Quelle: Zwischen Politik und Sekte: Die Psychologie der Kontrolle | Offene Ideen | ARTE

Wer spricht?

Julie Pagis (1980, Reilhanette, Frankreich) — Soziologin am CNRS, Mitglied des Institut de recherche interdisciplinaire sur les enjeux sociaux (IRIS) an der EHESS in Paris. Studierte zunächst Biologie an der École normale supérieure, bevor sie zu den Sozialwissenschaften wechselte. Forschte zunächst über die biographischen Nachwirkungen des Mai 68 auf gewöhnliche Aktivisten und deren Kinder. Ihr Buch Le prophète rouge (2024) analysiert am Einzelfall eines maoistischen Anführers im Frankreich der 1970er Jahre die Mechanismen charismatischer Herrschaft — jenseits religiöser Kontexte, rein politisch.

Wichtigste Werke: Mai 68, un pavé dans leur histoire (2014), L’Enfance de l’ordre (mit W. Lignier, 2017), Le prophète rouge (2024) Kernkonzepte: Charismatische Herrschaft (Weber), Herrschaft vs. Beherrschen, Passing/Dissimulation

DenkerVita


Die vergessene Dimension des Charisma: Herrschaft ohne Religion

▶ 0:00 — Das Gespräch beginnt mit einer Irritation, die produktiv ist: Warum faszinieren und erschrecken Sektengeschichten gleichermaßen? Pagis’ Ansatz verschiebt den Fokus weg von religiösem Fanatismus hin zu einem politischen Einzelfall. Fernando, ein spanischer Arbeiter und Maoist, brachte im Frankreich der 1970er Jahre ein Dutzend gebildeter, links orientierter Pärchen unter seine vollständige Kontrolle — Ethnologiestudenten, Semiotik-Doktoranden, Agraringenieure. Keine verblendeten Einfaltspinsel, sondern aufgeklärte junge Menschen.

Das macht den Fall so verstörend und analytisch so wertvoll: Er zeigt, dass charismatische Unterwerfung gerade nicht an Bildungsferne oder religiöse Anfälligkeit gebunden ist. Die Mechanismen sind universeller, als wir es uns eingestehen wollen.

Eigene Einschätzung

Der politische statt religiöse Kontext macht Pagis’ Analyse besonders anschlussfähig für die Gegenwart. Wenn wir charismatische Herrschaft immer nur in Sekten verorten, entgeht uns, dass dieselben Mechanismen in politischen Bewegungen, Unternehmen und sogar Paarbeziehungen wirken. Pagis entmystifiziert das Phänomen, ohne es zu trivialisieren.


Max Weber und die drei Herrschaftsformen

▶ 3:52 — Pagis’ theoretisches Fundament ist Max Webers Herrschaftssoziologie. Weber unterschied drei Legitimationsformen der Herrschaft: die traditionale (man glaubt an die Heiligkeit der Tradition), die legal-rationale (man glaubt an die Legitimität kodifizierter Regeln) und die charismatische (man glaubt an die außergewöhnliche Person des Führers).

Der entscheidende Punkt, den Pagis herausarbeitet: Bei Weber ist Charisma keine intrinsische Eigenschaft des Anführers. Es existiert nur in der Beziehung zwischen dem Charismaträger und seinen Gläubigen. Die Frage ist nicht „Was hat dieser Mensch Besonderes?”, sondern „Warum glauben die anderen, er sei besonders?”

„Es geht nicht darum herauszufinden, wer die Macht hat, sondern auf welchem Glauben die Legitimität dieser Macht beruht.”▶ 4:38

Das hat weitreichende Konsequenzen: Charismatische Herrschaft ist die fragilste aller Herrschaftsformen, weil der Glaube nie dauerhaft gesichert ist. Der Anführer muss sich permanent beweisen — und genau daraus entsteht die Radikalisierungsdynamik.


