Quelle: Was Moskau gern verschweigt: So eng waren Nazis und Sowjets verbündet!

Wer spricht?

Konstantin Flemig (geb. 1988, Böblingen) — Kriegsreporter, Dokumentarfilmer, Buchautor. Ausgebildet an der Deutschen Journalistenschule München und der Filmakademie Baden-Württemberg; Mitglied der Rogue Film School (Werner Herzog). Host von CRISIS – Hinter der Front (funk/ARD/ZDF), seit 2024 unabhängig. ~220.000 YouTube-Abonnenten. Buch: Freiheit unter Feuer (Heyne). Dozent für Krisenjournalismus an der DJS.

DenkerVita


Inhalt

Der 9. Mai als Staatswaffe

▶ 0:00 — Das Video beginnt an einem Datum, das in Putins Russland heiliger ist als jeder Feiertag: dem 9. Mai. Flemig zeigt, was aus dem Tag des Gedenkens an die 25 Millionen sowjetischen Kriegstoten geworden ist: ein Instrument ideologischer Mobilisierung. Neugeborene in Militäruniformen gesteckt. Kindergartenkinder, die in Panzern aus Pappe durch Wladiwostock marschieren — angeführt von Soldaten, die gerade im Ukraine-Krieg kämpfen.

Die Konstruktion ist direkt: Der Kampf gegen die Nazis 1945 ist derselbe Kampf wie der heutige gegen die Ukraine. Die Sowjetunion war das Gute. Russland ist das Gute. Der Faschismus lauert immer wieder — und Russland rettet immer wieder die Welt davor.

Was dabei systematisch ausgeblendet wird, ist das Thema dieses Videos: die Sowjetunion war in den frühen Jahren des Zweiten Weltkrieges ein enger Partner der Nazis. Ohne Moskaus Hilfe hätten die Nazis den Krieg nicht so beginnen können, wie sie es taten.

Eigene Einschätzung

Das ist kein Randthema, das Flemig aufgreift — es ist die Kernkorrektur zur wichtigsten Staatsideologie des modernen Russland. Der 9. Mai ist nicht Erinnerung, er ist Immunisierung: Wer Russlands Kriegsführung kritisiert, greift die Helden von Stalingrad an. Diese Gleichsetzung macht es so schwer, über den Hitler-Stalin-Pakt öffentlich zu sprechen — in Russland steht es seit 2021 unter Strafe.


Rapallo 1922: Ausgestoßene finden zueinander

▶ ~3:00 — Flemig geht zurück auf die Zwischenkriegszeit. Nach dem Ersten Weltkrieg haben zwei Verlierer ein gemeinsames Problem: Deutschland, gedemütigt durch den Versailler Vertrag, teilweise besetzt, seiner Rüstung beraubt. Und Sowjetrussland — kommunistische Diktatur, als Paria gemieden, noch im Bürgerkrieg geschwächt.

Das Rapallo-Abkommen 1922 ist der erste Schritt: Gegenseitiger Verzicht auf Gebiets- und Finanzansprüche, Wiederherstellung voller diplomatischer Beziehungen. Deutschland wird zum wichtigsten Handelspartner der UdSSR. Was dann folgt, ist militärische Kooperation, die der Versailler Vertrag Deutschland verboten hatte:

  • Lipetsk (ab 1925): Fliegerschule für künftige Luftwaffenpiloten
  • Kasan (ab 1925): Panzerschule, Erprobung von Panzertechnologie
  • Tomka: Gemeinsame Experimente mit chemischen Waffen

Im Gegenzug: Die Rote Armee bekommt Zugang zu deutschem Generalstabs-Know-how. Wirtschaftlich: Deutschland liefert Maschinen, die Sowjetunion Öl, Erze, Getreide — bezahlt teils durch Zwangsexporte während der Hungersnot, die den Holodomor mit ermöglichten.

Eigene Einschätzung

Flemig zeigt hier ein Strukturprinzip, das sich durch die Geschichte zieht: Revisionistische Mächte — Staaten, die die bestehende Ordnung nicht akzeptieren — tendieren zur Kooperation. Das gilt für 1922, und es gilt für 2026. Die Achse Russland-Iran-China-Nordkorea folgt exakt dieser Logik. Ideologie ist dabei sekundär. Gemeinsame Interessen kommen zuerst.


