Quelle: So hat Deutschlands strategischer Partner das GRÖSSTE MASSAKER des Jahrhunderts ermöglicht!

Wer spricht?

Konstantin Flemig (geb. 1988, Böblingen) — deutscher Kriegsreporter, Dokumentarfilmer und Buchautor. Ausbildung an der Deutschen Journalistenschule München und der Filmakademie Baden-Württemberg; Mitglied der Rogue Film School (Werner Herzog). Co-Gründer und Host von CRISIS – Hinter der Front (funk/ARD/ZDF, 2022–2024), seit 2024 unabhängig tätig. YouTube-Kanal „Konstantin Flemig – Kriegsreporter” (~220.000 Abonnenten). Mehrfach selbst vor Ort in Kriegsgebieten (u.a. Donezk, Kramatorsk, Butscha). Buch: Freiheit unter Feuer (Heyne Verlag). Faktenjournalistischer Stil, überparteilich.


Inhalt

El Fashir — Die vergessene Katastrophe

▶ 0:00 — El Fashir war die letzte Hochburg der sudanesischen Regierungsarmee in der Region Darfur im Westen des Sudans. Über 1,5 Millionen Menschen hatten sich dort während des Bürgerkriegs zurückgezogen — darunter 800.000 intern Vertriebene. Nach 18 Monaten Belagerung (die Bevölkerung war gezwungen, Tierfutter zu essen) fiel die Stadt Ende 2025 in die Hände der Rapid Support Forces (RSF).

„Es ist wahrscheinlich die größte menschliche Katastrophe unserer Zeit, der schlimmste Krieg, der gerade auf der Welt tobt.”

Das Massaker

▶ 5:24 — Was nach der Einnahme passierte, wird von Experten als „Schlachthaus” bezeichnet. In den ersten drei Tagen wurden schätzungsweise 27.000 Menschen ermordet. Britische Geheimdienste brieften Abgeordnete mit der Schätzung von mindestens 60.000 Toten. Andere Forscher rechnen anhand von Satellitenbildern bis zu 150.000 Tote hoch — Männer, Frauen und Kinder, in wenigen Wochen.

Die Geschwindigkeit erinnert an den Völkermord in Ruanda 1994.

▶ 7:41 — RSF-Kämpfer drangen zu Fuß, auf Kamelen und in Fahrzeugen in Wohnviertel ein, um gezielt unbewaffnete Zivilisten hinzurichten. Im letzten funktionierenden Krankenhaus (Saudi Maternity Hospital) schossen Truppen gezielt auf Patienten in ihren Betten. Drohnen jagten fliehende Zivilisten aktiv.

▶ 8:27 — Grausamkeiten: Zivilisten wurden bei lebendigem Leib verbrannt, mit Lastwagen überfahren, Gliedmaßen abgetrennt. Frauen und Mädchen wurden systematisch verschleppt und massenhaft vergewaltigt. Kommandanten riefen explizit dazu auf, Frauen zu schwängern, um deren „Blutlinie zu reinigen” — klassische Völkermord-Rhetorik.

▶ 10:00 — Ethnische Dimension: Soldaten fragten Zivilisten nach ihrer Stammeszugehörigkeit und richteten sie sofort hin, wenn sie der „falschen” Gruppe angehörten. Schwarze Afrikaner wurden als „Sklaven”, „Esel”, „Hunde” bezeichnet. Gefangene wurden gegen Lösegeld von bis zu 10.000 USD gehalten — wer nicht zahlen konnte, wurde ermordet.

▶ 11:31 — Satellitenbilder zeigen schwarze Rauchsäulen über der Stadt: Leichenberge wurden in Gruben verbrannt, um das Ausmaß zu verschleiern. Akademiker bezeichnen dies als gezielte Vertuschung, nicht als Notbestattung.

Die RSF und ihre Geschichte

▶ 12:17 — Die RSF sind eine Weiterentwicklung der Janjaweed-Milizen, die ab 2003 in Darfur ebenfalls gegen schwarze Afrikaner einen Völkermord verübt haben. Diesmal sind sie besser bewaffnet und ausgerüstet.

Deutschlands strategischer Partner — die VAE

▶ 12:17 — Der „strategische Partner Deutschlands” sind die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE). Seit 2004 besteht eine offizielle strategische Partnerschaft; 2019 wurde diese umfassend ausgebaut, inklusive verstärkter Kooperation in Sicherheit, Politik und Kultur. Das Handelsvolumen lag 2021 bei rund 8 Milliarden Euro — die VAE sind Deutschlands wichtigster Wirtschaftspartner in der Golfregion. 2020 waren die Emirate der drittgrößte Abnehmer deutscher Rüstungsgüter mit einem Volumen von über 51 Millionen Euro.

