-Studie: Rechte Parteien in 6 von 7 Ländern verstärkt

Die Zahl stimmt (Huszár et al., PNAS 2022). Das Land ohne Rechtsverstärkung war Deutschland. Und die Studie fand ausdrücklich keine stärkere Verstärkung für Parteien am äußersten linken oder rechten Rand; AfD und Linke wurden eher schwächer verstärkt als Parteien der Mitte. Als Beleg für eine Bevorzugung Rechtsextremer taugt die Studie damit nicht. Quelle: Huszár et al. 2022, doi:10.1073/pnas.2025334119 (begutachtete Einzelstudie mit Plattformdaten)

Vereinfacht — „77 % der Fake News der US-Wahl 2020 von Rechten produziert“

Die Zahl 77 Prozent ließ sich nicht auffinden. Die naheliegende Studie (González-Bailón et al., Science 2023) misst, wer Inhalte sieht, nicht wer sie produziert: 97 Prozent der als falsch eingestuften Links wurden überwiegend von Konservativen gesehen. Der Kern stimmt also, teils sogar stärker. Eine Parallelstudie desselben Projekts (Guess et al. 2023) zeigt aber, dass der chronologische Feed mehr unzuverlässige Inhalte brachte — Facebooks Algorithmus dämpfte sie 2020 eher. Für 2024 nennt Laschyk keine Studie. Quellen: González-Bailón et al. 2023, doi:10.1126/science.ade7138 · Guess et al. 2023, doi:10.1126/science.abp9364

Vereinfacht — DIW: 1 % Vermögenssteuer bringt ~42 Mrd. €, „selbst mit Ausweichen zweistellig“

Die Studie entstand laut Sherlock-Recherche im Auftrag der Linken-Bundestagsfraktion und der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Die 42 Milliarden sind der statische Wert vor Ausweichreaktionen. Die Studie selbst rechnet bei hoher Elastizität mit Einbußen von bis zu 60 Prozent (80 Prozent inklusive Ausfällen bei anderen Steuern); dann bliebe ein einstelliger Milliardenbetrag. Sie warnt zudem vor Investitions- und Standortschäden und empfiehlt eine schrittweise, international abgestimmte Einführung. Quelle: DIW Politikberatung kompakt 211

Vereinfacht — Effektiver Steuersatz auf Milliardenvermögen „von 69 auf 25 %“

Das aktuelle Jahrbuch 2026 des Netzwerks Steuergerechtigkeit nennt rund 60 auf 29 Prozent; die 25 Prozent gelten für ein Einzelbeispiel (BMW-Vermögen). Es sind Modellrechnungen einer Organisation, die für höhere Vermögensbesteuerung eintritt. Und 1996 war das letzte Jahr mit Vermögenssteuer — der Rückgang misst also teilweise genau deren Aussetzung. Der NBER-Befund für die USA (die 400 Reichsten zahlen rund 24 Prozent, weniger als der Bevölkerungsschnitt) ist korrekt wiedergegeben, samt Laschyks Hinweis auf Kritik an der Schätzung. Quellen: Netzwerk Steuergerechtigkeit — Jahrbuch 2026 · NBER Working Paper w34170

Vereinfacht — Tenet Media und die AfD

Die Anklage ist belegt: knapp 10 Millionen Dollar von RT, 400.000 Dollar monatlich für einen Influencer (für vier Videos pro Woche). Tenet Media war aber ein US-Projekt; direkte Verbindungen zur AfD ließen sich nicht finden. Belegt sind solche Verbindungen für das Portal Voice of Europe (Bystron, Krah), einen anderen Fall. Quelle: CBS News — Russia, Tenet Media and right-wing influencers

Vereinfacht — Die 551 Fragen der Union „komplett als Geraune widerlegt“

Die Zahlen stimmen (551 Fragen zu 17 Organisationen). Geantwortet hat die scheidende rot-grüne Bundesregierung, überwiegend mit „keine Erkenntnisse“ — das ist keine Widerlegung, und zur Gemeinnützigkeit einzelner Organisationen darf sie wegen des Steuergeheimnisses ohnehin nichts sagen. Laschyk gehört zum betroffenen Lager. Quelle: Tagesspiegel — Bundesregierung sieht keine Schattenstruktur