1933–1939: Die Pause, die keine war

▶ ~8:00 — Mit Hitlers Machtergreifung 1933 bricht die Kooperation zunächst ab. Hitler hat in Mein Kampf den Bolschewismus als „jüdisch” bezeichnet, Lebensraum im Osten gefordert, und die Sowjetunion beendet die militärische Zusammenarbeit abrupt. Außenminister Litwinow — jüdischer Herkunft — sucht Sicherheit im kollektiven Westen: Beitritt zum Völkerbund 1934, Bündnisse mit Frankreich und der Tschechoslowakei.

Der Westen zögert. Britische konservative Kreise misstrauen Stalin so stark, dass sie auch gegen Hitler keine Zusammenarbeit mit ihm wollen. Dann kommt München 1938: Frankreich und Großbritannien liefern die Tschechoslowakei an Hitler aus. Stalin zieht die Konsequenz — auf den Westen ist kein Verlass.

Im Mai 1939 ersetzt Stalin Litwinow durch Molotow — und weist das Außenministerium an, von Juden zu „reinigen”, um Hitler entgegenzukommen. Das ist das Startsignal. Die Era der antideutschen Rhetorik ist vorbei.


Der Pakt: August 1939

▶ ~17:00 — Am 23. August 1939, neun Tage vor Kriegsbeginn, landet Ribbentrop in Moskau. Sowjetische Militärkapelle spielt deutsche Nationalmusik. Hakenkreuzfahnen — aus einem Filmstudio, weil niemand echte zur Hand hatte — hängen neben Hammer und Sichel. Stalin empfängt Ribbentrop persönlich; eine Ehre, die er kaum jemandem gewährt.

Der Molotow-Ribbentrop-Pakt ist offiziell ein Nichtangriffspakt auf zehn Jahre. Der eigentliche Kern ist das geheime Zusatzprotokoll: Osteuropa wird aufgeteilt. Zur sowjetischen Sphäre: Finnland, Estland, Lettland, Ostpolen, Bessarabien. Zur deutschen Sphäre: Westpolen, zunächst auch Litauen. Polen als Staat soll de facto aufhören zu existieren.

Stalin trinkt auf Adolf Hitler. Ribbentrop stellt fest: Stalin sei „ein Mann, mit dem man Geschäfte machen kann.”

Eigene Einschätzung

Was hier geschieht, ist das präzise Gegenteil der Putin-Propaganda: Die Sowjetunion als moralische Kraft gegen den Faschismus. Stattdessen: Stalin liefert Hitler den strategischen Rücken frei, teilt Europa auf wie ein imperialer Großmachtpakt — und lässt kleine Völker zahlen. Diese imperiale Logik, Großmächte einigen sich, kleine Völker kuschen, ist exakt jene, die Putin heute propagiert.


Gemeinsam gegen Europa: September 1939 und danach

▶ ~24:00 — Am 1. September überfällt Deutschland Polen. Die Sowjetunion unterstützt aktiv: Radiosender Minsk stellt Navigationssignale für die deutsche Luftwaffe zur Verfügung. Am 17. September fällt die Rote Armee in Ostpolen ein — und Molotow rechtfertigt das zynisch mit dem „Zusammenbruch des polnischen Staates”, der die Intervention erfordere.

Am 22. September 1939 kommt es zu dem vielleicht symbolisch absurdesten Moment der Geschichte: einer gemeinsamen Siegesparade in Brest-Litowsk. Wehrmacht-General Guderian und Roter-Armee-General Kriwoschin stehen gemeinsam auf einem Podest. Siegesbögen geschmückt mit Hakenkreuzen und Roten Sternen. Die Hakenkreuzfahne wird eingeholt, die Sowjetflagge gehisst. Beide Nationalhymnen. Der sowjetische General lädt die deutschen Offiziere ein, nach Moskau zu kommen — sobald man gemeinsam über das kapitalistische England gesiegt habe.

Die wirtschaftliche Zusammenarbeit wird massiv ausgebaut. Der Handelspakt von Februar 1940 ist viermal größer als der von 1939:

Sowjetische LieferungMenge
Getreide1 Million Tonnen
Öl900.000 Tonnen
Phosphat500.000 Tonnen
Baumwolle100.000 Tonnen

Ohne diese Rohstoffe wäre die deutsche Kriegswirtschaft unter der britischen Seeblockade binnen neun bis zwölf Monaten kollabiert. Stalin ermöglichte Hitlers Westfeldzug gegen Frankreich und Großbritannien. Im Gegenzug: Deutschland liefert Waffentechnologie — darunter Pläne der Bismarck und Flugzeugprototypen.