▶ 14:32 — Was nach allem Anschein die VAE getan haben: Der Forscher Eric Reeves bezeichnet die Emirate als Hauptlieferant hochmoderner Waffensysteme für die RSF — darunter fortschrittliche chinesische Haubitzen mit großer Reichweite, die entscheidend für die Belagerung von El Fashir waren. UN-Sicherheitsratsberichte belegen die Lieferung von Drohnen und gelenkter Munition. Amnesty International dokumentierte Zielsysteme in RSF-Händen, die über die VAE in den Sudan gelangt sind.

▶ 16:04 — Das wirtschaftliche Motiv: Die RSF kontrollieren die wichtigsten Goldminen in Darfur. Die Goldexporte in die VAE haben sich seit Kriegsbeginn fast verdoppelt. Dubai dient als Umschlagplatz für beide Kriegsparteien.

▶ 16:52 — PR-Krieg: Aus Dubai wird eine aufwendige Imagekampagne für die RSF gesteuert. Der Sender Sky News Arabia — über Konglomerate im Besitz des VAE-Vizepräsidenten Sheikh Mansur — berichtet auffällig freundlich über die RSF. Eine Moderatorin umarmte öffentlich einen RSF-Kommandanten, der zuvor zur Massenvergewaltigung aufgerufen hatte.

Das Versagen der Weltgemeinschaft

▶ 18:23 — Die USA wissen, wer die RSF bewaffnet, nennen die VAE aber nicht beim Namen — weil die Emirate zu den wichtigsten US-Verbündeten in der Region gehören (zuletzt im Iran-Krieg sichtbar). Großbritannien hat ebenfalls enge Verbindungen zu den VAE. Von deutscher Seite gibt es keine öffentlichen Verurteilungen.

„Das ist ein komplettes Versagen der Weltgemeinschaft, dass man wieder mal Völkermorde zulässt und im Prinzip nichts tut, weil wichtige Akteure letztendlich ihre eigenen Interessen darin haben.”


Faktencheck

Bestätigt — El Fashir als letzte Hochburg in Darfur

El Fashir war die letzte verbliebene Hochburg der sudanesischen Regierungsarmee (SAF) in ganz Darfur. Mit dem Fall am 26./27. Oktober 2025 kontrolliert die RSF alle fünf Hauptstädte der Darfur-Region. Quellen: Wikipedia – Siege of El Fasher · NPR · HRW

Bestätigt — 18 Monate Belagerung

Die Belagerung El Fashirs durch die RSF dauerte 18 Monate, beginnend ca. April–Mai 2024, bis zum Fall Ende Oktober 2025. Quellen: Wikipedia – Siege of El Fasher · The Lancet

Vereinfacht — Todeszahlen (27.000 / 60.000 / 150.000)

Die Zahl 27.000 Tote in drei Tagen stammt ausschließlich von Darfur-Gouverneur Minni Minnawi (20. November 2025) — eine politische Quelle ohne unabhängige Bestätigung. Die UN (OHCHR) dokumentierten für denselben Zeitraum mindestens 6.000 Tote und schätzen die tatsächliche Zahl als „deutlich höher” ein. Die 60.000-Schätzung taucht in Berichten auf, ist aber nicht durch britische Geheimdienste öffentlich bestätigt (nichtöffentliche Briefings, nur geleakt). 150.000 ist eher eine Schätzung für den Gesamtkontext, nicht nur El Fashir. Quellen: OHCHR – Februar 2026 · Al Jazeera

Bestätigt — RSF als Nachfolger der Janjaweed

Die RSF wurde 2013 direkt aus einer Janjaweed-Fraktion unter Mohamed Hamdan Dagalo (“Hemeti”) geformt. Die USA erklärten die RSF 2025 offiziell zum Genozid-Akteur in Darfur. Quellen: Britannica – Janjaweed · HRW – Sudan RSF Origins

Bestätigt — VAE-Deutschland strategische Partnerschaft 2004, erweitert 2019

Die strategische Partnerschaft wurde im April 2004 vereinbart. Im Juni 2019 unterzeichneten beide Seiten ein umfassendes MoU zur erweiterten Zusammenarbeit in Sicherheit, Energie, Politik, Wirtschaft und Kultur. Quellen: German Foreign Office · Wikipedia – Germany–UAE relations

Bestätigt — Handelsvolumen VAE-Deutschland 2021: ~8 Mrd. Euro

Das bilaterale Handelsvolumen betrug 2021 rund 8,0 Mrd. Euro. Der Nicht-Öl-Handel betrug sogar ~9,5 Mrd. US-Dollar (~8,5 Mrd. Euro). Quellen: Al-Monitor · German Foreign Office

Bestätigt — VAE 2020 drittgrößter Abnehmer dt. Rüstungsgüter (>51 Mio. Euro)

2020 waren die VAE mit Rüstungsexporten im Wert von 51,3 Mio. Euro der drittgrößte Abnehmer deutscher Rüstungsgüter. Quelle: Wikipedia – Deutscher Rüstungsexport