Vereinfacht — Erbschaftsteuer „2024 gerade mal 13 Milliarden“

Für 2024 korrekt (13,3 Milliarden Euro). Einen Monat vor dem Video meldete Destatis für 2025 einen Rekord von 21,4 Milliarden Euro. Die rund 400 Milliarden Euro jährlicher Erbschaften und Schenkungen sind eine Schätzung; steuerlich erfasst wurden 2025 rund 141 Milliarden. Bayerns Verzicht (2,37 Milliarden Euro) stimmt. Quellen: Destatis — Pressemitteilung 08/2026 · Abendzeitung München — Bayerns Kulanz bei der Schenkungsteuer

Bestätigt — MIT-Studie: Falschmeldungen verbreiten sich schneller

Vosoughi, Roy und Aral (Science 2018): rund 126.000 Kaskaden, 2006–2017, Falschmeldungen mit 70 Prozent höherer Wahrscheinlichkeit retweetet, Wahres braucht etwa sechsmal so lange. Einschränkung: Laut Studie verbreiten Bots Wahres und Falsches gleich stark; eine Nachanalyse (Juul & Ugander 2021) erklärt die strukturellen Unterschiede weitgehend mit der größeren Reichweite der Falsch-Kaskaden. Quellen: Vosoughi et al. 2018, doi:10.1126/science.aap9559 · Juul & Ugander 2021, doi:10.1073/pnas.2100786118

Bestätigt — Radikal rechtspopulistische Parteien verbreiten am meisten Falschinformation

Törnberg und Chueri (2025): 32 Millionen Tweets, über 8.000 Abgeordnete, 26 Länder. Wichtig für Laschyks „austauschbar fast“: Rechte Politik allgemein und Populismus allgemein hängen laut Studie nicht mit Desinformation zusammen — nur der radikale Rechtspopulismus. Quelle: Törnberg & Chueri 2025, doi:10.1177/19401612241311886 (begutachtete Einzelstudie)

Bestätigt — Der Algorithmus von X verschiebt nach rechts

Gauthier et al. (Nature 2026), Feldexperiment in den USA 2023: Konservative Posts erscheinen deutlich häufiger, Beiträge von Nachrichtenmedien 58 Prozent seltener; die politische Haltung der Nutzer verschob sich nach rechts. Quelle: Nature — s41586-026-10098-2

Bestätigt — Grok empfiehlt die AfD (DIW)

Die Kurzstudie stammt tatsächlich vom DIW (DIW aktuell Nr. 120, 18.06.2026, Marcel Fratzscher). Einschränkung: nicht begutachtet, ein einziges Prompt-Design, „ausgewogen“ gemessen an der Nähe zum Ökonomen-Konsens. Quelle: DIW aktuell 120

Bestätigt — NIUS-Werbung, irreführende Wahlkampfanzeigen, Doppelgänger

Correctiv: mindestens 1,4 Millionen Euro politische Werbung von NIUS; 141 irreführende Anzeigen im Wahlkampf 2025 (105 davon von der AfD, aber auch FDP und BSW). Die Doppelgänger-Kampagne erreichte laut AI Forensics rund 38 Millionen Nutzer — in vier Ländern (Frankreich, Deutschland, Italien, Polen), nicht nur in zwei. Quellen: Correctiv — Irreführende Werbeanzeigen · AI Forensics — Meta political ads

Bestätigt — Drei Viertel der Desinformationsseiten leben von Werbung

Ahmad et al. (Nature 2024): 74,5 Prozent, Firmen mit automatisierter Werbung rund zehnmal häufiger auf solchen Seiten. Zum Vergleich: Auch 89 Prozent aller Nachrichtenseiten leben von Werbung. Die Paywall-These stützt die Studie (nur 3 Prozent der Desinformationsseiten haben eine). Quelle: doi:10.1038/s41586-024-07404-1

Bestätigt — Döpfners Aktiengeschenk und der FDP-Chat

Schenkung von rund 15 Prozent (2020), Zukauf von 4,1 Prozent, über 44 Prozent der Stimmrechte; Poolvertrag und Verschonungsbedarfsprüfung sind berichtet. Die „halbe Milliarde“ ist die theoretische Steuer auf rund eine Milliarde Euro; der tatsächliche Erlass unterliegt dem Steuergeheimnis. Chat („please stärke die FDP“) und Bild-Artikel am selben Abend sind durch die Zeit-Recherche belegt. „Rechtsradikale Einstellungen“ ist Laschyks Wertung. Quellen: ver.di M — Döpfners Steuercoup · DWDL — Die Weltsicht des Springer-Chefs