Und dann: Basis Nord — ein geheimer Marinestützpunkt, den die Sowjetunion Deutschland in der Nähe von Murmansk überließ. Von dort operierten deutsche U-Boote gegen die Westalliierten. Stalin finanzierte buchstäblich den Seekrieg der Nazis.


Gestapo trifft NKWD — und Katin

▶ ~30:00 — Die Kooperation geht tiefer: 1939 und 1940 halten Gestapo und NKWD mehrere Konferenzen ab, um den polnischen Widerstand zu koordinieren. Informationsaustausch über Saboteure, gemeinsame Planung der Vernichtung der polnischen Elite.

Stalin liefert 600 deutsche Kommunisten und Juden, die in die UdSSR geflohen waren, direkt an die Gestapo aus — aus sowjetischen Gulags in deutsche Konzentrationslager.

Im Frühjahr 1940: Das Massaker von Katin. Auf Befehl des Politbüros erschießt das NKWD rund 22.000 polnische Offiziere, Intellektuelle und Verwaltungsbeamte. Ziel: Die Führungsstruktur der polnischen Nation dauerhaft zu liquidieren. Ein gemeinsames Projekt zweier totalitärer Systeme gegen ein Volk.

Eigene Einschätzung

Das ist der Moment, an dem die ideologische Konkurrenz vollständig von der Interessenkonvergenz überlagert wird. Die Gestapo, die kommunistische Flüchtlinge verfolgte — und das NKWD, das Kommunisten verhörte — sitzen an einem Tisch und planen gemeinsam Vernichtung. Flemig sagt es nicht explizit, aber es liegt nahe: Totalitäre Systeme importieren nicht die Ideologie des Partners. Sie importieren die Methode.


Stalin liefert bis zur letzten Stunde

▶ ~35:00 — Während Stalin alle Warnungen vor einem deutschen Angriff ignoriert, liefert er Rohstoffe buchstäblich bis zur Stunde des Überfalls am 22. Juni 1941. Am 1. Mai 1941 — sieben Wochen vorher — besucht eine deutsche Militärdelegation die Parade auf dem Roten Platz als Ehrengäste.

Dann: Operation Barbarossa. Die größte Militärinvasion der Geschichte, 3,8 Millionen Mann. Rund 27 Millionen sowjetische Tote — Soldaten und Zivilisten. Und dahinter: Planugen für einen Genozid, der noch über den Holocaust mit seinen 6 Millionen hinausgehen sollte, wenn die Nazis gewonnen hätten.


Das Schweigen danach — und seine Funktion heute

▶ ~38:00 — Was nach dem Krieg folgt, ist die Voraussetzung für Putins Propaganda: keine Aufarbeitung. Das geheime Zusatzprotokoll des Hitler-Stalin-Pakts wurde von der Sowjetunion bis 1989 geleugnet. Erst unter Gorbatschow wurde es verurteilt. Heute verteidigt Putin den Pakt als „notwendiges Übel” oder sogar als „genialen diplomatischen Schachzug.”

Seit Februar 2021: Gesetze, die die Gleichsetzung von Nazi-Deutschland und Sowjetunion unter Strafe stellen. Kritik an der positiven Darstellung der UdSSR gilt als Angriff auf den Staat. Geschichte, die nicht zur Erzählung passt — Katin, die gemeinsame Parade in Brest-Litowsk, Basis Nord, die Gestapo-NKWD-Konferenzen — wird gesetzlich unsichtbar gemacht.

Flemigs Schlussthese ist prägnant: Ideologie ist Schulbuchware. In der Realpolitik arbeiten Diktaturen zusammen, wenn die Interessen es gebieten. Das sah man 1922, 1939 — und es sieht man heute in der Achse Russland-Iran-China-Nordkorea. Unterschiedliche Ideologien, gemeinsames Ziel: die liberale Weltordnung zu destabilisieren.

Eigene Einschätzung

Flemigs stärkstes Argument ist nicht historisch, sondern strukturell: Wer Geschichte tilgt, muss sie nicht aufarbeiten. Russland hat nie eine Parallele zu Deutschlands Geschichtsaufarbeitung durchgemacht — weil das Narrativ des makellosen Befreiers politisch zu wertvoll war und ist. Das Ergebnis: Das heutige Russland kann einen Angriffskrieg mit dem Vokabular von 1945 rechtfertigen, ohne dass viele Russen die Dissonanz bemerken.