Fernando: Der „rote Prophet” und die biographische Sackgasse

▶ 1:33 — Fernando präsentierte sich als antifrankistischer Flüchtling, der drei Jahre in Peking die Werke Maos übersetzt hatte. Pagis beschreibt ihn als anziehend, redegewandt, milieufähig — in einer Bar voller spanischer Arbeiter war er nach zehn Minuten mit allen per Du, an der Uni ließ er sich auf intellektuelle Streitgespräche ein. Doch seine eigentliche Waffe war nicht seine Person, sondern der Kontext, in den er trat.

▶ 7:40 — 1971, drei Jahre nach dem Mai 68: Die künftigen Gruppenmitglieder steckten in einer biographischen Sackgasse. Sie hatten sich in verschiedenen linksextremen Gruppierungen aufgerieben, ohne dass sich die Welt verändert hätte. Beruflich steckten sie fest, zogen Studiengänge in die Länge, um „weder bürgerlich noch sonst was sein zu müssen.” Fernando bot ihnen einen radikalen Ausweg: die bestehende Ordnung sofort stürzen, indem sie ihre Ideale auf den Alltag anwandten.

„Sie standen nicht zu ihrer gesellschaftlichen Position. Fernando machte ihnen ein radikales politisches Angebot, die bestehende Ordnung zu stürzen — und zwar sofort.”▶ 9:11

Eigene Einschätzung

Die „biographische Sackgasse” ist ein Schlüsselkonzept, das weit über diesen Einzelfall hinausweist. Trump, Bolsonaro, aber auch Tech-Gurus und Influencer treffen auf Menschen, die das Gefühl haben, dass ihre Biographie nicht aufgeht — dass das System ihnen nicht liefert, was es versprochen hat. Pagis zeigt: Charismatische Herrschaft braucht diese Voraussetzung. Zufriedene Menschen lassen sich nicht unterwerfen.


Von Herrschaft zu Beherrschung: Pagis’ Begriffserweiterung

▶ 12:17 — Pagis’ originellster theoretischer Beitrag ist die Unterscheidung zwischen Herrschaft (domination) und Beherrschung (emprise). In Webers Formulierung: Herrschaft liegt vor, wenn der Herrschende die Beherrschten dazu bringt, zu tun, was er will. Beherrschung geht weiter — sie liegt vor, wenn er sie dazu bringt, zu denken, was er möchte.

„Beherrschen wäre dann, wenn der Herrschende die Beherrschten dazu bringt, das zu denken, was er möchte. Fernando beherrscht sogar ihre Selbstwahrnehmung.”▶ 12:17

Die Gruppenmitglieder waren von Familie und Freunden abgeschnitten, vertrauten am Ende nicht einmal mehr ihren Ehepartnern. Was sie selbst wollten, lasen sie nur noch an Fernandos Blicken ab. Das ist der Übergang von politischer Autorität zu totalitärer Kontrolle über das Innenleben — ein Mechanismus, den man aus der Psychologie narzisstischen Missbrauchs kennt, hier aber soziologisch fundiert.


Selbstkritik als Herrschaftsinstrument

▶ 10:43 — Die maoistische Praxis der Selbstkritik — eigentlich ein Instrument der Selbstreflexion — wurde unter Fernando zur „schrecklichsten Waffe”. Die Gruppenmitglieder mussten in täglichen Sitzungen ihre Schwächen schonungslos offenlegen. Fernando nutzte diese Intimkenntnisse, um individuell Druck auszuüben. Die Mitglieder mussten das Gesagte in Hefte niederschreiben, die Pagis Jahrzehnte später wiederfand.

„Mir ist klar, dass es einer großen Anstrengung bedürfte, mich zu ändern, aber dazu bin ich nicht bereit. Ich bin in der Gruppe geblieben, weil ich mit Paul verheiratet bin.” — Aus Anitas Selbstkritik-Heft, ▶ 11:28

Schuld — insbesondere die Schuld an der eigenen Klassenzugehörigkeit — wurde zum zentralen Hebel. Jedes Verhalten, jedes Zögern ließ sich auf die „bürgerliche” Herkunft zurückführen. Ein geschlossenes Deutungssystem, aus dem es kein Entrinnen gab.