Bestätigt — Gotthardt, NIUS und CompuGroup Medical

20 Millionen Euro Kapitalrücklage bei NIUS (Bilanz 2023); CGM-Umsatz +76 Prozent, EBITDA +75 Prozent in Spahns Amtszeit (CGM bestreitet einen Zusammenhang); Spenden 2025: 180.020 Euro an die CDU, 200.000 Euro an die FDP; Transparency International forderte einen Untersuchungsausschuss. Quellen: Correctiv — Der Profiteur von Spahns Politik · Transparency International Deutschland

Bestätigt — Bezos und die Washington Post

Stopp der Harris-Wahlempfehlung am 25.10.2024; Vorgabe für das Meinungsressort („personal liberties and free markets“), Rücktritt von David Shipley. Amazons Million waren Dollar und gingen im Dezember 2024 an Trumps Inaugurationsfonds. Quellen: NBC News · Variety

Bestätigt — Milliardenerlasse bei der Erbschaft- und Schenkungsteuer

2,13 Milliarden Euro festgesetzt, 99,7 Prozent erlassen (Bezugsjahr 2023; 2025 waren es 34 Fälle mit 3,7 Milliarden Euro Erlass). Die 64 Prozent an 3.630 Personen beziehen sich auf 2009–2020. Das Bundesverfassungsgericht verhandelt die Regeln am 12./13.10.2026. Quellen: Netzwerk Steuergerechtigkeit — Steuererlasse für Großerben · BVerfG — Pressemitteilung 49/2026

Bestätigt — Zucman: 0,3 Prozent, 200–250 Milliarden Dollar

Wörtlich so im Bericht für die brasilianische G20-Präsidentschaft. Quelle: Zucman — A blueprint for a coordinated minimum effective taxation standard

Bestätigt — Reallöhne, Vermögenskonzentration, TTPA

Reallohnindex 2025 knapp auf dem Niveau von 2019 (Destatis). Das reichste Prozent besitzt rund 35 Prozent des Nettovermögens, die untere Hälfte rund 1 Prozent (DIW 2020, mit Zuschätzung der Top-Vermögen; die Bundesbank kommt ohne sie auf niedrigere Werte). Seit Oktober 2025 nehmen Meta und Google in der EU wegen der TTPA keine politische Werbung mehr an. Quellen: Destatis — Reallöhne 2025 · DIW — Vermögenskonzentration · EU-Kommission — Neue Regeln für politische Werbung

Forschungsstand — Ist Desinformation asymmetrisch rechts?

Konsens (stark): In den USA und vielen europäischen Ländern teilen Konservative und besonders radikale Rechtspopulisten deutlich mehr minderwertige oder falsche Inhalte — auch dann, wenn politisch ausgewogene Laien oder nur Republikaner die Qualität bewerten. Der Einwand, das sei ein Artefakt voreingenommener Faktenchecker, trägt damit nicht. Dissens: Garrett & Bond (2021) erklären die Lücke teilweise mit dem Angebot — die meistgeteilten Falschmeldungen stützten zufällig konservative Positionen. Treiber ist der radikale Rechtspopulismus, nicht „rechts“ an sich; die Datenlage stützt sich stark auf die USA. Quellen: Mosleh & Rand 2024, doi:10.1038/s41586-024-07942-8 · Renault et al. 2025, doi:10.1073/pnas.2502053122 · Garrett & Bond 2021, doi:10.1126/sciadv.abf1234

Forschungsstand — Treibt Ungleichheit den Rechtsruck?

Belegt, aber nur unter Bedingungen. Steigende Einkommensungleichheit erhöht die Wahl rechtsradikaler Parteien — getrieben eher von der Abstiegsangst mittlerer und höherer Statusgruppen als von der Not der Armen (Engler & Weisstanner 2020). Gidron & Hall betonen wirtschaftlichen und kulturellen Statusverlust; Funke, Schularick & Trebesch zeigen Rechtsrucks nach Finanzkrisen. Ungleichheit kann auch die Linke stärken oder die Wahlbeteiligung senken. In Deutschland stieg die Einkommensungleichheit seit etwa 2005 kaum; die AfD wuchs vor allem nach 2015. Laschyks Kette ist ein plausibler Mechanismus unter mehreren. Quellen: Engler & Weisstanner 2020, doi:10.1080/13501763.2020.1733636 · Gidron & Hall 2017, doi:10.1111/1468-4446.12319 · Funke, Schularick & Trebesch 2016, doi:10.1016/j.euroecorev.2016.03.006