Faktencheck

Bestätigt — Rapallo-Vertrag 1922

Der Vertrag von Rapallo existiert und enthält das, was Flemig beschreibt: gegenseitiger Verzicht auf Ansprüche, Wiederherstellung diplomatischer Beziehungen. Er ist gut dokumentiert. Quelle: Bundesarchiv und Standardliteratur zur Weimarer Außenpolitik.

Bestätigt — Militärische Zusammenarbeit: Lipetsk, Kasan, Tomka

Diese drei Einrichtungen — Fliegerschule Lipetsk, Panzerschule Kasan, Chemiewaffenanlage Tomka — sind historisch belegt und in der Forschung gut dokumentiert. Die Kooperation lief ab ca. 1925 und wurde nach Hitlers Machtergreifung 1933 abgebrochen. Quelle: Manfred Zeidler: Reichswehr und Rote Armee, 1920–1933 (1993).

Bestätigt — Molotow-Ribbentrop-Pakt und geheimes Zusatzprotokoll

Datum 23. August 1939 korrekt. Das geheime Zusatzprotokoll existiert; die Sowjetunion leugnete es bis 1989, als es unter Gorbatschow offiziell anerkannt wurde. Quelle: Yale Law School, Avalon Project.

Bestätigt — Gemeinsame Parade Brest-Litowsk, 22. September 1939

Die Parade in Brest-Litowsk ist historisch belegt, inklusive der gemeinsamen Tribüne von Guderian und Kriwoschin. Sie ist fotografisch dokumentiert. (Faktencheck: bestätigt)

Bestätigt — Basis Nord: sowjetische U-Boot-Basis für die Kriegsmarine

Die Basis Basis Nord (auch: Basis West) in der Nähe von Teriberka/Murmansk ist historisch belegt. Sie wurde Ende 1940 aufgegeben, ermöglichte aber deutschen Schiffen im Atlantikfeldzug logistische Unterstützung. Quelle: Robert Forczyk: Case White: The Invasion of Poland 1939.

Bestätigt — Gestapo-NKWD-Konferenzen 1939/40

Historisch belegt: Mehrere Konferenzen zwischen Gestapo und NKWD zur Koordination der Unterdrückung des polnischen Widerstandes. Quellengrundlage: polnische und deutsche Archivmaterialien.

Bestätigt — Massaker von Katin

Rund 22.000 polnische Offiziere und Intellektuelle wurden im Frühjahr 1940 auf Befehl des sowjetischen Politbüros erschossen. Die UdSSR leugnete die Verantwortung bis 1990. Quelle: Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte, 2013.

Vereinfacht — Wirtschaftliche Verluste ohne UdSSR-Unterstützung: „9–12 Monate"

Flemig sagt, ohne sowjetische Rohstoffe wäre die deutsche Kriegswirtschaft innerhalb von 9–12 Monaten kollabiert. Diese konkrete Zeitangabe ist eine historische Schätzung — plausibel, aber nicht präzise belegbar. Die grundsätzliche Abhängigkeit der deutschen Kriegswirtschaft von sowjetischen Rohstoffen ist gut dokumentiert.

Bestätigt — Stalin lieferte Rohstoffe bis zum 22. Juni 1941

Historisch belegt: Ein letzter sowjetischer Rohstoffzug überquerte die Grenze noch in den frühen Morgenstunden des 22. Juni 1941 — Stunden vor Beginn der deutschen Invasion. Quelle: Adam Tooze: Ökonomie der Zerstörung (2006).

Bestätigt — Russische Gesetze 2021: Gleichsetzung von UdSSR und NS verboten

Seit 2021 steht es in Russland unter Strafe, die Sowjetunion mit Nazi-Deutschland hinsichtlich der Kriegsverantwortung gleichzusetzen. Das Gesetz existiert und wurde mehrfach angewendet. Quelle: Moscow Times.


Verbindungen

Konstantin Flemig — Russlands Katastrophen-Monat

Beide demontieren den russischen Selbst-Mythos — hier den historischen Gründungsmythos vom alleinigen Bezwinger des Faschismus, dort den militärischen der Unbesiegbarkeit. Der Drohnenkrieg dekonstruiert ihn schneller als jede Geschichtsdebatte.

