GedankenraumAnke Myrrhe — DenkerVita
Anke Myrrhe, Vize-Chefin des Tagesspiegels, schreibt Berlin jeden Morgen im „Checkpoint“ auf und fragt bei jedem Versprechen, was die Stadt mit der Enttäuschung macht.
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Edward Hopper — flache Ölflächen, schräges Morgenlicht, lange harte Schatten, die stille Konzentration eines Menschen am Fenster. Hopper hat die Stadt im Moment vor dem Erwachen gemalt; Myrrhe schreibt ihr in genau diesem Moment, im Checkpoint, den Morgenbrief. Rechts hinter der halboffenen Tür die leere Bühne mit dem Mikrofon: die Checkpoint-Revue, das zweite Zuhause ihres Journalismus.
Prompt: Wide horizontal banner 1200x500 in the manner of Edward Hopper: flat planes of oil paint, raking early-morning sunlight, long hard shadows, quiet American realism, no realistic face, no photorealism. A woman with dark hair pinned up, in a blue blazer, seen from the side, sits at a plain desk by a tall window in an upper-floor newsroom at dawn, writing on a laptop, a cup of coffee steaming beside her and a small stack of folded newspapers. Through the window: the rooftops of Berlin waking up, the television tower catching the first pink-orange light, a yellow tram crossing a bridge far below, a few lit windows in the facades opposite. On the right, behind a half-open door, a dark empty theatre stage with a single microphone stand in a spotlight. Calm, solitary, attentive, the city about to begin. No text, no letters, no signature.
Anke Myrrhe ist seit April 2021 stellvertretende Chefredakteurin des Tagesspiegels und schreibt den Berlin-Newsletter Checkpoint. Sie kam als studentische Sportreporterin ins Haus und hat fast ihr ganzes Berufsleben dort verbracht. Im Herbst 2026, nach der Berlin-Wahl, ist sie eine der meistgefragten Stimmen zur Frage, ob die Linke die Hauptstadt regieren kann.
Biografie
Zum Tagesspiegel kam Anke Myrrhe über ihre Begeisterung für den Sport. Noch während ihres Studiums der Publizistik und der Französischen Philologie an der Freien Universität Berlin schrieb sie als freie Mitarbeiterin für die Sportredaktion des Tagesspiegels. Dazwischen lagen längere Auslandsaufenthalte in Texas, in Peru und in Paris, wo sie unter anderem bei Le Monde arbeitete. Von 2010 bis 2012 volontierte sie beim Tagesspiegel und wechselte danach in die Berlin-Redaktion. Dort war sie unter anderem für das Stadtleben zuständig, wurde 2018 stellvertretende Ressortleiterin und übernahm zum 1. August 2018 gemeinsam mit Stephan Wiehler die Leitung des Ressorts Berlin/Brandenburg. Die Personalmeldung nannte sie damals 37 Jahre alt, sie ist also Jahrgang 1980 oder 1981.
Seit 2017 schreibt sie den Checkpoint mit, den morgendlichen Berlin-Newsletter, den sie im Wechsel mit Herausgeber Lorenz Maroldt verfasst. Im März 2021 kündigte der Tagesspiegel an, sie gemeinsam mit Stephan Haselberger in die Chefredaktion zu holen, seit April 2021 ist sie stellvertretende Chefredakteurin. Sie moderiert die Checkpoint-Revue, die sie als Bühnenformat für Lokaljournalismus mitentwickelt hat, und die Tagesspiegel-Hauptstadtgespräche im Deutschen Theater. Dienstags kommentiert sie die politische Lage auf Radioeins, dazu kommen der Kommentatoren-Talk im rbb-Tipi am Kanzleramt, die ZDF-Morgenmagazin-Presseschau und Podcasts. In ihrer eigenen Checkpoint-Kurzbiografie stehen außerdem: Berliner Reporter-Slam-Meisterin, Soundcheck-Kritikerin bei Radioeins, Tennisfan und Saxofonistin in der Checkpoint-Band.