Forschungsstand — Die stärksten Einwände gegen eine Vermögenssteuer

Ausweichen: In der Schweiz führt ein Prozentpunkt weniger Vermögenssteuer nach sechs Jahren zu mindestens 43 Prozent mehr gemeldetem Vermögen (Brülhart et al.); auch in Dänemark reagierten Vermögen deutlich (Jakobsen, Kleven, Zucman — Zucman ist Mitautor). Auslandserfahrung: Die Zahl der OECD-Länder mit Vermögenssteuer sank von 12 (1990) auf 4 (2017), meist bei geringem Aufkommen und hohem Verwaltungsaufwand. Bewertung: In Deutschland ist die Steuer seit 1997 ausgesetzt, weil das BVerfG 1995 die ungleiche Bewertung beanstandete; verlässliche Bewertung von Betriebs- und Immobilienvermögen bleibt das Kernproblem. Laschyks stärkerer Hebel ist die bestehende Erbschaftsteuer mit ihren Verschonungsregeln. Quellen: Brülhart et al., doi:10.1257/pol.20200258 · Jakobsen, Kleven & Zucman 2020, doi:10.1093/qje/qjz032 · OECD 2018 — The Role and Design of Net Wealth Taxes


Weiterführende Quellen


Verbindungen

→ Rechte Medien — das Geschäft mit der Lüge

Das Panorama beschreibt, wie sich die Lüge rechnet: Empörung bringt Klicks, und ein Milliardär kann ein Verlustgeschäft wie NIUS tragen, weil er Diskursmacht kauft. Laschyk setzt dort an, wo das Panorama aufhört, und zieht die Linie vom Eigentümer über die Politik zurück zur Steuer. Das Panorama liefert zugleich einen Maßstab, an dem sich auch Laschyk messen lassen muss: Fehler und Methode unterscheidet man am Korrekturverhalten und daran, ob sich jemand immer in dieselbe Richtung irrt.

→ Renée DiResta — Invisible Rulers: Wie Lügen zur Realität werden

DiResta kommt vom selben Befund zu einem anderen Hebel. Für sie sind Algorithmen redaktionelle Entscheidungen („free speech ≠ free reach“), und Faktenchecks greifen zu kurz, weil Falschinformation an Identität hängt. Ihr Gegenmittel ist ein Ranking, das Brücken belohnt — Umbau an der Plattform statt am Steuerrecht. Damit stellt sie auch Laschyks „Werbung für die Wahrheit“ infrage: Wer Fakten in Identitätsgeschichten gießt, arbeitet mit dem Werkzeug, das sie Propaganda nennt.

→ Der Heizungshammer — wie ein erfundenes Wort ein Gesetz kippte

Dieser Fall belegt das mittlere Glied von Laschyks Formel, „Reichweite macht Politik“. Eine Studie zählt nach, wie ein Wort aus dem Springer-Haus ein Bundesgesetz beschädigte; die Note stützt sich dabei auch auf Laschyks eigene Analyse. Was im Video Behauptung bleibt, ist dort gemessene Wirkung.

→ Dobusch und Zaboura — Ganz normale Medien und ihr Beitrag zum Comeback des Faschismus

„Performing balance by practicing bias“ ist die theoretische Grundlage für Laschyks Satz „Darum machen wir keine neutralen Faktenchecks“: Wer beide Seiten gleich behandelt, obwohl eine mehr lügt, erzeugt selbst eine Schieflage. Laschyks Video zeigt die Kehrseite. Wer auf Ausgewogenheit verzichtet, muss die Auswahl der Belege selbst verantworten — und bei ihm fällt ausgerechnet der Befund zu den Rändern heraus.

→ phoenixRunde — Arm und Reich in Deutschland

David Deißner aus dem Umfeld der Stiftung Familienunternehmen nennt die Ungleichheitsdebatte eine „Diskursindustrie“. Laschyk behauptet das Spiegelbild: Große Vermögen kaufen den Diskurs. Beide werfen der Gegenseite vor, die Öffentlichkeit zu bewirtschaften, und beide sprechen als interessierte Partei. Nebeneinander gelesen zeigt sich, dass die Frage „Wem nützt die Erzählung?“ in beide Richtungen trifft und die Datenlage nicht ersetzt.

→ Michael Hartmann — Herkunft schlägt Parteibuch

Hartmann verändert Laschyks Kreislauf an zwei Stellen. Eliten stimmen über Vermögenssteuern nach ihrer Herkunft ab — die Steuerschonung braucht also nicht einmal gekaufte Medien, sie ist in der Zusammensetzung der Elite schon angelegt. Und er nennt eine Grenze: Springer muss seine Blätter verkaufen und kann nicht dauerhaft gegen seine Leser senden. Diese Bremse fehlt dort, wo ein Milliardär wie Gotthardt die Verluste einfach übernimmt.