Eigene Einschätzung

Selbstkritik als Machtinstrument — das ist nicht nur ein maoistisches Phänomen. Man findet es in toxischen Unternehmenskulturen („radical candor” als Kontrollmechanismus), in bestimmten Therapieformen und in Social-Media-Dynamiken, wo öffentliche Selbstgeißelung zum Loyalitätsbeweis wird. Pagis’ Analyse zeigt das strukturelle Muster: Wer seine Verletzlichkeit preisgibt, macht sich angreifbar — und genau das wird ausgenutzt.


Eskalation: Die Logik der immer verrückteren Forderungen

▶ 13:03 — Die Unterwerfung vollzog sich schrittweise — das ist zentral für das Verständnis. Erst opferten die Mitglieder ihre Zeit. Dann zogen sie in Arbeiterviertel. Dann in ein altes Kloster, 9-Quadratmeter-Zellen. Dann mussten sie ihre Sprache ändern, ihre Kleidung, ihre Ernährung. Frauen legten „alle Attribute der Weiblichkeit” ab — Miriam wurde zur Selbstkritik verdonnert, weil ihr Brillengestell zu frivol war. Jazz war verboten, Ausschlafen galt als bürgerlich. Familienbesuche brauchten Genehmigung. Fernando kontrollierte sogar die Geburten.

▶ 14:39 — Ein Mann wurde verrückt. Mehrere planten den Mord an Paul, der zu Unrecht eines Komplots beschuldigt wurde — und beim Prozess gegen sich selbst gestanden hatte, vielleicht sogar an seine Schuld glaubte.

Die Eskalationslogik folgt der Charisma-Theorie: Weil der Anführer seinen außergewöhnlichen Status ständig beweisen muss, steigert er die Forderungen. Jede erfüllte Forderung normalisiert die nächste, absurdere. Das Muster ist identisch mit dem, was Sozialpsychologen als „Foot-in-the-door”-Technik beschreiben.


Gender und Widerstand: Warum die Frauen sich leichter lösten

▶ 15:29 — Eine der überraschendsten Beobachtungen: Die Frauen fanden nach dem Ende der Gruppe leichter zurück in ein normales Leben. Pagis identifiziert zwei geschlechtsspezifische Gründe:

  1. Beziehungskontinuität: Trotz Fernandos Isolationsanspruch kümmerten sich die Frauen weiterhin um Kinder, Familien und Schwiegereltern. Diese nie ganz abgerissenen Bindungen verhinderten die vollständige Vereinnahmung.

  2. Geringere intellektuelle Investition: Die Männer, sozialisiert in kompetitiver Intellektualität, beteiligten sich intensiver an den Wortgefechten und der Selbstkritik. Die Frauen wurden sogar dafür kritisiert, dass sie „sich nicht ausreichend selbst kritisieren.” Was als Mangel erschien, war in Wahrheit Schutz.

Eigene Einschätzung

Pagis dreht hier subtil eine Schwächen-Stärken-Umkehr: Was in der Gruppe als weibliches Defizit galt — weniger intellektuelles Engagement, weniger Bereitschaft zur Selbstentblößung —, entpuppte sich als Resilienzfaktor. Die Frauen setzten auf „Umgehungstaktiken und passiven Widerstand”. Das erinnert an James C. Scotts Konzept der „Waffen der Schwachen” — alltäglicher, unauffälliger Widerstand, der effektiver sein kann als offene Rebellion.


Der Prophet als Blender: Charisma und Betrug

▶ 17:48 — In den Archiven fand Pagis heraus, dass Fernando seine antifrankistische Vergangenheit weitgehend erfunden hatte. Er war tatsächlich vor dem Franco-Regime geflohen — das bestätigten Akten —, aber er hatte seine Geschichte systematisch aufgeblasen und mythologisiert. Er war ein Meister der Dissimulation oder, in sozialwissenschaftlicher Terminologie, des Passing: sich als jemand anderes ausgeben, eine Identität konstruieren.