Quellen: WDR Presseclub, 04.10.2026 · Tagesspiegel — Personalie Ressortleitung Berlin-Brandenburg (2018) · Der Spiegel — Tagesspiegel erweitert Chefredaktion (2021) · Autorenseite Tagesspiegel · Autorenseite Checkpoint
Karriereverlauf
- Studium: Publizistik und Französische Philologie, Freie Universität Berlin; nebenher freie Mitarbeit in der Sportredaktion des Tagesspiegels
- Ausland: längere Aufenthalte in Texas (USA), Peru und Paris, dort u. a. bei Le Monde
- 2010–2012: Volontariat beim Tagesspiegel, danach Berlin-Redaktion (u. a. Stadtleben)
- 2018: stellvertretende Ressortleiterin, ab 1. August 2018 Co-Leiterin des Ressorts Berlin/Brandenburg
- Seit 2017: Autorin des Newsletters Checkpoint
- Seit April 2021: stellvertretende Chefredakteurin des Tagesspiegels
Öffentliche Arbeit, Kanäle & Engagement
Bücher hat Anke Myrrhe nicht veröffentlicht. Ihr Werk ist die tägliche Stadtchronik und die Bühne.
- Checkpoint — der morgendliche Berlin-Newsletter des Tagesspiegels, den sie im Wechsel mit Lorenz Maroldt schreibt; dazu der Checkpoint-Podcast mit den Spitzenkandidaten vor der Berlin-Wahl 2026
- Tagesspiegel-Autorenseite — Leitartikel und Analysen zur Berliner Landespolitik, etwa „Mit der Linken zieht der Antisemitismus ins Rote Rathaus“, „Wer soll Berlin versöhnen?“ und „Es gibt sie noch, die Hoffnung auf eine bessere Zukunft dieser Stadt“
- Checkpoint-Revue — lokaljournalistisches Bühnenformat, das sie mitentwickelt hat und moderiert; laut WDR das erste seiner Art in Deutschland, seit 2025 regelmäßig auf der Bühne
- Tagesspiegel-Hauptstadtgespräche — Gesprächsreihe im Deutschen Theater, vor der Wahl 2026 mit Christian Tretbar im Gespräch mit den Spitzenkandidaten
- Radioeins (rbb) — dienstäglicher Kommentar zur politischen Lage, dazu der Kommentatoren-Talk im Tipi am Kanzleramt
Empfehlenswerte Videos & Vorträge
| Video | Jahr | Format | Thema |
|---|---|---|---|
| presseclub — Wer regiert die Hauptstadt: Kommt die „Brandmauer“ nach links? | 2026 | ARD-Presseclub (phoenix), 58 Min. | Vorsondierungen von Linke, SPD und Grünen, Antisemitismus, Rote Hilfe, Vergesellschaftung (04.10.26) |
| Der brutale Machtkampf um die deutsche Hauptstadt. Mit Anke Myrrhe | 2026 | Podcast Ronzheimer, 42 Min. | Die Linke nach der Wahl, der radikale Flügel, Eralps Stellung in der Partei, Sorgen bei Polizei und Immobilienwirtschaft (29.09.26) |
| Presseschau mit Anke Myrrhe | 2026 | ZDF-Morgenmagazin | Reformpläne der Bundesregierung: „Die Leute stellen die Gerechtigkeitsfrage“ (28.09.26) |
| Anke Myrrhe über Elif Eralp und die Linke | 2026 | Radioeins Kommentatoren-Talk (Ausschnitt) | Wahlabend in Berlin, Eralp und der Neuköllner Bezirksverband (25.09.26) |
| Hochferat! (mit Anke Myrrhe) | 2026 | Podcast Apokalypse & Filterkaffee, 45 Min. | Nachrichtenrunde, u. a. Linken-Fraktion und Neukölln, Söder gegen Berlin (23.09.26) |
Kernthesen
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Das gebrochene Versprechen ist gefährlicher als das radikale. Die Linke hat die Berlin-Wahl 2026 mit dem Versprechen gewonnen, die Stadt „wieder bezahlbar“ zu machen. Myrrhe hält genau das für ihren größten Fehler: Vergesellschaftung werde in einer Legislatur niemandem einen Euro Miete sparen, das Versprechen werde „bei der ersten Finanzprüfung“ zusammenfallen. Im Presseclub sagt sie, sie habe Angst davor, was diese Enttäuschung danach mit der Stadt macht.