→ Staiy — News Briefwahl, Femizid und Erbschaftssteuer (28.08.2026)

Laschyks stärkster Hebel ist die Erbschaftsteuer mit ihren Verschonungsregeln, und genau diesen Hebel rechnet die Staiy-Note durch: zehn Mietshäuser, absichtlich gegen die eigene These kalkuliert, und in keinem Fall ein erzwungener Verkauf. Das Wort „Dummensteuer“ stammt dort vom wirtschaftsliberalen Ökonomen Lars Feld — Rückhalt für Laschyks Argument aus einem Lager, das er sonst angreift.

→ Thomas Fricke — Wie die Wirtschaftskrise den Rechten nützt (Surplus)

Fricke prüft das schwächste Glied in Laschyks Kette: dass mehr Steuergeld Menschen weniger anfällig für Fake News macht. Die Forschung, die er heranzieht, findet den Treiber in Kontrollverlust, Austerität und unberechenbarem Stress. Zugleich sagt er, Steuern auf Reiche machten Arme nicht reicher; nötig seien Befähigung und ein Staat, der rechtzeitig handelt. Fricke stützt damit den Mechanismus und widerspricht Laschyks Hoffnung, Umverteilung allein reiche aus.

→ Lars Wienand — Привет, Russentrolle!

Derselbe Doppelgänger von der anderen Seite: Hier wird Reichweite gekauft, bei Wienand vorgetäuscht, und sie verpufft. Der Zahlmeister ist dort die russische Präsidialverwaltung, die Kennzahl im Projektbericht dieselbe Aufmerksamkeit.


Weiterdenken

Was Sokrates vielleicht gefragt hätte
  • Wenn Reichweite käuflich ist, dann gilt das auch für Aufklärung, die sich Reichweite über Spenden kauft. Worin unterscheidet sich eine Community, die Volksverpetzer finanziert, von einem Milliardär, der NIUS finanziert — im Prinzip, nicht nur im Betrag?
  • Laschyk nimmt seinen Titel am Ende selbst zurück: Die Steuer würde weder Musk noch Gotthardt aufhalten. Was bleibt von der These, wenn man den direkten Weg streicht — und warum trägt der Titel trotzdem?
  • Die Forschung sagt: Algorithmen belohnen die Ränder, auf X zusätzlich rechts. Wäre eine Plattformregulierung, die Engagement-Optimierung selbst begrenzt, wirksamer als jede Steuer — und wem würde sie schaden?
  • Wenn die Erbschaftsteuer mit ihren Verschonungsregeln der besser belegte Hebel ist: Warum redet die Debatte lieber über eine neue Vermögenssteuer als über eine bestehende Steuer, die nur nicht erhoben wird?
  • Wer so gegen die Desinformation einer Seite kämpft, dass er die Belege nur in eine Richtung auswählt: Stärkt er das Vertrauen in Fakten — oder bestätigt er denen, die Faktenchecker für Partei halten, genau ihr Bild?

Von hier einen Faden gehen7 Stationen, rückwärts durch den Bestand

Im Bestand

Lars WienandПривет, Russentrolle! Auf…Thomas LaschykDenkerVitaVeronika GrimmDer Preis als Signal (Jung &…Rechte Mediendas Geschäft mit der LügeRenée DiRestaInvisible Rulers: Wie Lügen zur…Der Heizungshammerwie ein erfundenes Wort ein…Dobusch und ZabouraGanz normale Medien und ihr…phoenixRundeArm und Reich in DeutschlandMichael HartmannHerkunft schlägt ParteibuchStaiyNews Briefwahl, Femizid und…Thomas FrickeWie die Wirtschaftskrise den…Isabella WeberAntifaschistische…Philipp BlomDie strauchelnde WeltRobin CelikatesFaschisierung, Hoffnung und die…Maja Göpel und Jagoda MarinićVertrauen, utopisch?Rechtspopulismus und der…Der Entscheidende PunktNach den LandtagswahlenWarum wählen Menschen…Stephan Marks und Aladin…Unter der Wut die Scham?Sigl-Glöckner & KaczmarczykGeld ist genug da?

elf gedachte Verweise · neun geteilte Quellen, die noch niemand verlinkt hat · 1 weitere nicht gezeigt

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