„Ich glaube, in all den Jahren meiner Nachforschungen wurde ich selbst etwas vercharismatisiert — und suchte den Schlüssel für seine Anziehungskraft, als sei er tatsächlich außergewöhnlich — bis ich begriff, dass seine Stärke genau darin lag, sich als jemand Außergewöhnliches auszugeben.”▶ 18:34

Pagis gesteht hier eine bemerkenswerte methodische Selbstreflexion: Selbst die Forscherin, die den Mechanismus durchschaute, war nicht immun dagegen. Das unterstreicht, wie tief der Glaube an charismatische Außergewöhnlichkeit in uns verankert ist.


Vom Einzelfall zur politischen Gegenwart

▶ 19:19 — Im Schlussabschnitt weitet Pagis den Blick. Der Mechanismus ist universell: Fernando bediente negative Emotionen — Verbitterung, Neid, das Gefühl keinen Platz auf der Welt zu haben, nicht genug Anerkennung zu bekommen. Dieselben Emotionen, die Trump, Bolsonaro und andere „Unglückspropheten” anzapfen.

▶ 20:49 — Die Parallele zwischen „roten” und „braunen Propheten”: Beide kultivieren einen tiefsitzenden Hass auf bestimmte Eliten, der auf Gehör stößt bei frustrierten und enttäuschten Menschen. Charismatische Lichtgestalten stehen nie an der Spitze einer bestehenden Hierarchie — sie tauchen aus dem Nichts auf und legitimieren sich allein durch ihre Person.

„Ich hoffe, mein Buch hat insofern einen öffentlichen und politischen Nutzen, als dass es uns Mittel an die Hand gibt, um potenzielle rote und andersfarbige Propheten rechtzeitig zu erkennen.”▶ 21:35


Faktencheck

Bestätigt — Webers drei Herrschaftsformen

Weber unterschied tatsächlich traditionale, legal-rationale und charismatische Herrschaft in Wirtschaft und Gesellschaft (1921) und Politik als Beruf (1919). Charisma ist bei Weber relational, nicht intrinsisch. Die charismatische Herrschaft gilt als instabilste Form — sie muss sich routinisieren oder zerfällt. Quelle: Wikipedia — Charismatic authority

Bestätigt — Julie Pagis: Biografie und Buch

Pagis ist Soziologin, geboren 1980 in Reilhanette, chargée de recherche am CNRS seit 2010, Mitglied des IRIS an der EHESS seit 2017. Ihr Buch Le prophète rouge erschien 2024 bei La Découverte. Quelle: Wikipedia FR — Julie Pagis

Vereinfacht — Fernando und die Pärchen

Im Video ist von „einem Dutzend Pärchen” die Rede, laut Pagis’ Buch und Wikipedia-Quellen waren es sechs Paare (also zwölf Personen) — möglicherweise wird „ein Dutzend Personen” mit „ein Dutzend Pärchen” verwechselt. Die Details über Fernandos erfundene Vergangenheit stammen aus Pagis’ eigener Forschung und sind als Buchthesen zu werten. Quelle: Wikipedia FR — Julie Pagis

Bestätigt — Religiöser Ursprung des Charisma-Begriffs

Das Wort charisma (χάρισμα) stammt aus dem Koine-Griechischen, bekannt durch die Paulusbriefe (bes. 1. Korinther 12). Glossolalie wird dort explizit als eines der charismata aufgelistet. Weber übernahm den Begriff von Rudolph Sohm und säkularisierte ihn. Quelle: Wikipedia — Spiritual gift

Vereinfacht — Weber nennt Jesus, Perikles und Napoleon

Weber verwendet alle drei als Beispiele, allerdings verstreut über verschiedene Werke — nicht als kanonisches Trio. Die Zusammenfassung als Dreiergruppe ist eine gängige Lehrbuchverkürzung. Quelle: Wikipedia — Politics as a Vocation