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Die Leerstelle haben andere gelassen. Dass die Linke so stark wurde, liest sie als Versagen von SPD und Grünen: Die Rolle einer modernen Großstadtpartei links der Mitte habe niemand ausgefüllt, das Mietenthema sei real und lange liegen geblieben. Der SPD würde nach 37 Jahren Dauerregierung eine Erneuerung in der Opposition guttun, gebraucht werde sie trotzdem.
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Die Wahlsieger sind auch das Problem. Den Antisemitismus in Teilen der Berliner Linken beschreibt sie als Muster, das sich über Jahre in Neukölln zeigt, vom Sommerfest mit einer hamasnahen Organisation bis zum Auftritt des Rappers Dahabflex. Eralp nimmt sie die Abgrenzung persönlich ab, bezweifelt aber, dass sie in ihrer Partei die Macht dazu hat: Das Ergebnis der Linken sei so gut, weil die radikalen Kräfte da sind, nicht trotzdem.
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Gleiche Maßstäbe nach links und rechts. Wer dem Verfassungsschutz bei der Einstufung der Roten Hilfe misstraut, bekommt nach ihrer Lesart ein Problem, wenn er sich für ein AfD-Verbotsverfahren auf dieselbe Behörde beruft. Eralps langjährige Mitgliedschaft hält sie darum für ein Glaubwürdigkeitsproblem und für etwas, das die Öffentlichkeit wissen muss.
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Gegen den Sog der schlechten Nachrichten. So hart sie die Landespolitik kommentiert, so ausdrücklich schreibt sie gegen die Schwermut an: Wer sich zu lange im Karussell der Negativmeldungen drehe, verliere die Fähigkeit, klar zu denken. Kostenlose Kitas, Start-ups, Wissenschaft, wieder freie Termine im Bürgeramt gehören für sie ebenso zum Bild der Stadt wie Dreck und Drogen.
Politische Einordnung
Liberale Mitte, Berliner Lokalpatriotin. Myrrhe schreibt für eine bürgerlich-liberale Hauptstadtzeitung und argumentiert aus der Mitte: scharf gegen Antisemitismus, skeptisch gegenüber Enteignung als Antwort auf die Wohnungsnot, ebenso kritisch mit SPD und Grünen, deren Versäumnisse sie für den Aufstieg der Linken verantwortlich macht. Die Gleichsetzung von Linker und AfD, wie sie Annegret Kramp-Karrenbauer nahegelegt hatte, weist die Runde im Presseclub zurück; Myrrhes eigener Akzent liegt auf der Forderung, beide Ränder mit denselben Maßstäben zu messen. Ihre Prognose für ein Linksbündnis am Ende der Sendung: Wenn es kommt, wird es nicht lange halten.
Verbindungen zu anderen Denkern
- Marina Kormbaki — DenkerVita: Zwei Hauptstadtjournalistinnen mit fast demselben Urteil über Eralp (persönlich glaubwürdig, ihre Leute keine Ausnahmen) und mit spiegelbildlichen Ängsten. Kormbaki fürchtet die Verzagtheit derer, die nichts mehr versprechen, Myrrhe die Enttäuschung nach einem Versprechen, das nicht zu halten ist.
- Jana Hensel — DenkerVita: Hensel datiert die Abkehr des Ostens von der Demokratie auf eine enttäuschte soziale Erwartung (Hartz IV), der historische Fall zu Myrrhes Sorge, was die Enttäuschung über unbezahlbare Mieten „danach mit der Stadt macht“.
- Hasnain Kazim — DenkerVita: Myrrhes Regel „Nimm links, setze rechts“ hat Kazim schon angewendet. Weil er dem Verfassungsschutz als Kronzeugen misstraut, lehnt er auch das AfD-Verbotsverfahren ab, die Konsequenz, die Myrrhe von den Verteidigern der Roten Hilfe einfordert.
- Elif Eralp — DenkerVita: „Ich kaufe Ihnen das persönlich ab.“ Myrrhe trennt Eralps Glaubwürdigkeit von ihrer Macht in der Partei, und an dieser Trennung hängt für sie die ganze Regierungsfrage.
Gedankenwelten-Notes
Im Bestand
fünf gedachte Verweise · drei geteilte Quellen, die noch niemand verlinkt hat