Erich Fromm — Psychoanalyse des Faschismus

Fromm analysiert, wie faschistische Charakterstrukturen entstehen und warum Menschen sich autoritären Bewegungen unterwerfen. Flemigs Video ergänzt das um eine geopolitische Dimension: Faschismus und Bolschewismus, ideologisch unvereinbar, kooperieren ohne Skrupel, sobald die Machtinteressen konvergieren. Fromm erklärt den Einzelnen — Flemig zeigt das Staatsprinzip.

Hannah Arendt — Die Banalität des Bösen

Arendt beschreibt Bürokratien des Bösen — den industriellen Charakter der Vernichtung, in dem niemand persönlich verantwortlich ist. Die Gestapo-NKWD-Konferenzen sind ein Paradefall: Zwei Geheimpolizeien, die Vernichtungspläne wie Verwaltungsakte behandeln. Katin ist das Produkt: 22.000 Erschießungen, systematisch geplant, akribisch vollzogen — und 50 Jahre geleugnet.

Konstantin Flemig — Ukraine Gebietsgewinne 2026

Direkter Kontext: In jenem Video erklärt Flemig den gegenwärtigen Krieg in der Ukraine. Dieses Video liefert das historische Fundament: Warum Russlands imperiale Logik keine Ausnahme ist, sondern Tradition. Das Muster — Großmächte teilen auf, kleine Völker zahlen — war schon 1939 Moskaus Position. Polen damals, Ukraine heute.

Konstantin Flemig — Deutschland als Ruestungs-Grossmacht

Warum Deutschland wieder aufrüstet, ist nicht zu verstehen ohne den strukturellen Rahmen: Diktaturen kooperieren gegen Demokratien. Flemig zeigt in Deutschland als Rüstungs-Großmacht, was die Zeitenwende wirtschaftlich bedeutet — dieses Video liefert die historische Begründung, warum Abschreckung keine Paranoia ist.

Torsten Heinrich — Ukraine bewusst geopfert

Heinrich thematisiert westliche Appeasement-Logik gegenüber Russland. Flemig liefert das historische Spiegelbild: Das Münchner Abkommen 1938 — Frankreich und Großbritannien liefern die Tschechoslowakei aus — war der Moment, der Stalin zur Überzeugung brachte, auf den Westen nicht vertrauen zu können. Der Pakt war eine direkte Folge westlicher Schwäche.

Götz Aly — Wie konnte das geschehen

Aly fragt nach den Wurzeln des Nationalsozialismus in der deutschen Gesellschaft. Flemig ergänzt: Der Nationalsozialismus konnte nicht nur wegen innerer Mobilisierung so expandieren — er hatte einen Großmachtpartner, der ihm Rohstoffe, Truppenbasen und geheimdienstliche Kooperation lieferte. Aly erklärt das Innen; Flemig das Außen.

Rainer Mausfeld — Warum schweigen die Lämmer

Mausfeld analysiert, wie politische Narrative Wahrnehmung strukturieren und unbequeme Realitäten unsichtbar machen. Putins Geschichtspolitik ist ein Lehrbuchfall: Geschichte wird nicht einfach gefälscht, sie wird rechtlich immunisiert — wer den Hitler-Stalin-Pakt thematisiert, riskiert Strafverfolgung. Propaganda braucht kein Schweigen. Sie braucht Strafrecht.

Francesca Bria — The Authoritarian Stack

Bria beschreibt moderne Autoritarismen als technologisch vernetzte Systeme. Flemig zeigt die historische Vorläuferstruktur: Auch 1939 war die Achse keine Ideologie, sondern ein System — Rohstoffe, Militärtechnologie, Geheimdienstkooperation, gemeinsame Propaganda. Die Form der Kooperation zwischen Diktaturen hat sich modernisiert; das Prinzip ist dasselbe.

Andreas Kemper — Faschismen im 21. Jahrhundert

Kemper analysiert, wie faschistische Bewegungen im 21. Jahrhundert aussehen. Flemigs historische Analyse zeigt, dass Faschismus kein ideologisches Monolith braucht — er kann mit entgegengesetzten Ideologien kooperieren, wenn die Machtinteressen stimmen. Das gilt für 1939 und für die heutige Achse der Diktatoren.