Bestätigt — Passing: Herkunft aus den USA

Der Begriff Passing stammt aus den USA und bezeichnete historisch Personen gemischter Abstammung, die sich als Weiße ausgaben. Pagis selbst hat 2019 in Genèses (Nr. 114) eine Publikation zum Thema mitherausgegeben. Quelle: Wikipedia — Passing (racial identity)


Weiterführende Quellen

Aus der Video-Beschreibung:

Im Video/Artikel zitierte Quellen:

  • Julie Pagis: Le prophète rouge: Enquête sur la révolution, le charisme et la domination, La Découverte, 2024
  • Max Weber: Wirtschaft und Gesellschaft (1922) — Grundlagenwerk zur Herrschaftssoziologie mit der Dreiteilung traditionale/legal-rationale/charismatische Herrschaft

Verbindungen

Erich Fromm — Psychoanalyse des Faschismus

Fromms Analyse des „autoritären Charakters” ist das psychoanalytische Fundament zu Pagis’ soziologischem Ansatz. Beide fragen: Warum unterwerfen sich Menschen freiwillig? Fromm verortet die Ursache in der Angst vor der Freiheit — das Individuum flieht in die Unterwerfung, weil Autonomie unerträglich wird. Pagis ergänzt den soziologischen Kontext: die „biographische Sackgasse”, die gesellschaftliche Krise, die den Boden bereitet. Zusammen ergibt sich ein vollständiges Bild — Psyche und Struktur.

Rainer Mausfeld — Warum schweigen die Lämmer

Mausfeld untersucht, wie demokratische Gesellschaften durch „kognitive Managementtechniken” ruhig gehalten werden — sanfte Herrschaft im Großen. Pagis zeigt die brutale Variante im Kleinen: wie ein einzelner Mensch über Selbstkritik, Schuldgefühle und Isolation eine Gruppe vollständig kontrolliert. Beide arbeiten mit dem Konzept der Herrschaft durch Internalisierung — die Beherrschten kontrollieren sich am Ende selbst.

Demirovic und Lorey — Foucaults Gouvernementalitaet

Foucaults Gouvernementalität analysiert, wie moderne Macht durch Selbstführung wirkt — die Subjekte regieren sich selbst im Sinne der Macht. Pagis’ Fernando nutzte maoistische Selbstkritik als Instrument genau dieser Selbstregierung: Die Gruppenmitglieder internalisierten seine Bewertungsmaßstäbe so vollständig, dass sie sich gegenseitig überwachten. Foucault liefert die Theorie, Pagis den erschreckenden Praxisfall.

Ece Temelkuran — So beginnt Faschismus in Amerika

Temelkuran beschreibt die Eskalationsstufen autoritärer Machtübernahme auf gesellschaftlicher Ebene. Pagis’ Mikroanalyse zeigt denselben Mechanismus im Kleinen: schrittweise Steigerung der Forderungen, Normalisierung des Abnormalen, bis der Widerspruch unmöglich wird. Die Parallele bestätigt: Faschismus und charismatische Sektenherrschaft folgen derselben Eskalationslogik.

Eva von Redecker — Dieser Drang nach Härte

Von Redeckers Analyse des „Drangs nach Härte” als autoritäre Sehnsucht ergänzt Pagis’ Befund auf der Gefolgschaftsseite: Die Gruppenmitglieder suchten nicht Bequemlichkeit, sondern Radikalität — sie wollten mit ihrem „bürgerlichen Selbst” brechen. Der Drang nach Härte gegen sich selbst wurde zum Einfallstor für Fernandos Kontrolle.

Goetz Aly — Teufelspakt zwischen Volk und Fuehrung

Aly zeigt am NS-Regime, wie Gefolgschaft durch materielle und psychische Belohnung erkauft wird. Pagis’ Fernando bot keine materiellen Vorteile — im Gegenteil. Aber er bot etwas Wertvolleres: Sinn und Zugehörigkeit in einer Phase der Orientierungslosigkeit. Beide Fälle zeigen: Gefolgschaft hat immer einen (vermeintlichen) Nutzen für die Gefolgschaft.