Bestätigt — VAE lieferten chinesische Haubitzen, Drohnen und gelenkte Munition an RSF

Amnesty International identifizierte im Mai 2025 chinesische GB50A-Lenkbomben (Norinco) und 155-mm-AH-4-Haubitzen im Einsatz der RSF — beides über die VAE re-exportiert, in Verletzung des UN-Waffenembargos. Drohnentypen Wing Loong II und FeiHong-95 wurden ausschließlich von der RSF eingesetzt und von den VAE bereitgestellt. Quellen: Amnesty International – Mai 2025 · Middle East Eye

Vereinfacht — Sky News Arabia gehört Sheikh Mansur

Korrekt in der Kernaussage, aber vereinfacht: Sky News Arabia ist ein 50:50-Joint-Venture zwischen Sky Group (Comcast) und der Abu Dhabi Media Investment Corporation (ADMIC) — einem Investment-Vehikel von Sheikh Mansour bin Zayed Al Nahyan. Sky UK kündigte die Partnerschaft Anfang 2026 u. a. wegen der Sudan-Berichterstattung auf. Quellen: Wikipedia – Sky News Arabia · Middle East Eye – Sky ends ties

Vereinfacht — Goldexporte "fast verdoppelt"

Die offiziellen VAE-Goldimporte aus Sudan stiegen 2024 um ca. 70 % (von 17 auf 29 Tonnen) — ein enormer Anstieg, aber keine Verdoppelung. Eine Verdoppelung trifft eher auf die gesamte sudanesische Goldproduktion seit Kriegsbeginn zu. Quellen: New Arab · Chatham House – Gold and War Sudan


Weiterführende Quellen

Im Video zitierte Quellen:

Weiterführend recherchiert:


Verbindungen

Herfried Münkler — Muss es Kriege geben

Münkler analysiert Kriege als systemische Phänomene mit eigener Logik; El Fashir zeigt, wie die RSF genau diese Logik instrumentalisiert: ein Krieg, der nicht enden soll, weil er Ressourcen (Gold) und Machtstrukturen konserviert — die VAE als externer Akteur, der an dieser Perpetuierung verdient

MONITOR — Irankrieg und das Ende des Völkerrechts

Beide Notes kreisen um dasselbe strukturelle Versagen: das Völkerrecht als zahnloser Mechanismus, wenn Großmächte oder wohlhabende Mittelmächte wie die VAE strategische Interessen haben — Sudan und Iran zeigen zwei Gesichter derselben Erosion internationaler Normen

taz Reingehen — Wer das Öl hat, hat das Sagen

Die Goldader Sudans spiegelt das Prinzip dieser Note direkt: Wer die Rohstoffe kontrolliert, formt die Geopolitik. Die VAE-Beteiligung an der RSF ist kein humanitäres Versagen, sondern ressourcenpolitisches Kalkül

Hannah Arendt — Die Banalität des Bösen

El Fashir ist kein Ausrutscher, sondern organisiertes Töten durch Bürokratie und Befehlsketten; Arendts Konzept der institutionalisierten Grausamkeit ohne persönliche moralische Reflexion trifft hier erschreckend präzise — der PR-Krieg aus Dubai fügt eine neue Schicht hinzu: die kommunikative Normalisierung von Massenmord

Rainer Mausfeld — Warum schweigen die Lämmer

Mausfeld fragt, warum demokratische Öffentlichkeiten staatliche Gewalt dulden; Flemigs Bericht zeigt das Pendant auf globaler Ebene: Warum schweigt die Weltgemeinschaft beim Völkermord in Sudan? — weil die wirtschaftlichen Beziehungen zu den Täter-Sponsoren (VAE als “strategischer Partner”) nie wirklich hinterfragt werden

Max Blumenthal & Chris Hedges — Wie Israel Trump in den Krieg trieb

Beide Notes sezieren, wie westliche Demokratien durch Allianzlogik und wirtschaftliche Verflechtungen zum Mittäter werden, ohne je formal Krieg zu führen — die VAE-Deutschland-Achse im Sudan-Kontext ist strukturell analog zur US-Israel-Dynamik: Waffen, Schweigen, Legitimation durch Partnerschaft

Konstantin Flemig — Ukraine Gebietsgewinne 2026

Flemigs überparteilicher Kriegsjournalismus: gleicher Stil, andere Konfliktzone; hier zeigt sich, dass er auch über “vergessene” Kriege berichtet, die aus dem westlichen Medienfokus fallen

Christof Johnen — Sudan Humanitaere Lage und DRK-Einsatz

Johnen zeigt die humanitäre Gegenseite zu Flemigs Ursachenanalyse: Was DRK und Roter Halbmond unter unmöglichen Bedingungen leisten — und warum 1,5 Milliarden Euro Spenden das politische Vakuum nicht füllen können